Pressespiegel
Februar 14, 2008 von Rowlf, the Dog
Deutsche Medien scheinen dem plötzlichen Verscheiden eines der meistgesuchten Terroristen der Welt kaum Bedeutung beizumessen. Als Service für die Daheimgebliebenen hier ein kleiner Überblick über die Berichterstattung in Israel:

Maariv, 14.02.2008: ALARMBEREITSCHAFT. In Israel weiß man: Die Rache für die Tötung von Imad Mughniyeh wird kommen - und sie wird schmerzhaft sein.

Maariv, 14.02.2008: DER MÖRDER. Rechts und links: Stationen von Mughniyehs Karriere - Anschlag auf das Hauptquartier der US-Marines in Beirut 1983, Anschlag auf das Hauptquartier der IDF in Zur 1983, Anschlag in Metula 1985, Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 1992, Anschlag auf das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Buenos Aires 1994, Entführung israelischer Soldaten 2000, Anschlag in Nordisrael 2002, Entführung von Eldad Regev und Ehud Goldwasser sowie Ermordung acht israelischer Soldaten 2006.

Maariv, 14.02.2008.

Yedioth Ahronoth, 14.02.2008: Sein Tag ist gekommen: Der Terrorist, der hunderte Israelis ermordet hat, wurde liquidiert. Die Einschätzung: MUGNIYEH PLANTE EINEN WEITEREN MEGA-ANSCHLAG.

Yedioth Ahronoth, 14.02.2008: DIE RECHNUNG IST BEGLICHEN.
Siehe auch: Medienspiegel der Deutschen Botschaft in Tel Aviv.
Den Vogel schießt wie üblich die International Herald Tribune ab:

Die Schlagzeile erinnert nicht nur CC an einen anderen legendären Aufmacher.
Tatsächlich ist die Berichterstattung hierzualde (oder besser: deren Mangel) bezeichnend. Aber vielleicht ist in diesem Fall Schweigen Gold, sonst müsste man womöglich den Brechreiz bei Euphemismen á la “Aktivist” und obligatorischen Relativierungen der Marke “mutmaßlich” zurückhalten.
Andererseits sind die Schlagzeilen von Yedioth/Maariv wiedermal ein bisschen zu viel des Guten, im Sinne von: “Wir habens immer schon gewusst!”. Der für die Ausschaltung Verantwortliche ist mitnichten eindeutig, aber Yedioth und Maariv berichten schon Stunden danach von “dem Geheimdienst-Geniestreich” und der “sauberen operativen Ausführung”. Ein bisschen zu “gelblich”, nach meinem Dafürhalten. Oder wo waren diese top-informierten Tageszeitungen die letzten 25 Jahre, also eigentlich bis vorgestern
P.S.: Diese “Verführungs/Köder-Frau der Unterwelt” auf Seite 14 bedarf glaube ich auch eines gesonderten Blog-Eintrages!
P.P.S.: Wieso schreiben die Israelis den Herren eigentlich mit R statt G aus? Wie wird (ich meine:wurde!) der Märtyrer-Fuchs im Arabischen ausgesprochen?
Die Dame von Seite 14 haben wir hier schon vor einem Jahr investigativ enthüllt!
http://spiritofentebbe.wordpress.com/2007/01/26/oh-wie-schon-ist-israel/
Die deutschen Medien haben schon berichtet. Meist allerdings unter aller Sau: http://heplev.wordpress.com/2008/02/14/al-reuters-%e2%80%98berichtet%e2%80%99-aus-beirut-%e2%80%93-und-der-westen-schliest-die-augen/
Tagesspiegel: http://www.tagesspiegel.de/politik/div/;art771,2476251
n-tv: http://www.n-tv.de/918763.html
FAZ: http://www.faz.net/s/RubB30ABD11B91F41C0BF2722C308D40318/Doc~E5D7B054444D444D6B064D2105F44359C~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed
WELT: http://www.welt.de/politik/article1670222/Nummer_zwei_der_Hisbollah_vom_Mossad_getoetet.html
netzzeitung: http://www.netzeitung.de/ausland/901179.html
SPIEGEL online: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,535155,00.html
Rheinische Post online: http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/ausland/532429
Frankfurter Rundschau: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=d422aa680f115648fc9eeb67201b4f9a&em_cnt=1287550
Deutsche Welle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3067222,00.html
Reuters Deutschland: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2008-02-13T140638Z_01_SCH350779_RTRDEOC_0_SYRIEN-HISBOLLAH-ZF.xml&archived=False
@caledooper:
Zur Schreibung des »mutmaßlichen Top-Terroristen«:
Arabisch wird bekanntermaßen mit einem anderen Alphabet (wegen mir auch »Abjad«) geschrieben als Deutsch, Englisch oder in dem Fall Hebräisch.
Streng genommen gibt es im Arabischen also kein Äquivalent zum lateinischen Zeichen »g«. Das Phonem, dass im Deutschen mit »g« wiedergegeben wird, wird im modernen Standardarabischen nur in Fremdwörtern benutzt und der lateinische Buchstabe »g« wird meist mit ğīm (ج) umschrieben. (Das Phonem /g/ existiert aber in manchen arabischen Dialekten, so wird ğīm z.B. in Ägypten in der Regel /g/ ausgesprochen.)
Nun zu unserem »Verdächtigen«, der wird auf arabisch »مغنية«, transliteriert »Muġnīya«, geschrieben. Dieses ġayn (غ) wird allgemein im lateinischen Alphabet mit »gh« oder nur »g« ausgedrückt. Lautlich wird es im Arabischen im üblichen entweder wie das »r« (im Silbenanfang) in norddeutschen Dialekten oder wie im Französischen gesprochen. Also wie ein am Gaumen gebildetes »r«.
In klassischen Hebräischen Schriften wird das ġayn meist mit ʿayin (ע) geschrieben. Ganz einfach deswegen weil diese beiden (ähnliche) Laute nur mit einem Buchstaben, eben ʿayin, geschrieben wurden. Später sind beide Laute zu einem, dem von ʿayin zusammengefallen.
Im Arabischen ist es ähnlich, dort unterscheiden sich ġayn (غ) und ʿayn (ع) schriftlich nur mit einem Punkt über dem Buchstaben. Alte Korantexte z.B. , die solche diakritschen Zeichen noch nicht verwendenden (Rasm), werden beide Laute nur mit ع geschrieben. Allerdings hat das arabische dennoch eine lautliche Unterscheidung beibehalten.
Deswegen heißt »Westen« im Hebräischen heute »maʿărāḇ« im Arabischen dagegen »maġrib«, oder eben auch Gaza hebr. »ʿazzā« aber arab. »ġazza«.
Im modernen Hebräischen allerdings wird das arabische ġayn normalerweise mit rēš (ר) umschrieben, weil er dem heute am meisten entspricht, in ashkenazischer Aussprache sogar genau.
Kürzer: Das arabische kennt zwei »r-Laute«, dass genannte am Gaumen gesprochene ġayn und das auf der Zunge gerollte rāʾ, das Hebräische nur einen, auch wenn der von unterschiedlichen Sprechern entweder als Zungen- oder Gaumen-r artikuliert wird, deswegen werden dort beide als »r« (rēš) wiedergegeben. In Sprachen mit lateinischen Alphabet unterscheidet man diese beiden arabischen Laute meist mit »r« und »gh« bzw. »g«.
»Muġnīya« wird als arabisch mit einem Gaumen-r ausgesprochen und langen »i«, das auch die Betonung trägt ausgesprochen. Im libanesischen wird allerdings wie in vielen anderen arabischen Dialekten auch, die Nisba-Endung »-īya« eher »īye« ausgesprochen. Deswegen werden viele libanesische Namen häufig auch mit »iye«, bzw. »iyeh« geschrieben. Davon abgesehen, dass da sowieso oft Chaos herrscht.
Ich hoffe der Text war noch einigermaßen nachzuvollziehen und vor allem erklärend.
Zu allerletzt wünsche ich dem »Shahid« natürlich noch, dass ihm auch die obligatorischen Weintrauben im Paradies nicht vorenthalten werden.
http://www.zeit.de/2003/21/Koran
Woha! Wieder was dazugelernt. Die Nähe von “Ain”, “R” und “G” entzieht sich immer noch ein bisschen meiner Vorstellungskraft aber ich geh schon mal vor dem Spiegel Gaumenübungen machen
Veielen Dank für die äußerst ausführliche und hilfreiche Antwort!
Kol Kelev ba Jomo