Sie haben eben gesagt, Sie betrachten den Bau von Wohnungen in Ostjerusalem als Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Mit anderen Worten: Sie reden in der Konsequenz einer erneuten Teilung der Stadt das Wort – für einen deutschen Außenminister mit Amtssitz in Berlin eine doch recht fragwürdige Haltung.
1948 wurde erbittert um Jerusalem gekämpft. Unter großen Mühen und Opfern konnten sich die Juden im Westteil der Stadt behaupten, während die jordanische Legion im Osten die Oberhand behielt. Vielleicht nehmen Ihre israelischen Gastgeber Sie mal bei der Hand und zeigen Ihnen, was damals geschah. Ersatzweise biete ich Ihnen einen virtuellen Rundgang an.
Wir durchqueren zunächst das Jaffator und passieren die Zitadelle, biegen dann links ins jüdische Viertel ab. Als die Israelis 1967 die Altstadt Jerusalems eroberten, war hier alles verwüstet, inklusive 58 Synagogen, einige davon wurden als Vieh- und Hühnerställe missbraucht. Die Hurva-Synagoge ist, wie Sie sehen können, eben erst wieder aufgebaut worden.
Wir gehen am Burnt House vorbei, Richtung Westmauer, und blicken jetzt auf den Tempelberg, rechts davon sehen wir einen Teil des Ölbergs. Links unten, an der alten Stützbauer des Herodianischen Tempels, beten jetzt Juden, oben, auf dem Plateau des Tempelbergs, die Muslime. Während der jordanischen Herrschaft war das nicht so: Juden erhielten keine Erlaubnis, die Altstadt auch nur zu betreten. Sehen Sie die hellen Grabsteine auf dem Ölberg? Das ist ein riesiger jüdischer Friedhof. Hunderte von antiken Grabsteinen wurden damals zum Straßenbau verwendet und sogar zum Bau von Latrinen. Glauben Sie nicht, dass die Palästinenser einen respektvolleren Umgang mit den heiligen Stätten der Juden pflegen könnten, das Beispiel des Josephsgrabs in Shechem / Nablus sollte uns einen Vorgeschmack davon geben, was uns in dieser Hinsicht erwarten würde.
Die Wahrheit, Herr Westerwelle, ist die: Die arabischen Herrscher ließen Jerusalem verkommen, es fehlte an Wasser- und Abwasserrohren, an Strom- und Gasleitungen. Es gab keinen arabischen Teddy Kollek. Wenn wir gleich einmal einen Rundgang durch die Altstadt machen, werden Sie sehen, was sich seit 1967 getan hat. Vom Rest der Stadt ganz zu schweigen.
Schauen Sie sich um: Was ist Ihnen lieber? Der status quo, der Angehörigen aller Religionen erlaubt, an ihren Heiligen Stätten zu beten? Oder Mauern, Stacheldraht und Minenfelder mitten in der Stadt? Eine rhetorische Frage, natürlich. Auch Sie wollen nicht, dass es so kommt. Aber es würde so kommen, dessen seien Sie gewiss, wenn man Ostjerusalem Fatah und Hamas überließe. Die Palästinenser leugnen heute jede historische Verbindung der Juden zu Jerusalem, und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass sie zu den Gepflogenheiten von vor 1967 zurückkehren würden. Dies aber wird Israel niemals zulassen. Die Stadt wird nicht wieder geteilt, da ist sich die israelische Gesellschaft, so gespalten sie oft sein mag, mit überwältigender Mehrheit einig. Aus einem Omelett lassen sich ohnehin keine zwei Spiegeleier mehr machen. Und deshalb spielen 900 Wohnungen in Gilo mehr oder weniger absolut keine Rolle. Jerusalem war nie arabische Hauptstadt und wird es auch künftig nicht. Der Plan der “Internationalisierung” wurde – wegen der arabischen Ablehnung des Teilungsplans – nie umgesetzt, danach herrschte Jordanien über die Altstadt und jetzt eben Israel. Das ist der Lauf der Geschichte. Israel Bauprojekte in Ostjerusalem untersagen zu wollen ist daher in etwa so sinnvoll, als würde Margot Honecker von der Berliner Stadtverwaltung fordern, in Ostberlin keine Wohnblöcke hochzuziehen.
Wenn Sie am Dienstagnachmittag mit Herrn Fayyad reden, wird er sich aller Wahrscheinlichkeit nach bitterlich bei Ihnen über den „Siedlungsbau“ beklagen. Richten Sie ihm bitte aus, dass der Frieden nicht am Bau von Eigentumswohnungen scheitert sondern an der mangelnden Bereitschaft, Frieden schließen zu wollen. Und sagen Sie ihm, dass Bibi Netanyahu ehrlich bereit ist, über die Schaffung eines Palästinenserstaates zu verhandeln.
Der wird allerdings ohne Jerusalem auskommen müssen. Ein bisschen Schwund ist eben immer.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Aufenthalt in Israel. Reisen bildet ja.
Mit den besten Grüßen
Claudio Casula


Ich glaube, er redet heute nur mit Fajad, nicht aber mit Abbas, oder?
@ Opposite Editorial
Stimmt, danke. Sie schicken den einzigen Vernünftigen vor, den sie haben. Aber den haben sie ja gegen ihren Willen bekommen. ;o)
Auch dieser Brief sollte in Stein gemeißelt werden.
Du hast Recht aber leider will es niemand hören!
[...] Den jüdisch-israelischen „Siedlungsbau“ kritisiert, ein fröhliches Lächeln vorm Porträt des Antisemiten Arafat und das ganze dann auch noch frech als wachsende „Freundschaft“ verkauft – kein Wunder, dass deutsche Medien sich hochzufrieden mit dem neuen deutschen Außenminister zeigen. Beschlagwortet mit:Israel, Journalismus, Palästinenser [...]
Schade, dass der Brief nicht seinen Weg in Guidos Haende finden wird.
Wer weiß, vielleicht hat er ja eigens einen Pressereferenten, der den ganzen Tag nach »Westerwelle« googelt und die Ergebnisse faßlich zusammengestellt präsentiert.
Ja, die Israelis mit ihrem angeblichen Deutschland-Knacks, der Besuch von Westerwelle wird in Israel am Rande erwähnt, während alle deutschen Tageszeitungen voll mit Berichten und Kommentaren sind. Ich glaub es sind eher die Deutschen, die den Knacks haben…….
Ich vermute, als nächstes wird Westerwelle nach Moskau reisen und Putinedjew mutig entgegenhalten, daß der Siedlungsbau in Königsberg einer weiteren friedlichen Abnahme russischen Erdgases durch Deutschland im Wege steht. Ganz bestimmt wird er das tun. Als nächstes wird er in Warschau den polnischen Siedlungsbau in Schlesien anprangern. Wartet’s nur mal ab.
Ein bisschen Möllemann steckt halt’ immer noch im Westerwelle
Super geschrieben, Claudio!
Klare, deutliche und kluge Worte. Ich wünschte sie würden gehört!
Ich verstehe nicht, wie Deutschland, aber auch Europa, es wagen kann, Raumplanung in Israel zu betreiben. Offenbar will man wieder Juden sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Eine unglaubliche Dreistigkeit, die mich fassungslos macht.
Selbst wenn die angeblich “jüdischen Siedlungen” nicht wären, keine weiteren Wohnungen in Jerusalem gebaut würden, fiele den Paläst./Arabern eine neue Forderung ein, weshalb sie nicht über einen Frieden verhandeln können.
Die Paläst. wollen keinen eigenen Staat, denn den hätten sie ja schon Jahrzehnte vorher haben können. Sie wollen sich weiterhin den Opferstatus erhalten, weil das Geld in ihre Kassen spült. Die EU ist der größte Geldgeber der Paläst.
Hat irgendwer von euch mal gehört, dass die Europäer entschieden dagegen eingeschritten sind, den jahrelangen Beschuss aus Gaza auf israelische Städte zu unterbinden?
Ich kann mich nicht erinnern, derartiges gehört/gelesen zu haben.
danke fuer diesen beitrag. es hat richtig gut getan das zu lesen. weiter so …
[...] Sie haben eben gesagt, Sie betrachten den Bau von Wohnungen in Ostjerusalem als Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Mit anderen Worten: Sie reden in der Konsequenz einer erneuten Teilung der Stadt das Wort – für einen deutschen Außenminister mit Amtssitz in Berlin eine doch recht fragwürdige Haltung. [...]
Bei HonestReporting gibt’s eine kritische Analyse zur verfälschenden internationalen Berichterstattung über Gilo:
http://www.honestreporting.com/articles/45884734/critiques/new/Gilo_in_Perspective.asp
Dazu auch eine Karte mit der entsprechenden Erläuterung:
http://www.honestreporting.com/a/images/communiques/upload1/gilomap3.jpg
Bauen in Ostjerusalem verhindert Frieden? Okay, die 5.000 Wohnungen für Araber werden auf der Stelle gestrichen!
Hähä, um ein Mümmelmann zu werden, muss der Herr noch gut üben…
[...] Der Herr Westerwelle hat gesagt, der bau von Wohnungen in Ostjerusalem sei ein Hindernis für den Frieden. Hm, 5.000 Wohnungen weniger für Araber – das hilft natürlich auch… (die übrigen Gedanken dazu finden sich bei Spirit of Entebbe.) [...]
[...] Guido Westerwelle, FDP-Chef und jetzt Außenminister der BRDeutschland – der Bau von Wohnungen in Ostjerusalem ist ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden. Schwätzer! [...]
[...] SoE an Westerwelle SoE über Grenzen Nichts Neues aus Brüssel UJB über die Frage, was jenseits der Schlagzeilen noch [...]