Immer mehr Israelkritiker können sich für die “Einstaatenlösung” erwärmen, enthebt diese doch die Palästinenser der Zumutung, mit einem jüdischen Staat an ihrer Grenze leben zu müssen. Gern spricht man in diesem Zusammenhang auch von einem “binationalen Staat”, obwohl es bereits jetzt kaum ein Land geben dürfte, dessen Bevölkerung so heterogen ist wie die israelische.
Die friedliche Endlösung des Nahostkonflikts sieht so aus: Man überschwemme Israel mit Millionen palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen, vereinige dieses Gebilde dann mit Westbank und Gaza, ekle Juden und Christen hinaus – und fertig ist ein friedvoller, prosperierender, auf Freiheit und Gerechtigkeit basierender Staat für alle seine Bürger, ein Segen für die nahöstliche Region und die Welt.
Hier sind die zehn überzeugendsten Gründe für die Einstaatenlösung:
1. Stabile Verhältnisse im Innern
Das Parteiengezänk, das im noch mehrheitlich jüdischen Staat seit jeher die Regierungsbildung erschwert, wird der Vergangenheit angehören. Schluss mit dem übertriebenen Pluralismus! Wer braucht heute noch 15 oder 20 Parteien? Zwei reichen vollkommen. Und wenn die sich nicht einigen können, wird das Problem ehrlich auf der Straße ausgeschossen, wie es in der Region gute alte Sitte ist.
2. Verlässlichkeit nach außen
Oft genug sorgten „israelische“ Politiker in Washington für Irritationen, indem sie der jeweiligen Administration entweder mit Misstrauen oder mit unrealistischen Erwartungen begegneten. Eine Fatah- oder Hamasführung in Jerusalem/al-Quds hingegen wird klar Position beziehen: Als von den Juden beherrschte Macht kommt Amerika nicht als Partner infrage. Und: Die Welt kann sicher sein, dass auch eine staatliche Entität zwischen Mittelmeer und Jordan so demokratisch sein wird, wie es die Autonomiegebiete eindrucksvoll vorgemacht haben.
3. Kurskorrektur in der Wirtschaft
Hightech-Chichi war gestern – ein mehrheitlich arabisches Palästina wird sich auf regionale Kernkompetenzen besinnen und auf bewährte Exportschlager wie Olivenholzschnitzereien und Leidensliteratur setzen.
4. Kein ungebremstes Bevölkerungswachstum mehr
Statt unmäßig wachsende Population verkraften zu müssen, wird das Land eine Massenauswanderung von Elementen erleben, die ohnehin nicht erwünscht sind und nur den homogenen Charakter Palästinas stören. Gut für Gesellschaft und Umwelt!
5. Zukunft gestalten statt Vergangenheit bemühen
Europa wird kein schlechtes Gewissen mehr gemacht, nur weil es sich vor zwei Generationen vielleicht mal nicht ganz korrekt verhalten hat. Im Gegenteil: Die neuen Machthaber im – vorerst – binationalen Staat sehen die Rolle der Alten Welt und insbesondere Deutschlands weit differenzierter. Eine ideale Basis, um Zukunft zu gestalten!
6. Eine Adresse statt nerviger Pendeldiplomatie
Vorbei sein werden die Zeiten, in denen Außenpolitiker am Morgen nach Jerusalem/al-Quds und am Mittag nach Ramallah hecheln müssen, um den einen dies zu versprechen und den anderen jenes abzufordern. Juden mit Dhimmi-Status haben keinen Anspruch mehr auf Sonderbehandlung, es sei denn im Sinne des Begriffs, wie er in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts verstanden wurde.
7. Einheit statt Zersplitterung der nahöstlichen Region
Die Übernahme der Regierungsverantwortung durch eine Partei des bewaffneten Widerstands wird positiv auf die Nachbarschaft ausstrahlen, etwa auf die Muslimbruderschaft in Ägypten oder die Hisbollah im Libanon. Sogar der traditionell eher araberkritische Iran wird sich gern mit von diesen Parteien geführten Ländern verbünden, um das gemeinsame Ziel voranzubringen. Die Bereitschaft ganzer Staaten zum Selbstmord für den Jihad, bekräftigt durch den Besitz der Atombombe, wird dem Rest der Welt schließlich vor Augen führen, wohin die Reise geht. Kalifornien kommt von Kalif – damit das mal klar ist.
8. Neue Freiheit der Medien
Statt sich mit Tausenden Konkurrenten auf der Fläche eines Staates zu drängeln, der so klein wie das Bundesland Hessen ist, können die Reporter wieder in alle Gegenden der Welt ausschwärmen, die bisher zu wenig mediale Aufmerksamkeit erfuhren. Vorausgesetzt, man lässt sie dort ähnlich ungestört wirken.
9. Die ganze Welt profitiert vom Ende des Nahostkonflikts
Endlich wird man wieder entspannt in ein Flugzeug steigen können, bei internationalen Sportveranstaltungen muss kein Megaaufwand mehr getrieben werden um eine Handvoll zionistischer Athleten zu schützen, in den Städten des Westens lässt sich wieder ungehindert shoppen, weil keine Freiheit-für-Palästina-Demonstrationszüge Straßensperrungen in der City erforderlich machen. In Köln kann man auf dem Domvorplatz ein paar schicke bepflanzte Betonkübel aufstellen, weil die Daueraustellung über die Verbrechen der Zionisten nicht mehr notwendig ist, und pensionierte Personen des öffentlichen Lebens können endlich Rosen züchten oder Golfen gehen statt in Büchern über das Leiden der Palästinenser lamentieren zu müssen. Die Vereinten Nationen können sich wieder mit anderen Aufgaben beschäftigen, Menschenrechtsgruppen werden überflüssig, schon weil sie keine Einreiseerlaubnis mehr erhalten werden. Der schädliche globale Einfluss der Zionisten, dessentwegen der Staat nicht umsonst als Weltfriedensgefährder Nr. 1 berüchtigt war, fällt weg, sodass Frieden und Prosperität im Kongo und Somalia, Tschad und Sudan, Jemen und Algerien, Pakistan/Indien und Sri Lanka einziehen werden. Nicht zuletzt wird so auch ein Atomkrieg abgewendet, den der Iran beizeiten entfesseln würde, um das zionistische Besatzungsregime Geschichte werden zu lassen.
10. Man wird die Juden wieder mögen
Ein jüdischer Staat – das ist es, was den Leuten so sauer aufstößt. Ein 22. arabisches Land? Aber ja doch. Unabhängigkeit für eine handtuchgroße Insel in der Südsee? Nur zu! Aber ein jüdischer Staat? Geht gar nicht. Die Juden sollen sich gefälligst in alle Winde verstreuen und, wo immer sie dann sein mögen, mit der zweiten Geige begnügen, auf Gedeih und Verderb auf die Gnade ihrer Gastgeber angewiesen bleiben und ohne diese dann eben auch mal wieder das eine oder andere Pogrom, den einen oder anderen Genozid erfahren.
Denn so kannten wir sie immer, und so wollen wir sie wieder sehen. Einstaatenlösung heißt also auch: Ende des Liebesentzugs.
Man kann nur hoffen, dass sich die Juden nicht wieder als Spielverderber erweisen.
“…auf die Gnade ihrer Gastgeber angewiesen bleiben und ohne diese dann eben auch mal wieder das eine oder andere Pogrom, den einen oder anderen Genozid erfahren.
Denn so kannten wir sie immer, und so wollen wir sie wieder sehen. Einstaatenlösung heißt also auch: Ende des Liebesentzugs.”
Yep. Viel Deutsche mögen Juden eben nur als Opfer oder gleich als Leichen. Das hat aber natürlich gar nichts mit Antisemitismus zu tun. Eh klar.
Ich verstehe die Ablehnung der Einstaatenlösung durch die Juden auch nicht… sie können doch sehen, wie gleichberechtigt und sicher Christen im Gazastreifen und im Westjordanland leben können, völlig problemlos. Und diese behütete Perspektive lehnen die Zionisten ab, setzen lieber auf Konfrontation und Abgrenzung, behaupten sogar, der Boden, auf dem ihre Siedlungen stehen, wäre rechtmäßig erworben – dabei ist es doch bekannt, daß Geschäfte mit Ungläubigen unwirksam sind. Und die Weltöffentlichkeit schaut zu…
“Man überschwemme Israel mit Millionen palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen…”
Mal abgesehen von ihrer inhaltlichen Aussage, finde ich ihre Wort- bzw. Bildwahl menschenverachtend! Sie nähern sich langsam aber sicher dem Niveau anderer “politisch- unkorrekter” websites, in denen palästinenser als ungeziefer oder plage und moslemische frauen als gebärmaschinen bezeichnet werden…
11. Die EU spart viele Millionen Euro
Die Kassam-Industrie wird aus Mangel an adäquaten Zielen auf Friedensstärke runtergefahren, wodurch einige EU-Mittel eingespart, zumindest umgelenkt werden können. Explosive Restbestände können in der internen Diskussion aufgebraucht werden.
Wer also aus Befürworten der Zweistaatenlösung “Antisemiten” macht, ist
1. Meschugge
2. A schlemiehl
3. A Schlammeltov
? siehe auch http://www.campodecriptana.de/blog/2008/09/20/1082.html
[...] Eine echte Demokratie, in der die Zionisten nicht mehr die anderen unterdrücken… Wie das aussehen würde, kann Claudio Casula vom Spirit of Entebbe sich auch gut [...]
@freischwimmer:
Die Formulierung “Man überschwemme Israel mit Millionen palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen…” ist also menschenverachtend!?
Und der Sachverhalt selbst? Versuchen sie sich einfach mal vorzustellen, wie ein Staat aussieht, der aus dem israelischen Bevölkerungsmix (über 20% Araber) zuzüglich aller Bewohner des Gaza und des Westjordanlandes zuzüglich der Millionen von palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen besteht? Ist nicht auch der Sachverhalt – die Zahl der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen hat sich innerhalb von 60 Jahren mindestens verzehnfacht – irgendwie bizarr? Die Begriffe “Ungeziefer” und “Gebärmaschine” finden sich übrigens nirgendwo im Text sondern ausschließlich in ihrem Kommentar – aufschlußrreich, was manche so für Assoziationen haben!
Ist es nicht eher menschenverachtend, eine Einstaatenlösung zu unterstützen, in der Juden weniger als ein Drittel der Bevölkerung stellen würden!? Schauen sie sich einfach die Lage der letzten noch nicht vertriebenen christlichen Araber im Gazastreifen oder im Westjordanland (…oder einem islamischen Land ihrer Wahl) an, für deren Zustand wäre die Bezeichnung “menschenverachtend” recht angebracht.
@freichschwimmer
Ich finde den Vorschlag ganz und gar nicht ‘menschenverachtend’. Ganz im Gegenteil. Die Palästinenser könnten dann, anstatt all ihr Talent weiterhin in die Opferrolle zu stecken, endlich mal in Ruhe mehrere Jahrhunderte Wissenschaften, Literatur, Bildende Künste, Ökonomie, Land- und Ackerbau, Philosophie und Gesellschaftsentwicklung nachholen, und damit vielleicht hier und da auch zur Abwechslung mal die Weltgemeinschaft bereichern, anstatt ihr immer nur auf der Tasche zu liegen.
Win-Win Situation.
Wird solch Irrsinn umgesetzt, dann wird jeder Israeli/Jude bals die Möglichkeit haben Aysl im jedem demokratischen Land zu beantragen.
Einge haben immer noch nicht verstanden, dass Israel ein mündiger Staat ist, der es ganz alleine kann.
Arme, arme Träumer!
Wie weltfremd muss man sein um sich so etwas zu ersinnen. Ich kann doch bei aller Träumerei nicht den Status Quo der Realität vergessen.
Der Traum verhält sich doch in den meisten Fällen kontraher zur Realität, aber genau das macht die Realität so real!
Herzl, Davidstern, Gurion und das jüdische Volk sind Israel.
grazie claudio