Wie DIE ZEIT einem frechen Judenlümmel die Leviten liest
Kein gutes Haar lässt ZEIT-Rezensent Harald Welzer an „Schlimmer als Krieg“, Daniel Goldhagens neuem Buch über Völkermorde. Es sei „weder originell noch produktiv“, „theoretisch ein Totalausfall“, es leide „an mangelnder argumentativer Stringenz“ und sei „schon überbewertet, wenn man auf seine immanenten Widersprüche eingeht“. „Sachhaltiges kommt kaum vor“, meint Welzer, das Buch „ist nicht nur uninformiert, es ist absurd“, „wissenschaftlich untauglich“ und „Informationen liefert es keine. Man kann es also einfach vergessen.“
Nun räume ich ein: Die 685 Seiten habe ich noch nicht gelesen, dafür aber den Eindruck, dass der deutsche Scharfrichter offensichtlich ein politisches Problem mit Goldhagen hat. So zitiert er den Autor wie folgt:
„Solange der Krieg gegen die Menschheit andauert, ist das Töten der Täter ein defensiver Akt, der den Teil der Menschheit beschützt und bewahrt, der angegriffen und unmittelbar gefährdet wird.“
Und was hat Welzer dazu zu sagen?
Das ist ein ungeheuerlicher Satz.
Täter töten, Massenmördern in den Arm fallen – so weit kommt’s noch! Was für eine ungeheuerliche Vorstellung. Unschuldige Opfer sind bestenfalls nach vollbrachter Tat zu bedauern, nicht jedoch vor selbiger zu schützen.
Aber es kommt noch dicker:
Wenn man noch erfährt, dass es die „Völker“ sind und nicht die Staaten, denen Goldhagen Souveränität zuspricht, und liest, dass „mehr als die Hälfte der UN-Mitgliedstaaten Tyranneien (sind), die erhebliche oder ungeheure Verbrechen oder Menschenrechtsverletzungen an ihren eigenen Völkern verüben“, dann liest man in der Tat kein ernst zu nehmendes Buch.
Das heißt im Umkehrschluss: Welzer hält die Mehrheit der Staaten für Bollwerke der Demokratie und der Menschenrechte. Und: Nicht die Völker sollten Souveränität genießen sondern weiterhin die Staaten, also de fuckto auch jede Militärjunta und jeder schmutzige Diktator – was dann darauf hinausläuft, dass ein Charles Taylor in Liberia seine Feinde den Krokodilen zum Fraß vorwerfen, ein Saddam Hussein Tausende Kurden vergasen und ein Ahmadinedschad demonstrierende Bürger in die Kerker werfen lassen darf, denn alles andere ist eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. Treibt es ein Diktator oder auch ein gewählter Regierungschef gar zu arg und/oder können sich einige Staaten darauf einigen, einen anderen fertig zu machen, reicht es ja vollkommen aus, dass „seit 2002 ein Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag existiert, der sich mit völkermörderischen Handlungen befasst.“
Die Zeche für unsere weiße Weste zahlen derweil Millionen Menschen in Ruanda, im Kongo, im Sudan und anderswo, denn den Eliminationismus zu beseitigen („fast hätte ich geschrieben: ausgemerzt“), das kann nur einem unseriösen jüdischen sogenannten Historiker wie Daniel Jonah Goldhagen einfallen, nicht aber einem feinen Soziologen deutscher Provenienz, der darauf achtet, dass hübsch alles seine Ordnung hat, auch wenn lauwarme Protestnoten und betretenes Wegschauen noch keinen einzigen Völkermord verhindert haben.
Könnte es sein, dass an Goldhagens Analyse was dran ist, gerade weil Buch und Autor in Bausch und Bogen abqualifiziert werden? Mich hat Welzers Verriss jedenfalls neugierig auf die Lektüre gemacht. Danke, ZEIT.
das ist die neue klasse von widerlingen, die bei jeder gelegenheit mit dem völkerrecht herumwedelt, aber nichts auf die opfer dieser staatlichen souveränität gibt, wenn die staatsspitzen aus rassisten, sozialisten, antisemiten oder islamisten bestehen. aber bei juden oder amis sieht die sache plötzlich schon anders aus.
‘de fuckto’ : War das Absicht ?
@ nk
Na, was denkst Du denn? Meine Wortschöpfung, neulich von jemandem so kommentiert:
Ein Beispiel zur Anwendung: Den Friedensnobelpreis bekommt man de fuckto nur aus ideologischen Gründen. Dieses „de fuckto“ heißt, man stellt zwar genau fest, wie etwas ist, drückt aber zugleich aus, dass man damit nicht einverstanden ist. Eine sehr dissidente Vokabel!
@Claudio Casula:
Diese „Rezension“ ist mir auch aufgefallen und ich hatte auch erst vor, etwas dazu zu schreiben (v.a. zu der an Dämlichkeit nicht zu überbietenden Aussage Welzers über die UN).
Ich frage mich auch ernsthaft, ob Welzer sich der Ironie nicht bewusst ist, eine relativ lange „Rezension“ in einer der größten deutschen „Zeitungen“ zu veröffentlichen, deren Kernaussage ist, dass man über das Buch bloß nicht diskutieren solle, da es die Mühe nicht wert sei
Es ist schön, daß zwei Kommentatoren des Zeit-Artikels auch über den Punkt gestolpert sind, der mir auch auf den ersten Blick ins Auge gesprungen ist: „Der jüdische Schriftsteller Daniel Goldhagen“!
Darunter scheint es wohl bei vielen Menschen nicht zu gehen. Wenn man ihnen schon keinen gelben Stern mehr an die Kleider tackern darf, so macht man sie auf andere Weise erkennbar. Ich frage mich, wie diese Leute darauf reagieren würden, wenn man den Spieß einmal umdrehen würde. Also in etwa: „Der christliche Journalist Welzer zieht über den Schriftsteller Goldhagen und sein neuestes Buch her.“
Klingt blöd? Ist es auch … aber umgekehrt klingt es eben auch nicht besser!
Shalom
Avram
@avram
„Der heterosexuelle Journalist Welzer zieht über den Schriftsteller Goldhagen und sein neuestes Buch her.“
fände ich noch besser
uwanni
Wenn es um die Dementierung von Luthers Thesenanschlag ginge, dann fänd ich die Zugehörigkeit zur protestantischen Konfession als Standortbestimmung schon als eine sinnbringende Information.
Wäre es denn nicht doch besser, dass man erst die 685 Seiten liest, ehe man sich zu einer Rezension äußert?
@ Vita activa
Hab noch einen Stapel anderer Bücher zu lesen, bis dahin ist Welzers Rezension vergessen. Außerdem darf man sich zu der speziellen Art einer Rezension äußern, ohne das Buch bereits gelesen zu haben. Welzers Verriss wurde ja auch nicht nur für Goldhagen-Leser geschrieben, eher als Warnung davor, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Bei mir hat er damit das Gegenteil erreicht.
Wenn man auszugsweise aus der Rezension Welzers zitiert und dies kommentiert, dann finde ich dies einerseits berechtigt, andererseits wirkt es dann eher wie eine Rezension der Rezension. Und dazu benötigt man auch eine gewisse Ahnung von der Argumentation Goldhagens. Wenn man sich über einige Zuspitzungen aufregt, die den Kern einer Rezension ausmachen, dann trifft man den Verfasser nicht.
Ich finde seine Art und Weise zu schreiben einfach manipulativ. Er beruft sich auf Historiker- Autoritäten, ohne auch nur einen einzigen zu erwähnen. Er stellt Kausalitäten fest (in dem zitierten Beispiel), die so nicht eindeutig sind. Die Rezension wirkt wie ein Umsichschlage in der Luft. Der geneigte Leser wird die Art des Schreibens schon zu deuten wissen.
Aber de fuckto bestimmen Knallchargen wie Welzer die öffentliche Meinung, womit ich wirklich nicht einverstanden bin. Das Buch kaufe ich mir.
Anvi
Welzers Reaktion erinnert mich stark an diese Diskussion hier, in der Erich Mendes „Empörung“und Hildebrands sowie Barings Starrsinn stellvertetend für viel Deutsche steht:
http://video.google.com/videoplay?docid=-8011204530472410144#
Goldhagen ist großartig!
Welzer: „Wenn man noch erfährt, dass es die „Völker“ sind und nicht die Staaten, denen Goldhagen Souveränität zuspricht, und liest, dass „mehr als die Hälfte der UN-Mitgliedstaaten Tyranneien (sind), die erhebliche oder ungeheure Verbrechen oder Menschenrechtsverletzungen an ihren eigenen Völkern verüben“, dann liest man in der Tat kein ernst zu nehmendes Buch.“
Casula: „Das heißt im Umkehrschluss: Welzer hält die Mehrheit der Staaten für Bollwerke der Demokratie und der Menschenrechte. Und: Nicht die Völker sollten Souveränität genießen sondern weiterhin die Staaten, also de fuckto auch jede Militärjunta und jeder schmutzige Diktator – was dann darauf hinausläuft, dass ein Charles Taylor in Liberia seine Feinde den Krokodilen zum Fraß vorwerfen, ein Saddam Hussein Tausende Kurden vergasen und ein Ahmadinedschad demonstrierende Bürger in die Kerker werfen lassen darf, denn alles andere ist eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates.“
Lieber Casula,
abgesehen davon, daß mir Ihr „Umkehrschluß“ völlig aus der Luft gegriffen scheint, verstehe ich auch nicht was sie dagegen haben, in staatlichen Kategorien und nicht in „völkischen“ Kategorien zu argumentieren – die Festlegung auf letztere mag einer der Grundfehler Goldhagens sein.
Andererseits könnte man Ihnen in Ihrer Argumentationsweise (selektives Lesen und Denken) den Umkehrschluß unterstellen, daß alle Massenmorde dieser Welt von den Hitlers, Taylors, Saddam Husseins, Karadjics, Ahmadinedschads ausgehen werden (also dem Satan in Person). Ich möchte daher daran erinnern, daß uns Goldhagen doch streitbar aber eindrucksvoll zeigen will, daß es eben nicht nur die Staatsführung sondern „das Volk“ ist, das zum Massenmörder wird (eben Hitlers willige Vollstrecker).
Sowohl der apokalyptische wie auch ein solcher kollektivistischer Ansatz sind meines Erachtens falsch.
Vielleicht sollten wir tatsächlich das Buch lesen (obwohl 685 Seiten verdächtig lang sind…).
Stets die Ihre,
Luise Krantz
@ Luise Krantz
Schreckt mich nicht, lese gerade Geert Maks großartiges Buch „In Europa“, das hat annähernd 1000 Seiten und verdammt kleine Buchstaben.
Selbstverständlich werden Völkermorde nicht (nur) von Regierenden begangen, aber doch meistens von ihren bewaffneten Untertanen. Bei Hitler waren es wehrmacht, SS, Einsatzgruppen, im Sudan heute sind es die Reitermilizen, die mit Billigung der Regierung morden. Habe den Goldhagen schon mal durchgeblättert und mitbekommen, dass der Autor den Fragen, warum und wie es zu Genoziden kommen kann, großes Augenmerk widmet. Schon insofern dürfte das Buch lehrreicher sein als uns der Rezensent glauben machen will.
Der Umkehrschluss scheint mir nach wie vor erlaubt, schließlich behauptet Welzer, er könne kein Buch ernst nehmen, in dem nämliches behauptet würde, also vertritt er die gegenteilige Ansicht.
Nanana! Wir wollen mal nicht die anderen wirklich großen Massenmörder der Weltgeschichte vergessen! Stalin, Mao, Pol Pot – ach so sind Commies – naja dann zählt es wohl nicht…
Wie sagte jemand von den 3en einst? „Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“
Der Rezensent ist Sozialpsychologe und hat selbst Buecher darueber geschrieben wie / warum Menschen zu Vollstreckern von Massenmorden werden, insbesondere beim Holocaust. Und da, soweit ich es ueberblicken kann, er damit nicht auf dieselbe grosse Resonanz wie Goldhagen mit „Hitlers willige Vollstrecker“ gestossen ist, tippe ich bei der vorliegenden Rezension auf ganz banalen Futterneid. Gerade Wissenschaftler koennen in solch einem Fall sehr ruepelhaft werden…
@ Luise – Ich kann den Ansatz von Claudio Casula verstehen, dass es um die Frage nach Legalität und Legitimität geht. Wenn Staaten Menschenrechtsverbrechen begehen und diese mit einem staatlichen Gesetz legalisieren, dann sollten Freunde der Freiheit nicht dazu schweigen oder die staatliche Souveränität als Argument anführen. (Wenn man sich z.B. die Lage der Asylbewerberheime in der Bundesrepublik ansieht, dann sollte man auch hierzu nicht schweigen.) In dem Sinne können islamtheokratische Staaten die UN auch als Stimme für ihren „Kampf gegen Islamophobie“ missbrauchen und damit einen voraufgeklärten Zustand herbeirufen.
Das Problem mit der „völkischen“ Souveränität sehe ich wiederum darin, dass Volk unterschiedliche Bedeutungen besitzt, die vom Dritten Stand einerseits bis hin zur Blut- und- Boden- Gemeinschaft andererseits hin reichen. Und wenn z.B. der Mob das Ruder in die Hand nehmen würde, dann würden zonige Zustände hier herrschen.
„Völker“ gegen Staaten ins Feld zu führen, halte ich für problematisch. Da hat sich Goldhagen vergallopiert. Der Staat ist nichts – das Volk ist alles war ja eine der Grundthesen der NS-Ideologie.
„Solange der Krieg gegen die Menschheit andauert, ist das Töten der Täter ein defensiver Akt, der den Teil der Menschheit beschützt und bewahrt, der angegriffen und unmittelbar gefährdet wird.“
Dieser Satz ist nicht „ungeheuerlich“. Er ist dumm. Wer definiert denn „Krieg gegen die Menschheit“. Und ist der Täter wahrlich ein Täter, solange er noch nicht getötet hat? Oder stilisiert sich der Täter hier nicht selbst zum Opfer und tötet aus dieser Perspektive einen, den er als Täter diffamiert, der aber letztlich nur Opfer ist? Das öffnet doch Tür und Tor zum Missbrauch. So werden totale Kriege ausgerufen, weil die „Täter“ vernichtet gehören. So werden auch totale Kriege ausgerufen, weil der „Täter“ nicht an seiner Tat (die er ja nicht begehen kann) gemessen wird, sondern an seiner schieren Existenz. Aber wer kann wissen, dass der Täter überhaupt zur Tat schreitet? Und wer nimmt sich heraus hier die Definitionsgewalt zu haben?
Wenn wir, der Westen, denken, unsere vereintlichen Feinde als Täter zu stilisieren um sie auszulöschen, können dann nicht die anderen genau dasselbe machen? Aber wenn wir letztlich in unserem Ziel dazu herabsinken nur noch Auslöschung zu wollen, sind wir dann moralisch noch irgendwie besser als die Anderen? Auslöschung aus hehren Motiven bleibt doch Auslöschung, und hehre Motive beanspruchen auch die anderen für sich.
„Der Staat ist nichts – das Volk ist alles war ja eine der Grundthesen der NS-Ideologie.“
Öhmm, also ich erinnere mich da eher eine Bedeutung ala: Der Einzelne ist nichts, die Gemeinschaft alles…
Und auch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ lässt für mich da andere Gedanken aufkommen.
Das mag zu Kampfzeiten der SA und NSDAP in der Weimarer Republik noch anders gewesen sein. wollte man doch das System stürzen und bediente sich da der Dolchstoßlegende und allerlei anderer Ammenmärchen um sein Handeln, als „im Sinne und zum Wohle des deutschen Volkes“ zu legitimieren.
„Das öffnet doch Tür und Tor zum Missbrauch. So werden totale Kriege ausgerufen, weil die „Täter“ vernichtet gehören. So werden auch totale Kriege ausgerufen, weil der „Täter“ nicht an seiner Tat (die er ja nicht begehen kann) gemessen wird, sondern an seiner schieren Existenz. Aber wer kann wissen, dass der Täter überhaupt zur Tat schreitet? Und wer nimmt sich heraus hier die Definitionsgewalt zu haben?“
Ich!
Wenn jemand 8000 Raketen auf meine Bevölkerung schießt, ist er für mich Täter. Dazu muss er nicht jedes mal treffen und auch töten.
Und als Inhaber, der mir von meinem Volk übertragenen Gewalt, habe ich als Regierung zu handeln – zum Schutz dieser, meiner Bürger.
Ebenso wie eine Regierung die einigen Leuten gestattet ungestraft von seinem Hoheitsgebiet Raketen aus auf einen anderen abzufeuern, sich der Mittäterschaft, oder Vernachlässigung seiner Pflichten schuldig macht.
So sie sich dabei nicht gar noch unterstützt.
Und ja, die die diese Regierung gewählt haben, müssen im Ernstfall die Konsequenzen für deren handeln tragen, so sie sich nicht gegen Dinge die nicht in Ihrem Interesse sind aufbäumen. Den sie sind das Blut und Fleisch dieses „Staates“ und stellen auch dessen „Soldaten“.
„Wenn wir, der Westen, denken, unsere vereintlichen Feinde als Täter zu stilisieren um sie auszulöschen, können dann nicht die anderen genau dasselbe machen?“
Keine Ahnung was Du denkst, aber ich persönlich habe wenig Ambitionen meine „Feinde“ auszulöschen. Mir würde es völlig reichen, wenn sie aufhören würden zu versuchen mich und meine Mischpoke umzubringen.
Dazu muss ich sie nicht auslöschen, zumindest hoffe ich das immer noch!
Und totaler Krieg – uhhhhh!
Also ich glaube was das bedeutet, wissen all die jenigen, die sich noch an das Ergebnis selbigem Versuches auf deutschem Boden erinnern können. So am Morgen danach – in den Trümmern von Dresden, Hamburg oder Berlin. Gern auch noch im April ‘45 im Keller, als die Bomben auf die Städte nieder regneten und irgend ein Volldeppen-BDM-Mädel aufstand und rief:“Wir glauben trotzdem an den Endsieg und unseren Führer, Adolf Hitler!“ – kurz bevor ihm einer der anwesenden Erwachsenen, ob dieser Verblendung, eine schallende Ohrfeige verabreichte.
Weder mögen wir es Krieg führen zu müssen, noch genießen wir es UND wir tun es nicht weil wir es wollen, sondern weil wir es müssen! Sobald wir nämlich aufhören uns zu beschützen, werden wir ins Meer getrieben! (Übrigens eine sehr nette Metapher für abgeschlachtet, wie auch „von der der Landkarte gewischt“)
@ Vita activa & Mifleget Hakhatulim
Sehr richtig!
(und die UN können natürlich von allen möglichen für alles mögliche mißbraucht werden)
@ Katzenpartei, L. Krantz
Die sattsam bekannte „Sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-Bluna?“-Haltung mag im Gesprächskreis der Nahost-Friedeninitiative Oer-Erckenschwick-Ost und meinetwegen auch auf dem Grünen-Parteitag okay sein, hat aber auf diesem Blog keine Chance. Beispiel: Wenn sich ein Ahmadinedschad vor der UN-Vollversammlung hinstellt und fröhlich die Vernichtung eines UN-Mitgliedsstaates fordert, gibt es, jedenfalls hier, keine Diskussion, wer (potenzieller) Täter und wer (potenzielles) Opfer ist. Falls das jemand vorhat: Täter-Opfer-Umkehr wird hier nicht geduldet.
Die Ankündigung einer Straftat ist schon nach unserem Strafgesetzbuch eine kriminelle Tat. Man muss nicht warten, bis der Täter sein Vorhaben in die Tat umgesetzt hat.
§ 126
Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1. einen der in § 125a Satz 2 Nr. 1 bis 4 bezeichneten Fälle des Landfriedensbruchs,
2. einen Mord (§ 211), Totschlag (§ 212) oder Völkermord (§ 6 des Völkerstrafgesetzbuches) oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (§ 7 des Völkerstrafgesetzbuches) oder ein Kriegsverbrechen (§§ 8, 9, 10, 11 oder 12 des Völkerstrafgesetzbuches),
3. eine schwere Körperverletzung (§ 226),
4. eine Straftat gegen die persönliche Freiheit in den Fällen des § 232 Abs. 3, 4 oder Abs. 5, des § 233 Abs. 3, jeweils soweit es sich um Verbrechen handelt, der §§ 234, 234a, 239a oder 239b,
5. einen Raub oder eine räuberische Erpressung (§§ 249 bis 251 oder 255),
6. ein gemeingefährliches Verbrechen in den Fällen der §§ 306 bis 306c oder 307 Abs. 1 bis 3, des § 308 Abs. 1 bis 3, des § 309 Abs. 1 bis 4, der §§ 313, 314 oder 315 Abs. 3, des § 315b Abs. 3, des § 316a Abs. 1 oder 3, des § 316c Abs. 1 oder 3 oder des § 318 Abs. 3 oder 4 oder
7. ein gemeingefährliches Vergehen in den Fällen des § 309 Abs. 6, des § 311 Abs. 1, des § 316b Abs. 1, des § 317 Abs. 1 oder des § 318 Abs. 1
androht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Um beim Beispiel Iran zu bleiben … es handelt sich ja nicht *nur* um Ankündigungen oder Drohungen – die Unterstützung, Bewaffnung, Ausbildung und logistische Unterstützungen von Terrororganisationen wie Hamas & Hisbollah ist da doch eine andere Qualität!
Wobei auch die Drohung, den Untergang eines souveränen Staates herbeiführen zu wollen *eigentlich* schon ausreichen sollte…
Vielleicht kann ich ja hier etwas zur Aufklärung beitragen…
Ich habe schon einige Vorträge von Welzer besucht und weiss daher, dass Goldhagen sein Lieblings- und Vorzeige-’strawman’ ist, um seinen Kulturrelativismus ins rechte Licht zu rücken. Mal ganz davon abgesehen, dass ich Goldhagen’s Analyse der Entstehung des Holocaust’s nicht teile, da seine Thesen, so wie in seinem Buch konstruiert, historisch nicht haltbar sind, aber das würde hier zu weit führen.
Genau so verhält es sich mit den Studien Heytmeier’s, die von Welzer auf meine Nachfrage hin (zum aktuellem Zustand und Ausmaß des Antisemitismus in Deutschland…) einfach als tendentiös und verallgemeinernd abgetan wurden.
„Der Staat ist nichts – das Volk ist alles war ja eine der Grundthesen der NS-Ideologie.“
Das ist falsch.
Frage: wie sieht das mit „Volk“ und „Völkern“ im englischen Original aus? Hier wird immerhin über die Übersetzung gesprochen, der Begriff „Volk“ des Deutschen ist aber im Englischen nicht 1:1 zu übertragen.
Hat Goldhagen also „peoples“ geschrieben, oder „people“? Und meint Goldhagen damit die Bevölkerung, das Staatsvolk oder Volk im ethnisch-nationalen völkischen Sinn?
Sorry, aber Leute die meinen es ginge ums „Völkische“, wenn die These aufgestellt wird, dass die territoriale Integrität von Staaten nicht über die Sicherheit ihrer Bewohner oder eines großen Teils derselben gestellt werden darf, falls diese schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen oder gar einem Genozid durch „ihren“ Staat ausgesetzt sind, die haben einfach gar nix kapiert.
Thema verfehlt, Sechs, setzen.
Wer EinsExtra erreichen kann:
Di, 3. Nov · 07:45-09:00 · EinsExtra
Schlimmer als Krieg
Völkermord verstehen und verhindern – mit Daniel Jonah Goldhagen
Wird auch um 20:15 Uhr dort wiederholt.
ach kommt. kaum benutzt irgendeiner das wort „volk“ schon drehen einige hampelmaennchen durch.
wahrscheinlich ist goldhagen ein kleiner nazi, hat ausser euch nur noch niemand gemerkt.
[...] werden? Mich hat Welzers Verriss jedenfalls neugierig auf die Lektüre gemacht. Claudio Casula, Spirit of Entebbe, 27.10.09 über Harald Welzers Rezension des neuen Buchs von Daniel [...]
[...] 1. November 2009 at 23:32 | In Geistesgrößen | Leave a Comment Hans Welzer, DIE ZEIT – für ihn ist Selbstverständliches einfach nur igitt und böse. Man darf sich nicht [...]
Eben darum ging es mir ja, als Amerikaner wird Goldhagen es wohl in einem völlig anderen Sinn benutzt haben. Ìn Deutschland hingegen mißversteht man das gerne auf das Volk als ethnisch-nationale Einheit bezogen. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber eine andere Nutzung scheint mir doch arg unwahrscheinlich. Daher sind auch obige Vorwürfe haltlos.
Tja, ich find’s ja erstaunlich, wie nach den Massakern in Ruanda/Burundi ein „Nie wieder!“ einhellig aus allen Muendern quoll, nur um dann, wenn mal jemand wirklich konkrete Grundsaetze zur Verhinderung von Massenmorden aufstellt, von einem entruesteten „Kann man doch nicht machen!“ abgeloest zu werden. Welch Heuchelei, die sich ja z.B. sehr (un)schoen am Desintresse am Morden in Darfur zeigt. Letzteres redet Welzer uebrigens als Folge des Klimawandels herunter. Welch ein verkommener Charakter…
Uebrigens drollig, wie man sich hier empoert, wenn der Begriff „Volk“ ins Feld gefuehrt wird. Was hiess „Demokratie“ nochmal? Volksherrschaft? Nein, wie widerlich…
…ich sach nur AUTOBAHN!
Als Ergänzung zur Diskussion empfehle ich das Interview in der WELT, das Hannes Stein mit Daniel J. Goldhagen geführt hat:
http://www.welt.de/kultur/article4948576/Der-politische-Islam-hat-eine-totalitaere-Vision.html