Feeds:
Beiträge
Kommentare

 

Jaffa-Orangen waren gestern. Israel hat sich längst zu einem modernen Wirtschaftswunderland gemausert, der Begriff “Silicon Wadi” steht für das Gewerbegebiet nördlich von Tel Aviv, in dem sich Israels erfolgreiche Hightech-Unternehmen angesiedelt haben. Ein kürzlich auch in deutscher Übersetzung erschienenes Buch erklärt, was hinter dem erstaunlichen Wandel des Landes steckt. Anton Niehoff hat es für SoE rezensiert.

 

“Start-up Nation” von Dan Senor und Saul Singer befasst sich mit dem Phänomen eines kleinen Landes: mit nur 7,1 Millionen Einwohnern hat es nicht nur die höchste Dichte an Hightech-Start-ups in der Welt (eines pro 1.844 Einwohner), sondern mehr Unternehmen an der US-Technologiebörse NASDAQ notiert als die Länder des gesamten europäischen Kontinents zusammen. Pro Kopf wird zweieinhalbmal mehr Risikokapital investiert als in den USA (und mehr als 30mal mehr als in Europa). Das Buch handelt von Israel, und es erklärt, warum dieses Land in den letzten 50 Jahren so viele erfolgreiche Innovationen hervorgebracht hat wie kein anderes.

Wie viele andere Länder hat auch Israel erkannt, dass Innovationen ein gutes Umfeld brauchen. Exzellenzcluster mit Nähe zu Universitäten, Großunternehmen und Start-ups sind ebenso wichtig wie Zugang zu einem Pool von Talenten und zu Venture Capital – aber diese Bedingungen finden sich auch in den USA, zahlreichen europäischen Ländern und in Asien, etwa in Singapur oder Korea.

Israel zeigt, dass die makroökonomischen Faktoren allein nicht ausreichen. Ausführlich schildern die Autoren, wie die Geschichte des Landes zu diesem außergewöhnlichen Phänomen beigetragen hat. So wanderten z. B. immer wieder Juden aus aller Welt ein, die unterschiedliche Talente und kulturelle Prägungen mitbrachten und die ihren Platz und ihre Beschäftigung finden mussten, egal wie gut oder schlecht die ökonomische Situation gerade war. Und natürlich ist auch die Tatsache von Bedeutung, dass das Land ständigen Bedrohungen durch seine Nachbarn ausgesetzt ist.

In Israel herrscht daher eine sehr spezielle Kultur der Führung, des Risikomanagements und vor allem der Eigeninitiative: “Wenn ein israelischer Unternehmer eine Geschäftsidee hat”, beschreiben die Autoren diese Einstellung, “dann wird er noch in der gleichen Woche mit der Umsetzung beginnen.” Dazu passt, dass eine typische Hightech-Neugründung in Israel etwa zehnmal mehr Startkapital erhält als ein vergleichbares Unternehmen in Europa – und dass die Fluktuationsrate dieser Neugründungen fast zehnmal so hoch ist wie in den USA. Neue Ideen werden rigoros in der Praxis getestet und entweder verworfen oder beständig verbessert.

Hinzu kommt, dass Israelis es gewohnt sind, in Teams zu arbeiten, sich zu vernetzen, und es vor allem selbstverständlich finden, Autoritäten, Lehrmeinungen und Gewohnheitsdenken beständig zu hinterfragen und herauszufordern.

Europäische Leser können aus dem Buch durchaus Gewinn ziehen. Zum einen schildert es auf hohem analytischen Niveau die vielen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die das kleine Land gemeistert hat und bietet so eine völlig neue Sicht auf Israel, das hierzulande nur auf der Folie des Nahostkonflikts wahrgenommen wird. Zum anderen bietet es auch persönlich nützliche Einsichten. Denn während makroökonomische Faktoren nur langsam geändert werden können, hat es jede Firma, jeder Unternehmer und jeder Gründer selbst in der Hand, persönliche Einstellungen und Unternehmenskultur zu ändern. Denkanstöße dafür bietet das Buch zur Genüge, und deswegen ist es eine höchst anregende Lektüre.

 

Klaar Kiming

Der Naivität und der Blauäugigkeit, die sich der Westen inbezug auf die Gefahr durch den militanten politischen Islam immer noch leistet, setzt Bibi Netanyahu im Gespräch mit der WELT am Sonntag eine nüchterne Analyse der Lage im Nahen und Mittleren Osten entgegen.

Auf die Frage, ob Israel sich auf seine Freunde verlasse:

Verlassen wir uns auf andere, wenn es um unsere Sicherheit und unser Überleben geht? Die Antwort ist: Nein. Suchen wir Verbündete? Nun, alle Länder suchen Verbündete. Selbst Supermächte wie die Vereinigten Staaten suchen Verbündete. Deshalb begrüßen wir unser enges Verhältnis zu Deutschland genauso wie zu den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.

Aber verlassen wir uns darauf? Nein. Das ist die zentrale historische Lehre, die wir aus dem Holocaust gezogen haben. Der Holocaust war der Endpunkt einer Abfolge von Gräueltaten, denen das jüdische Volk wie kein anderes ausgesetzt war, weil es heimat- und machtlos war. Deswegen haben wir beschlossen, die Fähigkeiten zur Selbstverteidigung zu erringen.

Zu der These, dass das iranische Regime nicht selbstmörderisch sei:

Der große Islamforscher Bernard Lewis von der Universität Princeton hat einmal geschrieben, das Prinzip der wechselseitig zugesicherten Zerstörung [die Atomwaffen-Doktrin, die im Kalten Krieg als "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den USA und der UdSSR bekannt wurde; Anm. d. Red.] sei für die radikalen Kleriker der iranischen Führung keine Abschreckung sondern ein Anreiz.

Sie haben diesen bizarren Glauben, dass der verborgene Imam – ein religiöser Führer, der vor einem Jahrtausend verschwand – in einem Feuersturm zurückkehren werde und dass es eine Katastrophe braucht, um sein Wiedererscheinen zu bewirken. Ich würde nicht auf die Rationalität eines solchen Regimes wetten. Bedenken Sie, dass zur Geburt dieses Systems die Verletzung eines uralten Prinzips gehörte: Botschaften sind unantastbar. Sie haben die diplomatische Vertretung der USA angegriffen, sie haben in aller Welt Diplomaten ermordet, sie liefern Massenvernichtungswaffen an ihre Handlanger, sie drohen mit der Sperrung der Straße von Hormus.

Die Iraner sind im Jemen aktiv, am Horn von Afrika, in Nordafrika, in Afghanistan, wo sie helfen, Nato-Soldaten zu töten. Sie sind sogar in Südamerika präsent. Alles das machen sie schon ohne Atomwaffen – stellen Sie sich nur vor, was sie mit Atomwaffen alles tun würden. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass Abschreckung bei derart militanten Akteuren funktioniert.

Über die grundsätzliche Abneigung der Nachbarschaft gegen den jüdischen Staat:

Sie sehen in uns den Vorposten jener freien, offenen Gesellschaft, die sie verachten und am liebsten auslöschen würden. Sie haben diese Freiheit und diesen Pluralismus aus ihrem eigenen Einflussbereich verbannt und nun wollen sie ihre Tyrannei auf den Rest der Welt ausweiten. Im Übrigen halten sie damit nicht hinterm Berg, sondern sagen es ganz offen.

Darin spiegelt sich ihre Verachtung: Sie äußern ihre Abneigungen laut und die Europäer setzen dem nichts entgegen. Teheran glaubt, damit käme es ungeschoren davon. Ich denke hingegen, es ist die Pflicht anständiger Menschen in Deutschland und Europa, klarzumachen, dass dem nicht so ist.

Beruhigend, dass in diesen Zeiten, in denen sich der als Antizionismus kaschierte blanke Judenhass rund um den Globus immer offener manifestiert und in der die terroristische und militärische Bedrohung des Landes stetig wächst, jemand an der Spitze der Regierung steht, der sich keine Illusionen über die Welt macht, in der sich Israel behaupten muss.

 

Die öffentliche Verbrennung von Flaggen westlicher Länder – insbesondere der Flagge Israels und der USA – ist in der islamischen Welt ein gesellschaftliches Event, ein gemeinschaftsstiftendes Ritual, ein Happening vergleichbar den traditionellen Protesten gegen den Castor-Transport in deutschen Landen.

Von Nordafrika bis Pakistan nehmen vorzugsweise Männer daran teil und erwecken dabei den Anschein spontaner Empörung, obwohl es zur Durchführung des Rituals im Vorfeld gewisser Vorkehrungen bedarf. Nicht immer ist eine industriell gefertigte Flagge zur Hand, oft genug müssen die für das Feuer bestimmten Tuche in mehr oder weniger mühsamer Eigenarbeit hergestellt werden. Ägypter, Palästinenser, Jordanier, Libanesen, Iraner, Iraker und Pakistanis hocken also auf dem Boden und bemalen weiße Rechtecke mit Stars & Stripes beziehungsweise mit dem Davidstern. Das Ergebnis ist mitunter enttäuschend. Eine Stilkritik.

 

Hier kommt westliche Technik zum Einsatz, um bei der Zerstörung eines mit viel Wohlwollen als israelische Flagge zu bezeichnenden Stoffs einen halbwegs imposanten Effekt zu erzielen. Aber seien wir ehrlich: Überzeugend ist das nicht.

 

Diese Ägypter haben sich bei der Fertigung der Fahne eher wenig Mühe gegeben, dafür ist der Akt als solcher ein Augenschmaus für jeden Pyromanen.

 

Schauplatz Jordanien: Diese Herren haben sehr nachlässig gearbeitet. Die roten Streifen sind im Verhältnis zu den weißen viel zu dünn, und statt der Sterne hat man doch tatsächlich nur einige Kreuzchen (!), ja, man muss es sagen: hingerotzt wie auf den Lottoschein. Da hilft auch die Entschuldigung nichts, dass Herstellung und Verbrennung zeitlich in einem eklatanten Missverhältnis zueinander stehen, schließlich ist das beim Kochen und Essen genauso. Pfusch!

 

Auch hier wurde geschludert. Den Union Jack zieren lächerlich dünne Streifen, die wie mit Wachsmalstiften ausgemalt scheinen, und auf der US-Flagge prangen blaue Pentagramme auf weißem Grund. Geht gar nicht.

 

Dieser Herr verzichtet auf die kollektive Entrüstung und zieht die traditionelle Show allein durch. Nicht ganz ungefährlich, es hat durchaus schon tragische Unfälle gegeben.

 

An der wohl im Handel erworbenen Flagge ist nichts auszusetzen, allerdings hat sie jemand in seiner Wut auf den großen Satan verkehrt herum an der Stange befestigt. Auch wenn das Malheur vor imposanter Kulisse passiert ist: kein Drama. Schließlich wurde schon der Heilige Petrus kopfüber gekreuzigt.

 

In diesem Fall müssen wir jedoch schimpfen. Die Flagge Marke Eigenbau hängt komplett verkehrt herum. Offenbar hat sich niemand bemüßigt gefühlt, „Das blaue Viereck nach oben links!“ zu rufen. Jetzt haben wir den Salat.

 

Kommen wir zu einem wirklich desaströsen Produkt. Das star spangled banner ist komplett misslungen, das blaue Feld schließt nicht oben ab, wir sehen nur vier, deutlich zu dick geratene Streifen, und die Anzahl der Sterne beläuft sich, auch wenn ein Schuh das schamhaft zu verdecken versucht, auf gerade einmal zwölf von fünfzig. Bei der israelischen haben die pakistanischen Wutbürger die blauen Streifen, die nach arabischem Narrativ für Nil und Euphrat stehen, schlicht vergessen, und wofür die beiden mit Kreuzen bemalten Rechtecke stehen sollen, bleibt ein Mysterium. Die Schweiz? Dänemark? Das Rote Kreuz? Sämtliche Optionen wären dramatisch schlecht umgesetzt. Enttäuschend.

 

Wo sogar T-Shirts und Oberhemden knapp sind, bleibt auch das Rohmaterial für Flaggen Mangelware – geschenkt. Das rechtfertigt jedoch nicht die schludrige Bemalung insbesondere des US-Banners! Diese Jungs müssen noch viel lernen.

 

Vor der Stürmung der israelischen Botschaft in Kairo bringen sich die Demonstranten auf ihre Art in Stimmung. Blau ist out, stattdessen setzt man im Arabischen Frühling auf ein frisches Türkis. Kann man unter „künstlerische Freiheit“ verbuchen.

 

Nein, das ist, Entschuldigung, popelig: Unter Verzicht auf eine Stange hält man das lieblos bearbeitete Laken (die Streifen nur hauchdünne Striche, der Davidstern viel zu groß und unproportioniert) mit der Hand fest, während es angezündet wird. Das ist billig, das ist nichts. Auch der Schlappen, mit dem auf das Objekt eingeprügelt wird, kann den verheerenden Gesamteindruck nicht aufpolieren.

 

Diese Israelkritiker brennen ein fast kreisrundes Loch in die bewusst unperfekt gestaltete Flagge mit dem Davidstern. Auch im arabischen Raum ist also durchaus die eine oder andere Innovation möglich. Ist da vielleicht noch mehr zu erwarten?

 

Tatsächlich! In Jordanien hat man eine US-Flagge um ein Grautier mit vier Buchstaben sowie eine israelische Flagge mit minderwertigem Schuhwerk drapiert. Die Stimmung ist allerdings mäßig, ein Mann hält das Bild für die Nachwelt fest, drei weitere feixen, der Rest schaut indifferent drein oder wendet sich sogar ab. Offensichtlich muss sich diese interessante Variante erst durchsetzen. Kann allerdings dauern, im Orient.

 

Im Irak erfreut sich diese Version als Alternative zum öden Zebrastreifen großer Beliebtheit. Entspannt schlendern die Menschen über eine XXXL-Flagge Amerikas, womöglich zu einer McDonald´s-Filiale, was dem ganzen eine pikante Note gäbe. Dennoch: Das hat was!

 

Oha, ein Promi! In einem ansonsten eher uninspirierenden Ambiente demonstriert kein Geringerer als Mahmud al-Zahar, einer der Altvorderen der demokratisch gewählten Hamas, dass er Israels Politik für kritikwürdig hält. Allerdings sieht er von einer Verbrennung des Fußbodenbelags demonstrativ ab, was seine grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft klar unterstreicht.
Herr Lüders, übernehmen Sie!

 

Yom HaShoah 5772

Our enemies tried to deny us our future, but we rose again, in the land of our forefathers. Today, the Iranian regime openly calls (and acts) for our destruction. This time however, we have our own country, our own army. We have the capability, the duty and the determination to defend ourselves. We will never bury our heads in the sand. The People of Israel live. And also the Strength of Israel will not lie nor repent.

Bibi Netanyahu on Yom HaShoah 5772

 

Man muss kein Freund von Innenminister Eli Yishai sein, um für die Entscheidung, Günter Grass zur “persona non grata” zu erklären, Verständnis aufzubringen. Tatsächlich erträgt Israel täglich zahllose Medienschaffende, Politiker, NGOs und andere Menschen, die den Staat rituell verunglimpfen. Eine Demokratie muss das aushalten, darf allerdings auch souverän darüber entscheiden, wer willkommen ist und wer nicht. Ein ehemaliger Waffen-SS-Mann, der die Bedrohung Israels durch das iranische Mullah-Regime herunterspielt und ausgerechnet den jüdischen Staat zur größten Gefahr für den Weltfrieden erklärt, darf dies in Lübeck oder sonstwo gern tun, in Israel mag man ihn nicht mehr sehen.

Ebenso gute Gründe gibt es, selbst ernannte Menschenrechtler und Friedensaktivisten, die anstelle des jüdischen lieber einen palästinensischen Staat sähen, von Israels Grenzen fernzuhalten. Diese sehen über 9000 Tote im nahen Syrien großzügig hinweg, nur um in Ramallah ihrer Israel-Obsession zu frönen, und haben genau die Antwort verdient, die ihnen die israelische Regierung vor der zügigen Abschiebung zukommen ließ:
 

 

Antizionisten, die sich zur Tarnung zynischerweise als Menschenrechtler ausgeben, verbreiten gern Schauergeschichten über hochschwangere Palästinenserinnen, die an israelischen Checkpoints gebären müssten, während, wie etwa Abraham Melzer behauptete, Zahal-Soldaten sich darüber köstlich amüsierten. Leute dieses Schlages schwadronieren schon mal, wie Evelyn Hecht-Galinski in einem bizarren Radio-Interview von „getrennten Bürgersteigen“ (sic!) im vermeintlichen „Apartheid-Staat Israel“.

Nun sind mehr als 1,6 Millionen von 7,8 Millionen Israelis arabischer Herkunft. Man kann nicht behaupten, dass das Neben- und Miteinander völlig spannungsfrei verliefe, aber: Es funktioniert. Eine gute Freundin von mir etwa unterrichtet als Sportlehrerin in einer Schule östlich von Netanya auch eine ganze Anzahl arabischer Schüler, Araber wirken als Schauspieler auf Filmsets und Theaterbühnen mit, schimpfen mitunter als Abgeordnete der Knesset auf den Staat, der sie wohlversorgt. Und sie bevölkern als Ärzte, Pfleger und Patienten die 60 Kliniken des Landes, und beileibe nicht nur das Hadassa in Jerusalem – dies nur, weil die Wochenzeitung DIE ZEIT kürzlich in einem Artikel den Eindruck erweckte, die Behandlung von Juden und Arabern im selben Krankenhaus sei eine kleine Sensation. Das ist Bullshit, wie das meiste, was einem die Medien zumuten, wenn es um Israel und den Nahen Osten geht.

Während üble Nachredner wie Melzer und Hecht-Galinski die Israelis als Unmenschen diffamieren, sieht die Realität sogar für die Araber in den palästinensischen Autonomiegebieten, der Westbank und Gaza, anders aus: Selbst in den Zeiten der verheerendsten Terroranschläge in Israels Städten wurden verwundete Palästinenser in israelischen Krankenhäusern behandelt, inklusive ruchloser Terroristen und überlebender Selbstmordattentäter. Und das ist, Gerede von „Blockade“ und „Freiluftgefängnis“ hin oder her, noch immer so: Im vergangenen Jahr erhielten 115.000 Palästinenser aus den Gebieten medizinische Hilfe in Israel, auch retteten Organtransplantationen fünf Palästinensern das Leben, ohne dass in Israel darum ein großes Gewese gemacht würde – anders als im umgekehrten Einzelfall, der – so nobel er natürlich ist – gleich an die große Glocke gehängt wurde. „Mann beißt Hund“ ist eben interessanter, und wenn sich ein bisschen Propaganda aus einer durchaus guten Tat schlagen lässt, umso besser. Der Tübinger Filmemacher Marcus Attila Vetter wird sich, diese Prognose sei gewagt, sicherlich nicht in ein israelisches Krankenhaus bequemen, um zu dokumentieren, wie Israelis Palästinenserleben retten.

Immerhin hat sich DIE ZEIT jetzt dazu durchgerungen, einen sogenannten Leserartikel zu veröffentlichen, der zwar keinen einzigen eingefleischten Antisemiten Israelkritiker zum Nachdenken bewegen wird, aber dafür denkwürdige Aussagen wie diese enthält:

Im Regelfall ist es kein Problem, dass kranke palästinensische Kinder für Operationen über die Gazagrenze dürfen. In einem Haus in Jerusalem kommen sie mit ihren Müttern zeitweise unter. Ich fahre sie zu Untersuchungen und Operationen in die Krankenhäuser nach Tel Aviv. Zwei davon geben uns Vergünstigungen von fünfzig Prozent – bis zu 8.000 US-Dollar.

Oder:

Dienstags ist Gazatag. Dann fahre ich mit einem arabisch sprechenden Mitarbeiter an den Grenzpunkt Eres, um Familien abzuholen und sie nach Tel Aviv zu bringen. Dort werden diejenigen aufgenommen, die für eine Operation bleiben müssen.

Oder:

Bei einer Essenseinladung traf ich einige Israelis. Ich erfuhr, wie viele aktive und hilfsbereite Menschen hier leben und wie viele sich freiwillig engagieren. Das Interesse an unserer Arbeit war unerwartet groß. Wie der Zustand der Hamaskinder sei und ob es ihnen auch gut gehe nach den Operationen, fragte ein Regierungsbeamter. Die militante Gruppe der Hamas beschießt immer wieder sein Land. Trotzdem sorgte er sich um das Wohlergehen der Kinder, was mich sehr berührte.

Verständlich, dass es Hannes-Christoph Buchmann berührte, und man sollte ihm nicht nur für seine Tätigkeit Respekt zollen, sondern auch dafür, der ebenso maß- wie endlosen Hetze gegen den jüdischen Staat mit diesem kleinen Artikel einen Ausschnitt aus der Realität entgegengehalten zu haben. Während die Palästinenser ihre zahlreichen Terroristen als Volkshelden feiern, sperren die Israelis ihre wenigen ins Gefängnis – und flicken die des Feindes noch im Krankenhaus zusammen. Deren Kinder sowieso. Sehr viel mehr muss man über diesen Teil des Nahost-Konflikts gar nicht wissen, vorausgesetzt man ist keiner von denen, die Moral für ein lateinisches Schimpfwort halten.

 

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 122 other followers