- Wie nennt man das Raketenabwehrsystem, das die israelische Bevölkerung vor dem Raketenterror der Islamfaschisten schützen soll?
- Was ist in Bezug auf das iranische Atomwaffenprogramm wohl mit “dem Undenkbaren” gemeint?
Die Antwort auf die erste Frage gibt Ulrike Putz vom SPIEGEL: das israelische Verteidigungssystem ist eine “Wunderwaffe”, also ein entscheidender Schritt zum Endsieg und zur Endlösung der Palästinenserfrage.
Reymer Klüver von der Süddeutschen Zeitung kennt die Antwort auf die zweite Frage: “das Undenkbare” ist nicht etwa die Detonation einer iranischen Atombombe über Tel Aviv, sondern ein Luftschlag der Vereinigten Staaten gegen das iranische Atomwaffenprogramm. Über diesen werde jetzt wieder “ernsthaft” nachgedacht – wehret den Anfängen!
[...] auszuschließen ist. Klar, dass angesichts solcher Meldungen in deutschen Redaktionsstuben Panik ausbricht. Veröffentlicht in News, Reaktionen von außerhalb. Schlagwörter: Iran. Kommentar schreiben [...]
Ausnahmsweise dürfte Ulrike Putz sauber sein. Die Überschrift ist mit ziemlicher Sicherheit von einem SPIEGEL ONLINE Redakteur gewählt worden.
Vielleicht bin ich diesbezüglich zu altmodisch und nicht auf Höhe der Zeit: aber wenn eine Überschrift über einem Artikel mit meinem Namen steht, fühle ich mich für diese verantwortlich. Frau Putz dürfte die Überschrift doch zudem auch zumindest kennen – und könnte folglich verlangen, dass sie geändert wird.
Selbst bei Print werden die Überschriften oft vom Ressortleiter festgelegt. Bei Online kommen manchmal sogar noch wechselnde Überschriften hinzu – die Anzahl der Buchstaben varriert gerne je nach Platzierung.
Trotzdem gilt natürlich weiterhin: http://www.dict.cc/?s=putz+from+Yiddish
Grüße!
Inzwischen kennt Uputz die Überschrift natürlich. Aber es ist gut möglich, dass sie sie vor der Drucklegung nicht gekannt hat. Darin hat Tobi vollkommen recht. Beim “Spiegel” herrscht Arbeitsteilung. Die Überschriften bestimmt in der Regel der Redakteur, mitunter werden Beiträge auch erst nachträglich auf die berühmte einheitliche “Spiegel-Speech” getrimmt.
Ein Freund von mir führte vor wenigen Jahren für SPON ein Interview mit Feridun Zaimoglu, worin dieser sich aus wirtschaftlichen Gründen sehr gegen den EU-Beitritt der Türkei aussprach. Die Überschrift hingegen lautete sinngemäß: “EU-Beitritt der Türkei würde die Radikalen schwächen.”
Von mir dazu befragt, erklärte der Interviewer, auch er finde, die Überschrift stehe im Widerspruch zum Inhalt des Interviews, doch stamme sie vom zuständigen Redakteur.
»Die Antwort auf die erste Frage gibt Ulrike Putz vom SPIEGEL: das israelische Verteidigungssystem ist eine „Wunderwaffe“ …«
Putzig … aber falsch. Richtig ist die Antwort: Das israelische Verteidigungssystem ist Vergeltungswaffe 4 (V4).
Das Motto:
“The rocket goes up
Who cares where it comes down?
That’s not my department,
Say’s Wernher von Braun.”
Kombiniere: israelische Juden sind die neuen Nazis.
Komisch, dass vorallem Deutschland sich zu so einem Israel-kritischem Konsens entschlossen hat. Bei der Vorgeschichte wäre ich sehr vorsichtig in der Formulierung. Aber so geistige Aussetzer bei manchen renommierten Redakteuren gehören ja heutzutage scheinbar einfach dazu.
Hier wäre eine Anregung für ein äussert interessantes Thema, über das unsere Nahostkorrespondenten mal berichten könnten:
http://www.hudson-ny.org/1422/palestinians-in-arab-world
Wird wohl aber eher nicht passieren…
@Tobi und Malte S. Sembten:
Ich bestreite ja nicht, dass die Überschrift wahrscheinlich nicht von der Autorin selbst stammt – allerdings ändert das m.E. eben nichts am Sachverhalt.
Stimmt.
Würde ich Frau Putz beim dribbeln erwischen, würde mir unter Eindruck dieses Artikels vermutlich rausrutschen, dass ihr das “ein innerer Reichsparteitag” war…
Für mich ist nur eins unbegreiflich: wie kann sich jemand der über Israel und Juden schreibt sich “PUTZ” nennen? Wenn ein Putz einen Artikel schreibt, dann ist auch nur ein Putz drin. Punkt
Völlig OT… dürfte aber dennoch auf Interesse stoßen:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/138709#replies
(Wobei ich ebenso skeptisch bin wie die Kommentatoren unter diesem Artikel…)
Wenn es um Israel geht, dann brennen beim deutschen Michel verlässlich die Sicherungen durch. Heute habe ich einen Artikel auf Welt Online gelesen, indem die Problematik rund um Gaza mit der rund um Nordzypern verglichen wird. Darf ich verlinken?
http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Brennpunkt-Nahost/article8560054/Nordzypern-Das-Freiluft-Gefaengnis-der-Tuerkei.html
Die Kommentare dazu (wohlgemerkt im Internet-Auftritt der Welt, nicht in dem der SZ oder der TAZ) käuen leider zum großen Teil den viel zu oft gelesenen Einheitsbrei wieder.
Wem etwas an europäischen Werten liegt, der kann eigentlich nicht umhin, mit Israel zu sympathisieren. Israel ist unser geborener Verbündeter im Nahen Osten und wäre dies auch, wenn es Auschwitz nicht gegeben hätte.
Nach meiner heutigen SPON Erfahrung wird jeglicher Anflug von Putz kritischen Kommentaren untergepflügt. Bei SPON herrscht eine sozialismusähnliche Einheitsmeinung. Journalisten erfüllen schon lange nicht mehr ihren Auftrag zwischen Nachricht und Kommentar zu unterscheiden. Sie empfinden sich heute als außerparlamentarische Akteure in der Arena, nur daß sie keine Debatten aushalten, kein Mandat besitzen und niemanden Rechenschaft ablegen müssen.
Allerdings laesst Ulrike Putz nach: Kassam-Raketen werden als Ultra-Kurzstreckenraketen bezeichnet, ohne auch nur einmal auf den mildernden Umstand hinzuweisen, dass si “selbstgebastelt” sind. Mehr noch, sie erwaehnt, dass die grenznahe Bevoelkerung zu leiden hatte. Und schliesslich erwaehnt sie einen “Grenzzaun”, wo es doch “Apartheidsmauer” heissen muss. Was ist nur mit ihr los? Wurde sie durch eine Mossad-Agentin ersetzt?
Dafuer entschaedigt die SPON-Redakton mit den Hintergrundinfos am linken Seitenrand, in denen Raketenterror & Selbstmordanschlaege locker verschwiegen werden und Moerderbanden wie Hamas, Hisbollah und Islamischer Dschihad als “Gruppierungen und Institutionen” durchgehen. Bravo, Spiegel! Julius Streicher would approve.
Aber letztendlich ist es traurig, daß ein Staat Abfangraketen aufstellen muß, weil ihm die Weltgemeinschaft ankreidet, die Raketenstellungen, aus denen er beschossen wird, zu zerschlagen. Das wäre nämlich die beste Abwehr.