Die Goldenberg-Verschwörung
Januar 22, 2008 von Claudio Casula
Es war bereits dunkel, als der Fieseler Storch am frühen Abend des 29. April 1945 auf dem Feld vor dem Reichstag aufsetzte. Goldenberg schlug den Kragen seines Übergangsmantels hoch, während Hanna Reitsch ihm die Tür öffnete. Dann eilten beide zu einem bereit stehenden Maybach SW 38. Der Chauffeur gab Gas. Das Chaos in Berlin war unbeschreiblich. Gefechtslärm dröhnte, Menschen flüchteten mit ihren Habseligkeiten durch die Straßen der zerbombten Stadt. Goldenberg grinste. Er hatte ganze Arbeit geleistet.
Im Bunker unter der Reichskanzlei zuckte Adolf Hitler zusammen, als ein Adjutant hackenschlagend die Ankunft des Fremden ankündigte. „Soll reinkommen“, krächzte der Braunauer matt. Goldenberg betrat den spartanisch eingerichteten Kartenraum und entblößte seine gelben Stummelzähne. „Es geht zu Ende, was?“, meinte er mit unverhohlener Schadenfreude. „Der Russe steht nur noch ein paar hundert Meter von hier.“
„Sätzen se sech“. Missmutig schaute der Führer und Reichskanzler zu, wie sein Gast eine Zigarre aus der Manteltasche fischte. Noch vor wenigen Tagen hätte er jeden Raucher in seiner Nähe erschießen lassen, aber jetzt war ihm beinahe alles egal. „Tja“, hob Goldenberg an, während er die Spitze seiner Zigarre abbiss, „ich dachte mir, bevor es definitiv aus ist, sollten Sie die ganze Wahrheit erfahren.“
„Ich hatte es immer geahnt“, stöhnte Hitler. „Dass das internationale Finanzjodentom die Völker noch einmal in einen Weltkrieg stürzen würde.“
„Haben wir doch perfekt eingefädelt, nicht wahr?“, kicherte Goldenberg mit Genugtuung. „Aber wir haben ja auch eine gewisse Erfahrung, wenn ich das so sagen darf. Wir haben schon immer Ränke geschmiedet und riesigen, bedeutungsvollen, materiellen Reichtum angesammelt. Mit unserem Reichtum haben wir weltweit die Kontrolle über die Medien übernommen, mit unserem Geld haben wir in verschiedenen Teilen der Welt Revolutionen gesteuert. Wir standen hinter der Französischen Revolution, der Russischen Revolution und den meisten anderen Revolutionen. Wir standen hinter dem Ersten Weltkrieg und bildeten den Völkerbund, mit welchem wir die Welt regierten. Und wir stehen eben auch hinter diesem Krieg. Das ganze Unternehmen musste schon vor Generationen generalstabsmäßig geplant werden. Erinnern Sie sich noch an Shmulik Weiß?“
Der Führer dachte angestrengt nach. Ja… Weiß… Das war doch so ein Judenbengel in der Realschule zu Linz. Weiß hatte ihn nie abschreiben lassen. Und einmal hatte er ihm sogar die falsche Antwort souffliert, als er an der Tafel stand. Die ganze Klasse hatte ihn, Adolf Hitler ausgelacht. Wie entwürdigend.
„Ja, er demütigte mich vor meinen Scholkameraden.“
„Und wissen Sie auch, warum? Das war sein Auftrag. Wir mussten etwas tun, um Ihren Antisemitismus zu schüren. Niemand wird als Antisemit geboren. Für den Antisemitismus sorgen wir Juden selbst. Wir haben später immer mal wieder welche von uns vorbeigeschickt, die Ihnen Ihre abgemalten Postkarten am Wiener Hauptbahnhof nicht abkaufen wollten. Die Herren waren immer gut zu erkennen, Schläfenlocken et cetera.“
„Ech erinnere mech. Mein Hass wuchs ins Unermessliche.“
„So sollte es sein.“ Goldenberg lächelte zufrieden. „Ganz ähnlich sind wir mit den anderen Initiatoren der Endlösung verfahren. Bei Julius Streicher haben wir noch früher angefangen. Da war es ein jüdischer Junge, der ihm mit der Schaufel im Sandkasten eins überbriet. Und der Arzt, der bei der Hinkefuß-OP von Dr. Goebbels den verhängnisvollen Kunstfehler beging, war natürlich auch einer von uns.“
„Was für eine unerhörte Verschwörung. Sie haben uns die ganze Zeit am Nasenring durch die Arena geführt und wir haben es necht bemärkt.“
„So ist es. Das Attentat auf Botschafter von Rath war unser Glanzstück. Da ist Goebbels blind in unsere Falle gelaufen.“
„Sie sind ja noch perfider als ich dachte.“ Hitler war ehrlich erschüttert.
„Nun, Sie wollten es doch so, oder?“ Goldenberg paffte genüsslich an seiner Havanna. „Nur dass Sie den Krieg verloren haben. Wegen der jüdischen Generäle.“
„Unsinn!“ schnarrte Hitler. „In der Wehrmacht haben wir keine jüdischen Generäle!“
„Aber die anderen haben welche.“ Goldenberg kicherte erneut. „Kaum zu glauben, wie leichtsinnig Sie den Weisen von Zion auf die Leimrute gekrochen sind. Manchmal waren wir selbst überrascht. Ihre Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten war die Krönung. Was haben wir gelacht!“
„Und der Großmufti, mein lieber, guter Freund?“
„Hadj Amin el-Husseini? Den haben wir gekauft. Er sollte seine Leute in den Heiligen Krieg gegen die Juden hetzen. Infolgedessen haben sie bei der Revolte 36–39 ganz schön einstecken müssen. Und die Briten brachten ihren Helden Izz ad-Din al-Qassam zur Strecke. Nur dass sie jetzt selbst geschwächt sind – durch den Krieg gegen das Reich. Jetzt haben wir freie Bahn in Palästina.“
„Ech glaub es nicht.“ Fassungslos stierte Hitler auf die krumme Nase seines Gegenübers.
Goldenberg weidete sich am Zustand des Führers. „Die Nachkriegsordnung wird große Veränderungen bringen. Auf unseren Druck hin wird es einen Nachfolger des Völkerbunds geben. Und ich sage Ihnen: In drei, vier Jahren erpressen wir die Schaffung eines jüdischen Staates.“
„NEIN!“, kofferte Hitler los. „Niemals! Die jüdische Rasse in Europa ist ausgerottet!“
„Nicht ganz. Die jüdische Lobby in Amerika hat den US-Präsidenten zwar davon abhalten können, die Bahngleise nach Auschwitz zu bombardieren,“, erläuterte Goldenberg, „schließlich brauchten wir beeindruckende Opferzahlen, um das Mitleid der Welt zu wecken. Aber Teile mussten überleben, um Erez Israel besiedeln zu können und die indigene Bevölkerung zu vertreiben.“
Hitler schwieg. Er war ein gebrochener Mann.
„Nun“, meinte Goldenberg, und erhob sich. „Ich dachte, das sollten Sie wissen. Sie waren die ganze Zeit unser Werkzeug. Ich verstehe, wenn Sie jetzt allein sein wollen.“
Mit glasigem Blick saß der Führer am Kartentisch.
An der Tür wandte sich Goldenberg noch einmal um. „Übrigens: Morgen kommt die Gasrechnung. Spätestens dann werden Sie sich die Kugel geben.“ Goldenberg lüftete den Hut und verließ den Besprechungsraum.
Mahmoud al-Zahar lächelte, als er die letzten Worte des Kapitels in die Tastatur hämmerte. Dann klappte er mit einem zufriedenen Grunzen sein Notebook zu. Sein neues Enthüllungsbuch würde sich verkaufen wie Schnittbrot. Das iranische Fernsehen würde den Stoff verfilmen. Aber auch im gottverfluchten Westen gab es Leute, die sich brennend für sein Werk interessierten.
(wird fortgesetzt)
Hier wird so richtig deutlich, an was für einen Mist so viele Menschen von rechts, links, gutmenschlich und islamisch glauben. Großes Kino!
Nach meinen Informationen spielen Drachen (ja, Drachen) eine nicht unwichtige Rolle in der beschriebenen Verschwörung.
Würde ich sofort kaufen. Das Buch. Ich mag solche Storys.
Absolut genial! Wann gibt’s das nächste Kapitel?
Und Du glaubst nicht wieviele so einen Unsinn nicht nur glauben wuerden, sie tun es in aehnlicher Form sogar.
Versuch es mal mit z.B. Dieter Rueggeberg oder
Franke-Gricksch. Da kommst Du aus dem Lachen bzw. kotzen gar nicht mehr heraus.
Hadj Amin el-Husseini gekauft ?
Man, der hat doch eindeutig eine Judennase. Wie übrigens viele “Araber”.
Da muß der Author “Der Goldbergverschwörung” noch gründlicher Fakten sammeln
wobei das mit den generälen einfach unglaublich witzig ist
Wunderbar geschrieben!
me like!
you like?
http://berlinfuckingcity.blogspot.com/2007/10/deutschland.html
alles billige geschmacklosigkeit. postkarten -lustig.
selber protagonist, anderer gold(en)berg