Creating the News
April 21, 2008 von Rowlf, the Dog
Schockierendes berichtete in der vergangenen Woche der Rechtsausschuss des deutschen Bundestages über den Gefährder des Weltfriedens #1:
Eine Delegation des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages, bestehend aus dem Vorsitzenden Andreas Schmidt (CDU/CSU) sowie den Abgeordneten Daniela Raab (CDU/CSU), Marianne Schieder (SPD), Dr. Matthias Miersch (SPD), Mechthild Dyckmans (FDP), Wolfgang Nesković (DIE LINKE.) und Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), besuchte am 16. April 2008 im Rahmen einer Reise nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete die israelisch kontrollierte Altstadt von Hebron im Westjordanland. Gleich von Beginn an und während der Besichtigung wurde die Delegation von jüdischen Siedlern beschimpft, beleidigt und ihr Gewalt angedroht. Wegen dieser Belästigungen und Behinderungen entschloss sich die Delegation zum Abbruch der Besichtigung. Ausschlaggebend war, dass die israelischen Sicherheitskräfte gegenüber der besonnen und vermittelnd auftretenden Mitarbeiterin des deutschen Vertretungsbüros, die die Delegation begleitete, äußerten, nicht für die Sicherheit der Gruppe garantieren zu können.
Natürlich schloss man die Pressemitteilung mit einem dringenden Appell - ebenso selbstverständlich “unter Freunden”:
Um dem Friedensprozess eine Chance zu geben, appellieren die Mitglieder des Rechtsausschusses als Freunde Israels an die Verantwortlichen in Israel, dem Fanatismus jüdischer Siedler Einhalt zu gebieten.
Das Auswärtige Amt legte später noch einen drauf und sandte eine offizielle Protestnote gen Israel. Da hatte sich Yoram Ben-Zeev, Israels Botschafter in Deutschland, längst für den Vorfall entschuldigt.
Was in Israel jedem klar war, hat nun dankenswerter Weise Ulrich Sahm auch dem deutschen Publikum zur Kenntnis gebracht: Der “diplomatische Zwischenfall” war offenbar bewusst in Kauf genommen wenn nicht gar geplant worden - denn die Abgeordnetendelegation ließ man ausgerechnet von einem abtrünnigen Siedler aus Hebron dem ehemaligen IDF-Kommandeur in Hebron führen, der seit Jahren einer von Israels bekanntesten anti-Siedlungs-Aktivisten ist und dem Siedler von Hebron mehrfach gedroht haben, sie würden ihn “zu Hackfleisch machen”.
Nach Angaben des Siedlersprechers David Wilder habe Jehuda Schaul die Delegation geführt, was auch andere Stellen auf Anfrage bestätigten. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Vertretungsbüro in Ramallah deutsche Besucher ausgerechnet von diesem israelischen anti-Siedler-Aktivisten durch das Siedlerviertel in Hebron führen lässt. (…) Die Führung der deutschen Abgeordneten durch den bekannten anti-Siedler-Aktivist war eine bewusste Provokation.
Und das ist der eigentlich Skandal. Auf eine Entschuldigung von Jörg Ranau werden die Israelis wohl lange warten können.
Ach so, ich verstehe: Es ist also “normal” , dass einem abtrünnigen ehemaligen Siedler der von Israelis illegal besetzten Landstriche angedroht wird, man wolle ihn “zu Hackfleisch machen”. Und es ist eine “Provokation”, wenn deutcche Parlamentarier aller demokratischen Parteien sich von einem anständigen Menschen durch Hebron führen lassen und dafür übelst beschimpft werden. Und Ulrich Sahm findet das auch noch alles ganz in Ordnung. Hoffentlich schickt n-tv den Mann bald in Rente oder wirft ihn besser gleich achtkantig raus.
Habt ihr sie eigentlich noch alle?
Ja, schon klar Zucker…. nur antiisraelische Israelis sind gute Israelis - so erklären dir das ja auch unisono die hiesigen Medien. Und Siedler sind grundsätzlich Faschisten, schon klar. Ohne jetzt vergleichen zu wollen ,oder die Siedler -von denen einige durchaus etwas seltsamer ticken, pauschal in Schutz nehmen zu wollen: kannst du dir vorstellen, daß die Delegation mit einem von den Westbank-Palästinensern als “Verräter” eingestuften Araber durch Jenin gelaufen wäre!? Ich denke eine solche Provokation hätten die ihren arabischen Freunden nicht zugemutet.
PS: Hat der “Fanatismus” der Siedler eventuell ein ganz klein bißchen mit dem Fanatismus der sie umgebenden Araber zu tun? Was glaubst du, warum sollten sich westliche Touristen zur Zeit eher nicht im allergrößten Teil der “besetzten Gebiete” aufhalten - Amok laufende Siedler!?
Also das mit dem Hackfleich geht so nicht in Ordnung, aber das ist eine innerisraelische Angelegenheit.
Wenn man eine Führung durch die Siedlungsgebiete wünscht, gibt es da sicher jede Menge guter Alternativen.
Daher finde ich es oberbeinlich, was sich da unsere Parlamentarier geleistet haben. Ich schäme mich dafür. Und: es waren alle Parteien vertreten. Wen kann ich denn jetzt noch wählen?
Yehuda Shaul ist kein abtruenniger Siedler, sondern ein ehemaliger IDF-Soldat, der in Hevron 3 Jahre gedient hat. Er ist (Mit-)Gruender der Organisation “shovrim shtika” (engl: Breaking the silence), die woechentliche Fuehrungen durch die juedische Siedlung in Hevron macht. Shaul, selbst streng religioes, war bei der Artillerie und hat, wie er sagt, preventiv in Wohngebiete geschossen. Dabei (ich habe so eine Tour auch mitgemacht) wird deutlich, dass er bis heute ein schwerwiegendes persoenliches — psychisches — Problem damit hat.
Die eigentlichen Sicherheitsmassnahmen, die vielen Pallis in Hevron das Leben tatsaechlich sehr, sehr schwer machen, kann man sich ungefaehr so vorstellen: Es sind dieselben, die die Polizei durchfuehrt, wenn Nazis in Deutschland demonstrieren und eine grosse Gegendemonstration erwartet wird: Strassensperren, Zugangssperren, teilw. Ausgangssperren, ueberall schwerbewaffnete Polizei, Ueberwachungsposten an strategischen Stellen. Waehrend diese Massnahmen nach der Demonstration wieder vorbei sind, dauern sie in Hevron seit Jahren an. Aber:
Das ist eben der Preis fuer die Ruhe. Und ausserdem exemplarisch fuer die gesamte Region: Ohne militaerische Massnahmen kein Israel.
Mich hat diese Tour nicht ueberzeugt (es gibt hier viele Kritikpunkte, die ich hier aus Zeitgruenden gar nicht auffuehren will, nur soviel: Es werden immer nur die Sicherheitsmassnahmen dargestellt, aber fast nie die Gruende fuer deren Einfuehrung. Also: Sofort nachfragen! Denn dann wird auch Yehuda Shaul zugeben, dass das nicht alles grundlos ist), aber trotzdem sollte man sie mal mitgemacht haben. Es ist wichtig, 1) zu sehen, was der Preis fuer Israels Existenz ist und 2) auch die Schattenseiten israelischer Siedlungspolitik mal vor Augen gefuehrt zu bekommen.
Auf meiner Tour (und das berichten mir auch viele, die die Tour zu anderen Zeiten mitgemacht haben) waren uebrigens sehr viele “israelkritische” Deutsche…
Und noch ein unerwartetes Fazit:
Die Siedler sind sooooooooo strunzdumm: Waehrend alle Pallis, die man dort antrifft, extrem freundlich sind und sagen “Wir leiden. Hilf uns. Die Israelis quaelen uns. Hilf uns.” schreien die Siedler die ganze Zeit nur rum und beschimpfen die Tourteilnehmer. Ganz automatisch findet man sie dann zumindest unsympathisch, wenn nicht offen abstossend. Anstatt dass die Siedler ihre Sache besser presentieren… In diesem Punkt sind sie echt selber schuld.
Chag sameach
חג שמח
http://www.n-tv.de/951393.html
Ich denke das Grundproblem ist, dass die Juden aus neu-deutscher Sicht nur als Überlebende oder Nachfahren von Überlebenden des Holocaust betrachtet werden, die unserer Führsorge und Gedenkfeiern bedürfen. Der Jude ist Opfer und mehr nicht. Und wehe ein Jude wagt es mehr zu sein. Vielleicht noch Rechte und sein Land einzufordern. Dann kommen die selbstgerechten modernen antifaschistischen Deutschen schnell ins schleudern. Ein selbstbewusster Jude ist ihnen unheimlich, weil sie sich nicht wirklich für die Juden, ihre Geschichte und Kultur und Zivilisation interessiert. Der Jude ist nur als Opfer von Interesse.
Würden die Deutschen sich tatsächlich für die Juden interessieren, dann hätten sie auch eine andere Einstellung zu Israel. Sie würden mehr verstehen und Verständnis aufbringen. Israel ist nicht (neu-)geboren wegen den Nazis sondern trotz der Nazis. Israel ist kein Geschenk für die Fastvernichtung durch Deutschland und dem Wegschauen durch die Anderen. Israel ist ein Ziel einer langen Reisen. Die Deutschen müssen lernen, mehr in den Juden bzw. in den Israelis zu sehen. Sie müssen verstehen lernen, dass Israel eigene Rechte hat und diese auch verteidigen darf. Ganz im Sinne von Audiatur et altera pars, sollten die Deutschen den Israelis mehr zu hören und verstehen lernen.
Trotz der Befreiung der Konzentrationslager, liegt immer noch der Mantel des Antisemitismus über Deutschland / Europa und er taucht immer dann auf, wenn die Juden aus der ihnen zugebilligten Rolle / Stellung abweichen. Und nennt sich „Man-muss-auch-mal-Israel-kritisieren-dürfen“.
@Zucker
Nein, Du verstehst nicht.
@יתרון גדול
Danke für den Hinweis. Du hast natürlich recht.