Schon vor Jahren auf diesem Blog erschienen, aber hier noch einmal unseren zahlreicher gewordenen Lesern empfohlen.
Fast 43 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg hat die kollektive Gedächtnisschwäche den legitimen Präventivschlag Israels längst zu einem Eroberungsfeldzug umgedeutet. Das sah am 12. Juni 1967, dem Tag nach dem Waffenstillstand, noch ganz anders aus. Einer der schönsten Beweise dafür ist der Spiegel Nr. 25, der just an jenem Tag erschien. Damals kam niemandem in den Sinn, hinter dem Erstschlag gegen einen zum Krieg entschlossenen Feind einen heimtückischen Überfall auf arglose Nachbarstaaten zum Zwecke der Landnahme bzw. der Herrschaft über ein anderes Volk zu wähnen. Damals klangen den Menschen noch die Vernichtungsdrohungen Nassers im Ohr, hatten sie die Bilder von aufgehetzten Massen in Kairo vor Augen, die den Juden lautstark den Tod wünschten. Damals hätte man einem, der, wie die Initiative „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina” dieser Tage, den „historischen Ausgangspunkt des Nahostkonflikts” am 5. Juni 1967 festgemacht hätte, den Vogel gezeigt.
Die Titelgeschichten des Spiegel waren seinerzeit zwar deutlich weniger aufgebläht als heute, aber auch auf sieben Seiten wäre genügend Platz gewesen, wenigstens einmal die “Palästinenser” zu erwähnen. Von wegen: Vor 40 Jahren sprach man noch von Arabern, die Westbank war seit dem Unabhängigkeitskrieg von Jordanien besetzt und annektiert, der Gazastreifen stand unter ägyptischer Verwaltung. Ein palästinensisches Nationalgefühl sollte sich erst unter israelischer Besatzung entwickeln, das Recht der „Palästinenser” auf Unabhängigkeit, das heute von jedem Kaninchenzüchterverein angemahnt wird, war schlicht kein Thema.
Nun kann man natürlich sagen: Am 12. Juni 1967 war gerade mal der Gefechtslärm verklungen, da spielten die Folgen des Krieges noch keine Rolle. Und tatsächlich merkt man dem Ton des Artikels an, dass die Autoren noch unter dem Eindruck des ebenso überraschenden wie überwältigenden militärischen Sieges des israelischen David gegen den arabischen Goliath standen und den Perspektivwechsel – die unbarmherzige israelische Militärmaschinerie hüben und die armen, schwachen und gedemütigten Palästinenser drüben – noch lange nicht vollzogen hatten. Bisweilen gingen mit den Redakteuren in ihrer Euphorie über den sensationellen Kriegsverlauf und auch in ihrer Häme gegen die großmäuligen Araber, denen das Volk Israel „aufs Haupt” geschlagen habe, die Gäule durch. Da führt Israel einen „Blitzkrieg“, da rollen sie „wie Rommel”, da zerschlagen die „gepanzerten Söhne Zions den arabischen Einkreisungsring um Israel“. Soviel Pathos und Getröte im Wochenschau-Style wirkt im Licht des kalten Liebesentzugs, mit dem das Nachrichtenmagazin den jüdischen Staat in den folgenden Jahrzehnten strafte, zutiefst verstörend.
Immerhin: An den Ursachen der Kämpfe war nicht zu rütteln, und der Spiegel benannte sie: der Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai nach Nassers Ultimatum, die Sperrung der Meerenge von Tiran, aber vor allem die aggressive Rhetorik der arabischen Führer, der „Heilige Krieg der Araber“, der „panarabische Nationalismus“, die sowjetische Ermutigung der Araber zum Krieg, der „Aufmarsch der Araber“, der „die Israelis so in die Enge (trieb), dass diese zum Präventivschlag gedrängt wurden.”
,Das Ende Israels ist gekommen’ verkündete Radio Kairo auf hebräisch, als der Krieg begann. Ein kleines, dem Völkermord entronnenes Volk trat zum Existenzkampf gegen einen erbarmungslosen Feind an.
Geht einem da nicht das Herz auf? 1982 sollte sich das allerdings schon ganz anders anhören. Da schrieb Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein nämlich:
Wohl aber stand damals schon fest, dass Israel im technischen Sinne und für die Araber auch im moralischen Sinne der Aggressor war. Es wollte haben, was anderen gehörte und was ohne Krieg nicht zu haben war.

Nach dem Liebesentzug: Sechstagekrieg als israelischer Eroberungsfeldzug.
(SPON, 31.05.2007)
Dabei hatte Rudolf „Alzheimer” Augstein höchstpersönlich im Spiegel Nr. 25/1967 in seinem Kommentar „Israel soll leben” (!) keinen Zweifel an der Kriegsursache aufkommen lassen:
Die arabischen Gegner wollten ihm nicht ein Stück Land oder eine Konzession fortnehmen. Sie hatten es auf seine Existenz abgesehen.
Bingo! Genau das ist der Punkt, heute wie vor 80 Jahren: die Weigerung der Araber, einen jüdischen Staat im Nahen Osten zu akzeptieren. Ginge es nur um die palästinensische Eigenstaatlichkeit, um ein paar Quadratkilometer Land hier oder dort, um die Verteilung des Wassers – der Nahost-Konflikt wäre längst gelöst.
Was heute als „Überreaktion” gegeißelt würde, war im Juni 1967 jedem Menschen, der noch seine Sinne beisammen hatte, absolut klar. Muss man „ein Land verteidigen, das an seiner schmalsten Stelle nur 14 Kilometer breit ist”, sollte man tunlichst als Erster ziehen. Denn: „Kein Punkt liegt weiter als 50 Kilometer von der Grenze eines arabischen Nachbarstaates entfernt. Der nördliche Teil kann in ganzer Breite von Jordanien (also nicht von „Palästina”, C.C.) aus mit Artillerie belegt werden.“
Was ja auch, notabene, der Grund dafür ist, dass Israel die Höhenzüge Samarias niemals an Hamas, Fatah oder eine andere Judenmörderbande abtreten wird, wenn es nicht allzu scharf darauf ist, sich ins eigene Schwert zu stürzen. Daran möge man jeden erinnern, der auf dem vollständigen Rückzug Israels aus allen 1967 eroberten Gebieten als selbstverständliche Voraussetzung für eine Einigung mit den Palästinensern beharrt.
Ein Land mit so ungünstiger Militärgeographie lässt sich nicht defensiv, sondern nur offensiv schützen. Um zu verhindern, dass die aufmarschierten arabischen Armeen das Land von allen Seiten zugleich angriffen, in mehrere Teile zerschnitten und die Verteidiger ins Meer trieben, rief General Dayan – wie 1956 – zum Angriff.
Eine Binse, die im Jahr 43 nach dem Sechstagekrieg leider aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist. Bei der Lektüre der Spiegel-Titel-Story reibt man sich immer wieder verwundert die Augen. Kann das wirklich sein, hat man das so gedruckt? Man hat. Den Redakteur allerdings, der die Araber als „die seit Jahrhunderten degenerierten Nachfahren des Propheten Mohammed” zu bezeichnen wagte, die mit den Arabern der frühen Heldenepoche „nur noch den Hang zum Fabulieren” gemeinsam hätten, würde man heute kopfüber aus einem Fenster in der Brandstwiete hängen.
Der Hauptgrund für die Perpetuierung des Nahost-Konflikts, die Negierung des Existenzrechts Israels, war damals – und ist natürlich auch heute noch – die chronische Realitätsverweigerung der Araber. Wer eisern auf seinen vermeintlich heiligen Rechten beharrt und ausschließlich in Kategorien der Ehre und der Rache zu denken vermag, wird nie zu einem Kompromiss fähig sein. Der Spiegel stellt denn auch fest: „Die Araber dürsten nach Parolen und Pathos” – woran sich bis heute nichts geändert hat, wenn man sich die Rhetorik etwa der Hamas mit ihrem inflationären Gebrauch von Begriffen wie Blut, Ehre, Volk, Märtyrer etc. vergegenwärtigt – und zitiert den „britischen Araberfreund” und Ex-Staatssekretär Nutting mit den Worten: „Wie kaum ein anderes Volk denken und handeln sie emotionell und irrational“.
Schöner kann man es nicht sagen. Wer noch nie begriffen hat, warum die Palästinenser im Sommer 2000 das Angebot der staatlichen Unabhängigkeit am grünen Tisch ablehnten, statt dessen lieber die Bürger des militärisch überlegenen Israel in Linienbussen ermordeten und so letztlich eine für sie verheerende Gegenoffensive provozierten, mit anderen Worten: sich mit Gewalt von einem Stärkeren holen wollten, was dieser freiwillig herzugeben bereit war, sollte sich Nuttings Satz hinter den Badezimmerspiegel klemmen.
Der Spiegel schrieb also schon mal anders über den israelisch-arabischen Konflikt. Und wie sah es mit den Lesern aus? Nun, Idioten und Antisemiten sowie antisemitische Idioten gab es schon damals. Einer von ihnen, der seinen Leserbrief an das Magazin ein paar Tage zu früh in den Briefkasten gesteckt hatte, soll hier in voller Länge zitiert werden: Klaus Seibel aus dem westfälischen Siegen, ein Judenhasser, der sich etwas vorschnell auf die zweite Endlösung durch die Araber freute und am Erscheinungstag gewünscht haben dürfte, dass sich der Boden unter ihm auftut:
Zu meiner Überraschung las ich, dass sich 70 bis 80 Freiwillige für Israel im Kampf gegen die ehrenhafte Arabische Liga gemeldet haben. Ich selbst würde mich gern bei einer geeigneten Meldestelle für Nasser melden. Bekanntlich ist Israel schon seit dem Altertum Weltunruheherd Nummer eins. Die Pestbeule muss aufgeschnitten werden, sie ist längst reif. Somit rufe ich Nasser und meinen Gesinnungsgenossen als Kampfparole zu: „Macht kurzen Prozess”.
Dumm gelaufen, Klaus.

Dem hier angesprochenen Phänomen hat sich bereits im 19. Jahrhundert Gustave Le Bon in seinem Werk “Psychologie der Massen” angenommen. Er schreibt: “Die Presse, die einstige Leiterin der öffentlichen Meinung, hat wie die Regierungen gleichfalls der Macht der Massen weichen müssen. Gewiß besitzt sie noch eine beeutende Macht, aber doch nur, weil sie lediglich die Wiederspiegelung der öffentlichen Meinung und ihrer unaufhörlichen Schwankungen ist. Sie ist zum einfachen Informationsmittel geworden und hat darauf verzichtet, irgendwelche Ideen oder Lehren zu verbreiten. Sie geht allen Änderungen des öffentlichen Geistes nach, sie ist dazu verpflichtet, weil sie sonst Gefahr läuft, durch die Maßnahmen der Konkurrenz ihre Leser zu verlieren. [...] Welches Blatt wäre heute reich genug, seinen Schriftleitern eigene Meinungen gestatten zu können? Und welches Gewicht könnten diese Meinungen bei Lesern haben, die nur unterrichtet oder unterhalten werden wollen und hinter jeder Empfehlung Berechnung wittern?”
Es ist nachvollziehbar, daß es einfacher – und vor allem verkaufsfördender – ist, seinen Lesern das zu geben, was sie lesen wollen. Und die heutige Berichterstattung ist offensichtlich von solchen Überlegungen getragen. Jedoch erscheint mir bzgl. Israel zusätzlich auch noch ein agitatorisches Element enthalten zu sein.
Ach, wie herrlich!
))
2. Satz, 2. Halbsatz:
“(…) Dennoch war er gegenüber den israelischen Kampfwagen von Anfang an im Nachteil: Dem T 54 fehlt der Entfernungsmesser. Die Besatzung muß die Entfernung zum Gegner schätzen, was wegen des Intelligenzgrades der ägyptischen Panzerschützen und der weiten Flächen der Wüste besonders schwierig ist. (…)”
“Dumm gelaufen, Klaus.”
Sicher nur weil er gefehlt hat……
Ja, je näher man den Geschehnissen zeitlich kommt, je Weniger von dem Gedruckten/Gesagten passt zu den heute selbstverständlichen Wahrheiten. Da merkt man, wie viel da inzwischen gewaltig verbogen wurde.
..Im Spiegel Nr. 10/2010 das Interview mit Avigdor Lieberman: “Der Provokateur” (typische Spiegel- Überschrift) lässt sich dann jedoch durch die suggestiven, fast schon dummdreisten Fragen der beiden Redakteure Schult und Doerry überhaupt nicht provozieren und so gibt er klare und überzeugende Antworten, die ob der üblichen Flachheit der Fragen auch mal recht kurz ausfallen durften.
Sein Fazit:
“Die Menschen haben die Wahl zwischen der süßen Lüge und der bitteren Wahrheit. Ich sage die bittere Wahrheit, aber viele Menschen wollen sie nicht hören.”
Herr Außenminister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
http://wejew.com/media/11/Israel_1967_War_Documentary/
Das Video vom Waffenstillstand 1967 ist interessant.
Die Sowjetunion, die damals die Feinde Israel mit Waffengeschenken überhäuft und militärisch ausgebildet hatte, beschimpft nach dem Waffenstillstand Israel, weil es sich nicht vernichten ließ. Genauso die Syrer, die unmittelbar bei Waffenstillstand Israel anklagen, diesen übertreten zu haben.
# Avram
Wenn die deutsche Presse in Hinblick auf Israel so handelt, wie Sie schreiben:
“Es ist nachvollziehbar, daß es einfacher – und vor allem verkaufsfördender – ist, seinen Lesern das zu geben, was sie lesen wollen.”
dann schaut es nicht gut aus. Ich (Deutsche) hatte bisher das agitatorische Element als Ursache der verzerrten lügenhaften Israeldarstellung der Presse gesehen. Als Ursache dafür wiederum vermutete ich Bestechung und politische und wirtschaftliche Ziele. Aber vielleicht haben Sie Recht.
@ Renate
Es ist eine Hypothese. Nimmt man sie für eine Analyse als gegeben hin, stellt sich die weitaus interessantere Frage: warum wollen die Leser genau das lesen?
Wow, schon beeindruckend wie die Berichterstattung zu den damaligen Ereignissen damals so ganz anders war, als alles was man heutzutage in Zeitungen/Zeitschriften/Fernsehen/Radio dazu gesagt bekommt.
Ich hielt ja Kritik and der “linken”, “gleichgeschalteten” Presse in unserem Land bisher immer für Übertreibung.
Aber zumindest in Bezug auf das Thema Israel/Nahostkonflikt kommt mir das heutige Medienangebot nun so langsam wirklich als dogmatisch vorgegebener Einheitsbrei vor…
Wieso sonst habe ich bitte als aufmerksamer und interessierter junger Bürger die im hier vorgestellten, alten SPEGEL-Artikel vermittelte Perspektive zum Sechs-Tage-Krieg noch nirgends vernommen?
Übrigens: Wieso habe ich dieses Blog erst jetzt entdeckt?
Sie sollten mehr Werbung für sich machen
Vielen Dank für diesen sehr erhellenden Beitrag. Er beleuchtet, worüber ich seit Längerem immer wieder den Kopf verwundert, empört und auch traurig schüttele, ohne dass mir klar würde, woher diese seltsame Wandlung kommt. Vielleicht ist ein wesentlicher Aspekt in diesem Satz (oben) verborgen: “die chronische Realitätsverweigerung der Araber”. Wenn ich die Politik z.B. in D betrachte, dann habe ich den Eindruck, dass man sich Realitätsverweigerung unterdessen sogar ganz enorm was kosten lässt. Oder: die ganze westliche Welt scheint sich mittlerweile Realitätsverweigerung auf die Fahnen geschrieben zu haben, gleich, um welche Fragen es geht. Und so hat man auch ein irreales kleines Nahost- und Israelmodell gebastelt, das, je falscher es ist, um so mehr mit Zähnen und Klauen verteidigt wird.
Wohin das führen wird? Nun… da kuck’ ich lieber mal weg….
(Über die Wichtigkeit wirtschaftlicher Beziehungen mit dem Iran und den Arabern und arabische Investitionen in Europa erwähnen wir besser nicht. Schließlich gehören diese zu den auszublendenden Bereichen).
Da muß ich doch glatt an die Witwe Bolte denken:
In diesem Sinne muß ich als Conservativer mal anmerken: Es geht doch nichts über eine gut abgelagerte Conserve.
Ein interessanter Bericht. Leider überseht Ihr eines: der Hass auf Israel, insbesondere die ständige Gleichsetzung mit den Nazis (Gaza=Warschauer Ghetto u.ä. Schwachsinn) ist hier schon angelegt. Israel führt Blitzkrieg, Dayan ist Rommel etc.. Der Nazivergleich ist hier positiv besetzt. (1967 bei einem Blatt, das sein Personal aus den Wehrmachtspropagandakompanien rekrutierte, nicht weiter verwunderlich) In dem Moment, wo die Zionisten nicht mehr nur Opfer sein wollen, sondern selbstbewußt einen demokratischen Staat aufbauen und die Liebe deutscher Philosemiten enttäuschen, dreht sich dies. Israel handelt heute aus Sicht des Spiegels (und der SZ etc.) immer noch wie die Nazis – nur ist das jetzt böse.
Interessante Anmerkungen, die mir so noch nicht in den Sinn gekommen waren. Dank für Ihre Anregungen zum Weiterdenken!
Vielen Dank für den Bericht, Herr Casula. Es ist sehr gut, das noch einmal in Erinnerung zu rufen.
Ich erinnere mich noch an Erzählungen, dass Deutschland mit Israel fieberte – anfangs.
Es war bekannt, dass dort Juden lebten, die den Holocoust entkamen.
Ob das mit einem schlechten Gewissen zusammenhing, spielt im Nachhinein auch keine Rolle.
Die Araber nutzten die Situation schlichtweg aus, kein arabisches Land wollte Palästinenser aufnehmen, sie sollten der “Streitapfel” an Ort und Stelle sein und Israel tüchtig “provozieren”, denn ein demokratischer und dann noch jüdischer Staat Israel war das allerletzte, was man dort wollte.
Sehr schnell nahm auch das deutsche Gewissen ab. Es war die große Möglichkeit, die eigene Schreckensgeschichte zu verdrehen. Wieso Erinnerung an die mörderische NS-Zeit, wenn es doch anders geht. Das steigerte sich immer mehr darin, dass man Israel beschuldigte, wie die Nazis zu handeln. Rudolf Augstein und auch andere haben dazu beigetragen.
@ Monique
Was Augstein betrifft und wie seine Einstellung die seines Blattes geprägt hat, verweise ich gern noch einmal auf meinen Gastbeitrag auf Lizas Welt:
http://www.lizaswelt.net/2007/01/augstein-um-augstein.html
Lieber Herr Casula,
vielen Dank für den Hinweis zum Artikel.
Es wäre sehr viel dazu zu sagen.
Ich sehe in Augstein einen kaltblütigen Geschäftsmann, der für den Erfolg seines Verlages soweit gegangen ist, sich von einem Kritiker des Staates Israel, in einen Anti-Zionisten und schließlich in einen Antisemiten zu wandeln.
Vielleicht war er aber alles schon vorher.
Bestimmt waren viele Deutsche glücklich Augsteins Worte zu hören, sie entlasteten das Gewissen.
das Stöbern im Spiegel-Archiv kann sehr aufschlußreich sein:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518449.html
das spätere Bush-Bashing wirkt im Vegleich zum damaligen Reagan-Bashing ja geradezu harmlos
Manchmal sagen Bilder mehr als Worte:
http://www.sixdaywar.co.uk/arab-cartoons.htm
@ Astuga
Hinterher waren sie natürlich die Opfer. Das ist so, wie es Tucholsky über Deutschland sagte: Dort heißen die Siegesgöttinnen nach verlorenen Kriegen Friedensengel.
“Das ist so, wie es Tucholsky über Deutschland sagte: Dort heißen die Siegesgöttinnen nach verlorenen Kriegen Friedensengel.”
Na ja, hat doch was. Die Araber haben ja noch nicht mal kapiert, dass sie ihre Kriege verloren haben.
naja…
so in den letzten jahren hat sich die berichterstattung allerdings gewandelt. ich glaube letztes (?) jahr in der printausgabe war ein interessanter bericht über die palis drin. wie hamas und fatah sich gegenseitig um die ecke bringen; und wie verschiedene familienclans immer im schatten der jeweils herrschenden abrechnen…hat sich wie die orientalische ausgabe von mcbeth gelesen…
aber das der spiegel solch ein zeug von sich gegeben hat…
irgendwo bei google gabs mal ein pdf-file von nem hochschulprofessor, der die berichterstattung des spiegels im bezug auf isreael untersucht hatte…find den link nur leider nicht mehr…
@ predo
Empfehle dieses bahnbrechende Werk:
http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-6723-4
[...] ein paar Jahren noch einmal eingestellt, weil immer noch brandaktuell: Wie die Linke und der SPIEGEL die Geschichte, die sie früher einmal nüchtern und ehrlich [...]
[...] Vor dem Liebesentzug « Spirit of Entebbe (tags: israel middeleast nahost palestina spiegel augstein) [...]
[...] http://spiritofentebbe.wordpress.com/2010/03/31/vor-dem-liebesentzug-2/ [...]
Die antiisraelische Einstellung der Mehrheit der Deutschen beruht schlicht auf der Unfähigkeit, vielleicht auch Unwilligkeit, sich in die Lage Israels zu versetzen. Die Deutschen wissen einfach nicht mehr, was es bedeutet, Feinde zu haben. Schlecht für die Deutschen übrigens.
Lässig geschriebener Beitrag. Hätte so im Spiegel stehen können, wenn sich dessen Ethos in den 43 Jahren nicht so gewaltig verzeitgeistigt hätte.
BTW: ich war in diesen Juni-Tagen Redakteur des Magazins. Und wir tranken am sechsten Tage des Blitzkrieges in unserem Ressort eine Flasche “Heidmärker” auf die Sieger.
Damals im Jahr 1967 waren alle in Deutschland (die überwiegend große Mehrheit) begeistert davon, wie das israelische Militär derart schnell gesiegt hat über eine so große Anzahl an Feinden.
Sie waren so begeistert, weil sie sich selbst anstelle der Israelis sahen. “Unsere Israelis” haben gesiegt, also “wir”. Dieser Sieg war eine psychologische Entlastung für den verlorenen II. Weltkrieg.
Dass es so ist bzw. war, zeigen ja gerade solche Aussagen wie “Dayan ist Rommel” und “Israel führt Blitzkrieg”.
Aber schon ein Jahr später mit den sog. 68ern kam der linke Antisemitismus auf mit Sätzen wie “vom Judenknacks befreien” etc. Die RAF wurde bei den Palis an Waffen ausgebildet. Und mehr und mehr kam dann das Märchen vom unterdrückten Palästinenser und den bösen Israelis auf.
@ Medea
Ich denke nicht, dass die Deutschen wirklich 1967 so begeistert waren über Israels schnellen Sieg. Sie bildeten sich das nur ein, weil sie ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollten, fürchte ich. Und weil der SPIEGEL damals, wie hier so eindrucksvoll aus der Vergessenheit befördert, diesen Ton anschlug.
Der SPIEGEL war und ist, unverständlicherweise bis heute, das Leib-und-Magen-Blatt oder auch die Meinungs-Bibel für den sogenannten Links-Intellektuellen. Aus ihm bezieht die “Elite” der Deutschen ihre Ansichten und Überzeugungen. Was der SPIEGEL schreibt, ist die reine Wahrheit und nichts als diese. Das ist ein Credo
Insofern ist es auch kein Wunder, dass, als der SPIEGEL umkippte und mit dem Israel-Bashing begann, auch der gesamte deutsche Mainstream seine Richtung änderte. Und, da haben Sie ganz Recht, die 68er waren mit von der Partie.
Inzwischen ist viel Zeit verflossen. Und langsam, aber immer vernehmlicher, meldet sich immer mehr der Antizionismus, der zugleich auch ein Antisemitismus ist, bei uns wieder zu Wort. Eine unheilvolle Entwicklung.
Besonders schlimm ist aber meiner Meinung nach, dass auch das Obama-Amerika auf diese Linie umzuschwenken scheint. Doch da habe ich zumindest die Hoffnung, dass die amerikanischen Juden, die stets Anhänger der Demokraten waren, Obama zurückpfeifen werden. Wer aber tut das bei uns?
@ Helga
Mit dem Spiegel hatte das gar nichts zu tun. Die meisten Leute haben ihn gar nicht gelesen.
Die meisten identifizierten sich mit den “europäischen Juden”, die das in sechs Tagen geschafft haben im Sinn von “wir” haben es geschafft. Das wirkte wie eine Entlastung vom verlorenen Krieg. Es gab Aussagen wie “nur europäische Juden können sowas schaffen”. Das man noch vor nicht langer Zeit, jüdische Menschen ermordete, als Untermenschen deklarierte, war völlig ausgeblendet.
Im übrigen ist der Spiegel, wie allgemein Zeitungen, die sich verkaufen wollen, auf diese allgemeine Stimmung/Gefühl
aufgesprungen.
Israel-Bashing begann mit den 68ern, von denen dann viele den Weg durch die Institutionen gemacht haben und heute in der ein oder anderen Redaktion noch sitzen.
Heute gibt es einen immer stärker werdenden Antizionismus = Antisemitismus. Da macht halt der Spiegel mit wie auch andere Zeitungen, Fernsehsender, aber auch Politiker, speziell die Partei “Die Linke”.
@ Medea
Na ja, man kann lange darüber streiten, ob erst die Henne war oder das Ei . . . Ich habe mich hier besonders auf den Spiegel bezogen, weil der auch der Ausgangspunkt war für die Überlegungen von Herrn Casula.
Jedenfalls habe ich damals, in den Endsechziger Jahren, kaum etwas von einer so israelfreundlichen Stimmung bemerkt, die Sie beschreiben. Mag sein, dass es tatsächlich so etwas gab wie einen – sehr fragwürdigen – Stolz auf das, was der kleine Rest europäischer Juden, der nach den deutschen Verbrechen noch übrig war, im Sechtagekrieg geleistet hat. Ich habe von solch einem Stolz nichts bemerkt. Und schon gar nicht von einer Art Wir-Gefühl mit den Israelis – das halte ich für geradezu absurd. Wie gesagt, eine allgemeine Stimmung war das meiner Erfahrung nach keineswegs.
Natürlich haben Sie Recht, dass die Medien, allein schon aus Erfolgsgründen, dem “Zeitgeist” Tribut zollen. Aber ist es nicht auch so, dass es manchmal die Medien sind, die einen bestimmten Zeitgeist erst kreieren, oft gemeinsam mit der Politik? Natürlich haben “die meisten Leute”, wie Sie sagen, den Spiegel gar nicht gelesen. Auf die kommt es aber auch nicht so sehr an. Meinungsbildend ist immer nur eine kleine interessierte Schicht der Bevölkerung. Und bei der, so meine ich, war und ist der Spiegel ein wichtiges Informationsinstrument.
Absolut einverstanden bin ich mit den beiden letzten Absätzen Ihres Kommentars.
@Helga
Ich kann natürlich nicht für ganz Deutschland sprechen, aber in meinem Umkreis (und ich hatte damals mit vielen Leuten zu tun) war es tatsächlich so, wie ich es beschrieben habe. Natürlich können Sie das damals ganz anders empfunden haben, je nachdem, in welcher Stadt Sie wohnten.
Was ich sagte über den Sechs-Tage-Krieg gilt aber nur für das Jahr 1967. Wie ich schon sagte, ab 1968 kam dann dieses “vom Judenknacks befreien” auf, dazu dann noch der Sprengsatz vor der Jüdischen Gemeinde Berlin. Der Sprengsatz zündete nicht, sonst hätte es mit Sicherheit Verletzte, wenn nicht sogar Tote gegeben.
Seitdem gibt es mehr und mehr Israel-Bashing. Hier kann man den öffentlich-rechtlichen Sender ARD (SPD nah) schon als Propagandasender bezeichnen. Sie haben im Gaza-Krieg jede Nachricht der Hamas als Tatsache übernommen etc.
Auch die “Zeit” wartete mit sülzigen Artikeln auf, dass die bösen IDF-Soldaten ein Kind sterben ließen, weil sie nicht zuließen, dass das verletzte Kind versorgt wurde. Klar, dass diese Nachricht nur auf palästinensischen Angaben beruhte.
Bei Demonstrationen türkisch-arabischer Gruppen gab es Transparente mit “Juden ins Gas”. Das wurde allen Ernstes von den deutschen Behörden/Polizei als Meinungsfreiheit bezeichnet. Und in der Art geht es ständig weiter.
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