Spirit of Entebbe ist es gelungen, vor der ersten Sitzung der Selbsthilfegruppe der Anonymen Antizionisten eine Wanze anzubringen. Im Folgenden wird die bizarre Vorstellungsrunde in Auszügen protokolliert.
„So, jetzt stellt sich jeder bitte mal kurz vor und sagt in ein paar Sätzen, warum er hier ist.“
„Ja, hallo, isch bin dä Nobbät, und isch wollte eigentlisch mit dem Rupert herkommen, aber der ist gerade auf einem Schiff unterwegs. Und isch bin hier, weil isch endlisch mal offen über den hemmungslosen Vernischtungskrieg der Israelis spreschen können will. Wenigstens hier muss man das dürfen.“
„Das ist so sischä wie die Rente, Norbert!“ (Gelächter)
„Hallo! Ich bin die Tochter von Heinz Galinski und eins muss ich jetzt doch mal sagen, äh…“
„He, he, bitte sehr: Bitte nur den Vornamen nennen, hatten wir abgemacht.“
„Entschuldigung, das geht bei mir automatisch, ich mach’ das immer so.“
„Ja, ich bin der Erhard, und ich rege mich über alles auf, was mit Israel zu tun hat. Neulich hab ich geträumt, wie ein Siedler einem palästinensischen Bauern den Stinkefinger gezeigt hat, da bin ich schweißgebadet aufgewacht und hab nicht wieder einschlafen können. Am nächsten Morgen musste ich diese Ungeheuerlichkeit gleich auf meine Homepage stellen. Dafür brauche ich übrigens immer Geld, also wenn der eine oder andere von euch ein paar Euro übrig hat…“
„Also, nee, Erhard, wir wollen uns doch hier auf euer Problem konzentrieren.“
„Ja! Ist ja auch ein großes Problem für mich! Außerdem leide ich darunter, dass mir immer wieder diese Wörter rausrutschen. Neulich, bei der Armenspeisung, da kam das auch so plötzlich, da hab ich auf einmal richtig losgebellt: ,Besatzung! Unrecht! Völkermord! 60 Jahre! Und man darf nix sagen!’ Da haben mich die anderen alle ganz komisch angeschaut.“
„Ja, das ist das Tourette-Syndrom des Israelkritikers, ganz typisch für jeden von euch, wie ich in der Vorbereitung auf dieses Treffen gesehen habe.“
„Hi, ick bin der Norman, und ick bin auck ain Opfer der judischen Lobby…“
„Norman? Ist ja witzig – so heiß’ ich auch!“
„Ja, hallo, ich bin die Ellen. Ich habe im Vorfeld ein paar Zeilen zu Papier gebracht, die möchte ich gern vorlesen. (räuspert sich)
Unsagbares Unrecht geschieht in jüdischem Namen
Ein Kulturvolk, das jetzt praktisch nur noch aus Mördern besteht
Aus Landräubern und Brunnenvergiftern (außer Uri)
Und die Welt schweigt. Nur wenige sind tapfer
Und stellen sich dem Meer der Lügen und Verleumdungen entgegen
Stehen auf und sagen: Es reicht!
Unter großen persönlichen Opfern… Moment… (Papierrascheln)… es sind nur noch 120 Verse…“
„Das mit den Opfern stimmt! Opfer der Opfer!“
(Beipflichtendes Gemurmel)
„Hallo, ich bin die Tanja, und ich träume jede Nacht von diesem Broder.“
(Bei der Nennung dieses Namens Unruhe, empörte Rufe)
„Geht mir auch so, Tanja! Jede Nacht! Jede Nacht! Und tagsüber muss ich an ihn denken.“
„Schön, dass du mich verstehen kannst, Erhard. Diese menschenverachtenden Texte, die treiben mich in den Wahnsinn! Aber ich muss die regelrecht in mich aufsaugen, jedes einzelne Wort, damit ich mich weiter empören kann. Das ist wie eine Droge.“
„Finde ich jetzt irgendwo sehr interessant, Tanja, bei Gelegenheit musst du uns mehr über deine Jugend erzählen, ich glaube, da liegen sicher einige Wurzeln deines Problems.“
„PISSKACKHEILHITLER! Genozid! Landraub! 60 Jahre Apartheidstaat! Oh, sorry, es ist schon wieder über mich gekommen…“
„Schon okay, Erhard. Es ist ja auch ein Stück weit befreiend, wenn man das ganz offen rauslassen kann. Du bist ja auch hier unter Menschen, die das alles selber erlebt haben und immer noch erleben.“
„Bei mir ist das so: Ich höre auch manchmal Stimmen.“
„Ja, Ellen, das ist unheimlich wichtig, dass du das erwähnst, da können die anderen sicher auch was dazu sagen…“
„Mick bringt das um, ick finde ja, dass jäides Volk hat ein Anrescht auf eine Staat, aber nickt diese Juden – und dann nock in ihre historische Haymat! Aber wenn ick das laut sage, dann flieg ick von der Uni! Und sie verbrennen meine Büscher!“
„Aber hallo! Als Israelkritiker wirst du ja verfolgt wie die Tutsi in Ruanda, die machen dich fertig, ohne jeden Skrupel. Dieser Broder (Empörung in der Runde, hysterische spitze Schreie) und diese Liza und wie sie alle heißen, das ist die reinste Inquisition.“
„Hast du dich näher mit Ruanda beschäftigt, Ludwig?“
„Ich?! Nääääääää! Wieso denn?“
„Ist doch ohne Beispiel, diese menschenverachtende Politik, da waren ja sogar…“
„Bauern! Von ihren Feldern abgeschnitten! Und die Mauer ist höher als die der Anstalt, in die sie mich neulich eingeliefert haben! Und die Frauen bekommen ihre Kinder im Auto und die Männer müssen als Sklaven arbeiten. Wenn sie Glück haben! Sonst sterben sie eines qualvollen Todes.“
„Äh, ja, Ellen, wir wollen doch aber hier mehr über euch und euer Problem reden.“
„Ich muss mal.“
„Gut, dann schlage ich vor, dass wir jetzt eine Pause machen, und dann sprechen wir danach über eure Kindheit.“
„Broder die Sau! Fuck you! 60 Jahre Naqba!“
„Ist ja gut, Erhard. Man kann da mittlerweile was machen, weißt du. Mit Tabletten.“