Von Jennifer Nathalie Pyka
Im Leben eines durchschnittlichen Nahostkorrespondenten gibt es genau zwei Dinge, die ihm regelmäßig einen innerlichen Reichsparteitag bescheren:
1. Wenn Israel sich gegen Liebesgrüße aus dem Gazastreifen, die zumeist via Kassam-Rakete und Mörsergranate überbracht werden, wehrt (denn das kann man gut als zionistischen Angriffskrieg verkaufen!)
2. Wenn die Hamas bei ihren Bestrebungen, die Juden endlich ins Meer zu treiben, tatkräftige Unterstützung von außen – wahlweise durch die UN, Iran oder Inge Höger – erfährt (denn so wirkt die sogenannte „Israelkritik“ gleich viel seriöser!)
Das letzte Stimmungshoch erreichte die örtlichen Korrespondenten erst vor ein paar Tagen, nämlich als Ägypten im Alleingang die Öffnung des Grenzübergangs in Rafah beschloss und so die Palästinenser aus ihrem „Freiluftgefängnis“ befreite. Anlässlich dieses wahrlich historischen Ereignisses knallten die Sektkorken ganz offensichtlich nicht nur in der örtlichen Hamas-Parteizentrale, sondern ebenso im ARD-Studio Tel Aviv. Auch Dr. Clemens Verenkotte, seinerseits profilierter Nahostexperte und ARD-Studioleiter, wollte dieses Jahrhundertspektakel natürlich keinesfalls verpassen. Und so raste er mit 180 Sachen quer durch Zion in Richtung Rafah, um dort rechtzeitig an den örtlichen Feierlichkeiten im Kreise hochrangiger Hamas-Friedenskämpfer teilzunehmen. Vor diesem Hintergrund entstand dann das eine oder andere Glanzstück der deutschen Journalismusgeschichte, die der interessierte Gebührenzahler auf tagessschau.de bestaunen kann.
Wahrlich, es lässt sich nicht leugnen: Clemens Verenkotte, die Edelfeder vom Dienst, ist nicht nur eine Zierde seiner Zunft, sondern gleichsam ein wahrer Gewinn für die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Anstatt wahllos beliebige Agenturmeldungen umzuschreiben und das Ergebnis als „Qualitätsjournalismus“ zu verkaufen, lässt er nicht nur befreite Palästinenser, sondern auch freundliche Hamas-Cops selbst zu Wort kommen. Objektiver Journalismus, wie er im Buche steht! So erfährt der Leser bereits eingangs von Mahmud, der seine Familie sage und schreibe 25 Jahre nicht gesehen hat und nun endlich seinen Bruder in die Arme schließen kann. Ein schöner Erfolg – nicht nur für Mahmud, sondern auch für Dr. Verenkotte, der dies natürlich unkommentiert stehen lässt und so dem Leser genau das Bild suggeriert, das er selbst offenbar aus seinem Lieblings-Pallywood-Streifen übernommen hat. Denn dass Mahmud bereits seit 25 Jahren im Gazastreifen verweilt, liegt freilich nicht an Israel oder Ägypten (das die Schotten berechtigterweise erst 2007 dicht machte), sondern an ihm selbst.
Doch mit Gefühlsduselei allein lässt sich der knallharte Lokalreporter Clemens natürlich nicht abspeisen. Für ihn zählen nur Fakten, Fakten, Fakten! Und die bekommt er auch, z.B. vom Humusverkäufer Khalid, einem weltweit bekannten und renommierten Analysten der aktuellen Nahostpolitik. Dieser lässt verlauten: “Ich glaube, dass der Grenzübergang für so lange Zeit geschlossen war, weil die ägyptische Seite unter massivem Druck von außerhalb stand.“ Treffer versenkt, denkt sich Clemens, und übernimmt auch dieses aussagekräftige Statement in seinen äußerst lesenwerten Tatsachenbericht. „Außerhalb“ – das impliziert natürlich nichts anderes als „zionistisches Terrorregime“. Und da ein Nahostbericht ohne obligatorisches Israel-Bashing in der Chefetage der ARD offenbar als handfester Kündigungsgrund gilt, kommt Clemens der weise Humusverkäufer natürlich sehr gelegen. Ebenso übrigens wie der äußerst kooperative Hamas-Polizeichef, der sich trotz der alltäglichen Hektik (hier mal ein bisschen foltern, da die ein oder andere Hinrichtung und zwischendurch noch ein paar Mörsergranaten in Richtung Israel abfeuern) dennoch Zeit für seinen Kumpel aus Deutschland nimmt. Der wiederum honoriert dies mit den Worten „Hamas zeigt sich aufgeschlossen“ und suggeriert so dem Leser, dass die netten Jungs mit der Kalashnikov eigentlich herzensgute Menschen sind. Deren Forderung nach Warenverkehr in Rafah wurzelt selbstverständlich im ausgeprägten Bedürfnis der Palästinenser nach lustigen Souvenirs aus Gizeh, keinesfalls jedoch im Interesse der friedfertigen Hamas, ein paar Waffen mehr ins Land zu schaffen.
Es ist daher nur verständlich, dass Dr. Verenkotte bei dieser Fülle an höchst objektiven Quellen wohlwollend darauf verzichtete, dem interessierten Leser ein Minimum an Hintergrundinformation zu bieten. Der Tatsache, dass erst der Regierungsantritt der demokratisch gewählten Terrorgruppe Hamas den entscheidenden Anlass zur Schließung der Grenze gab, widmet der ARD-Qualitätsjournalist nicht mal einen Nebensatz. Faktentreue wird ohnehin überbewertet. Stattdessen zitiert Meister Clemens fleißig Hamas-Kämpfer sowie Opfer der israelischen „Besatzung“ und liefert so ein nettes Märchen aus 1001 Nacht made in Pallyschauwood. Dass er so in die Fußstapfen der Marietta Slomkas und Jörg Schönenborns dieser Welt tritt, bei denen die vertraglich festgelegte journalistische Objektivität allenfalls als „nice to have“ gilt, ist freilich nichts Neues. Ebenso wenig übrigens wie die ARD’sche Interpretation des „Grundversorgungsauftrags“, der sich höchstens auf die umfassende Versorgung des Bürgers mit öffentlich-rechtlich-kompatiblen Informationen beschränkt.
Aber vielleicht sollte man mit Dr. Verenkotte auch nicht allzu hart ins Gericht gehen. Vermutlich hat er bei all dem Jubel und Trubel einfach nur vergessen, zum Zwecke der Ausgewogenheit kurz beim israelischen Regierungssprecher anzurufen oder einen zufällig vorbeikommenden Israeli um seine Meinung zu bitten. Kann schon mal vorkommen. Schließlich hat das Freiluftgefängnis zu Gaza, wo laut journalistischer Einheitsmeinung pausenlos humanitäre Krisen stattfinden, ja so viel zu bieten. Darum ist es doch nur verständlich, dass Herr Verenkotte lieber ein bisschen in der neu eröffneten „Gaza Shopping Mall“ bummeln geht oder einen Cocktail im mondänen „Gaza Grand Palace Hotel“ schlürft, anstatt seriösen Journalismus zu produzieren. Wer könnte es ihm schon verübeln?
——————————–
Jennifer Nathalie Pyka lebt als Studentin der Politikwissenschaft in München und betreibt einen eigenen Blog.
Und derartiger öffentlich-rechtlicher Dreck wird demnächst auch noch per “Haushaltsabgabe” finanziert. Auch wer sich selbst nicht indoktrinieren und antijüdisch verhetzen lässt, muss für die Aufhetzung seiner Mitbürger zahlen.
Deutschland, Deutschland über alles …
Das oeffentlich-rechtliche Pay-TV (vom Radio ganz zu schweigen) ist, wenn es um serioese Berichterstattung geht, kaum besser als andere Sender, zuweilen schlimmer noch. Ich erinnere mich mit Grausen an einen Kommentar von Birgit Kaspar nach dem Lynchmord an den beiden IDF-Soldaten in Ramallah, an die Statements von Bettina Marx, an Marietta Slomkas sueffisanten Sharon-Goebbels-Vergleich, an den Besuch des ZDF-Korrespondenten bei der Familie eines Attentaeters und zahlreiche andere wirklich widerliche Momente. Auf den Presse-Kodex wie auch auf frueher mal gueltige Standards von Wahrhaftigkeit, Unparteilichkeit, Trennung von Nachricht und Kommentar etc. wird nur noch gepfiffen, um es milde auszudruecken.
Jennifer schreibt wie immer sehr gut, besser kann frau es nicht tun.
Im Rahmen der aktuellen Berichterstattung habe ich auch ein-mal (!) gehört, dass an sich die UNO die Grenzkontrollen in Gaza überwachen sollte.
Das wurde aber damals kurz nach der Machtübernahme durch die Hamas abgebrochen, weil es von deren Seite Übergriffe gegen die UN-Angestellten gab.
Weiß da jemand mehr darüber?
Nö, das sollte die EU machen. Nach der Machtübernahme der Hamas in Gaza zogen die allerdings wieder ab. Im Zuge der neuen Einheitsregierung zwischen Fatah und Hamas sollen die aber nicht mehr eingesetzt werden.
Soviel zum Wert von Unterschriften arabischer Politiker auf international verbindlichen Abkommen.
OT, aber wichtig
http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2011/05/31/juden-fur-den-staatsanwalt/
Tja, bei der ARD arbeiten eben nur die Besten! Ich darf doch an Robbie “Führerbunker” Hetkämper erinnern?
Auch schön finde ich, dass Mankell durch meine Gebühren immer fetter wird und für die nächste Überfahrt nach Gaza von meinem Geld sicher schon ne Menge Schrott gekauft hat.
Bravo, Jennifer Nathalie!
Und willkommen im Club.
Btw., Farhud, heute vor 70 Jahren.
1. Juni, 1941, Baghdad.
Das größte und gewalttätigste antijüdische Pogrom im Nahen Osten während des 2. Weltkriegs, mit geschätzten 150 Ermordeten und 600 zerstörten jüdischen Geschäften.
Oft auch als arabische Reichskristallnacht bezeichnet.
Danke für die Erinnerung! Tja, 26 Jahre vor der Eroberung der Westbank, und weit, weit entfernt von den Zionisten…
Hier die Story.
Ich habe lange mit mir gerungen und bin mir selbst unterlegen. So bleibt mir weiter nichts übrig, als endlich zu akzeptieren, was für Dr. Clemens V. ein richtiger Orgasmus gewesen zu sein scheint: Champagner trinken aus dem Kampfstiefel der Hamas! So richtig mit Verbrüderung, gegenseitigem Auf-die-Schulter-Geklopfe und dem erhabenen Gefühl, dass die Welt jetzt eine andere ist.
Leider hat er dabei das rechte Maß missen lassen und den einen oder anderen Stiefel zuviel geleert, so dass er bei seinen Recherchen geradezu verbrecherisch oberflächlich geblieben ist. Sein Schaumweinrauschvernebeltes Nahostexpertenhirn erfasste in keinster Weise, welch historischer Augenblick da gerade unwiederbringlich vorbeiflog:
Er hätte nur auf die EINE Frage kommen müssen: was bewog Ägypten zu diesem Schritt?
Wenn er wenigstens ansatzweise sein Geld wert wäre, wäre ihm die Antwort noch im tollsten Vollrausche eingefallen.
Der alten Kriminalistenweisheit „Folge der Spur des Spermas und des Geldes“ zufolge liegt die Antwort sozusagen quasi auf der Hand: Knete, schnöde Knete.
Ägypter können nämlich auch rechnen. Und deren Rechnung geht so: Wir – also die Ägypter – können den Schmuggel eh nicht verhindern. Und die UN juckts auch nicht sonderlich. Und immer der Zank mit den Waffenbrüdern von der Hamas. Und wieso eigentlich sollen die Gazatunnelschmuggler daran verdienen? Die Einnahmen könnten doch genauso gut in unsere eigenen Taschen fließen. Also laßt uns doch einfach die Grenze öffnen und selbst abkassieren. Zölle auf Gurken, Tomaten, Kornet- und Katjusha-Raketen, M 43-Patronen und AK 47-Sturmgewehre: bisher geschmuggelt, nun völlig legal verzollt – eine sprudelnde Geldquelle sondergleichen.
Kleiner Nebeneffekt für die Weltwirtschaft: Jeder Dollar aus diesen Einnahmen macht Ägypten von internationalen Geldtransfers unabhängiger.
Die bisherigen Schmuggler bekommen eine Uniform, eine Waffe und einen Checkpoint zum Wacheschieben. Die wären also auch versorgt und fallen niemandem lästig.
Auch welche Auswirkungen die Grenzöffnung auf das deutsche Gutmenschentum hat, blieb bisher völlig unbeachtet und –berichtet: mit der Grenzöffnung wurde auch die Behauptung, daß Gaza das „größte Freiluftgefängnis der Welt“ sei, obsolet. Ein „Gefängnis“ mit 24 Stunden am Tag geöffneten Toren, wo gibt’s das nochmal?
Arme Inge Höger, was machst Du jetzt mit Deinem ganzen Engagement für die „Free Gaza II“-Flotte? Wem kippst Du jetzt den eingesammelten Schrott vor die Türe? Und Henning Mankell? Und Norman Paech? Und all die anderen, die hier ungenannt bleiben müssen? Wohin jetzt mit Euren erhabenen Gefühlen?
Abschließend eine letzte Bemerkung zur Qualität des deutschen zwangsgebührenfinanzierten Fernsehens:
Als meine Ex-Ehefrau im Jahre 2005 aus unserer Wohnung auszog, nahm sie neben vielem anderen auch unseren Fernseher mit. Ich habe mich bis heute geweigert, mir einen neuen anzuschaffen.
Ich bereue diese Entscheidung nicht.
Die nicht verferngesehene Lebenszeit habe ich mit lauter schönen Dingen verbracht. Das soll auch so bleiben. Und die gesparten Gebühren werden gespendet – auch Kleinvieh macht Mist.
Grüße aus Berlin
Also ich finde nicht, dass die ARD einseitig berichtet. Zu Wort kommen beide Seiten: Fatah und Hamas.
@J.T.
“Und die gesparten Gebühren werden gespendet – auch Kleinvieh macht Mist.”
dank der baldigen “Haushaltsabgabe auf die Funkempfangsgeräte” (aus GEZ II bekannt) werden diese Spenden wohl obsolet, oder?
Dann kann auch die neue Frau gleich doch mit einem Fernseher einziehen. Am besten mit einem SAT Receiver dazu. Es gibt noch einige fremdspachige Sender die man sich anschauen kann. Ich gucke z.B. gern Russen und Polen. Nicht weil ich so gebildet bin und ich so viele fremden Sprachen kann. Die Kultursendungen (Musik, Oper, Balett) sind sehr gut. Und dazu braucht man keine besondere Sprachkenntnisse. Ich komme allerdings aus dieser Ecke so dass ich zufälligerweise ueber den notwendigen Wortschatz verfüge
ARDs Bastard Phoenix scheint mächtig im Wettbewerb der größten anti-israelischen Idiotie mitmischen zu wollen. Gerade drüben bei tw_24 gefunden:
http://www.tw24.info/?p=2888
[...] Verenkotte hat mal wieder Qualitätsjournalismus betrieben. Jennifer Natalie Pyka erklärt ihm, was für ein Schwachkopf er [...]