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Ein guter Mann hat uns vor einigen Jahren das Arafat-Prinzip erklärt: Erst läuft man mit dem Kopf gegen die Wand. Dann stellt man fest, dass man so nichts erreicht und sich eine blutige Nase holt. Also läuft man noch einmal gegen dieselbe Wand. Und stellt wieder fest: Es bringt nichts und tut weh. Folglich rennt man anschließend nochmal gegen die Wand, usw. usf..

Arabische Kreislaufstörung: Karikatur von Dosh (aus: Ephraim Kishon, Pardon, wir haben gewonnen, dtv, 1971).

Getreu diesem Prinzip unterstützen die palästinensische Führung und ein Großteil der palästinensischen Bevölkerung traditionell, grundsätzlich und bis zum bitteren Ende jeweils den durchgeknalltesten Erzextremisten, den es in der Region zu finden gibt. Auch auf die Gefahr hin, sich damit selbst unter seinen Brudervölkern zu isolieren. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die Entscheidung der PLO, sich nach der Besetzung Kuwaits im Jahre 1990 unverbrüchlich an die Seite des irakischen Diktators Saddam Hussein zu stellen. Und das, obwohl die gesamte Weltgemeinschaft sich gegen den Despoten wandte, sogar Syrien Truppen für die Operation “Desert Shield” abstellte und der amerikanische “Wüstensturm” sich längst zusammenbraute. Tausende verdutzte Palästinenser, die im Januar 1991 in Kuwait City den Beschuss israelischer Städte mit Scud-Raketen bejubelt hatten, wurden wenig später jäh aus der Party gerissen und von den befreiten Kuwaitern deportiert.

Angesichts dieser Tradition kann es kaum wundern, dass die Palästinenser sich auch heute wieder die falschen Freunde suchen: Laut einer jetzt vorgestellten Umfrage des Pew Research Centers ist zwar in großen Teilen der muslimischen Welt die Beliebtheit radikaler Islamisten im Schwinden begriffen. Doch mit ihrem untrüglichen Gespür für falsche Entscheidungen jubelt ein Großteil der Palästinenser der iranisch-libanesischen Terrororganisation Hisbollah zu: 61 Prozent der Palästinenser haben ein positives Hisbollah-Bild. Und sogar 65 Prozent der Palästinenser finden deren Führer Hassan Nasrallah richtig knorke. (Die Hamas ist dagegen auf dem absteigenden Ast, ganz offensichtlich ist man schwer enttäuscht von deren totalen Versagen auf dem Schlachtfeld von Gaza während Operation Cast Lead im vergangenen Jahr.)

Selbst für palästinensische Verhältnisse überraschend ist jedoch eine andere Zahl: Die absolute Mehrheit der Palästinenser vertraut Osama – wait for it – bin Laden. Womit wir wieder beim Thema “durchgeknalltester Erzextremist” wären. Und bei einer weiteren sprichwörtlichen Erkenntnis über die Palästinenser: Sie versäumen nie eine Gelegenheit, eine Gelegenheit zu versäumen.

Cartoon des Tages


Aus Ha’aretz

Hat Prof. Udo Steinbach lediglich keinen Schimmer vom Nahen Osten, was für einen Orient-„Experten“ rechtschaffen unrühmlich wäre, oder hält er sein Publikum einfach nur tolldreist zum Narren?

Für das Nahost-Quartett und für jeden Menschen, den der Judenhass noch nicht Augenlicht und Hörvermögen gekostet hat, ist die Hamas eine Terrororganisation, nicht aber für Udo Steinbach, der kürzlich in einem Leser-Interview der Braunschweiger Zeitung erklärte:

Ich bin definitiv nicht der Ansicht, dass es sich bei Hamas um eine Terrororganisation handelt.

Und warum nicht? Weil Steinbach den islamistischen Terrorismus – nicht einmal der Hamas, sondern „einiger Elemente“ – nur als verständliche Reaktion der „Intelligenten“ auf westliche respektive israelische Missetaten deutet, als „Strategie des Widerstands“ gegen ein Land, das „keine Demokratie“ sei, weil man dort „Palästinenser zu Tausenden wegsteckt“ (?), sodass die Lösung des Nahostkonflikts, die ihm im Sinne der arabischen Friedensfeinde vorschwebt, natürlich die „Ein-Staat-Lösung“ ist. Schließlich könnten die Palästinenser dann „irgendwann eine Mehrheit sein und Verantwortung übernehmen“.

Das könnten sie zwar schon jetzt und sicher auch im Rahmen einer Zweistaatenlösung, aber die würde eben nicht den einzigen jüdischen Staat durch die Schaffung des 23. arabischen Staates abschaffen.

Wieviel von der Sachkenntnis des belehrenden Mümmelgreises, der immer dann vor die Mikros geholt wird, wenn man ein saftiges antiisraelisches Statement braucht, zu halten ist, lässt sich an diesem Zitat sehr schön verdeutlichen:

Meines Wissens nach hat es in den 90er-Jahren nicht einen einzigen Anschlag gegeben, an dem die Hamas beteiligt gewesen wäre.

Nicht? Dann helfen wir mit einer Auswahl aus dem Wirken der palästinensischen Wohltätigkeitsorganisation in den 90er-Jahren unserem zerstreuten Professor gern auf die Sprünge.

6. April 1994, Afula, Autobombe zerstört Bus, 8 Tote.
13. April 1994 Hadera, Selbstmordattentat, 5 Tote.
9. Oktober 1994, Jerusalem, Feuerüberfall, 2 Tote, 14 Verletzte.
19. Oktober 1994, Tel Aviv, Selbstmordattentat in einem Bus, 22 Tote, 56 Verletzte.
25. Dezember 1994 Jerusalem, Selbstmordattentat an Bushaltestelle, 13 Verletzte.
24. Juli 1995, Ramat Gan, Selbstmordattentat in einem Bus, 6 Tote, 31 Verletzte.
25. Februar 1996, Ashqelon, Selbstmordattentat an Bushaltestelle, 2 Tote.
3. März 1996, Jerusalem, Selbstmordattentat in Bus, 19 Tote, 6 Verletzte.
21. Mai 1997, Tel Aviv, Bombenanschlag in Restaurant, 3 Tote, 48 Verletzte.
30. Juli 1997, Jerusalem, zwei Selbstmordattentäter verüben Anschlag auf Markt, 15 Tote, 178 Verletzte.
4. September 1997. Jerusalem, drei Selbstmordattentäter in Fußgängerzone, 4 Tote, 181 Verletzte.
20. August 1998, Tel Rumeida, ein Rabbi ermordet
27. August 1998, Tel Aviv, Bombe im Müllcontainer, 14 Verletzte.
11. Oktober 1998, Hebron, Handgranatenanschlag, 18 Verletzte.
19. Oktober 1998, Be’er Sheva, Granatenanschlag auf Zentrale Busstation, 59 Verletzte.
29. Oktober 1998, Gush Katif, Selbstmordattentat auf Schulbus, 1 Toter, 8 Verletzte.

Et cetera, et cetera. Schließlich war es schon immer erklärtes Ziel der Hamas – die zurzeit keine Anschläge verübt, was nicht daran liegt, dass sie es nicht mehr will, sondern dass sie es nicht mehr kann – einen Frieden mit Israel zu torpedieren, und sie selbst bekennt sich von ganzem Herzen zu jedem einzelnen dieser Massaker, aber Prof. Udo Steinbach, der nur ein Experte darin ist, Leute mit Halb- und Falschinformationen gegen Israel in Stellung zu bringen, behauptet das Gegenteil. Selten hat sich jemand, auf den sich so viele andere berufen, so gründlich selbst demontiert. Man muss es so sagen: Steinbach ist ein Schwätzer und ein Lügner, und er ist ein Verharmloser und Apologet des Terrors. Immerhin: In der arabischen Welt, der wir „ohnehin nicht mehr viel zu sagen haben“, dürfte der deutsche Islamwissenschaftler und brandstiftende Biedermann das trübe Bild vom Westen ein ganz klein wenig aufhellen. Jeder hat eben die Fans, die er verdient.

Zitat des Tages

The good news: For the first time ever, the Palestinians have someone willing to think constructively and build their society.
Bad news: He is not representative.

Dan Schueftan über Salaam Fayyad

Echte Kerle

Lieberman ist nur einer von vielen Akteuren in Nahost. Aber auch diese Männer spielen oder spielten eine Rolle:

Buhman

Blödman

Böserman

Forderman

Hinterman

Toterman

Pyroman

Guterman

Kleptoman und Egoman

Schutzman

Ballerman

Vielleicht sollte sich Israels Luftwaffe nach einem neuen Lieferanten umschauen. Denn für SoE geht ein Traum in Erfüllung: Unverhofft und mit zwanzigjähriger Verspätung wird unser Lieblingsflugzeug nun möglicherweise doch noch in Serie gebaut. Leider von der falschen Firma. Aber für eine echte YF-23 kann man schonmal ein Auge zudrücken.

Fälschung: Sukhoi T-50.

Original: YF-23.

Trainspitting

Dass größere Bauprojekte in Israel wie etwa der Ben-Gurion-Airport sich zuweilen etwas in die Länge ziehen und damit auch die Kosten in die Höhe treiben, ist bekannt. Ein aktuelles Beispiel ist das berüchtigte Stadtbahnprojekt in Jerusalem.

Nicht, dass solche unfreiwilligen Jahrhundertprojekte weltweit beispiellos wären, wie ein Blick auf die Dauerbaustelle Elbphilharmonie in Hamburg zeigt, jedoch sind die meisten Ursachen für die Verzögerung schon made in Israel, als da wären Schlamperei (Schienen wurden fehlerhaft verlegt, aufgerissen und neu verlegt) und Jerusalemer Gegebenheiten: Überall, wo gegraben wird, kann auch etwas gefunden werden. Manchmal sind es Archäologen, deretwegen die Bauarbeiten gestoppt werden, manchmal Orthodoxe, die befürchten, dass ein alter jüdischer Friedhof entweiht wird.

Und last but not least spielt auch hier wieder die Politik eine destruktive Rolle. Nicht die Lokalpolitik allerdings, sondern die große, denn ein Straßenbahnbauprojekt mag in Sydney, Paris oder Berlin ein Straßenbahnbauprojekt sein, in Jerusalem, wo auch das Umfallen eines Sacks Reis Aufsehen erregt, ist es nicht weniger als ein Politikum mit Ausstrahlung bis zum Hudson River: Die Palästinenserführung will das Projekt gewissermaßen entgleisen lassen, weil sie nicht anerkennen will, dass Jerusalem ungeteilt bleiben wird. Und wer Nein zu einem Stopp des Terrors sagt, Nein zu Friedensverhandlungen, Nein zur Akzeptanz eines jüdischen Staates, der sagt dann auch Nein zu einem Nahverkehrsprojekt, das für jüdische und arabische Bewohner der Stadt Vorteile bringt – was jeder bestätigen kann, den das Verkehrschaos in der Innenstadt schon einmal in den Wahnsinn getrieben hat. So sind etwa auf der 14 Kilometer langen Linie 1 von Pisgat Ze’ev über die Jaffa Road bis zum Har Herzl auch drei Haltestellen in Shuafat eingeplant. Aber zulasten der eigenen Leute ein trübes propagandistisches Süppchen zu kochen, darin hat die PLO, die noch nie eine konstruktive Rolle irgendwo gespielt hat, seit jeher Übung, und so wird sie zunächst bei der Arabischen Liga petzen, die so endlich wieder einen Tagesordnungspunkt hat, auf den sie sich einigen kann, und dann auch international alle Register ziehen, um das Projekt aufzuhalten. Und wie immer wird sie sich damit ins eigene Knie schießen, denn die Zeit und Energie, die sie zur Zerstörung des Bestehenden und Zukünftigen aufbringt, fehlt ihr, wo sie eigentlich etwas aufbauen soll. Sie lernt einfach nichts dazu.

Wir aber sehen bereits silbrig-glänzende Bahnen durch Jerusalem kurven. Schick sehen sie aus.

in memoriam

Nie wieder.

Je schwächer sein Faktenwissen ist, desto meinungsstärker tritt der gemeine Israelkritiker auf. Nur allzu oft belästigt er seine Umwelt mit vermeintlichen Gewissheiten, die zwar idiotisch, aber epidemisch verbreitet sind. Wir bleiben gelassen, weil wir die besseren Argumente haben. Jede der antiisraelischen Plattitüden lässt sich im Handumdrehen zerlegen – mit Antworten, die in geraffter Form so aussehen könnten wie im folgenden ausgeführt.

„Israel will doch gar keinen Frieden“

Bullshit. Israel will einen echten Frieden und keinen Waffenstillstand nach den Vorstellungen arabischer Gewaltherrscher. Schon in der Unabhängigkeitserklärung war ein Friedensangebot an die arabischen Staaten enthalten (beantwortet wurde es mit dem Angriff von Armeen aus fünf arabischen Staaten am Tag nach der Staatsgründung). Israel hat nach dem Sechstagekrieg die Rückgabe der Gebiete (Ausnahme: Jerusalem) offeriert – beantwortet wurde dies mit den drei Neins von Karthoum. Israel hat mit Ägypten Frieden geschlossen (den Sinai geräumt), und mit Jordanien, und es hat auch mit den Palästinensern in Oslo das Prinzip „Land für Frieden“ vereinbart. Beantwortet wurden die Rückzüge aus Gaza und Jericho wie aus den großen Städten der Westbank mit einer bis dahin nicht erlebten Terrorwelle. Der Rückzug aus dem Südlibanon und der Rückzug aus dem Gazastreifen inkl. Evakuierung aller 7000 Siedler hatte jeweils einen Raketenhagel auf Ortschaften innerhalb Israels zur Folge. Nur ein Narr kann glauben, dass ein Rückzug aus dem gesamten Westjordanland und Jerusalem Frieden bringen wird.

Israel ist ein kleines Land mit einer Bürgerarmee, für jeden einzelnen Soldaten, der im Kampf fällt, müssen sich die Regierenden rechtfertigen. Der Militärhaushalt verschlingt riesige Summen, die dringend woanders gebraucht werden, etwa bei der Integration von Neueinwanderern. Gleichwohl muss das Land wehrhaft bleiben, so lange es in einer derart rohen Umgebung exisitiert. Israel hat nicht Dänemark, Holland und die Schweiz als Nachbarn, sondern Länder wie Libanon und Syrien, etwas weiter entfernt Irak und Iran. Kompromissbereitschaft wird im Orient gern als Zeichen von Schwäche gedeutet – dies erklärt, warum der Terror und der Hass ausgerechnet seit den Friedensabkommen von Oslo schlimmer geworden sind denn je. Jeder, der mit seiner europäischen Denke an den Nahost-Konflikt herangeht, hat schon verloren. „Ich bin okay, du bist okay“ – das mag, wenn überhaupt, in Helsinki oder in Bern funktionieren, in Gesellschaften, die von Despoten und Terroristen beherrscht werden, funktioniert es nicht.

Israel ist bereit, für den Frieden Opfer zu bringen, hat bereits welche gebracht: Gebiete geräumt, Siedlungen abgebaut. Dafür hat es nur noch mehr Terror erhalten, da beißt die Maus keinen Faden ab. Deshalb ist die israelische Friedensbewegung, die in guten Zeiten Hunderttausende mobilisieren konnte, heute bedeutungslos: Man hat realisiert, dass es so nicht weitergehen kann, dass man (noch) keinen Partner für den Frieden hat. Den Platz von „Shalom achshav“ haben inzwischen obskure Grüppchen eingenommen, die wider besseres Wissen und wider alle Erfahrung behaupten, der Friede scheitere nicht am palästinensischen Terror. Es sind dies die immer gleichen Individuen, die sich aus den Frauen in Schwarz, Machsom, Betselem, Avnerys Gush Shalom etc. rekrutieren. In der sehr heterogenen und streitlustigen israelischen Gesellschaft führen sie zu Recht eine Randexistenz, werden lediglich von dem einen oder anderen Ha´aretz-Feuilletonredakteur wahrgenommen. Gehör finden sie nur bei denen, die das hören wollen, was sie sagen.

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Es gibt keine palästinensische Friedensbewegung und es hat nie eine gegeben. Eine Person des öffentlichen Lebens, die erklärte, der Frieden scheitere an den Palästinensern, würde als Verräter und Kollaborateur gebrandmarkt und wäre ihres Lebens fortan nicht mehr sicher. Jahrzehntelang haben die Palästinenser von ihrer Führung gehört, dass “unveräußerliche Rechte” nicht aufgegeben werden, Kompromisse sind also tabu. Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, kann nicht mehr zurück, in dieser selbstgebauten Falle stecken alle Palästinenserführer bis heute. 100 Prozent Westbank & Gaza plus Jerusalem und „Rückkehrrecht“ (nach Israel!) für alle Palästinenser, die vor 60 Jahren flüchteten – und für ihre Kinder und Enkel und Urenkel. Darunter machen sie es nicht, und daran wird eine Friedenslösung bis auf weiteres scheitern. Vor die Wahl gestellt, einen Staat auf dem Gebiet Gazas und 97 Prozent Westbank zu bekommen, Milliardenhilfen aus dem Ausland, die Aussicht auf eine friedliche und lebenswerte Zukunft für kommende Generationen – oder dem Beharren auf den Maximalforderungen mit der Folge, weiter mit leeren Händen dazustehen, hat sich die Palästinenserführung noch immer für die zweite Option entschieden.

Die Tatsache, dass heute ein allgemein als „Hardliner“ verrufener Likud-Ministerpräsident den israelischen Konsens verkörpert, der – vorausgesetzt, die Sicherheit ist gewährleistet – die Schaffung eines Palästinenserstaates akzeptiert und der trotzdem bei der bockbeinigen Palästinenserführung auf Granit beißt, sollte zu denken geben. Fazit: Es ist die Palästinenserführung, die keine endgültigen Verhandlungen will – weil sie nicht bereit ist, Kompromisse zu machen, weil sie, nicht nur heimlich, von der Fortführung des Konflikts auch nach der Staatsgründung träumt, weil sie mit dem Status Quo gut leben kann (sie ist versorgt und kann sich trotzdem wort- und gestenreich beschweren) und weil sie sich vor dem Tag fürchtet, an dem sie selbst die Müllabfuhr organisieren muss. So ist das bei Revoluzzern.

„Der palästinensische ,Terror´ ist legitimer Widerstand“

Horseshit. Terror hat keine Legitimation, und der besonders brutale palästinensische Terror schon gar nicht. Er zielt zuvörderst auf Zivilisten in Israel (in Linien- und Schulbussen, Kindergärten, Schulen, Cafes, Einkaufszentren), aber auch auf Juden im Ausland (Massaker in Synagogen in Wien und Istanbul, Flughafen Rom etc.). Durch die Auswahl seiner Opfer versucht der Terrorismus, ob nun verübt von Hamas oder Fatah-Ablegern, Angst und Schrecken zu verbreiten. Da Anschläge auf Juden seit 90 Jahren stattfinden, hat sich diese brutale Methode bis heute offensichtlich nicht ausgezahlt, es sei denn, der Mord an Holocaust-Überlebenden während einer Pessach-Feier oder an Jeschiwa-Schülern in der Bibliothek oder an Studenten in der Uni-Cafeteria oder an zwei Jungen beim Spielen in Tekoah wird an sich bereits als gutes Werk betrachtet. Dass die Palästinenserführung bis heute daran festhält, spricht für die zweite These. Als strategisches Mittel oder als Fortführung der Politik mit anderen Mitteln macht er keinen Sinn, denn je brutaler der Terror ist, desto schlechter stehen die Palästinenser am Ende da. Über die moralische Verwerflichkeit eines Mordes an einem Säugling im Kinderwagen (Shalhevet Paz) oder an einer Schwangeren (Tali Hatu´el) und ihren vier kleinen Töchtern muss wohl nicht diskutiert werden.

Dass der palästinensische Terror ausgerechnet während des „Friedensprozesses“ eskalierte, an Intensität wie an Grausamkeit, spricht Bände. Wenn es Grund zur Hoffnung gibt, kann Verzweiflung erst recht nicht als Motiv herhalten. Tatsächlich ist es so, dass etwa Selbstmordattentäter immer (!) von einer der verschiedenen Terrororganisationen angeworben, bewaffnet und zum Tatort geschickt werden. Am Vorabend des Massenmordes nehmen sie nicht selten eine Videobotschaft auf, in der sie verkünden, wie stolz sie sind, als Märtyrer ins Paradies eingehen zu dürfen. Nach der Tat erklärt die Familie, wie stolz sie auf den toten Sohn, zuweilen auch die Tochter ist, und der Mörder erlangt Heldenstatus. Kinder tauschen Sammelbildchen mit dem Konterfei des Mörders, und wenn er besonders viele Juden umgebracht hat, wird auch schon mal eine Straße nach ihm benannt.

„Die Mauer ist ein Hindernis für den Frieden“

Quatsch. Der israelische Grenzwall ist zuallererst ein Hindernis für Terroristen. Sinn und Zweck der Anlage ist es, das Einsickern von Terroristen aus der Westbank nach Israel proper zu unterbinden, und diesen Zweck erfüllt sie: Es gelingt keinem Selbstmordattentäter mehr, sich in Netanya, Chadera oder Tel Aviv in die Luft zu sprengen. Das ist die Hauptsache. Dass der Hightech-Limes mancherorts Unbill für palästinensische Anrainer mit sich bringt (Einzelfälle werden von Feinden Israels gern als pars pro toto angeprangert), ist bedauerlich, aber das menschliche Leben hat Vorrang vor dem Recht, eine Strecke von A nach B in soundsoviel Minuten zurücklegen zu können. Auch ästhetische Bedenken müssen hier zurücktreten. Von einer „Apartheidmauer“ kann keine Rede sein, schon weil 1,4 Millionen Araber diesseits der Anlage leben, und was die Absicht, Selbstmordattentäter aus den eigenen Städten fernzuhalten, mit Apartheid zu tun haben soll, bleibt das Geheimnis der antizionistischen Schreihälse. Die schon einmal gehörte Behauptung, die Mauer solle verhindern, dass man sieht, was sich dahinter tut, ist genauso purer Nonsens. Es klingt auch nicht gerade logisch, wenn „Stop the Wall“-Aktivisten verbreiten, die Anlage diene dem „Landraub“, im Gegenteil darf man davon ausgehen, dass Israel, das schließlich einmal die ganze Westbank verwaltete, alles Land jenseits des Grenzwalls bereits abgeschrieben hat. Und das ist nicht wenig, denn mit drei Ausnahmen reicht der Zaun nirgendwo mehr als ein, zwei Kilometer in die Westbank hinein und verläuft eben nicht „mitten durch“. Der Verlauf wird in erster Linie von Sicherheitsaspekten bestimmt, gibt aber auch mehr oder weniger den künftigen Grenzverlauf zwischen Israel und dem prospektiven Palästinenserstaat vor, was also auch auf der Gegenseite positiv registriert werden könnte, es sei denn, man will dort überhaupt keine Grenze, weil man immer noch nach Haifa, Yafo und Ramle schielt.
Zuletzt: In Stücke gebombte Menschen bleiben tot, während der Verlauf einer Sperranlage, wie bereits mehrmals geschehen, geändert werden kann – und wie sich sogar prinzipiell die ganze Anlage wieder abbauen lässt. Den Zaun wird es aber so lange geben, wie die Gründe, die zu seinem Bau geführt haben, nicht aus der Welt geschafft sind.

„Die Siedlungsfrage ist der Kern des Nahostproblems“

Blödsinn. Wer so etwas behauptet, hat keine Ahnung davon, dass die arabische Ablehnung eines jüdischen Staates der Kern des Nahost-Konflikts ist – bis heute. Frieden gab es nicht vor der Staatsgründung, und es gab ihn nicht zwischen 1948 und 1967 – als Ägypten den Gazastreifen besetzt hielt und Jordanien die Westbank, und in diesen Gebieten kein einziger Jude lebte. Wenn das Wort von der „ethnischen Säuberung“ jemals auf den Nahen Osten zutraf, dann auf die Vertreibung sämtlicher Israelis aus Gebieten, die von Arabern besetzt wurden – die Altstadt von Jerusalem eingeschlossen. (Neu-)Gründungen von Siedlungen entstanden erst Ende der 60er-Jahre, als ohnehin keine Aussicht auf Frieden bestand und man sich in Israel auf eine dauerhafte Präsenz in den eroberten Gebieten einzurichten begann. Die meisten dieser Siedlungen hatten vor allem strategische Bedeutung, ideologische Gründe spielten zunächst keine Rolle, obwohl es sich bei Judäa und Samaria um das biblische Kernland handelt (wie der Siedleraktivist Elyakim Haetzni es ausdrückte: „Tel Aviv, das ist die Küstenebene, das Land der Philister“). Später wurde der Siedlungsbau in oder bei Städten wie Hebron (wo bereits seit jeher eine jüdische Gemeinde existierte und noch vor der Staatsgründung, 1929, Opfer eines Pogroms wurde) oder Schchem/Nablus forciert und vor allem von der Likud-Regierung gefördert. Ob der Siedlungsbau legitim ist oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander (manche argumentieren mit einem gewissen Recht, dass es sich völkerrechtlich um „umstrittene Gebiete“ handelt, da sie zuvor Mandatsgebiet bzw. später von Jordanien besetzt und völkerrechtswidrig annektiert worden waren), ob er politisch klug war, ist wieder eine andere Frage. Der Grund für den Nahostkonflikt ist er nicht. Es gab den Terror und die arabische Ablehnung Israels vor, während und nach dem Bau von jüdischen Kommunen. Und selbst der Abbruch derselben, wie Anfang der 80er-Jahre in Yamit/Sinai und 2005 im Gazastreifen, hindert palästinensische Fanatiker nicht daran, Raketen auf israelische Städte abzufeuern. Es geht ihnen nicht um die Siedlungen, es geht ihnen um Israel, ob dort gerade die Arbeitspartei regiert oder der Likud oder Kadima ist ihnen schnurz. Für sie ist auch Tel Aviv eine „illegale Siedlung“.

Die palästinensische Führung, die derzeit alle Verhandlungen ablehnt, hat natürlich ein Interesse daran, die Siedlungsfrage zum Knackpunkt zu machen – so hat sie eine billige Entschuldigung für ihre Verweigerungshaltung. Sie besteht darauf, dass sämtliche israelischen Kommunen in der Westbank geräumt werden, will also jegliche jüdische Präsenz dort ausmerzen – im Sinne der bereits erwähnten ethnischen Säuberung, die schon einmal praktiziert wurde. Dies wird nicht geschehen. Der Großteil der Siedler (80 Prozent) lebt in drei, vier großen Siedlungsblöcken, die Israel nicht aufgeben wird, für die es gleichwohl einen land swap einzugehen bereit ist. Das Territorium, das dann annektiert werden müsste, macht nur etwa drei, vier Prozent der Westbank aus. Mit etwas gutem Willen ließe sich hier eine Lösung finden. Der aber ist auf palästinensischer Seite auch im Jahr 16 nach Aufnahme des „Friedensprozesses“ beim besten Willen nicht zu erkennen.

„Man muss mit der Hamas reden“

Nö. Mit einer von allen ernst zu nehmenden Staaten als Terrororganisation betrachteten Bande muss man genauso wenig reden wie mit der NPD. Worüber auch? Die Hamas macht aus ihrem antisemitischen Programm (siehe Charta) keinen Hehl, und wer behauptet, es gäbe etwas mit ihr zu bereden, der sollte auch sagen, was. Etwa die Modalitäten einer Auflösung Israels? Das Argument, die Hamas habe eben einen „militärischen Flügel“, sei aber auch politisch und karitativ tätig, zieht nicht. Die Nazis stützten ihre Macht auf SA, SS und Wehrmacht, und nebenbei veranstalteten sie auch hübsche Zeltlager für die Jugend und KdF-Fahrten für gestresste Volksgenossen, aber verbrecherisch blieben sie trotzdem. Wer die islamofaschistische Hamas als Wohltätigkeitsverein mit angeschlossener Jagdsportabteilung verharmlost, ist nur darauf aus, ihr unverdiente Legitimität zu verschaffen. Die aber nützt niemandem außer den bärtigen Gotteskriegern selbst, die ihrerseits ihre Daseinsberechtigung aus dem Kampf gegen Israel herleiten, was schon ihr Name belegt, und deshalb haben sie in einem „Friedensprozess“ soviel zu suchen wie ein Kinderschänder im Hort. Wer dem Nahen Osten etwas Gutes tun will, boykottiert die Hamas (am besten: zieht sie aus dem Verkehr); wer sie hoffähig machen will, ist an der Fortführung des Konflikts bis zum St. Nimmerleinstag interessiert, soviel ist sicher.

„In der UNO ist Israel isoliert, nur Amerika hält seine schützende Hand über das Land“

Stimmt. Das spricht aber nicht gegen Amerika, sondern gegen die Vereinten Nationen, eine Organisation, die, unfähig und korrupt, längst von Ländern dominiert wird, die mit der UN-Charta nichts am Hut haben und Völkermördern, Diktatoren und Operettenpräsidenten jederzeit eine Bühne bietet, die selbst ihren Menschenrechtsrat von Schurkenstaaten aus allzu durchsichtigen Gründen zweckentfremden lässt – nämlich um von den eigenen Menschenrechtsverletzungen abzulenken. Klassenkeile bezieht dann eben der Streber mit der Brille: Israel, der Jude unter den Völkern. Für eine Resolution gegen Israel findet sich in der Vollversammlung immer eine Mehrheit, und Entwürfe, in denen der jüdische Staat für seine Reaktion auf Angriffe etwa durch Hisbollah oder Hamas verurteilt wird, ohne dass diese Aggressionen überhaupt erwähnt werden, würden tatsächlich durchgewinkt, wenn nicht die USA den Mumm hätten, dieser Farce im Weltsicherheitsrat regelmäßig ein Ende zu bereiten. England und Frankreich sind meist zu feige dazu, Russland und China haben noch weniger Berechtigung als die meisten anderen UN-Mitgliedsstaaten, sich zum Richter über Israel aufzuschwingen. Mit Moral hat das alles nichts zu tun, die UN sind die Summe ihrer Mitgliedsstaaten, nicht mehr und nicht weniger, und die sind selten genug demokratisch. Wenn sich Gewaltherrscher darauf einigen, eine Demokratie zum Paria zu machen, nützt auch die Mehrheit nichts – das Unterfangen bleibt unmoralisch und eine Schande für die Weltorganisation. Es wird höchste Zeit, dass diese unwürdige Veranstaltung, die natürlich auch vor allem von den USA bezahlt wird, einer Liga der demokratischen Staaten Platz macht. Diesem Club wird dann zwar nicht jeder angehören, aber Qualität geht vor Quantität. Es ist nicht einzusehen, dass Burkina Faso, Bhutan und Somalia darüber entscheiden dürfen, ob ein militärischer Feldzug im Libanon oder Gaza berechtigt ist oder nicht. Israel ist ein souveräner Staat, der einzige ironischerweise, dessen Gründung die Legitimation der UN hat (bei den heutigen Mehrheitsverhältnissen undenkbar), und er ist nicht ins Leben gerufen worden, damit andere über das Schicksal von Juden bestimmen. Um ein Minimum an Glaubwürdigkeit beanspruchen zu können, müssten die Vereinten Nationen auch die guten Gründe berücksichtigen, die Israel etwa zum Gazakrieg bewogen oder dazu, auf dem Prinzip Land für Frieden (die berühmte Resolution 242!) zu bestehen. Dies tun sie nicht, und daher sind ihre einseitigen Verurteilungen ausgerechnet Israels lächerlich und gottlob auch nicht bindend. Die automatische Mehrheit gegen den jüdischen Staat hat sich moralisch längst selbst disqualifiziert.

„Niemand leidet so wie die Palästinenser“

Unfug. Diese Behauptung ist geradezu obszön. Zig Millionen Flüchtlinge weltweit leiden wirklich, es fehlt ihnen am nötigsten, und sie haben nicht die Möglichkeit, ihr Los durch Kompromissbereitschaft von heute auf morgen zu verbessern. Es gibt ein UN-Flüchtlingshilfswerk für alle Flüchtlinge weltweit und ein zweites für die Palästinenser allein (UNRWA). Sie sind auch die einzigen, die ihren Flüchtlingsstatus weitervererben dürfen, und die einzigen, bei denen alles getan wird, damit sie weiter Flüchtlinge bleiben. Für ihren Unterhalt und ihre Ausbildung zahlt die Weltgemeinschaft; den Löwenanteil trägt das gern verteufelte Amerika, die teils steinreichen arabischen Staaten, deren Lippenbekenntnisse für die palästinensische Sache zahlreich sind, tragen weniger als 5 Prozent zum UNRWA-Haushalt bei.

Anders als die 650.000 Juden, die aus arabischen Ländern vertrieben wurden, sind die palästinensischen Flüchtlinge nirgendwo außer in Jordanien integriert worden. Vergleichsweise elend leben die Palästinenser im Libanon, während es in Israel kein einziges „Flüchtlingslager“ gibt. Die Araber dort, die 1948 nicht flohen, sind israelische Staatsbürger.
Selbst im „blockierten“ Gazastreifen ist das Leben alles andere als die Hölle. Das Westjordanland, wegen der verbesserten Sicherheitslage von hunderten Checkpoints erlöst, boomt (Wachstum 2009: 8 Prozent), und wer sich in Jenin, Bethlehem und vor allem Ramallah umschaut, mag vieles sehen, aber gewiss keine „humanitäre Katastrophe“. Das ist ein billiger Kampfbegriff aus dem Arsenal antiisraelischer Propagandisten, mehr nicht.

„Jerusalem muss Hauptstadt beider Staaten werden“

Keineswegs. Zum einen wäre dies ein weltgeschichtliches Novum. Warum sollte das ausgerechnet am brisantesten Ort des Planeten gelingen? Jerusalem war nie Hauptstadt eines arabischen Staates – selbst unter jordanischer Herrschaft nicht – und ein Staat Palästina könnte auch mit einer Kapitale Ramallah leben. Oder Abu Dis. Jerusalem ist unter israelischer Verwaltung zu einer blühenden, beeindruckenden Metropole geworden und nach Jahrhunderten der Verwahrlosung überhaupt erst seitdem wieder von Bedeutung. Die Juden werden mehr, die Araber werden sogar noch mehr (und nicht weniger!), und die Stadt ist lebenswert für alle ihre Bewohner.

Nur Israel garantiert den freien Zugang zu den Heiligen Stätten aller Religionen. Zwischen 1948 und 1967 wurde Juden der Zugang zur Westmauer verwehrt, und die Palästinenser würden es nicht anders halten als die Jordanier. Sie leugnen heute jeden historischen Bezug der Juden zu Jerusalem, und schon deshalb kommt ihre Kontrolle über die Stadt nicht infrage, wäre eine Katastrophe für alle Bewohner, ob Juden oder Araber. Was die Teilung einer Stadt betrifft, so könnten die Bürger Berlins einiges über deren Auswirkungen sagen. Sehnt sich wirklich irgendjemand nach Mauer und Stacheldraht zurück? Vielleicht diejenigen, die sich über den Bau von einigen Wohneinheiten im Stadtteil Gilo aufregen können, während ein Massaker im Kongo sie kaltlässt; diese müssen sich gewisse Rückschlüsse auf ihr Verständnis von Menschenrechten gefallen lassen. Eine Rückkehr zum status quo ante würde jedenfalls nirgendwo so kontraproduktiv sein wie in Jerusalem. „Wat fott es, es fott!“, pflegt der rheinische Volksmund salopp zu sagen. Und genau so ist es.

„Nur durch einen Palästinenserstaat bekommt Israel dauerhaft Sicherheit“

Mitnichten. Das Gegenteil dürfte der Fall sein – jedenfalls wenn die Palästinenser einen Staat bekämen, der weiter Ansprüche stellt, der sich bis an die Zähne bewaffnen und mit Israel feindlich gesinnten Staaten verbünden darf. Dann ist der nächste Waffengang nur eine Frage der Zeit – mit für Israel extrem schwer zu verteidigenden Grenzen, zumal wenn die PLO oder gar die Hamas auf den Höhenzügen über der Küstenebene sitzen würde. Ein Albtraum, der weder Israelis noch Palästinensern etwas Gutes brächte. Daher besteht die Regierung Netanyahu mit Recht auf Vorkehrungen, die diese gruselige Option ausschließen. Wer die Palästinenserführung in ihrer Alles-oder-Nichts-Haltung bestärkt, kann keinen Frieden wollen. Schaut man sich die erste Reihe der vorgeblichen Palästinenserfreunde an, ist das auch kein Wunder.

Hinzu kommt die begründete Sorge, dass der Palästinenserstaat wie fast alle arabischen Staaten aussehen wird, mutmaßlich noch bedenklicher: Ob von Fatah oder Hamas beherrscht, dieser Staat wird keine Demokratie sein, dazu bedürfte es nicht nur „freier“ Wahlen, sondern demokratischer Parteien, und das sind sie beide nicht. Khaled Abu Toameh, ein arabischer Journalist, der für die Jerusalem Post arbeitet, vergleicht sie zu Recht mit zwei rivalisierenden Gangsterbanden, die ihre Machtkämpfe auf dem Rücken der Bevölkerung austragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Palästina ein weiterer failed state wird, den die Welt nicht braucht, ist extrem hoch. Solch ein Staat wäre eine Gefahr für seine eigenen Bürger und natürlich auch für seine Nachbarn. Man erinnere sich an die destabilisierende Rolle, welche die PLO Arafats in Jordanien und im Libanon spielte.

„Wenn der israelisch-arabische Konflikt gelöst ist, herrscht Ruhe im Nahen Osten“

Reines Wunschdenken. Die Muslimbruderschaft und damit der politische Islam mit seinem dschihadistischen Programm ist älter als der Nahost-Konflikt, und wenn Bin Ladens Al-Qaida in New York und Washington Wolkenkratzer und ein Ministerium angreift, wenn in Pakistan, Indien, Afghanistan, Irak, Marokko, Ägypten, Indonesien, Jemen und anderen Ländern Islamisten blutige Anschläge verüben, hat das mit Israel und dem, was es tut oder unterlässt, nichts, aber auch gar nichts zu tun. Ebensowenig der Westsaharakonflikt, der Völkermord im Sudan, der Krieg Ägyptens im Jemen Mitte der 60er-Jahre, der Bürgerkrieg in Libanon ab Mitte der 70er-Jahre, der Machtkampf zwischen PLO und Jordaniens König Hussein, der Krieg Iraks gegen Iran, gegen die Kurden, gegen Kuweit, der Krieg in Afghanistan et cetera et cetera. Die Region ist, wie sie ist, und das liegt ganz sicher nicht an einem 20.000-Quadratkilometer-Staat, der sich dort seit 60 Jahren seiner Haut erwehren muss. Ein ganz schlechter Witz ist das.

Empörung als Dauerzustand – das muss furchtbar anstrengend sein. Vielleicht macht Evelyn Hecht-Galinski deswegen einen so unentspannten Eindruck. Mal redet sie sich im Rundfunk („Hallo Ü-Wagen!“) oder vor einer Webcam (n-tv-Interview während des Operation „Gegossenes Blei“) in einer an inkohärente Logorrhoe gemahnenden Weise um Kopf und Kragen, mal tritt sie auf einer Demonstration oder einer Mahnwache in Erscheinung, und einmal im Monat entlädt sich die Dauererregung der Tochter in Form eines schriftlichen Auswurfs auf der Hetzseite eines Dortmunder Rentners.

Der Kommentar des Monats Januar 2010 unterscheidet sich dabei grundsätzlich nicht von dem, sagen wir: des Monats März oder Juli oder September 2009, denn stets arbeitet die „Publizistin“ das ganze öde Lexikon der antizionistischen Internationale ab, ergänzt um die Versicherung, eine gute Jüdin und Deutsche zu sein und sich für die anderen zu schämen. Ob Alkohol, halluzinogene Pilze oder obskure Praktiken vonnöten sind, um sich in einen derart rauschhaften, bewusstseinsverändernden Zustand zu versetzen, der sich nur noch um die fixe Idee dreht und Logik und reale Welt ignoriert, bleibt dabei offen.

Fest steht, dass jemand, der von einer „rassistisch-faschistisch-zionistisch ideologischen“ Regierung in Israel faselt, von einer „fortschreitenden Judaisierung Jerusalems“, von einer „ Extermination“ der Palästinenser, nicht wirklich zurechnungsfähig sein kann. Man fragt sich, ob diese Frau jemals einen Fuß auf israelischen Boden gesetzt hat. In Bil’in, so behauptet sie, würde „gewaltfreier Widerstand“ praktiziert – „gewaltfreier Widerstand“, bei dem allein 2009 rund hundert Sicherheitskräfte z.T. schwer verletzt wurden und bei denen ein israelischer Soldat auch schon mal ein Auge einbüßte. „Gewaltfreier Widerstand“, der laut Hecht-Galinski „niedergemetzelt“ (!) wird, ganz so, als würden die Demonstranten nicht mit Tränengas auseinander getrieben sondern wie auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit Panzern überrollt. Aber von Malsburg-Marzell aus gesehen wird die Welt vielleicht ein wenig anders wahrgenommen als sie ist. So prangert die Tochter an, dass Israel „in Gaza die Menschen in unmenschliche Geiselhaft“ nehme, wo doch die einzige Geisel im Gazastreifen Gilad Shalit ist, den die „demokratisch gewählte“ Hamas seit dem 25. Juni 2006 in einem unbekannten Verlies gefangen hält.

Als Israelkritikerkritiker lernt man seine flach schwimmenden Pappenheimer recht schnell kennen, die Empörungsbereitschaft steht bei ihnen im reziproken Verhältnis zu ihrer Argumentationsfähigkeit. So wie die SED-Funktionäre ihr DDR-Volk 40 Jahre lang mit den immer gleichen hohlen Phrasen nervten, feuert auch die versammelte Antizionistenriege immer wieder wie besinnungslos das sattsam bekannte ABC ihrer maß- und haltlosen Vorwürfe ab. Hecht-Galinski also auch, mal wieder: „Menschenrechtsverletzungen“, „Kriegsverbrechen“, „Unrechtspolitik“, „Genozidpolitik“. Die Grenzanlage, die, wie in der deutschen Presse immer wieder zu lesen ist, die israelischen Bürger vor Terroranschlägen „schützen soll“ – tatsächlich jedoch schützt, denn die Zahl der Anschläge in Israel ist 2009 auf Null gesunken – nennt sie „Unrechtszaun“, woraus man folgern darf, dass die Verhinderung von Busbombenattentaten und Disco-Massakern für sie ein Unrecht darstellt.

Warum verlangt Außenminister Westerwelle nur anlässlich seines Türkeibesuchs den Schutz von Minderheiten? Bei seinem Israelbesuch war dergleichen nicht zu hören.

klagt die Leserbriefverfasserin, als gäbe es in Israel Minderheiten, die eines speziellen Schutzes bedürften. Dabei leben jüdische und arabische Israelis, Christen und Muslime, Drusen und Tscherkessen recht friedlich miteinander, was sich aber offensichtlich noch nicht bis ins hintere Kandertal herumgesprochen hat.

Nachdem sie klargestellt hat, dass „weder der jüdische Staat noch die Juden etwas „Besonderes“ oder „Auserwähltes“ seien, „im Gegenteil“ (also wohl besonders gewöhnlich), kommt sie endlich auf ihr Lieblingsthema zu sprechen: auf sich.

Als deutsche Jüdin sage ich „Nicht in meinem Namen“! Dieser Staat darf nicht für alle Juden sprechen und spricht und handelt nicht für alle Juden in der Welt. Ich verwahre mich gegen diese Anmaßung.

Man könnte nun eine veritable Anmaßung darin sehen, dass sich jemand moralisch über sieben Millionen Einwohner Israels erhebt, aber das soll hier nicht der Punkt sein. Israel hat ja nie behauptet, auch noch für den letzten Vollpfosten in Europa zu sprechen. Muss sich jetzt jeder israelische Politiker hinstellen und bekräftigen, der Staat Israel spreche für so ziemlich alle Juden außer für ein paar Exzentriker in Malsburg-Marzell und Neu-Isenburg?

Wie auch immer. Geflissentlich die täglichen Vernichtungsdrohungen aus dem Iran ignorierend, macht Hecht-Galinski noch schnell israelische „Kriegshetzer“ aus, die nun Syrien (!) bedrohten, und selbst der gute Shimon Peres wird von der badischen Hausfrau als Atomwaffenbeschaffer, Goldstone-Beleidiger und Propagandalügner entlarvt, der den „27. Januar zu einem Holocaust-Israel-Propaganda-Lügen-Tag umfunktioniert“.

Hier sollte vielleicht daran erinnert werden. dass in Israel noch etwa 250.000 Überlebende der Shoah leben, Menschen, die bereits zum Ziel palästinensischer Terroristen wurden und die auch der iranische Präsident, erst einmal im Besitz von Atomwaffen, nicht verschonen würde. Dass eine offensichtlich gestörte Frau aus dem südwestlichsten Winkel Dunkeldeutschlands sich ausgerechnet im Land der Täter mit der Behauptung einschleimt, diese Bedrohung sei nicht real, sondern eingebildet, ist so widerlich, dass es mit Worten nicht zu beschreiben ist.

Aber endgültig auf die übliche Betriebstemperatur gekommen, gibt sich Evelyn Hecht-Galinski mit nicht weniger zufrieden als der Rettung des Planeten vor dem zionistischen Unheil. Israel gefährdet sich in ihren Wahnvorstellungen nämlich nicht nur selbst und bedroht die friedliebenden arabischen Nachbarstaaten samt Hamas und Hisbollah und das fortschrittliche Regime des Iran noch dazu, nein, es geht ums Ganze:

Alle Deutschen sollten wissen, dass diese israelische Politik die ganze Welt in eine Katastrophe führt, die nicht den Terror verhindert sondern den Terror fördert.

Die ganze Welt wird in die Katastrophe geführt, und wer ist schuld? You name it. Dr. Goebbels hat das seinerzeit auf eine griffige Formel gebracht: Die Juden sind unser Unglück.

Mit einer Einschränkung natürlich: alle Juden bis auf Evelyn Hecht-Galinski und eine Handvoll weiterer Desperados, die sich für den jüdischen Staat schämen statt für ihre verkommenen Ansichten. Deren schrilles Gekeife mag allerdings nur bei dem einen oder anderen Medienmenschen auf Gehör stoßen, bei den Entscheidungsträgern gottlob nicht. Frau Merkel hat eben ihre deutsch-israelischen Konsultationen beendet, demnächst dürfte sich die israelische Marine über ein schönes neues U-Boot freuen. Die Karawane zieht weiter. Und die Tochter kläfft und kläfft.

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