Keine ist geiler als wie Leila
Januar 8, 2008 von Claudio Casula
…scheint zumindest Andrea Nüsse zu denken, die vor einigen Tagen im Tagesspiegel über die Ex-Terroristin Leila Khaled nur Gutes zu berichten wusste. Zwar erlangte Khaled traurige Berühmtheit als erste Flugzeugentführerin der Geschichte, aber das steht, jedenfalls in der arabischen Welt, dem Ruf einer Freiheitskämpferin durchaus nicht entgegen. Außerdem, so zitiert Andrea Nüsse die heute 57-jährige „Aktivistin“, seien Hijackings damals ja nur eine „taktische Entscheidung“ gewesen, um die Welt auf das Palästinenserproblem aufmerksam zu machen. „Die Passagiere“, so heißt es im Artikel, „hätten keinesfalls verletzt werden sollen“. Khaled wollte also nichts tun, sie wollte nur spielen. Wie sich das mit ihrem Verhalten am 6. September 1970 vertragen soll, als sie bei ihrer zweiten und letzten Flugzeugentführung (Flug El Al 219 von Amsterdam nach New York City) von einem israelischen Sicherheitsbeamten überwältigt wurde und noch eine Handgranate warf, die dann glücklicherweise nicht detonierte, bleibt das Geheimnis der Nahost-Korrespondentin.
Mit der Recherche ist das überhaupt so eine Sache. Khaled gehört bis heute der PFLP an, und das heißt für Nüsse: „Palästinensische Front zur Befreiung Palästinas“, während der Rest der Welt Popular Front mit Volksfront übersetzt. Aber den Terror der PFLP herunterzuspielen, hat sich Andrea Nüsse zum Ziel gesetzt, deshalb spricht sie auch von der „Palästinenserorganisation des Kinderarztes George Habash“, eine humanitäre Vereinigung gewissermaßen, die allerdings mehr auf dem Kerbholz hat als der gemeine Zeitungsleser vermuten könnte – u.a. den „Schwarzen September“ in Jordanien. Kein Wunder also, dass die PFLP „in Amman kein offizielles Büro unterhalten (darf)“.
Eine wie Leila Khaled, die in den vergangenen 30 Jahren absolut nichts dazugelernt hat, ja mit der fortgesetzten Unterstützung für den PLO-Terror zuverlässig daran mitwirkt, dass aus der staatlichen Unabhängigkeit ihres Volkes partout nichts werden will, schafft es normalerweise in unseren Breitengraden nicht, Sympathien zu wecken. Schließlich lehnt sie die Osloer Abkommen ab, hat „weniger Zweifel denn je, dass nur die Intifada Erfolg bringen könne“, obwohl ganz offensichtlich das Gegenteil der Fall ist, und fordert „das Rückkehrrecht aller Flüchtlinge nach Israel, obwohl dies völlig unrealistisch ist“. Eine Unbelehrbare also, aber so darf Andrea Nüsse das natürlich nicht ausdrücken. Schließlich hat sie ja schon eine gewisse Übung darin, noch aus dem fiesesten Folterkeller ein Ministerium für Liebe zu machen. Und so wird aus der Radikalen Khaled „eine Frau, die in den vergangenen drei Jahrzehnten kaum eine ihrer Überzeugungen aufgegeben zu haben scheint.“
Kann man es schöner sagen? Der Neusprech-Preis der Woche geht an Andrea Nüsse, Kairo.