„Tibet ist Chinas Gaza-Streifen“, titelt Spiegel Online. Diese bemerkenswerte Analogie stammt von Reporter Jürgen Kremb, der in Singapur sitzt und offensichtlich über einen erstaunlichen Weitblick verfügt.
Nun denn, Herr Kollege: Testen wir, wieviel an Ihrer Aussage dran ist.
Fangen wir gleich mit dem Genozid an: Haben die Israelis 1,2 Millionen Palästinenser umgebracht? Dann wäre der Gazastreifen doch heute praktisch menschenleer; tatsächlich aber wächst die Zahl in dem ohnehin überbevölkerten Gebiet mit Weltrekordgeschwindigkeit. Nirgends ist die Geburtenrate höher, da lassen sich noch viele tausend Jugendliche in einem sinnlosen Krieg verheizen, ohne dass es an die Substanz geht.
Besitzen die Palästinenser keine politische Autonomie? Und wenn nicht: Warum verfügen sie dann über einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen, internationale Anerkennung, Flagge, Hymne, Pässe, eine Armee und einen Präsidenten, der – im Gegensatz zum Dalai Lama – sich regelmäßig mit dem Regierungschef des Feindes treffen darf und von diesem die staatliche Unabhängigkeit in Aussicht gestellt bekommen hat?
Wird die kulturelle Eigenständigkeit von irgend jemandem in Frage gestellt? Ist es verboten, in arabischer Sprache gegen die Juden zu hetzen oder die Insignien der einheimischen Folklore, wie etwa den Sprengstoffgürtel, öffentlich zur Schau zu tragen?
Wird die Bevölkerung des Gaza-Streifens von Siedlern der „Besatzungsmacht“ verdrängt und zu einer Minderheit gemacht oder lebt vielmehr von jenen Israelis, deren Zahl ohnehin nie mehr als 8500 unter mehr als einer Million Palästinenser betrug, seit 2005 kein einziger mehr im Autonomiegebiet?
Geben Sie es zu, Herr Kremb: Tibet ist natürlich nicht Chinas Gaza-Streifen. In Tibet wäre man froh, wenn es sich so verhielte. Sie wissen das selbst. Aber Sie behaupten es trotzdem, damit Sie indirekt Israel mit der brutalen chinesischen Diktatur auf eine Stufe stellen können. Tricky. Aber eben auch unredlich.
Ich glaube, das hat der Herr Kremb ganz, ganz anders gemeint: Es verhält sich nämlich so, dass die sogenannten “Tibeter” - und zwar unbemerkt von der Weltöffentlichkeit - tagtäglich selbstgebaute Yoga-Raketen nach China rüberschießen und sich überdies dort mit Meditationsgürteln in Fahrradtaxen selbst in die Luft jagen. Als neulich ein Mönch in einer kommunistischen Kaderschule der Volksrepublik mehrere Schüler totbetete, waren die hasserfüllten Freudentänze in den tibetanischen Klöstern kaum zu ertragen.
Herr Kremb vergleicht also nicht Israel mit China, sondern die sogenannten Palästinenser mit den sogenannten Tibetern.
Bettina Marx hat heute auf der Deutschen Welle anlässlich des Israelbesuchs von Frau Merkel auch wieder einen Schwachsinnskommentar rausgelassen.
Ich versuche eben, ihn wieder zu finden.
Aber ihr könnt euch denken, was sie wieder abgelassen hat.
Was heißt hier Chinas Gaza?
Namens und im Auftrag der Antizionistischen Initiative für ein freies Tibet weise ich darauf hin, dass die Widerstandskämpfer in Lhasa und ganz Tibet von zionistischen Okkupatoren, die sich nur als Chinesen verkleidet haben, unterdrückt und gezielt genozidiert werden. Die zionistischen Machthaber in Peking müssen sofort durch die UN, die UNWRAt, die UNESCO, die EU und die internationale Solidarität der Völker gestoppt werden.
Nur durch einen sofortigen und totalen Boykott der Olympischen Spiele in Jerusalem, äh, Peking, können wir den zionistischen Völkermord verhindern. Außerdem muss über eine bewaffnete Intervention vonseiten der dazu demokratisch legitimierten Regierungen erfolgen. Zu lange hat die Weltöffentlichkeit bereits dem zionistischen Treiben der ultrorthodoxen Siedlerreiterbrigaden Dschandschauid in Dharfur zugeschaut!
Gerade die Juden in Schanghai und Xinjang müssten doch aus ihrer eigenen Geschichte gelernt haben, dass Völkermord ganz gemein ist (wobei mit dieser Bemerkung nicht akzeptiert ist, dass ihnen jemals wirklich ein Völkermord widerfahren ist: es waren keine Juden auf der Gustloff!!!). Dass sie das endlich tun, dafür zu sorgen ist Heilige Pflicht der Nachkommen der bedauerlicherweise immer wieder als Täter bezeichneten armen, irregeleiteten und mit brutaler Bestechung erpressten Nazis. Gemeinsam mit allen wahren Volksherrschern der aufstrebenden Nationen, gemeinsam mit den revolutionären Massen der nationalbolschewistischen und der exkulpatorisch-bürgerlichen Bewegungen werden wir dem zionistischen Reich der Mitte eine verheerende Niederlage bereiten.
Keine Olympiade 2008 in Pe (-kudei) King (David)!
Siech im Volxkriech!
Purim forever!!!
[...] aus, dass sie Idioten sind. Etwas weniger abfällig, aber ebenfalls mit schlagenden Argumenten geht Claudio Casula zum selben Thema in die [...]
Ob der Vergleich gerechtfertigt ist, sei dahingestellt, da gebe ich dem Autoren ein Stück weit Recht.
Wenn man sich die Funktion Tibets in den Ostgebieten zum Himalaya hin betrachtet, insofern dessen Sicherheitsfunktion für China, dann die Analogie sucht und den Gaza-Streifen aber als Sicherheitsdefizit in Hinblick auf Israel betrachtet, wären die Vergleichsmöglichkeiten wahrscheinlich rasch erschöpft.
Trotzdem bin ich über etwas anderes erstaunt, nämlich über die unglaubliche Polemik, die diesen Beitrag in Bezug auf Israel als “orthodoxe Blog-Außenpolitik” erscheinen lässt.
Muss das sein?
Es lässt sich besser sachlich fundiert diskutieren, der Aspekt fehlt aber. Und als Satire ist dieser Text “äußerst unergiebig”.