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24 Stunden Jerusalem – eine Doku über die Stadt und die Menschen, die dort leben. Das hört sich gut an, insbesondere, wenn man Jerusalem kennt und liebt. Man steht dafür vielleicht nicht um 6.00 Uhr auf und bleibt dann einen Tag und eine Nacht lang vor der Glotze kleben, aber, he: Jerusalem!

Jetzt die schlechte Nachricht: Das, was von morgen 6.00 bis Sonntag um 6.00 bei Arte und im Bayerischen Fernsehen gezeigt wird, ist zwar ein ambitioniertes und vor allem kostspieliges Projekt (über 2,4 Millionen Euro), der Erkenntniswert jedoch mehr als fragwürdig. Vor allem, seit die Verantwortlichen der „24h Jerusalem“-Doku und die arabischen Filmteams und Protagonisten zwei Mal von Extremisten unter Druck gesetzt wurden, das Projekt zu boykottieren: Die Abbildung der Realität vor Ort käme einer Anerkennung des Status quo gleich, so die Blockadekräfte; und diese wussten auch sehr genau, wie man dafür sorgt, dass die friedliche Koexistenz in Jerusalem nicht gezeigt wird. Die arabischen Teilnehmer knickten ein, die Macher auch, und schließlich filmte man getrennt: hier die Juden (gefilmt von Juden), da die Araber (gefilmt von Arabern) und daneben die Restlichen (gefilmt von Europäern), dergestalt eben die Apartheid abbildend, die von den palästinensischen Fanatikern gewünscht ist, denn mit Juden darf man nach deren Willen nichts gemeinsam machen. Das entspricht zwar nicht der Alltagsrealität vor Ort, aber immerhin der Auffassung der Projektleiter, die Stadt sei „geteilt“.

Geteilt war Jerusalem tatsächlich – zwischen 1948 (Eroberung Ostjerusalems durch die jordanische Legion, Halten des Westteils durch Israel) und 1967 (Eroberung Ostjerusalems durch die israelischen Streitkräfte nach Beschuss der Neustadt – also Kriegseintritt – durch Jordaniens Armee). Allerdings wird das entscheidende Geschehen jener Zeit – Vertreibung sämtlicher Juden, Zerstörung von 29 Synagogen, Schändung des jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg, Weigerung, auch nur einen Westjerusalemer Juden an der „Klagemauer“ beten zu lassen – ausgeblendet, sodass dem uninformierten Zuschauer das Beharren der Israelis auf Kontrolle über ein geeintes, meinetwegen auch zwangsvereintes Jerusalem irgendwie widerrechtlich scheinen mag. Gerade diesem falschen Eindruck könnte man, so man es wollte, in den üppigen 24 Stunden, die zur Verfügung stehen, entgegenwirken, aber die Macher haben anderes im Sinn: die Unmöglichkeit einer alleinigen Herrschaft Israels über die Heilige Stadt herauszustellen und die „Besatzung“ Ostjerusalems zu beklagen, ohne die sich aufdrängende, weit unangenehmere Alternative (samt historischem Vorbild) zu zeigen.

Also sehen wir unter anderem: eine „Siedlerin“, die mit ihrer vielköpfigen Familie östlich der Altstadtmauern wohnt; einen Muezzin, der minutenlang ins Mikrofon jammert; einen Fotografen, der Schwierigkeiten hat, einen Fototermin mit einer chinesischen Schauspielerin wahrzunehmen; eine „Friedensaktivistin“, die sich für die Araber ins Zeug legt, dazu einen „Menschenrechtler“; eine arabische Großfamilie, der übel mitgespielt wurde oder auch nicht; einen Freak aus Russland, der sich von einem ominösen Gönner aushalten lässt und den Part des naiv-gläubigen Christen gibt; und: die Mauer, die Mauer, die Mauer!

Da auf Druck der üblichen Verdächtigen keinerlei Anzeichen für friedliches Mit- statt Nebeneinander gezeigt werden darf – worauf sich die Verantwortlichen, wie noch einmal betont werden muss, eingelassen haben -, sehen wir beide Bevölkerungsgruppen allein für sich herumwurschteln, also keine jüdischen und arabischen Ärzte oder Pfleger, keine Müllmänner gemeinsam bei der Arbeit.

Stattdessen: eine „geteilte Stadt“. Wie ungerecht, dass Israel sie allein beansprucht! Und dass es „keine Stadtverwaltung in Ostjerusalem“ gibt. Die gibt es zwar in Ostberlin auch nicht mehr, aber den Juden kann man eine Teilung ihrer Hauptstadt schon zumuten. Gut, theoretisch könnten sich die Araber Ostjerusalems – es gibt übrigens auch welche in Westjerusalem – an den Kommunalwahlen in großer Zahl beteiligen und ihre eigenen Interessen wahrnehmen, aber das wäre wiederum eine Anerkennung des Status quo, und das geht ja nicht.

Bleibt die Frage: Cui bono? Blöde Frage. Das Projekt nützt niemandem außer den Machern. Regisseur Volker Heise sagt denn auch, es sei ein “Programm von Europäern für Europäer”, mit dem man “niemandem helfen” könne und wolle. Immerhin, das Sendungsbewusstsein geht nicht so weit, den Beteiligten in ihr Leben hineinquatschen zu wollen. Oder zu können, ließe sich etwas boshaft ergänzen.

So bleibt unterm Strich ein Projekt, mit dem sich Europäer ihren verqueren Blick auf die Dinge im Nahen Osten bestätigen. „Das wird hier mal alles jüdisch“ sagt die durchaus sympathische Mutter der „Siedlerfamilie“, als sie auf das Viertel im Osten der Stadt blickt. Aha, denkt der halbgebildete deutsche Nahostkenner, die wollen Jerusalem judaisieren und die Araber vertreiben! Dass die Juden seit Mitte der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt stellen, dass im Jahr 1967 knapp 55.000 Araber in Jerusalem lebten und heute mehr als 280.000, und dass auch ihr relativer Anteil an der Bevölkerung kontinuierlich steigt, wird man in „24h Jerusalem“ nicht erfahren. Auch nichts vom Miteinander von Juden und Arabern in der Stadt, von Schulen oder Volkshochschulkursen, in denen Seite an Seite gelernt wird – nichts.

Nichts auch über die Behauptung palästinensischer Geistlicher und Politiker, die Juden hätten keinerlei historische Verbindung zu Jerusalem, der Tempel habe sich nie über dem Berg Moriah erhoben und daher sei der Anspruch der Juden null und nichtig.

Schade ums Geld – und mehr noch um die Sendezeit. Es ließe sich mühelos – und weitaus kostengünstiger – eine einstündige Doku herstellen, die dem Zuschauer weit mehr über Geschichte und Gegenwart Jerusalems vermitteln könnte als 24 Stunden, in denen man 70 von 800.000 Bewohnern dabei zuschauen kann, wie sie ihren Kindern die Zähne putzen, frühmorgens durch die Grabeskirche schnüren oder Schulkinder zu einem reinlicheren Auftreten ermahnen, weil die „innere Reinheit die Reinheit der Nation“ bedingt, wie es in der arabischen Schule heißt. Kommentiert wird so etwas nicht, man kann sich aber etwas dazu denken. Wenn man will. Der Rest ist Manipulation – durch Auslassen, Andeuten und unwidersprochene Behauptungen. Eben ein Film von Europäern für Europäer. In Jerusalem leben die Menschen derweil ihr Leben, mal neben-, mal miteinander. Apartheid gibt´s im Fernsehen.

 

Ach, Mr. Kerry…

Da hat Israel die letzten 26 Terroristen nicht freigelassen und die Palästinensische Autonomiebehörde damit um eine große Feier gebracht und dann auch noch den Bau von 700 Wohnungen genehmigt, wo ohnehin schon ein Stadtviertel steht, das Jerusalem nie und nimmer an Terrorbanden wie Hamas oder Fatah abtreten wird, da macht es „Puff“, und das war´s dann. Wie einfach dieser vermaledeite Nahostkonflikt doch ist!

Jedenfalls, wenn man partout darauf aus ist, Israel den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Reden wir doch zur Abwechslung mal über Mahmud Abbas. Sie wissen schon, der „Partner für den Frieden“. Was spricht eigentlich für ihn? Er trägt gewöhnlich einen dunklen Anzug statt Kampfmontur wie sein Vorgänger Arafat, das ist schon mal ein Fortschritt. Vielleicht. Und er kann immerhin für sich beanspruchen, die Terror-Intifada einen „großen Fehler“ genannt zu haben, natürlich nicht, weil es moralisch fragwürdig sein könnte, Jugendliche vor einem Club oder Holocaust-Überlebende bei einer Seder-Feier in Massen zu ermorden und zu verstümmeln, sondern weil so etwas „palästinensischen Interessen“ zuwiderläuft. Heißt: Man erreicht mit Terror nicht wirklich etwas, der sorgt weltweit für unschöne Bilder und eher weniger Bereitschaft zum Entgegenkommen bei der israelischen Bevölkerung – das hält einen wie Abbas aber nicht davon ab, die Urheber der Massaker als „Helden“ und „Freiheitskämpfer“ zu würdigen. He, man könnte solche Leute freipressen und sie dann wenigstens verschämt bei Nacht und Nebel nach Hause zurückkehren lassen, statt ihnen einen großen Bahnhof zu bereiten.

Wenn Sie sich ein wenig vorbereitet haben auf Ihre Mission, Mr. Kerry, dürften Sie die Osloer Verträge kennen. Gibt es irgendeinen Punkt, den die palästinensische Seite erfüllt hätte? Hat sie jemals auch nur einen Terroristen an Israel ausgeliefert? Den Gewaltverzicht in Wort und Tat umgesetzt? Überhaupt irgendetwas unternommen, das dem Frieden und der Aussöhnung dienen könnte?

Mitnichten. Die „Verhandlungsposition“ der Palästinenser ist exakt dieselbe wie vor 20 Jahren: ein Palästinenserstaat, der sich an den „Grenzen“ (also Waffenstillstandslinien zwischen Israel und Jordanien) vor dem Sechstagekrieg 1967 orientiert – UN-Resolution 242 zum Trotz; die Forderung, Israel habe Ostjerusalem mit seiner historischen Altstadt und den heiligen Stätten abzutreten (ungeachtet der arabischen Praxis, sämtliche Juden aus Jerusalem hinauszuwerfen, alle Synagogen zu zerstören und ihnen den Zutritt etwa zur Westmauer zu verwehren); und alle palästinensischen Flüchtlinge von 1948 (heimatlos geworden durch einen Krieg, den sie selbst bzw. ihre arabischen Verbündeten zu verantworten hatten) und ihre Nachkommen müssten nach Israel — und nicht in den prospektiven Staat Palästina — einwandern.

Abbas ist nach wie vor nicht bereit, Israel als Staat der Juden anzuerkennen, weil er, wie alle Araber, die Juden nur als Religionsgemeinschaft, nicht aber als Volk mit Anspruch auf staatliche Unabhängigkeit im eigenen Land begreift – ein Recht, das er für sich und die erst seit Ende der 60er-Jahre so genannten Palästinenser selbstverständlich in Anspruch nimmt. Er ist nicht bereit, ein Ende des Konflikts zu verkünden, sollte er eine Einigung mit Israel erzielen. Er hat bisher noch jede Einigung mit Israel abgelehnt, selbst die von Ehud Olmert angestrebte.

Gründe: siehe oben.

Abbas, der, wenn er überhaupt jemals über eine halbwegs demokratische Legitimation verfügte, diese längst verspielt hat – seine Amtszeit lief 2009, also vor fünf Jahren, ab -, lässt sogenannte Kollaborateure hinrichten, hetzt als „Partner für den Frieden“ bei jeder Gelegenheit gegen den jüdischen Staat und nimmt deswegen auch, statt irgendwelche Kompromisse einzugehen, lieber den Umweg über die „Staatengemeinschaft“ (UN), um sich alles, was er haben will (einen Staat, ohne sich mit Israel einigen, um bei günstiger Gelegenheit wieder Krieg führen zu können), von anderen zu holen. Nicht eine einzige vertrauensbildende Maßnahme hat dieser Mann vorzuweisen, stattdessen stellt er jeden Tag, den der Herr werden lässt, eine neue Forderung auf. Damit überhaupt die Schimäre eines „Friedensprozesses“ aufrecht erhalten werden kann, kennen seine Vorbedingungen für die selbstverständlich fruchtlosen Gespräche kein Maß.

Wohlgemerkt, das ist das arabische Verständnis von Verhandlungen – ein Geben und Nehmen: Israel gibt, und die Palästinenser nehmen.

Auf dem Gebiet, auf das er Einfluss hat, lässt er zu, dass die nächste und die übernächste Generation mit Hass auf die Juden vergiftet werden. Nur so können zwei junge Männer eine Familie inklusive Säugling in ihrem eigenen Haus abschlachten und noch stolz darauf sein – weil sich in „Palästina“ niemand für eine solche Monstrosität in Grund und Boden schämt, sondern das Töten von Juden den Täter zu einem role model macht, zum „Märtyrer“, der sich für sein Land aufgeopfert hat.

Tja, so sieht´s aus, Mr. Kerry. Was meinen Sie: Soll Israel zu Menschen Vertrauen haben, die ihre Kinder zum Kanonenfutter erziehen? Würden Sie der Al-Qaida die Hälfte von Washington D.C. überlassen? Nicht? Dann verstehen Sie sicher, warum Israel weder die Hamas noch die Fatah oder den Islamischen Dschihad auf den Zinnen der Jerusalemer Altstadtmauern sehen will. Man wird auch nicht Gebiete an Milizen abtreten, die nur danach gieren, das Terrain zum Abschuss von Raketen auf israelische Städte zu nutzen. Für wie dämlich halten Sie die Israelis, Mr. Kerry? Für Ihre warmen Worte und das Doppelspiel von Herrn Abbas sollen die Menschen in Israel – bedroht von Hisbollah im Norden, von Hamas und Islamischem Dschihad im Süden und den iranischen Mullahs im Osten – ihre Sicherheit aufs Spiel setzen? Sie selbst haben ja schon aus Verzweiflung angeboten, Jonathan Pollard freizulassen, denn von den Palästinensern ist nicht zu erwarten, dass sie sich auch nur einen Millimeter von ihren Maximalpositionen wegbewegen. SIE gehen für DIE Kompromisse ein? Was für ein schäbiges Spiel ist das denn?

Wenn Sie es noch mal zum Mitschreiben haben wollen: Ja, Abu Mazen muss seinen Friedenswillen unter Beweis stellen. Noch einmal: unter Beweis stellen, nicht hier das eine und dort das andere erzählen. Ja, die Hetze muss ein Ende haben, wenn der Frieden jemals eine Chance haben soll. Ja, auch die Palästinenser müssen Kompromisse machen.

Nein, Israel ist nicht mehr bereit, einseitige Zugeständnisse zu machen. Nein, weniger als ein Ende des Konflikts wird nicht akzeptiert. Nein, Jerusalem, die “Heilige Stadt”, wird nicht in die Hände von Leuten fallen, die andere Religionen nicht achten.

Lassen Sie sich nicht länger verarschen, Mr. Kerry. Und: Sollten Sie es besser wissen als Sie nach außen vorgeben – hören Sie auf mit diesem Theater. Es führt zu nichts. Sagen Sie Abu Mazen, dass er sich bewegen muss, um überhaupt noch finanzielle oder politische Unterstützung beanspruchen zu können. Versuchen Sie es wenigstens. Schluss mit den Sonntagsreden, Titten auf den Tisch! Und sollten Sie dann einsehen, dass in Nahost für Sie nix zu holen ist, kümmern Sie sich doch einfach um andere Konflikte. In der Ukraine soll gerade ganz schön was los sein.

 

The Incredible Falk

Auch wenn man 82 Jahre auf dem Buckel hat, kann man immer noch eine Menge machen. Eine Kreuzfahrt in die Karibik. Mit den Enkeln in den Zoo gehen. In der Hollywoodschaukel liegen und ein gutes Buch lesen. Leider kann Richard Falk nicht mal im Spätherbst seines Lebens vom Israel-Bashing lassen.

„Apartheid“ und „ethnische Säuberung“ will er im Umgang mit den Palästinensern erkennen. Selbstredend geht es ihm aber nicht um die Palästinenser, die aktuell im syrischen Bürgerkrieg elendig verrecken.

Denn Mr. Falk ist als Sondergesandter für die Palästinensischen Autonomiegebiete tätig, ein völkischer Beobachter für den UN-Menschenrechtsrat, dem aktuell u.a. Saudi-Arabien, Kuba und die Volksrepublik China angehören, die ja als Bollwerke der Menschenrechte einen untadeligen Ruf genießen. Man muss sich die Sitzungen dieses Gremiums so vorstellen wie ein Treffen der Cosa Nostra, der Camorra und der ´Ndrangheta, auf dem fürchterlich auf den italienischen Staat und seine Sicherheitsorgane geschimpft wird. Insofern weiß Mr. Falk, was er dem Laden schuldig ist, und deshalb ruht sein Auge auf vermeintlichen israelischen Missetaten: natürlich die „übermäßige Anwendung von Gewalt“ als Antwort auf den traditionell unerwähnt bleibenden palästinensischen Terror, „Kollektivstrafen“ und „Bau von Siedlungen“, wo es sich lediglich um Neubauten in bereits bestehenden Stadtvierteln im Osten Jerusalems handelt.

Von „rechtloser Existenz“ kann indes kaum die Rede sein, wenn 97 Prozent der Araber in der Westbank und 100 Prozent der Araber in Gaza autonom leben und sich über fehlende Rechte bei den glorreichen Führern von Fatah und Hamas beschweren müssten, wenn sie sich denn trauen.

Und um von „Verdrängung“ oder „ethnischer Säuberung“ in Jerusalem zu schwadronieren, muss man schon einen halben Liter Klosterfrau Melissengeist auf Ex getrunken haben, denn laut Bevölkerungsstatistik lebten 1967 (dem Jahr, in dem Israel den 1948 von Jordanien judenrein gemachten Ostteil Jerusalems zurückeroberte) 55.000 muslimische Araber in der Stadt (plus 12.600 Christen, überwiegend ebenfalls Araber), 2011 waren es 281.000 Muslime bzw. 14.000 Christen. Also nach Adam Riese eine ethnische Säuberung, bei der die verjagte Bevölkerung sich um 500 Prozent vermehrt hat. Hinzu kommt, dass das natürliche Wachstum der jüdischen Bevölkerung nebst Zuzug nicht verhindert, dass der Anteil der arabischen Bevölkerung in der Stadt kontinuierlich auch relativ wächst, was Idioten, die das Wort von der „Judaisierung“ Jerusalems im Munde führen, jedoch nie von der „Anglisierung Londons“ oder der „Amerikanisierung Washingtons“ reden würden, im Leben nicht rational erklären könnten. Aber wer muss schon den Verstand bemühen, wenn er stramm auf antizionistischem Kurs marschiert?

Anyone who is 10 percent objective would come to similar conclusions about international law and international morality to the conclusions I’ve reached on the main issues that are in contention

meint der alte Zausel, und das stimmt natürlich: 10 Prozent Objektivität plus 90 Prozent antiisraelisches Ressentiment ergibt eine Sicht der Dinge, wie sie ein Richard Falk pflegt, der Israel schon mit Nazi-Deutschland verglich, etwas für 9/11-Verschwörungstheorien übrig hatte, Ayatollah Khomeini partout nicht als fanatisch oder reaktionär bezeichnet sehen wollte, als Hamas-Versteher „Kriegsverbrechen“ Israels in Gaza anprangerte und es sogar schaffte, wegen einer antisemitischen Karikatur auf seinem Blog aus der Ortsgruppe von Human Rights Watch zu fliegen.

Dass ihm als Sondergesandten für die Palästinensischen Autonomiegebiete offenbar nichts aufgefallen ist, was Hamas oder Fatah in einem negativen Licht erscheinen lassen könnte – etwa der Umstand, dass diese Banden vornehmlich damit beschäftigt sind, westliche Hilfsgelder einzusacken bzw. zu verbrennen und ansonsten den lieben langen Tag Krieg spielen respektive die jüngste Generation als Kanonenfutter für den nächsten präparieren -, vermag vor diesem Hintergrund nicht zu überraschen. Richard Falk ist zwar auf Israel fixiert, aber beileibe kein Antisemit, da – Obacht! – er selbst jüdisch ist.

Diesen Monat endet Falks Engagement für den UN-Zirkus. Egal, wen man an seiner Statt mit der Israelschelte betraut: Unappetitlicher kann es nicht mehr werden.

 

In Israel leben etwa 150.000 Christen. Sie genießen, wie Muslime, Drusen und andere Glaubensgemeinschaften auch, Religionsfreiheit, leben unbeschwerter und sicherer als in jedem islamischen Land. Laut Spiegel online jedoch steht ihr Glaube “unter Beschuss” respektive laut zitiertem Geistlichen gar unter “Dauerbeschuss”. Noch hat es niemanden erwischt; dafür, dass man die Israelis gern trigger happy heißt, scheinen sie schlecht zu zielen. Aus irgendeinem Grund, der in den Präferenzen deutscher Nahostberichterstatter zu suchen sein mag, wird jedenfalls nicht die anhaltende Terrorisierung und Verdrängung arabischer Christen durch radikale Islamisten thematisiert; vielmehr suggeriert Annette Langer, es seien Juden, und zwar die von der radikalen Sorte der hilltop youth, die den Christen ans Leder wollten. Zu dumm, dass es bei der Verdächtigung bleiben muss, denn: “Beweise gibt es nicht”.

Da aber dem deutschen Journalisten, geht es um Israel, schon Gerüchte ausreichen, wenn sie sich denn zu einer noch so fadenscheinigen Anklage des jüdischen Staates verwursten lassen, wird aus der dürren Faktenlage dennoch ein entsprechender Artikel zusammengeschustert. Als wüsste sie nicht, dass palästinensische Islamisten seit etlichen Jahren sowohl jüdische als auch christliche heilige Stätten zu schänden pflegen und als merkte sie nicht, dass diese Passage ihren ganzen Text höchst fragwürdig erscheinen lässt, zitiert Annette Langer aus einem offiziellen Bericht wie folgt:

Die in Washington ansässige “Organisation Search for Common Ground” hat Angriffe auf heilige Stätten in Israel von April 2011 bis November 2013 aufgelistet. 17 Mal wurden christliche Einrichtungen geschändet, 23 Mal muslimische – aber auch 41 Mal jüdische.

Was Annette Langer hier zugibt: dass jüdische Einrichtungen demnach so häufig geschändet werden wie christliche und muslimische zusammen (wobei noch nicht einmal sicher ist, wer in welchem Fall der Täter war). Aber nehmen wir zugunsten der Autorin einmal an, nur eine dieser Konstellationen sei wichtig genug für Spiegel online, und ausschließlich jüdische Täter seien verantwortlich für Übergriffe auf christliche Einrichtungen, und in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren habe es 17 Fälle von Schändungen durch Juden gegeben, dann kommen wir auf sieben Fälle pro Jahr. Zum Vergleich: Laut Chronik der Amadeo-Antonio-Stiftung wurden allein im Jahr 2013 erheblich mehr antisemitische Vorfälle in Deutschland registriert, ohne dass jemand beim Spiegel auf die Idee käme zu behaupten, der jüdische Glaube lebe in Deutschland unter (Dauer-)Beschuss.

Wahrscheinlich ist man beim Spiegel auch nicht wirklich überzeugt davon, dass Christen im Heiligen Land etwas auszustehen hätten. Aber der Artikel passt in die Gesamtstrategie des Blattes: Wenn man nur immer wieder neue Mini-Fässchen mit echten oder vermeintlichen Missständen und Problemen aufmacht (neue Straßenschilder, die Sesshaftmachung von Beduinen, die hohen Mieten in Tel Aviv, ein geplanter archäologischer Park in der Davidstadt, der Umgang mit illegalen Einwanderern, Extra-Öffnungszeiten für orthodoxe Museumsbesucher, die Streckenführung der Stadtbahn in Jerusalem oder auch nur ein Sack Reis, der im Shouk umgekippt ist), dann bleibt am Ende bei Otto Normalverleumder hängen, dass der jüdische Staat ein Hort der Intoleranz und der Ungerechtigkeit sein muss, gleichgültig was 300.000 Deutsche, die jedes Jahr das Land besuchen, erleben mögen. Und wenn man ausgerechnet dem einzigen Staat im Nahen Osten, der allen Bürgern die freie Ausübung der Religion garantiert, unterstellt, er verfolge Christen (oder ließe es zu), dann ist auch das nur ein weiteres kleines schmutziges Puzzleteilchen im großangelegten Projekt, Israel permanent an den Pranger zu stellen und letztlich zu delegitimieren. Schweinejournalismus ist ein durchaus passendes Wort dafür.

 

Dan Schueftan am 17. Februar 2014 in Berlin:

“Putin kann drei Obamas zum Frühstück essen und hat dann noch Platz für Pancakes.”

“Es ist eine Sache der Natur: Es ist kalt im Winter, warm im Sommer und Israel bekommt keine Anerkennung.”

“Das Problem der Amerikaner ist ihr terminaler Fall von Hoffnung: Wir müssen einen Bösen nur gut behandeln, dann hört er auf, böse zu sein.”

“Ich bin so arrogant, mich stört nicht, was andere sagen. Für mich zählt ,mind over matter´: if you don’t mind, it doesn’t matter.”

“Die Norweger wollten anti-amerikanisch sein, also haben sie Obama den Nobelpreis gegeben.”

“Obama ist ein guter Bursche, kein schlechter wie Jimmy Carter, er ist nur leider clueless, er weiß gar nichts von gar nichts.”

“Obama ist sehr konsequent, in dem Sinne perfekt: Wenn er etwas tun soll, tut er nichts. Wenn er nichts tun soll, tut er etwas. Aber ansonsten ist er ein netter Kerl.”

“Amerikas Feinde sind glücklich, Amerikas Freunde haben Angst. Mehr muss man über Obamas Außenpolitik nicht wissen.”

“Israel ist das kreativste Land der Welt, weil bei uns nichts funktioniert.”

“Gegen die Barbaren auf der Mavi Marmara haben wir zu wenig Gewalt eingesetzt. Die Soldaten benutzten nur Paint-Guns. Warum? Wollten sie den Terroristen sagen, dass sie gelb sind?”

“In Israel trifft man jemanden, man beleidigt ihn, dann wird geheiratet. Die Sache funktioniert!”

“Wenn man über Frieden im Nahen Osten spricht, muss man schon einen sehr speziellen Humor haben. Oder John Kerry sein.”

“Wer glaubt, dass es zwischen Israel und den Palästinensern Frieden geben wird, der lebt nicht auf einem anderen Stern, sondern in einer anderen Galaxie.”

 

Dank an eine liebe Freundin dieses Blogs!

 

Liebe Schutzbefohlene,

bevor ich als Erziehungsberechtigter an dieser Stelle einige Ratschläge erteile, wie Sie mit Ihrer möglicherweise nicht ganz unkomplizierten Nachbarschaft umzugehen haben, eines vorweg: Ich muss das tun. Erstens, weil ich die Europäische Union vertrete, die eine klare Haltung zu Ihrem Land hat; eine Institution, die den Holocaust nachweislich für eine schlimme Sache hält, ohne jetzt im Einzelnen erwähnen zu müssen, wer genau davon betroffen war. Zweitens, weil ich demnächst EU-Kommissionspräsident werden möchte und mir dabei ein bisschen Israel-Bashing sicher nicht schaden wird. Vor allem aber, weil ich – gerade als Deutscher – am besten wissen muss, was gut für den jüdischen Staat ist.

Ich spreche zu Ihnen in der Sprache Goethes und Schillers und Heines. Die Hardliner unter Ihnen werden jetzt sagen: auch in der Sprache Eichmanns und Kaltenbrunners, aber über diesen Verdacht bin ich erhaben. Ich bin u.a. Vizepräsident der Sozialistischen Internationale und würde heute, wie mich die FAZ im April vergangenen Jahres zitierte, in vergleichbarer Lage gegen die Nazis zur Waffe greifen. Jawohl, ich mag zwar aussehen wie ein Sparkassenfilialleiter aus Bad Oeynhausen oder wie der Ex-Bürgermeister von Würselen, aber innerlich bin ich ein ganz harter Hund. Und gerade als Deutscher fühle ich mich berufen, Ihnen hier mal so richtig die Leviten zu lesen, und zwar – ich betone das – als Freund. Nur für den Fall, dass Sie aus meinen Worten etwas anderes heraushören sollten.

Wissen Sie, gestern war ich bei Palästinenserpräsident Abbas. Einem Mann, dem mitunter aus Ihren Reihen vorgeworfen wird, er habe keine demokratische Legitimation, nur weil er seit fünf Jahren, äh, über seine Amtszeit hinaus regiert. Aber wer wäre ich, würfe ich ihm ausgerechnet den Umstand vor, nicht von den Menschen da draußen gewählt worden zu sein?

Nein, auf irgendwelche Dinge, die da drüben nicht in Ordnung sein könnten, bin ich jetzt nicht extra eingegangen, das war in der Kürze der Zeit auch gar nicht möglich. Aber lassen Sie mich sagen: Herr Abbas muss ja auch gar nicht Ihr Freund sein, Frieden schließt man ja mit seinen Feinden. Also möglicherweise auch mit solchen, die sich weiterhin vornehmen, Sie zu bekämpfen. Das mag ein Risiko sein, aber bedenken Sie das Schicksal des Warschauer Ghettos: Gerade weil die militanten Zionisten dort zur Gewalt griffen, wurde das Ghetto am Ende total zerstört. Wollen Sie es so weit kommen lassen? Oder sind Sie bereit, für den Frieden auch ein Risiko einzugehen?

Vielleicht sind hier und da beunruhigende Töne von Hisbollah-, Fatah- oder Hamas-Aktivisten zu vernehmen, aber das muss nichts bedeuten. Lassen Sie mich das ruhig so deutlich sagen: Als Bürgermeister von Würselen habe ich auch keine übertriebenen Ängste vor unseren niederländischen Nachbarn geschürt!

Müssen Sie wirklich derart militant ausgerechnet in dieser Weltregion auftreten, wo schon ein kleiner Funke genügt, um einen Flächenbrand auszulösen? Es mag ja sein, dass manche Gruppierungen es nicht gut mit Ihrem Staat meinen, aber in Europa macht Ihre fortdauernde Demonstration der Stärke, das muss ich leider sagen, einen ganz schlechten Eindruck. Wir haben ein Herz für die Schwachen! Dieses Zurückfeuern bringt nur Ärger und macht Ihre Gegner erst recht aggressiv. Hingegen: Wenn Sie sich – wie damals, 1991 – dazu entschließen könnten, sich mal einige Wochen ohne reflexhafte Reaktion mit Raketen beschießen zu lassen, brächte Ihnen das einen ungeheuren Sympathiebonus in Europa ein. Darauf gebe ich Ihnen hier und heute mein Wort! Ja, ich selbst wäre dann der Erste, der eine wohlwollende Geste der Israel-Solidarität anregen und eine geharnischte Protestnote an die Adresse der Störenfriede aufsetzen würde!

Es wäre wirklich wünschenswert, wenn das Prinzip „Ich bin okay, du bist okay“ sich auch hier langsam mal durchsetzen würde, denn kein Mensch ist durch und durch schlecht. Selbst der Führer hat den Juden damals eine Stadt geschenkt, aber Ihr Zionisten musstet ja unbedingt in Jerusalem und Hebron wohnen. Ganz ehrlich: Ich traue auch Scheich Nasrallah, Ayatollah Khamenei oder Khalad Meschaal zu, ihre harte Haltung zu lockern, würden Sie denn nur endlich mal mit gutem Beispiel vorangehen. Insofern tut mir das sehr weh, wenn ich von einem palästinensischen Jugendlichen erfahren muss, dass Sie offenbar weiterhin in der Westbank Brunnen vergiften. Ich habe das jetzt nicht im Detail nachgeprüft, aber trotzdem: Das ist furchtbar – so wie das Apartheid-Regime, das mein Parteifreund Sigmar Gabriel in Hebron erlebt hat.

Ich freue mich, dass die arabischen Abgeordneten an dieser Stelle so ausdauernd Beifall geklatscht haben. Danke sehr.

Dank an Sie alle, dass Sie – von einer ganz kleinen Clique ultrarechtsnationalreligiösextremistischer Hardliner abgesehen – bereit sind, mir zuzuhören. Ich mag zwar mit dem Bau des Spaßbades den Stadtsäckel von Würselen überstrapaziert haben, aber Lokalpolitik war mir eh immer drei Nummern zu klein; wirklich berufen bin ich zum Weltpolitiker. Wenn Sie jetzt nicht den auserwählten shlomo sapiens spielen, der bockbeinig seinen eigenen Weg geht, sondern im Gegenteil umsetzen, was ich Ihnen rate, wird es mir eine Ehre sein, zur Endlösung der Judenfrage in Nahost beigetragen zu haben.

 

Nach acht Jahren zwischen Leben und Tod ist Ariel Sharon gestorben. Ein Mann, der mit dem Pflug ebenso umzugehen wusste wie mit dem Schwert, wie Mitch Ginsburg in der Times of Israel schreibt – ein Text, der Arik gerecht wird und nichts mit den in gehässigem Ton vorgetragenen üblen Nachrufen in deutschen Online-Zeitungen gemein hat.

Ja, Ariel Sharon war nicht everybody´s darling. Er konnte es auch nicht sein, trotz des ihm nachgesagten umwerfenden Charmes und seines Sinns für trockenen Humor, schon deshalb nicht, weil sein Leben dem Schutz Israels gewidmet war – und das reichte vielen schon, um ihn zu hassen. Für sein geliebtes Land hielt Arik oft genug den eigenen Kopf hin, und wenn es um die Sicherheit Israels ging, kannte er keine faulen Kompromisse. Er war ein Mann, der sich nicht vor Entscheidungen drückte – gerade dann nicht, wenn sie schmerzhaft, riskant oder folgenreich sein konnten. Er machte Fehler – aber er war auch in der Lage, aus ihnen zu lernen und seine Strategie zu ändern. Wenn er ja sagte, meinte er ja, wenn er nein sagte, meinte er nein; das machte ihn, den angeblich unberechenbaren „Bulldozer“, weit berechenbarer als es verschlagene Wichte wie Yassir Arafat oder sein Nachfolger Abu Mazen je sein konnten, die der Weltpresse dies und den eigenen Leuten jenes erzählten.

Wer larger than life ist, ist meist auch umstritten. Damit konnte Ariel Sharon leben. Er war immer Realist, daher machte er sich auch keine Illusionen.

Die arabische Welt ist noch nicht bereit, das Recht der Juden auf einen israelischen Staat in dieser Region anzuerkennen. Und ich bezweifle, dass sie es jemals sein werden.

Das ganze Wesen des „Nahostkonflikts“ in einem Satz zusammenzufassen, das passt zu ihm; ein Mann der großen Worte, der visionären Reden war er nie. Als Farmer und als Soldat war er Pragmatiker durch und durch, kein Ideologe. Auch in der Siedlungsfrage nicht, wie die Räumung der israelischen Ortschaften im Sinai zu Beginn der 80er-Jahre und im Gaza-Streifen 2005 zeigte. Allerdings waren beide Entscheidungen Resultat nüchternen Kosten-Nutzen-Denkens. Für den Sinai bekam Israel einen bis heute andauernden, Frieden genannten Waffenstillstand; für den Gazastreifen einen Raketenhagel – Arik Sharon hätte gewusst, wie darauf zu reagieren ist, allein, da hatte ihn ein Schlaganfall bereits außer Gefecht gesetzt; mit einem wie ihm an der Spitze der Regierung in Jerusalem hätte die Hamas ihr hässliches Haupt gar nicht erst erhoben, und wenn doch, dann hätte Sharon Mittel und Wege gefunden, sie dauerhaft unschädlich zu machen. So setzte der ganze Schlamassel genau dann ein, als Arik nach zwei Notoperationen ins Koma fiel. Die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um Typen wie Haniya und al-Zahar zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat, dazu hatten Sharons Nachfolger nicht den Schneid. Bei zwei Militäreinsätzen wurde auf halbem Wege kehrt gemacht. Seither gehts nicht vor und nicht zurück.

Ariel Sharon war einer der Letzten der alten Garde, einer, der noch das Vertrauen Ben-Gurions genoss. Einer, der sich nicht aus lauter Angst, anzuecken oder einen Mitstreiter zu verprellen, zu zweifelhaften Entschlüssen drängen ließ, sondern seinen Weg ging. Dabei blieb so mancher auf der Strecke, was gar nicht anders sein konnte, denn Sharon war die Hälfte seines Lebens Soldat. Aber ihm wurde auch Unrecht getan; an dem 1982 von christlichen Phalangisten in den Beiruter Palästinenservierteln verübten Massaker trug er nur eine indirekte Mitschuld, weil er das Rachebedürfnis der verbündeten Milizen nach dem Mord an Bashir Gemayel unterschätzt hatte; und den Ausbruch der „Al-Aqsa-Intifada“ schob (und schiebt) man ihm nur zu gern in die Schuhe, obwohl man es längst besser wissen könnte.

Hingegen traf der Begriff Bulldozer schon auf ihn zu (oder sagen wir: er konnte einer sein). Und es kam vor, dass er „bei Rot nicht hielt“, wie Shalom Hanoch einst sang. Ariel Sharon war eben kein Warmduscher, kein Beipackzettelleser. Sondern einer, wie es ihn nicht eben häufig gibt.

Israel weiß, was es ihm zu verdanken hat; im Sechstagekrieg und vor allem im Yom-Kippur-Krieg ging er beherzt zu Werke und schlug diejenigen, die sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben hatten, vernichtend. Die verheerende Terror-Intifada würgte er ab, Arafat machte er zu einem armen Würstchen, das zuletzt wie ein Rumpelstilzchen in der Muqata herumtobte; und er leitete den Bau des Sicherheitszauns ein – ein entscheidender Schritt zur notwendigen Loslösung von den Palästinensern, mit allen Konsequenzen diesseits und jenseits der faktischen Grenze. “Niederlage” – dieses Wort existierte nicht in Ariel Sharons Wortschatz. Sein bleibendes Vermächtnis findet man nicht umsonst auf dieser Seite unter “The Spirit”.

Arik Sharon war immer ein Kämpfer; selbst als er im Koma lag, gab er nicht auf. Aber jeder Kampf ist irgendwann zu Ende. Der „Warrior“, wie er sich in seiner Autobiographie nannte, ist nun erlöst und kann auf seiner Farm im Negev beigesetzt werden – in der Erde des Landes, das er so liebte, neben der Frau, die er so liebte. Kein Piepen der Geräte mehr, nur noch die Stille der Wüste.

RIP, Arik.

Arik

 

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