Bevor ich vor fast 30 Jahren meine erste Israelreise antrat, nahm ich unter anderem an einem Seminar teil, in dessen Verlauf es auch zu einem Gespräch mit einem PLO-Vertreter kam. In Israel waren Gespräche mit PLO-Leuten damals tabu, und dass mal ein Ministerpräsident aus den Reihen des Likud Yassir Arafat die Hand schütteln, dass ein weiterer den Gazastreifen komplett räumen und dass diese Partei der Schaffung eines Palästinenserstaates grundsätzlich zustimmen würde, war damals undenkbar. Das waren Positionen, die bestenfalls in der Friedensbewegung zu orten waren. Heute werden sie von der überwiegenden Mehrheit der Israelis vertreten. Die Zustimmung wäre sogar noch größer, wenn der Rückzug aus Gebieten nicht mit Terror in bis dahin unbekanntem Ausmaß beantwortet worden wäre.
Jeder, der behauptet, Israel sei in den letzten Jahrzehnten nach rechts gerückt und der Frieden scheitere an den Israelis (Siedlungsbau!) und nicht an der absoluten Kompromissunfähig- und -unwilligkeit der Palästinenserführung, hat entweder nichts begriffen – oder er lügt. Doch was, wenn wir einmal nicht von Fatah oder Hamas reden, sondern von der palästinensischen Bevölkerung? Könnte dann – rein theoretisch – so etwas wie Hoffnung keimen, dass auf lange Sicht und im Fall einer Enteierung der beiden Terrororganisationen doch noch eines fernen Tages Frieden möglich wäre?
Schön wär’s. Auch im Jahr 64 nach dem Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen ist man auf der anderen Seite des Zauns noch immer keinen Schritt weiter, und dass die Palästinenser seit fast zwei Jahrzehnten der Propaganda von Fatah und Hamas ausgesetzt sind, hat gewiss dazu beigetragen, dass sich in Richtung Mäßigung, Ausgleich, Reflexion über eigene Fehler und Missetaten und Abschied von unrealisierbaren Zielen nichts, aber auch gar nichts getan hat. Nicht einmal im Nachhinein will man etwa Arafats Njet von Camp David als Versäumnis einstufen, offensichtlich wird so eine Terror-Intifada auch dann als tolle Sache betrachtet, wenn sie Tausende Menschenleben auf der eigenen Seite fordert und am Ende nur dazu führt, dass ein Zaun hochgezogen wird.
Diese Logik muss man als Mitteleuropäer erst mal begreifen: Man hat keinen Staat, könnte aber einen bekommen, wenn der Präsident von seinen Maximalforderungen abrückt. Statt dessen sagt er Nein, fliegt nach Hause und lässt sich dort als neuer Saladin feiern. Kurz darauf entsendet er Selbstmordattentäter in die Städte des Verhandlungspartners, Menschen sterben bei Attentaten und bei Gegenschlägen, Checkpoints entstehen, ein Sperrwall, die Arbeitsplätze jenseits der Green Line sind ohnehin futsch; irgendwann rückt das israelische Militär ein und führt Razzien durch, die Besatzung, die man schon fast los war, ist wieder da. Gewonnen ist nichts, statt dessen sind in diesen Jahren 5000 Menschen zu Grabe getragen worden. Und selbst jetzt fehlt die Einsicht, dass es besser gewesen wäre, der anderen Seite beizeiten, wenigstens ein bisschen, entgegenzukommen. Das verstehe, wer will. Wir jedenfalls verstehen es nicht. Hätten die Palästinenser wirklich Freunde, die es gut mit ihnen meinen, müssten diese ihre vorgeblichen Schützlinge jeden Tag ins Gebet nehmen. Aber sie haben keine, ihre Unterstützer sind nicht an ihnen und ihrem Wohlergehen interessiert sondern an Israel und daran, diesen Staat unablässig mit Dreck zu bewerfen. Von ihnen sollte man einen Beitrag zum Frieden zuallerletzt erwarten, sie leben vom Konflikt wie die Seepocke von der Krabbe. Höchste Zeit für die Palästinenser, sich von solchen “Freunden” zu emanzipieren und endlich die Reife aufzubringen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden. Nur: Wer soll es ihnen sagen?
http://anti3anti.wordpress.com/2010/09/28/ironie/
Антисемиты всех стран, соединяйтесь!
“Das verstehe wer will. Wir verstehen es jedenfalls nicht”
Sieht so aus als könnte sich die Diskussion dem Kern des Problems nähern. “Wir” verstehen diese Gesellschaft nämlich tatsächlich nicht, so wenig, wie wir unsere eigene vormoderne Vergangenheit wirklich verstehen. Wir können nicht mehr nachfühlen, wie es sich in einem undurchdringbaren Geflecht persönlicher Abhängigkeiten einer vormodernen Gesellschaft überhaupt lebt. Wir haben heute noch eine vage Ahnung davon, was europäische Leibeigenschaft bedeutete, aber die Reaktionsmuster wirklich verstehen können wir nicht. Und schon gar nicht die einer vormodernen arabischen Gesellschaft. Trifft aber eine vormoderne Gesellschaft auf eine moderne, kann sie sich nur in Abschottung retten. Sonst zerbröselt sie einfach, denn diese Gesellschaft, wie fast alle ihre Mitglieder, können immer nur auf der Verliererseite stehen. Deshalb sehen wir überall in der Region die Tendenz (mindestens) zur Abschottung. Dem steht nicht entgegen, dass irgendwo etwas Technik in der Gegend herumsteht, denn es geht um den Kern der gesellschaftlichen Verfassung. Da diese Konfrontation ständig droht, entwickeln sich Paranoia, seltsame Vorstellungen von der Dekadenz des Westens, eben die andauernde Feinderklärung. An der gesellschaftlichen Oberfläche erscheinen dann “Clanstrukturen”. Ein besonders zentrales Schlachtfeld ist auch das Geschlechterverhältnis, da wird der Grundkonflikt dann offensichtlich.
Die Faszination für die von ihnen dargestellten vorzivilisatorischen/vormodernen Verhaltensmuster sei ihnen ja gegönnt – aber gibt es weltweit nicht schon mehr als genug “Reservate” für Freunde der arabischen Folklore?
Ich lege da die gleiche Elle an wie bei Raubüberfällen oder Vergewaltigungen, ich möchte nicht über die schwere Kindheit des Täters und die psychologischen Hintergründe aufgeklärt werden, ich möchte ganz einfach, daß mir “Soetwas” nicht widerfährt.
@willow
Da haben Sie mich missverstanden. Eine Faszination für vormoderne Verhaltensmuster liegt mir fern. Mir geht es darum, die Handlungsmuster in der arabischen Welt zu begreifen. Ist es nicht das wilde “um sich schlagen” einer zum Untergang verurteilten Gessellschaftsform, was wir die ganze Zeit sehen?
Gute Frage: Wer sagt’s ihnen? Das ist nämlich gar nicht so einfach. Ich hatte jüngst den Spaß, eine Woche beruflich in der West Bank zu verbringen, und wurde schon auf dem Weg von der Grenze nach Ramallah vom Taxifahrer zugenölt, Israel, Siedlungen, und wie schlimm doch alles sei. Und so ging das die ganze Woche weiter. Sie merken, dass man ein wenig arabisch spricht, starten empört! mit einer besonders unglaublichen zionistischen Niedertracht, gerne in der Nachbarschaft und gerade erst geschehen, noch nicht in den Nachrichten, und gerne mit Kindern als Opfern, schauen dann prüfend, wie man reagiert und ob man noch weiter gehen kann, und wenn man sie lässt, dann werden die Geschichten immer wilder. Man sitzt abends in hübschen Bars, trinkt wie alle Cocktails ab 10 Euro, schaut den palästinensischen Jungmännern beim Cruisen in Papas BMW zu und wird ungefragt von allen Tischnachbarn und Tischnachbarinnen rundum in einem fort mit Schilderungen der ungeheuerlichsten zionistischen Menschheitsverbrechen zu getextet. Wenn man irgendwann genervt – aber aus Vorsicht doch freundlich, verhalten und diplomatisch – einwendet, dass vielleicht doch eventuell rein hypothetisch ein paar Probleme hausgemacht sein könnten und es vielleicht doch eventuell rein hypothetisch besser sein könnte, Israel Israel sein zu lassen und endlich einen eigenen Staat oder was auch immer aufzubauen, dann wenden sie sich binnen Sekunden angewidert ab. Schock. Verrat. Tuschel, Tuschel. In dieser Bar ist man den Rest des Abends allein.
Ich glaube, so geht das vielen Ausländern dort. Ramallah strotzt nur so vor NGO und staatlichen Agenturen aus aller Welt, die hier ihr Geld verteilen. Nicht die wenigsten der hier Arbeitenden sind Israelhasser und genau deshalb hier gelandet, aber auch die anderen machen mit und lassen dem Palästinenser seinen Glauben, an allem seien die Israelis schuld – denn sonst wäre ihr Laden leer, trotz der vielen Kohle, die sie mitbringen.
Danke Linus
wie sich die Dinge gleichen:
in der ersten Hälfte der 70er testeten Türken in unserer Bridge-Spiel-Clique die Lage mit “aber die Israelis haben 1967 Napalm zum Einsatz gebracht”.
Reagierte frau nicht, war das Thema erledigt. Wir wurden nicht links liegen gelassen (junge Leute Bridge und unser “Sex Appeal” waren zu verführerisch), aber Politik war kein Thema mehr.
Irgendwann in der Zeit habe ich auch mal nem Palästinenser mit seiner Bewerbung geholfen – der gleiche Gesprächstest …
Napalm = Vietnam = Imperialismus
Ja wollen sie überhaupt einen eigenen Staat, den sie ja 1948 schon nicht wollten?
>Aber sie haben keine, ihre Unterstützer sind nicht an ihnen und ihrem Wohlergehen interessiert sondern an Israel und daran, diesen Staat unablässig mit Dreck zu bewerfen
Was Unterstützer und eventuelle Freunde eines Teils der Palästinenser betrifft :
Hamastan: Hexenjagd aktuell …
http://backsp.wordpress.com/2010/11/21/hamastan-hexenjagd-aktuell/
Pat
[...] Hätten die Palästinenser wirklich Freunde, die es gut mit ihnen meinen, müssten diese ihre vorgeblichen Schützlinge jeden Tag ins Gebet nehmen. Aber sie haben keine, ihre Unterstützer sind nicht an ihnen und ihrem Wohlergehen interessiert sondern an Israel und daran, diesen Staat unablässig mit Dreck zu bewerfen. Von ihnen sollte man einen Beitrag zum Frieden zuallerletzt erwarten, sie leben vom Konflikt wie die Seepocke von der Krabbe. Höchste Zeit für die Palästinenser, sich von solchen „Freunden“ zu emanzipieren und endlich die Reife aufzubringen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu unterscheiden. Nur: Wer soll es ihnen sagen? Claudio Casula, Spirit of Entebbe, 22.11.10 [...]