Selten einen Text gelesen, in dem so klar, kenntnisreich und bestechend dargelegt wurde, welche Konsequenzen der von vielen für selbstverständlich gehaltene Rückzug der Israelis auf die Waffenstillstandslinien von 1949 hätte. Wer keine Ahnung hat, worum es geht, oder diese Überlegungen nicht ernst nehmen will, darf hier nicht mehr mitquatschen und möge sich fürderhin dort ausmähren, wo man Bücher von Finkelstein, Bremer, Neudeck, Flottau und ähnlichen Gestalten schätzt, um unbeleckt von jeglicher Sachkenntnis seine Vorurteile bestätigt zu bekommen, von Gaza als “Freiluftgefängnis” zu lesen und von einem angeblich “nicht lebensfähigen Staat” zu schwadronieren, wenn die Palästinenser weniger als ihre 100 Prozent bekommen.
Lesebefehl!
Hallo Claudio Casula,
Gibt es irgendjemand, der den Artikel von Yaacov ins deutsch übersetzen könnte?
Das wäre für die weiterverbreitung sehr wertvoll. Ich bin leider zu wenig versiert.
Gruss Andi
Danke für den Link. Sehr informativ und differenziert. Zwei Beobachtungen. Eine Frage:
* Durch die Olmert-Karte würden sich die “undefensible borders” deutlich verlängern, die neue Grenze zur Westbank wird dann locker anderthalbmal so lang wie die Grüne Linie. Es wird also kilometerweise Angriffsfläche geschafften, wo selbst irgendein jugendlicher Idiot mit ‘ner Steinschleider einen Grenzzwischenfall auslösen könnte. Ziel dieses israelischen Vorschlags ist offenbar, dass möglichst wenig Siedler umziehen müssen.
* Die Sicherheitsrisiken, wenn die IDF aus der Westbank abzieht, lassen sich offenbar durch eine geänderte Grenzziehung minimieren aber nicht ausräumen. Wenn die IDF aber weiter in vielen Bereichen der Westbank dauerhaft bleibt, dürfte das für die Palästinenser kaum zu akzeptieren sein.
Ist eine internationale Besetzung der Westbank z.B. durch NATO-Truppen, die sich um die Sicherheit kümmern, eine Alternative?
wenn Du glaubst, daß die NATO besser im Aufpassen ist als die UNO Truppen im Südlibanon …
Die UNO hat schon viel zu oft versagt, siehe z.B. Srebrenica. Warum sollte die Nato besser sein?
Was ich mir vorstelle, sieht in etwa so aus:
Eine NATO-geführte Truppe mit einem “robusten Mandat”, die aus regulären, schweren Kampfeinheiten besteht und tun kann, was nötig ist. Dazu internationale Polizeieinheiten, die sich mit Aufstandsbekämpfung auskennen, sinngemäß eine Mischung aus Guardia Civil und Royal Ulster Constabulary.
Ein ziviler “Hoher Repräsentant” mit Hoheitsrechten, der über der palästinensischen Regierung steht, also beispielsweise die Möglichkeit hat Funktionäre und gewählte Mandatsträger zu entlassen, wenn sie gegen die Regelungen eines Friedensabkommens verstoßen.
So ähnlich sieht die internationale Präsenz in Bosnien seit 1995 aus.
Mir ist klar, dass Israel und seine Nachbarn eine Generation Stabilität brauchen, damit ein Situation entsteht, die man – vielleicht – Frieden nennen kann. Szenarien darüber, wie Srebreniza oder Sarajevo in Israel oder Palästina aussehen könnten, gibt es genug. Meine Frage ist vielmehr, was man seit Ex-Jugoslawien gelernt hat bzw. welche Lösungen übertragbar sind.
also ludwig
mir als altgedienter Verwaltungshäsin stehen bei ihren Phantasiegespinsten die Resthaare zu Berge.
Nachdem sogar Pat Condell kapiert hat, daß Jerusalem als internationale Stadt ein No-Brainer ist, nach all den erstklassigen Beispielen von hervorragend schief gegangenen Operationen immer noch mit so nem Kokolores über die Blogs zu ziehen, bedarf schon einer mehr als durchschnittlichen Blauäugigkeit.
Bosnien ist nach meinen letzten Informationen als Vorbild rundum untauglich und befindet sich ständig am Rande des Scheiterns.
Ein robustes Mandat allein bringt’s nicht, das Personal muß auch willig sein, es umzusetzen
Umgangssprachlich ist das Problem als der Unterschied zwischen Theorie und Praxis bekannt.
@Silke: Das Thema Diskussionsstil ist in diesem Thread in epischer Breite durchdiskutiert. Da möchte ich mich nicht dran beteiligen:
http://rungholt.wordpress.com/2011/05/24/oh-nein-3/
Ansonsten:
Natürlich ist Jerusalem die kritischste Frage. Alle Alternativen sind bekannt, keine überzeugt. Israel will Ost-Jeruslem nicht aufgeben, selbst wenn die Palästinenser dies akzeptieren, würden es die Araber nicht zulassen. Ergebnis: Nichts passiert. Das Rückkehrrecht bleibt Verhandlungsmasse und man sucht weiter nach einer “kreativen Lösung“ für Jerusalem. Das ist jedenfalls mein Eindruck.
Für mich bleibt weiter offen, was gegen eine längerfristige internationale Präsenz in den Palästinensergebieten spricht, ein Alternativ-Szenario zur Illustration:
Gaza 2005 – die IDF zieht ab. Die internationale Gemeinschaft übernimmt (s.o.). Die Palästinenser wählen die Hamas und den Krieg. Der “Hohe Repäsentant” ruft Neuwahlen aus. Die internationalen Sicherheitskräfte setzen sie durch und schlagen sich mit den Konsquenzen rum, die – behaupte ich mal – nicht so gravierend wären, wie in der richtigen Geschichte.
Der Fallout landet nicht in Israel, stattdessen hört man aus Jerusalem: “Wir haben euch ja gewarnt, aber ihr wolltet nicht hören.”
Klar gehe ich naiv und theoretisch an die Sache ran, das ist meine Perspektive.
Aber: Was spricht dagegen?
ich schließe mich mal dem 1.Posting an. Gibt es eine Quelle für diese Rede in deutsch? Ich kann für solche Artikel viel zuwenig englisch.
Danke.
also ich enträtsele mittlerweile in großen Zügen auch den einen oder anderen russischen Text mit Hilfe von Google Übersetzunge, in der Menüleiste unter “mehr” zu finden.
Das einzige was ich an dem Dienst zu meckern habe, ist, daß er transkribiertes Hebräisch nicht kann oder ich zu doof bin, den richtigen Knopf zu finden.
Die Funktion habe ich auch schon vermißt.
Könnte vor allem daran liegen, daß eine Transkription, je nach Zielsprache, ziemlich unterschiedlich ausfällt.
Dan Shueftans neues Buch:
http://www.jpost.com/Features/InThespotlight/Article.aspx?ID=222228&R=R1&t=t
Dass es in Europa auch ein paar Leute mit vernünftigen Ansichten gibt, sieht man in folgendem Link:
Und dies Vergnügen wollte ich denn auch teilen…
http://www.youtube.com/user/patcondell#p/u/0/eIesXORjBps
Hat mir durchaus Vergnügen bereitet, dem Mann zuzuhören
Claudio klingt original wie Lila, wenn sie uns auffordert, bei Yaacov reinzuschauen^^
apropos Vergnügen – ich habe mir gerade Daniel Gordis Rede an JStreet reingezogen – würde ich gern allen deutschen Möchtegern-Israel-Politikberatern Wort für Wort ins Poesiealbum schreiben.
Enjoy!
http://www.jpost.com/Magazine/Opinion/Article.aspx?id=222330
und wo ist der Mann zu Hause?
Überraschung!
beim Shalem-Center, diesem Nest von Leuten, die MIR was zu sagen haben (habe ich ursprünglich mal via Michael Oren gefunden)