Gute Nachricht für gelangweilte Zeitgenossen: Wer von der Endlos-Soap „Gute Juden, schlechte Juden” langsam genug hat, weil doch immer die gleiche Leier gespielt wird (gute Juden: Avnery, Finkelstein, Melzer et al., schlechte Juden: alle anderen), darf sich auf einen neuen Trend freuen: Gute Palis, schlechte Palis (GPSP).
Der naive Betrachter wird sich denken: Na ja, gute Araber sind wohl die, welche auf eine friedliche Koexistenz mit Israel hinarbeiten und mit Terror nix zu tun haben wollen. Weit gefehlt: Im antizionistischen Milieu zieht man der alten Liebe Fatah längst die noch israelfeindlichere Hamas vor. Fiel bei Arendt & Konsorten neulich sogar Uri Avnery als Kryptofaschist in Ungnade, drischt man jetzt vor allem auf Araber ein, die sich – aus welchen Gründen auch immer, ob vom Shabak erpresst oder auch einfach nur angewidert vom Todeskult der eigenen Leute – am ewigen Krieg gegen die Juden nicht beteiligen mögen. Diese zerfallen in zwei Gruppen.
Da sind zum einen die sogenannten Kollaborateure in den Autonomiegebieten, die sich kürzlich Jonathan Cook zur Brust nahm, Araber also, die, weil sie dem israelischen Inlandsgeheimdienst Informationen über terroristisch motivierte Landsleute liefern, „in der palästinensischen Gesellschaft als Abschaum verachtet werden”.
Einschub: Als Abschaum wird also nicht verachtet, wer sich mit israelischen Zivilisten in Stücke bombt (der wird im Gegenteil als Held gefeiert), sondern wer dazu beiträgt, dass solche Verbrecher aus dem Verkehr gezogen werden. Dies allein sagt schon eine Menge aus über den Zustand der palästinensischen Gesellschaft, die gleichwohl keinerlei Kritik aus dem Munde ihrer „Freunde” im Ausland fürchten muss.
Die ihrer nützlichen Idioten in Israel allerdings auch nicht. Während der Großteil der israelischen Friedensbewegten sein Vertrauen in die Friedenswillig- und -fähigkeit der palästinensischen Partner längst verloren hat, sind Hardcore-Israelbasher wie Gideon Levy von Ha’aretz durch keine Erfahrung klüger geworden. Deshalb knöpft sich Levy die zweite Gruppe der schlechten Palästinenser vor: die mit israelischem Pass, sofern sie sich mit dem Staat, in dem sie leben, arrangiert haben und, Gott behüte, sogar zionistische Parteien wie Kadima, Avoda oder, auch das gibt es, sogar Likud wählen. Noch schlimmer: Ganze Clans haben sich der Partei Zipi Livnis angeschlossen. Das geht ja nun gar nicht, denn ein guter Araber hat sich gegenüber dem Staat Israel feindselig zu verhalten. Gideon Levy höchstpersönlich entscheidet, wer ein guter Araber ist und wer, nun ja: ein Kollaborateur. Levy nennt diese Palästinenser „Hofaraber”, die eine Schande für ihr Volk seien:
Ein guter Araber ist nicht einer, der sich der Kadima, dem Likud oder gar der Labor anschließt. Die meisten arabischen Kadima-Wähler waren schon in all diesen Parteien. Es sind die Beziehungen zwischen nationalen Minderheiten und der Regierung. Ein guter Araber kann diese Parteien nicht unterstützen, die direkt für die Diskriminierung, Besatzung und das Morden ihres Volkes verantwortlich sind.
Das hätten die Führer in Ramallah und Gaza auch nicht schöner sagen können. Gideon Levy hat sich den arabischen Hardlinern auch rhetorisch perfekt angepasst, er geriert sich palästinensischer als die Palästinenser, womit er ihnen allerdings keinen Gefallen tut. Unfreiwillig komisch wird Levy, wenn er die bisweilen durchaus zutreffende Behauptung, es sei „nicht leicht, israelischer Araber zu sein”, ausgerechnet auf den Staat zurückführt, „der ihnen gegenüber nicht loyal ist”, wo doch gerade die gewählten Repräsentanten der arabischen Community keine Gelegenheit auslassen, den Staat, in dem sie leben (und von dem sie recht anständig versorgt werden), zu verachten, zu beschimpfen und, wie im Fall Bisharas, auch an die Hisbollah zu verraten. Wer sich offen mit den Terrorbombern der Al-Aqsa-Intifada solidarisiert, die unterschiedslos morden und damit auch in Kauf nehmen, dass israelische Araber mit unter die Räder kommen, setzt sich schließlich selbst dem Verdacht aus, dem Staat feindlich gesinnt zu sein. Aber Loyalität ist für Levy und seinesgleichen, wie alles andere, immer nur eine Bringschuld des Staates Israel.
Die Tragik dieser Geschichte liegt darin, dass Gideon Levy gerade dem Gros der arabischen Israelis in den Rücken fällt, das, egal, was alles im Argen liegen mag, zuallererst seinen Platz in der Gesellschaft sucht, ganz bestimmt nicht vorhat, Israel in Richtung eines Nachbarstaates Palästina zu verlassen, und ein Leben in Sicherheit und relativem Wohlstand dem idiotischen Widerstand gegen einen Staat vorzieht, der ihnen deutlich mehr bietet als es alle Länder der Region könnten oder wollten. Und diese Majorität wird sich nicht von Fanatikern wie Levy vorschreiben lassen, was gut für sie ist.
Gut möglich ist natürlich, dass diese von Levys obszönem Vorwurf, schlechte Araber zu sein, gar nichts mitbekommen haben – weil sie nicht Ha’aretz lesen. Und das macht doch schon mal Hoffnung.
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