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Ferien! Irgendwann muss man sich von der Beschäftigung mit dem antizionistischen Gruselkabinett erholen. Von der Arbeit natürlich auch. Will heißen: Wenn die geschätzten Kollegen Eisealuf und Rowlf the Dog sich weiter bedeckt halten, wird es hier in den nächsten zwei Wochen recht ruhig zugehen.

Verabschiede mich hiermit auf die Insel.

Bleiben Sie uns gewogen.

Claudio

In den alten Zeiten war das so: Wer nix zu beißen hatte, kam möglicherweise irgendwann auf die Idee, irgendwo einen Laib Brot zu stehlen. „Mundraub“ nannte man das, und das war beileibe kein Verbrechen, sondern eine Mitleid erregende Tat. Stand es um die Gesamtsituation nicht zum Besten, riss man schon mal einer Omi die Handtasche weg. Schon etwas weniger sympathisch, aber im Vergleich zu den folgenden doch eine eher lässliche Sünde.

Mit einem Bulldozer Autos und Menschen zu zermalmen, Schüler in einer Bibliothek mit einer Maschinenpistole niederzumähen, Grenzpolizisten zu töten – das ist schon ein anderes Kaliber, das kaum als Verzweiflungstat, noch dazu als eine aus Armut geborene, durchgehen kann. Eigentlich. Denn in der Frankfurter Rundschau erweckt die notorische Inge Günther den Eindruck, dass es auch für solche Verbrechen eine Entschuldigung (sie würde sagen. Erklärung) gibt:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1380441_Armut-schuert-die-Kriminalitaet.html

„Armut schürt die Kriminalität“ – das ist doch eine Überschrift, die die schwindsüchtige FR-Leserschaft anspricht. Zwar deutet die Autorin an, dass auch der politische Frust ein Motiv sein könnte, und sogar der wahre Grund wird erwähnt, jedoch nur, um gleich wieder relativiert zu werden:

„Nicht nur Islamisten von der Hamas hetzen. In West-Jerusalem etwa tauchten jüngst Plakate auf, die offenbar rechtsradikale Kahane-Anhänger verfasst hatten: “Gebt ihnen” - gemeint sind die Palästinenser - “keine Gewehre, gebt ihnen keine Bulldozer, gebt ihnen keine Jobs.”

Inge Günther stellt also das „Schlachtet die Juden“ der Hamas auf eine Stufe mit der Forderung radikaler (?) Israelis, ihren Feinden keine Tötungsmittel in die Hand zu geben. Nun können zwar die 250.000 Araber Jerusalems nichts für eine überschaubare Anzahl Terroristen, aber zumindest der Forderung, ihnen keine Gewehre zu geben, kann man sich auch anschließen, ohne rechtsradikal zu sein. Leider vergisst Inge Günther auch zu erwähnen, dass die Hamas bei der Mehrheit der Palästinenser einen Stein im Brett hat, während die Kahane-Anhänger (von denen auch Günther nicht wirklich weiß, ob sie die Plakate zu verantworten haben) mit ihrer Partei in Israel nicht mal zur Wahl zugelassen sind. Wichtig ist nur: „Unter beiden Bevölkerungen machen Radikale zusätzlich böse Stimmung.“

Es müssen ja immer beide sein – eines der Leitmotive deutscher Nahostberichterstatter. Haben wir jetzt alle drei zusammen? Terrorverständnis, Gleichmacherei – ah, es fehlt noch die Täter-Opfer-Umkehr. Kein Problem für die versierte Inge Günther:

„Besagte Familie Dwayat jedenfalls zahlte seit Jahren Strafgebühren für ihr “illegal” errichtetes Haus. Eine Summe, die sich umgerechnet auf einige zehntausend Euro beläuft; hinzu gesellten sich Anwalts- und Gerichtskosten. Aus dem Haus wird sie wahrscheinlich so oder so müssen, da sie das Geld nicht mehr aufbringen kann. Die Eltern sind schwer krank, der eine Sohn kam bei dem Attentat um, der andere verlor seinen Job als Taxifahrer. Sein israelischer Arbeitgeber hat ihn gefeuert, um sich von Kunden nicht vorhalten zu lassen, er beschäftige den Bruder eines Terroristen.“

Wenn schon keine schwere Kindheit zur Hand ist, dann müssen Krankheit und Arbeitslosigkeit Mitleid erregen – sowie die Tatsache, dass der Mörder bei seinem eigenen Amoklauf erschossen wird. So weiß der FR-Leser nun, dass der Familie des Attentäters ziemlich übel mitgespielt wurde, zumal ja auch das Wörtchen illegal in Anführungszeichen gesetzt wird, um Zweifel zu schüren. Man weiß schon, wie es zu verstehen ist.

Eine runde Sache also, der Artikel von Inge Günther. Alles drin, was so drin sein muss. Und der gute alte Uri Avnery wird auch zitiert. Inge hat im Unterricht gut aufgepasst. Kopfnote: eine glatte eins. Mit Sternchen.

Es ist ja nicht so, dass an Büchern über Israel, Palästina und den Nahostkonflikt ein Mangel herrschte. Es ist auch nicht so, dass zum Thema nicht schon so gut wie alles gesagt wäre – nur noch immer nicht von jedem. In jeder größeren Buchhandlung biegen sich die Regale vornehmlich unter obskuren Werken, auf deren Klappentexten „die Wahrheit über 9/11“ angekündigt oder das schlimme Los der Palästinenser beklagt wird. Gern platziert man die einschlägigen Wälzer auf runden Extra-Tischen, von denen man wohl nicht zu Unrecht annimmt, dass sie die entsprechende Kundschaft anziehen werden wie ein frischer Kuhfladen die Fliegen.

Als gäbe es noch nicht genügend Gründe, die Gutenberg seine Erfindung bereuen ließen, wird den sattsam bekannten Litaneien in diesem Herbst eine neue hinzugefügt. Denn, Obacht: Felicia Langer, eine der Hohepriesterinnen der deutschen Israelverleumder, Trägerin des „Alternativen Friedensnobelpreises“, Ex-Anwältin und seit längerem freischaffende Lieferantin für antiisraelischen Stoff aller Art, hat wieder zugeschlagen.

Langer, die schon vor 20 Jahren ganz viel Verständnis für den palästinensischen „Widerstand“ aufzubringen vermochte, veröffentlichte damals „Die Zeit der Steine“, verzichtete aber zu Beginn der Al-Aqsa-Intifada auf eine Fortsetzung, die konsequenterweise „Die Zeit der Sprengstoffgürtel“ hätte heißen müssen. In der Sache hat sie seit 1988 nichts hinzugelernt. Als der zunächst hoffnungsvollen israelischen Bevölkerung schmerzhaft bewusst wurde, dass es den Palästinensern keineswegs zuallererst um einen eigenen Staat ging sondern darum, den jüdischen zu zerstören, hatte Felicia längst ihre Koffer gepackt, um sich dort niederzulassen, wo man ihr Engagement für die Palästinenser respektive vor allem jenes gegen Israel besser zu schätzen wusste. So musste sie weder die Erfahrung machen, mit einer Gasmaske in abgedichteten Räumen zu hocken, während draußen die Sirenen heulten, noch, mit dem mörderischen Alltag während der zweiten „Intifada“ klar zu kommen. So wie Jürgen Drews seit 32 Jahren immer und immer wieder das „Bett im Kornfeld“ besingt, was übrigens auch schon jemand vor ihm getan hatte, spult Felicia Langer seit Jahrzehnten ihr immer gleiches Programm ab: Entrechtung, Vertreibung, Demütigung, die üblichen Klagen – gleichgültig, ob sich im Lauf der Zeit gewisse Dinge tun, ob Israel die Besatzung beenden will, ob Arafat eine Intifada lostritt oder die Palästinenser Hamas an die Regierung wählen. Das ist ebenso wenig hilfreich wie öde und kann eigentlich nur dem Zweck dienen, immer wieder Bestätigung ausgerechnet bei jenen zu suchen, vor denen sie, damals noch in Polen lebend, 1939 in die Sowjetunion flüchten musste.

Aber so wie es Menschen gibt, die Freude an Papageien haben, gibt es auch und gerade in Deutschland solche, die sich gar nicht satt hören können an den immer gleichen Vorwürfen. Da stört auch eine gewisse Einseitigkeit nicht, die sonst Grund genug ist, ein Buch in Bausch und Bogen zu verdammen. In diesem Fall ist sie sogar erwünscht, wie ein Zitat aus der Besprechung ihres Buches „Die Zeit der Steine“ belegt. Da frohlockt der Rezensent der Süddeutschen Zeitung:

„Felicia Langer verzichtet… bewusst darauf, dem Anspruch nach Vollständigkeit und Ausgewogenheit zu entsprechen. Ihr Buch ist vielmehr eine leidenschaftliche Anklage gegen das menschenverachtende Vorgehen der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik.“

Und das wird sie, die Rechtsanwältin, die lieber anklagt, zweifellos auch in ihrem neuen Buch „Um Hoffnung kämpfen“ tun. Sehr lange 240 Seiten lang. Fragt sich nur, welche Hoffnung die Autorin meint. Die auf einen eigenen Staat wird es nicht sein, sonst hätten sich ihre Schützlinge beizeiten anders verhalten. Es ist wohl eher die Hoffnung, Israel von der Landkarte zu radieren bzw. „das zionistische Regime Geschichte werden zu lassen“, wie Katajun Amirpur beruhigenderweise sagen würde. Gern auch in Form eines binationalen Staates, Hauptsache, die Juden beherrschen nicht einen Quadratmeter des Landes. Bis es soweit ist, muss Felicia Langer von Tübingen aus “für die Rechte der Palästinenser kämpfen“, wie es ihr der nicht minder anstrengende Ludwig Watzal attestiert. Dabei wäre es so einfach gewesen: In ihrer Zeit als Anwältin, auch danach noch, hätte sie ihren Mandanten beizeiten mal stecken können, dass Terrorismus ziemlich kontraproduktiv ist, wenn man seine Rechte auch am Verhandlungstisch durchsetzen kann. Dazu ist es nicht einmal jetzt zu spät. Dennoch schreibt Frau Langer den 627. antiisraelischen Aufguss, und Frau Marx schwadroniert über die angebliche Kompromisslosigkeit israelischer Regierungschefs, von denen „keiner je mit einer einzigen originellen Idee hervorgetreten (sei), keiner je einen kreativen Vorschlag gemacht (habe), wie der Konflikt mit der Palästinensern friedlich zu lösen sei.“

Als läge die Crux nicht darin, dass es eben die Palästinenser sind, die den Konflikt jederzeit beenden könnten, ließen sie denn endlich mal vom Terror. Solange sie das nicht tun, wird selbst die originellste israelische Initiative, wie auch immer sie aussehen möge, zum Scheitern verurteilt sein. Zur Erinnerung: Der originellste Vorschlag von der anderen Seite kam bislang von dem Irren aus Teheran, der die Juden nach Europa „zurückschicken“ will.

Derweil ist das Narrenschiff auf dem Weg nach Gaza, und man kann nur auf starken Seegang hoffen, damit die Passagiere ausgiebig kotzend über der Reling hängen. Das wäre nur gerecht, denn schließlich muten sie einem mit ihren elenden Tiraden schon seit langem das gleiche zu.

Keine Überraschungen in der palästinensischen Männermode. Während man drüber fast ausnahmslos auf ein betont militärisches Outfit wie Camouflagemuster und Gesichtsmaske setzt, herrscht drunter weiter Tristesse – auch was die Verpackung angeht. Nach wie vor dominieren die Klassiker Weiß, Schwarz und Blau in verschiedenen Tönen, auch der Schnitt kommt wenig innovativ daher. Fast schon originell, wohl inspiriert vom Retro-Trend, der guten alten Feinripp-Hose mit Eingriff eine neue Chance zu geben. Wobei das Revival der Schiesser gerade zwischen Djabalija und Rafach vor allem dem Namen des Herstellers geschuldet sein kann.

Die Veranstaltung sollte ursprünglich in Gaza stattfinden und wurde dann auf Druck der regierenden Hamas am Samstag ins israelische Nahal Oz verlegt. Über die Performance auf dem Laufsteg gingen die Meinungen auseinander. Überwiegend herrschte Einigkeit darüber, dass die Fatah-Models nicht nur als „Sicherheitskräfte“ keine wirklich überzeugende Figur machen.

Spirit of Entebbe ist es gelungen, vor der ersten Sitzung der Selbsthilfegruppe der Anonymen Antizionisten eine Wanze anzubringen. Im Folgenden wird die bizarre Vorstellungsrunde in Auszügen protokolliert.

„So, jetzt stellt sich jeder bitte mal kurz vor und sagt in ein paar Sätzen, warum er hier ist.“

„Ja, hallo, isch bin dä Nobbät, und isch wollte eigentlisch mit dem Rupert herkommen, aber der ist gerade auf einem Schiff unterwegs. Und isch bin hier, weil isch endlisch mal offen über den hemmungslosen Vernischtungskrieg der Israelis spreschen können will. Wenigstens hier muss man das dürfen.“

„Das ist so sischä wie die Rente, Norbert!“ (Gelächter)

„Hallo! Ich bin die Tochter von Heinz Galinski und eins muss ich jetzt doch mal sagen, äh…“

„He, he, bitte sehr: Bitte nur den Vornamen nennen, hatten wir abgemacht.“

„Entschuldigung, das geht bei mir automatisch, ich mach’ das immer so.“

„Ja, ich bin der Erhard, und ich rege mich über alles auf, was mit Israel zu tun hat. Neulich hab ich geträumt, wie ein Siedler einem palästinensischen Bauern den Stinkefinger gezeigt hat, da bin ich schweißgebadet aufgewacht und hab nicht wieder einschlafen können. Am nächsten Morgen musste ich diese Ungeheuerlichkeit gleich auf meine Homepage stellen. Dafür brauche ich übrigens immer Geld, also wenn der eine oder andere von euch ein paar Euro übrig hat…“

„Also, nee, Erhard, wir wollen uns doch hier auf euer Problem konzentrieren.“

„Ja! Ist ja auch ein großes Problem für mich! Außerdem leide ich darunter, dass mir immer wieder diese Wörter rausrutschen. Neulich, bei der Armenspeisung, da kam das auch so plötzlich, da hab ich auf einmal richtig losgebellt: ,Besatzung! Unrecht! Völkermord! 60 Jahre! Und man darf nix sagen!’ Da haben mich die anderen alle ganz komisch angeschaut.“

„Ja, das ist das Tourette-Syndrom des Israelkritikers, ganz typisch für jeden von euch, wie ich in der Vorbereitung auf dieses Treffen gesehen habe.“

„Hi, ick bin der Norman, und ick bin auck ain Opfer der judischen Lobby…“

„Norman? Ist ja witzig – so heiß’ ich auch!“

„Ja, hallo, ich bin die Ellen. Ich habe im Vorfeld ein paar Zeilen zu Papier gebracht, die möchte ich gern vorlesen. (räuspert sich)
Unsagbares Unrecht geschieht in jüdischem Namen
Ein Kulturvolk, das jetzt praktisch nur noch aus Mördern besteht
Aus Landräubern und Brunnenvergiftern (außer Uri)
Und die Welt schweigt. Nur wenige sind tapfer
Und stellen sich dem Meer der Lügen und Verleumdungen entgegen
Stehen auf und sagen: Es reicht!
Unter großen persönlichen Opfern… Moment… (Papierrascheln)… es sind nur noch 120 Verse…“

„Das mit den Opfern stimmt! Opfer der Opfer!“

(Beipflichtendes Gemurmel)

„Hallo, ich bin die Tanja, und ich träume jede Nacht von diesem Broder.“

(Bei der Nennung dieses Namens Unruhe, empörte Rufe)

„Geht mir auch so, Tanja! Jede Nacht! Jede Nacht! Und tagsüber muss ich an ihn denken.“

„Schön, dass du mich verstehen kannst, Erhard. Diese menschenverachtenden Texte, die treiben mich in den Wahnsinn! Aber ich muss die regelrecht in mich aufsaugen, jedes einzelne Wort, damit ich mich weiter empören kann. Das ist wie eine Droge.“

„Finde ich jetzt irgendwo sehr interessant, Tanja, bei Gelegenheit musst du uns mehr über deine Jugend erzählen, ich glaube, da liegen sicher einige Wurzeln deines Problems.“

„PISSKACKHEILHITLER! Genozid! Landraub! 60 Jahre Apartheidstaat! Oh, sorry, es ist schon wieder über mich gekommen…“

„Schon okay, Erhard. Es ist ja auch ein Stück weit befreiend, wenn man das ganz offen rauslassen kann. Du bist ja auch hier unter Menschen, die das alles selber erlebt haben und immer noch erleben.“

„Bei mir ist das so: Ich höre auch manchmal Stimmen.“

„Ja, Ellen, das ist unheimlich wichtig, dass du das erwähnst, da können die anderen sicher auch was dazu sagen…“

„Mick bringt das um, ick finde ja, dass jäides Volk hat ein Anrescht auf eine Staat, aber nickt diese Juden – und dann nock in ihre historische Haymat! Aber wenn ick das laut sage, dann flieg ick von der Uni! Und sie verbrennen meine Büscher!“

„Aber hallo! Als Israelkritiker wirst du ja verfolgt wie die Tutsi in Ruanda, die machen dich fertig, ohne jeden Skrupel. Dieser Broder (Empörung in der Runde, hysterische spitze Schreie) und diese Liza und wie sie alle heißen, das ist die reinste Inquisition.“

„Hast du dich näher mit Ruanda beschäftigt, Ludwig?“

„Ich?! Nääääääää! Wieso denn?“

„Ist doch ohne Beispiel, diese menschenverachtende Politik, da waren ja sogar…“

„Bauern! Von ihren Feldern abgeschnitten! Und die Mauer ist höher als die der Anstalt, in die sie mich neulich eingeliefert haben! Und die Frauen bekommen ihre Kinder im Auto und die Männer müssen als Sklaven arbeiten. Wenn sie Glück haben! Sonst sterben sie eines qualvollen Todes.“

„Äh, ja, Ellen, wir wollen doch aber hier mehr über euch und euer Problem reden.“

„Ich muss mal.“

„Gut, dann schlage ich vor, dass wir jetzt eine Pause machen, und dann sprechen wir danach über eure Kindheit.“

„Broder die Sau! Fuck you! 60 Jahre Naqba!“

„Ist ja gut, Erhard. Man kann da mittlerweile was machen, weißt du. Mit Tabletten.“

Olmi!

Es tut mir leid, dass ich gestern so hysterisch geschrien hab am Telefon. Ehrlich. Hab einfach die Nerven verloren. Aber ist das ein Wunder? Gegen das, was mir hier blüht, sind deine Termine bei der Polizei doch, entschuldige, Pipifax. Hast du wirklich nur diese Kleckerbeträge angenommen? Wir haben uns kaputtgelacht, als wir das erste Mal davon hörten. Für solcherart Kleingeld stehen sie bei uns in der PA nicht mal mittags auf.

Aber jetzt mal im Ernst: Ich weiß nicht mehr weiter. Euer Deal mit der Hisbollah war das Bekloppteste, was du machen konntest. Du hast die Preise versaut, Mann! Was meinst du, was Haniye für Shalit fordern wird? 500 Arschgeigen. 1000 Arschgeigen. 2000 Arschgeigen! Inklusive Barghouti. Und der hat Chancen hier, das weißt du, in dieser Weltgegend ist man stolz auf Leute, die nachweislich Juden umgenietet haben. Ya’allah, und das alles für zwei Leichen! War’s das wert? Nein, Ehud, das war’s nicht. Eure Pietät ist von vorvorgestern, die passt einfach nicht hierher. Aber vielen Dank, lass jetzt nur noch meine Todfeinde von der Hamas laufen, dann kann ich mich gleich einsargen lassen. Ich weiß, natürlich bin ich auch selber ein bisschen schuld. Schließlich hab ich ja immer gefordert, dass ihr alle Gefangenen frei lasst. Aber, Mann, das ist RHE-TO-RIK! Wir legen eben immer eine Schippe drauf. Meinst du, ich hab das ernst gemeint, als ich eure Militäraktion in Gaza einen Holocaust genannt habe? Dabei hat’s den doch nicht mal damals gegeben, wie ich in meiner staubtrockenen Doktorarbeit geschrieben habe. Komm, Ehud, du bist doch auch im Orient geboren. Aber du kennst uns immer noch nicht. Im Gegensatz zu unseren Brüdern. Deshalb zahlen sie auch nicht, obwohl sie’s versprochen haben.

Und jetzt sind wir pleite. Die ganze UN- und EU-Kohle, all die Milliarden, alles auf den Kopf gehauen. Für Waffen, für Sprengstoff. Für Swimmingpools. Und mit dem Rest haben wir uns die Cohibas angesteckt. Okay, Fayad nicht, aber der ist auch der Einzige. Sowieso ein Außenseiter. Schon der Name: Salaam! Ha! Wenn du hier nicht Jihad oder Shahid oder Abu Hitler heißt, machst du hier keine Karriere. Aber den mussten wir uns ja aufs Auge drücken lassen, sonst wären hier schon längst die Lichter ausgegangen. Wenn wir den Laden hier dicht machen, kannst du den Fayad haben – vorausgesetzt, du vertraust jemandem, der nicht korrupt ist.

Tja, jetzt sitzen wir beide ganz schön in der Patsche. Du bist so arm dran, dass dich wahrscheinlich sogar Tsipi mit verbundenen Augen schlägt, und ich bin bankrott, bei meinem Volk als Weichei verrufen, draußen in der Welt als ohnmächtig und bei euch als Typ, dem man nicht mal einen Gebrauchtwagen abkaufen würde. Und Haniye lässt sich demnächst meinen Kopf auf einem silbernen Tablett servieren. Na, Mahlzeit!

Alles Scheiße, Ehud. Weißt du was? Lass das mal demnächst Mofaz und Netanyahu gegen Haniye und Barghouti ausschießen, das ist allemal ehrlicher als unser Gegurke. Wie das in diesen Breitengraden üblich ist. Bis einer „Onkel!“ ächzt. Ich ahne schon, wer das sein wird.

Wunder´dich übrigens nicht, dass ich meine Drohung, die PA aufzulösen, publik gemacht habe. Aber sonst hätte es einfach niemand bemerkt.

Dein trauriger Mahmud

(Abu Mazens frühere Briefe an Ehud Olmert findet man hier.)

Darf man eine Dame Anfang 80 verbal attackieren? Man darf, jedenfalls wenn es sich um eine handelt, die sich als Kämpferin gegen den Antisemitismus versteht, aber derart herzhaft gegen Juden hetzt, dass einem Julius Streicher das Herz aufgegangen wäre.

Die Dame heißt Ellen Rohlfs und ist „autorisierte Übersetzerin von Uri Avnery”. Letzterer wiederum ist, wie bekannt, ein Darling der deutschen Israelkritikerszene, irgendwann in grauer Vorzeit mal durchaus ernst zu nehmen, bevor er zum Arafat-Groupie degenerierte und Israelhassern jeglicher Coleur ein wasserdichtes Alibi verschaffte. Auf etwaige frühere Verdienste Avnerys kann hier leider keine Rücksicht genommen werden, denn wer sich nicht dagegen wehrt, seine Texte von Ellen Rohlfs übersetzen zu lassen, sich gar noch mit ihr fotografieren lässt, auf den fällt das zurück, was diese Frau von sich gibt. Statt ihren Enkeln schöne warme Pullover zu stricken, übersetzt die pensionierte Lehrerin nämlich nicht nur Uris Ergüsse, sie schreibt auch noch Bücher („Sag, Mutter, wie sieht Frieden aus?”), die es zum Glück nirgendwo zu kaufen gibt, sowie sogenannte Gedichte, in denen es nur um das Eine geht: So wie sich ein Sadomasochist vom Anblick einer Haselnusspeitsche oder einer Ledermaske angeturnt fühlen mag, geilt sich Rohlfs the mad dog an israelischen Missetaten auf bzw. dem, was sie dafür hält.

Ellen Rohlfs in Aktion.

Eine Dame, Anfang 80.

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In Deutschland hat man ein Händchen dafür, allerlei feine Euphemismen für unangenehme Sachen zu erfinden. Die Ermordung von 5000 nackten Menschen in einer Gaskammer nannte man vor 65 Jahren „Sonderbehandlung“ und den Völkermord an sechs Millionen „Endlösung“.

In diesem Sinne ist das journalistische Wirken von Karin Leukefeld zu verstehen, die in der Reichsschrifttumkammer einen ebenso guten Job verrichtet hätte wie beim „Stürmer“, wäre ihr nicht die Ungnade der allzu späten Geburt zuteil geworden.

Dafür tut sie jetzt, was sie kann. Der Überfall auf eine israelische Grenzpatrouille, bei dem acht Soldaten getötet und zwei verschleppt wurden, wird in junge welt : zu „Gefechten im Grenzgebiet zum Libanon am 12. Juli 2006“.

Und wie redet man die Entführung eines Überlandbusses auf der Küstenstraße schön, bei der 1978, also mehr als 20 Jahre vor „Mauer“ und Checkpoints, 37 Menschen getötet wurden?

„Die „Freiheitskämpferin Dalal Al-Maghrebi hatte im April 1979 als eine der ersten Frauen ein palästinensische (sic!) Kommando angeführt und war, ebenso wie ihre Gefährten, erschossen worden.“

Schon Yassir Arafat war schließlich stolz auf die „Frau, die den ersten palästinensischen Staat in einem Bus errichtete“. Da ist auch eine infame Täter-Opfer-Verkehrung eine leichte Übung.

Und schließlich: Unter den „fünf Freiheitskämpfern“, den „nun Freigelassenen befand sich Samir Kantar, der als Siebzehnjähriger in den Reihen der PLO gekämpft hatte.

Will heißen: eine Familie überfiel und ermordete. Aber das hört sich ziemlich hässlich an, das sagt man so nicht. Nur im umgekehrten Fall, da wird eine Militäraktion in Gaza zum „Holocaust“, jedes für die Hamas schlecht ausgegangene Gefecht zum „Massaker“ und ein Sperrzaun, der Terroristen draußen hält, zur „Apartheidmauer“.

Karin Leukefeld. Langsam wird einem Ulrike Putz sympathisch.

Nichts symbolisiert den Unterschied zwischen Zivilisation und Barbarei so deutlich wie das Bild der zwei Särge, die heute Morgen an der Grenze zum Libanon entgegen genommen wurden. Um zwei Familien zu ermöglichen, ihre toten Söhne, Brüder, Ehemänner zu bestatten, lässt Israel libanesische Terroristen laufen, darunter Samir Kuntar, den Mann, der 1979 fast eine ganze Familie in Nahariyya auslöschte und dabei den Schädel eines vier Jahre alten Mädchens mit dem Gewehrkolben zertrümmerte.

Selbstredend wird ein ekelhafter Mehrfachmörder wie dieser dort, wo die Barbarei zu Hause ist, als Held gefeiert. In Beirut sind die Vorbereitungen für einen festlichen Empfang voll im Gange. Dies, es muss gesagt werden, mit ausdrücklicher Genehmigung durch Präsident Fuad Siniora. Wir halten es fest für den Tag, an dem Israel das nächste Mal mit der Hisbollah abrechnen wird. Dann aber hoffentlich richtig.

Im Norden die Hisbollah, im Süden die Hamas, im Osten Fatah – in so übler Nachbarschaft muss kein anderer Staat der Welt leben. Es überrascht nun wirklich niemanden, dass die Palästinenser, einschlägig bekannt für Freudenkundgebungen nach Busbombenattentaten ebenso wie nach dem 11. September, auch heute keinen Deut mehr menschliche Würde an den Tag legen als die „Gotteskrieger“ im Libanon. Die Jerusalem Post berichtete:

Palestinians in the Gaza Strip were handing out sweets to celebrate the handover of the two coffins. Dozens of Palestinians, holding Palestinian and Lebanese flags, rejoiced at the prospect that Samir Kuntar would be freed.

Bei allem Mitgefühl für die Hinterbliebenen von Eldad Regev und Ehud Goldwasser – eines steht fest: Dieser Deal ist für Israel verheerend. Er wird Hisbollah und Hamas nur zu weiteren Geiselnahmen ermuntern und ihnen auch in Zukunft erlauben, die Verschleppten wann und wie es ihnen beliebt zu ermorden, schließlich zahlt Israel selbst für tote Soldaten einen hohen Preis.

Nasrallah: “Das ist das einzige Kasino der Welt, in dem man immer gewinnt!” Karikatur aus Israel Hayom, 9. Juli 2008.

Jedem muss klar sein, was der “Gefangenenaustausch” mit der Hisbollah für Gilad Shalit bedeutet.

So etwas wie Mitgefühl ist einer Gesellschaft, die den Tod mehr liebt als das Leben und ihre schmutzigen Kriege mit Vorsatz auf dem Rücken der eigenen Leute austrägt, natürlich fremd. Neben der Gewissheit der Familien Regev und Goldwasser über das Schicksal ihrer Söhne ist die eindrucksvolle Bestätigung der Niederträchtigkeit ihrer islamistischen Feinde das einzig Positive, was sich über den „Gefangenenaustausch“, der keiner ist, sagen lässt.

Was lernen wir also aus diesem faulen Handel? Dass Israel gut daran täte, bei nächster sich bietender Gelegenheit die heute hämisch grinsende Visage Nasrallahs in den Staub zu drücken – und die seiner Horden gleich mit. Und in Gaza genauso verfahren muss, wenn Gilad Shalit etwas zustößt: den Augiasstall komplett ausmisten. In einer zivilisierten Welt ist für Barbaren wie Hisbollah und Hamas kein Platz. Eine Welt ohne Islamismus – das wär´doch was.

(Mit Dank an Lizas Welt.)

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