Aus einem einzigen Grund ist der zum Scheitern verurteilte Versuch von Abu Mazen, die Anerkennung „Palästinas“ unter Umgehung des Verhandlungsweges zu erzwingen, begrüßenswert: Für jedermann ist nun erkennbar, dass die PLO, ebenso wie die Hamas, an einem wie auch immer gearteten Friedensprozess nicht interessiert ist. Es bleibt natürlich Medienschaffenden wie Ulrike Putz, die ihren Artikel über die Auftritte Abu Mazens und Bibi Netanyahus vor den Vereinten Nationen mutmaßlich schon zum größten Teil fertig und ihr bizarres Urteil gefällt hatte, bevor die beiden ans Rednerpult traten, unbenommen, das Offensichtliche zu ignorieren und ihre Privatmeinung als Beschreibung der Realität zu präsentieren. Schließlich ist die Positionierung des SPIEGEL im Sinne seines Gründervaters Augstein ziemlich eindeutig und sie dürfte nach allem, was zu lesen und zu hören ist, mehrheitsfähig sein, nur: Wer aufmerksam zuhört, wie Israelis und Palästinenser sich in Wort und Tat geben, wird zu komplett anderen Schlüssen kommen.
Anders etwa als Frau Putz uns weismachen will, sind die Palästinenser noch lange nicht „ready for statehood“.
Sie sind es wirtschaftlich nicht, weil sie nach wie vor am Tropf der Geberstaaten hängen, zu denen ihre arabischen Brüder übrigens nicht gehören.
Sie sind es politisch nicht, weil es gerade mal zwei „Parteien“ gibt, von denen die eine sich im Gazastreifen an die Macht geputscht hat und die andere dem Gedanken an eine pluralistische Demokratie ebenso abhold ist: Wahlen ohne Beteiligung demokratischer Parteien gab es seit Gründung der PA vor achtzehn Jahren genau zwei Mal, und Abu Mazens Amtszeit lief 2009 aus. Der Mann ist also nicht einmal legitimiert, für die Palästinenser in der Westbank zu sprechen.
Und sie sind es auch gesellschaftlich nicht, weil die palästinensische von der uns bekannten Zivilgesellschaft weit entfernt sind. Wer Unabhängigkeit anstrebt, sollte eine gewisse Reife zeigen, sollte Verantwortung übernehmen können. Bilder wie diese zeigen jedoch, dass nicht einmal die zivilisatorischen Mindeststandards eingehalten werden. Wo sind die Palästinenser, die sich angesichts eines solch erbärmlichen Schauspiels voller Scham abwenden? Wer als „Partner für den Frieden“ ernst genommen werden will, müsste wenigstens zuhören können, wenn die andere Seite ihre Argumente vorbringt. Müsste irgendwann einmal damit beginnen, über eigenes Fehlverhalten und Versäumnisse zu reflektieren. Müsste versuchen, die andere Seite von der eigenen Friedensfähigkeit zu überzeugen. Nun wäre es schön, wenn sich diese Verweigerungshaltung allein der herrschenden Fatah bzw. Hamas zuschreiben ließe, allein: Alle Umfragen zeigen, dass die Palästinenser auch 18 Jahre nach Einrichtung der Autonomie in ihrer großen Mehrheit weder willens noch fähig sind, die politischen Realitäten zur Kenntnis zu nehmen, ja dass es ihnen überhaupt an gutem Willen gebricht, den hundertjährigen Konflikt irgendwann einmal beizulegen. Das sind die Fakten. Ulrike Putz und ihresgleichen mögen uns diese unbequemen Wahrheiten vorenthalten und scheinheilig konstatieren, dass „Netanjahus Auftritt Israel Sympathien gekostet (haben dürfte)“, wo sie selbst doch seit Jahr und Tag emsig daran arbeiten, das Image des jüdischen Staates zu ruinieren, doch wer bereit ist, die Fakten anzunehmen, nüchtern zu analysieren und auf dieser Grundlage sein Urteil zu fällen, lässt sich von ihnen nicht mehr zum Narren halten.
Wohl kaum ein Thema ist von Anfang an so gründlich in allen Facetten ausgeleuchtet worden, die historischen Tatsachen sind dokumentiert, und weder die vom Gros der Medien verbreiteten halben Wahrheiten noch der ihre Voreingenommenheit entlarvende Ton werden daran etwas ändern. Geschichte darf nicht von den Siegern geschrieben werden, das ist richtig. Von den Verlierern aber auch nicht. Um zu wissen, was war, muss man sich schon ins Sujet hineinlesen. Um zu wissen, was ist, bedarf es einer gewissen Aufgeschlossenheit für Originaltöne. Es gibt MEMRI, es gibt Palestinian Media Watch, und wer sich weigert, die nahöstliche Realität zu betrachten, sollte einfach nicht mitquatschen dürfen. Sagen wir es so: Wer sich partout auf Putz & Co. verlassen will, ist verlassen, und zwar von allen guten Geistern.
Bibi Netanyahus Rede, egal ob sie von Ulrike Putz oder von den Ha’aretz-Leitartiklern heruntergeschrieben wird, enthält alles, was man zum Nahostkonflikt wissen muss. Man muss dem israelischen Regierungschef nicht in jedem Punkt zustimmen, warum auch, aber er spricht alles in allem den Menschen in Israel, die er nicht zufällig vertritt, aus der Seele, wenn es um den Kern der Sache geht: Sie haben ein Recht auf ihr eigenes Land. Sie wollen, dass die Palästinenser diesen Anspruch anerkennen, bevor sie es mit ihnen teilen, und sie verlangen, dass ihre Sicherheitsbedenken ernst genommen werden, sonst wird der Frieden eine Illusion bleiben. Sie bestehen darauf, dass sie für Gebietsabtretungen nicht wie bisher nur noch mehr Terror bekommen. Und dazu haben sie jedes Recht. Wer ihnen dieses Recht abspricht, disqualifiziert sich als Advokat des Friedens ebenso wie als vorgeblich besorgter Freund des jüdischen Staates. Anspruch auf Unabhängigkeit, Würde und Frieden haben alle Völker – die Juden eingeschlossen. Wenn die Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten das anders sieht, spricht das nicht gegen Israel, sondern gegen diese Institution. Wenn Putz et al. das anders sehen, spricht es gegen ihre Qualifikation als glaubwürdige Journalisten, die der Wahrhaftigkeit verpflichtet sind. Dort, wo sie ausgerechnet jenen das Wort reden, an denen jede vernünftige Lösung scheitert, dort wo sie versagen, müssen andere den Job machen. Müssen notfalls darauf hinweisen, dass ein ganz erheblicher Unterschied besteht zwischen einem Israel, das verurteilten Palästinensern Verwandtenbesuche ebenso erlaubt wie ein Fernstudium auf Kosten des israelischen Steuerzahlers, und einem Palästina, das den gekidnappten Gilad Shalit seit fünf Jahren in einem Loch gefangen hält, ohne dass es ein Lebenszeichen gäbe oder gar ein Besuch des Roten Kreuzes erlaubt würde. Das sind zwei Welten, und die unmenschlichere kommt bei uns in der öffentlichen Wahrnehmung weit besser weg. Das ist grotesk und fordert zum energischen Widerspruch heraus. Einige Journalisten leisten diese undankbare Arbeit, einige Blogger auch. Sie alle wirken als notwendiges Korrektiv. In diesem Sinne wird Spirit of Entebbe weiter seinen Beitrag leisten. Das sind wir nicht nur Israel schuldig, sondern auch uns selbst.
Vielleicht bin ich ein Pessimist und suche nach innerer Logik, wo vielleicht gar keine ist, aber mir stellt sich die Situation so dar:
Nachdem Gaza an die Hamas gefallen ist, im Libanon die Hizbollah mit iranischer Hilfe aufgerüstet hat, Iran an Atomwaffen arbeitet, die Türkei sich zum Feind Israels entwickelt hat, Ägypten den Friedensvertrag mit Israel revidieren will (auch 10 Revolutionen schaffen dort keinen Wohlstand und so braucht man ein Ventil = Israel), sogar Jordanien den Friedensvertrag neu bewerten (?) will usw. usw., hat jetzt Abbas bei der UNO die Staatlichkeit beantragt, wohl wissend, dass diese am Veto der USA scheitern wird. Die arabische Freude an dem UNO-Antrag wird also nach der Ablehnung in Hass umschlagen und die angedeutete Front eng zusammen schweißen. Und dann???
Gerade hörte ich in den Nachrichten, dass am in Israel erwägt, den Verteidigungsetat zu reduzieren um den bestehenden sozialen Problemen Abhilfe zu schaffen. So sehr das einleuchtet, scheint es mir der völlig falsche Moment für eine Reduktion der Verteidigungsbereitscheft. Es könnte nämlich sein, dass wie oben angedeutet, von langer Hand die Zerstörung Israels vorbereitet wird.
Aber wie ich sagte, ich bin eher ein Pessimist und hoffe, dass ich hier völlig falsch liege.
“Bibi Netanyahus Rede (…) enthält alles, was man zum Nahostkonflikt wissen muss.”
so ist es.
das transkript dazu gibt es hier auch zum mit- oder nachlesen (auf englisch): http://www.mfa.gov.il/MFA/Government/Speeches+by+Israeli+leaders/2011/Remarks_PM_Netanyahu_UN_General+_Assembly_23-Sep-2011.htm
Der Staat der Palästinenser
http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=6545
Mit ihrem Pochen auf einen eihenen Staat ohne Vorbedingung naehern sich doie Palaestinenser doch erstaunlich schnell den westlichen Gesellschaften an: Schliesslich ist auch hier Belohnung ohne Vorleistung inzwischen DIE Parole.
- Wenn die einen Sozialleistungen ohne vorheriges Einzahlen in die Sozialkassen als Selbstverstaendlichkeit erachten
- wenn Banker meinen, ihnen stuende ein Bonus zu, obwohl sie ihr Unternehmen in den Abgrund maneuvriert haben und vom Steuerzahler gerettet werden mussten,
- wenn ganze Staaten Geld aus dem Fenster werfen, ohne Einnahmen zu machen, weil sie auf einen Rettungsfond hoffen koennen,
- wenn Lehrer, die mangelhafte Leistungen mit schlechten Noten quittieren, verklagt werden,
- wenn Hoodies Gesetze brechen und von den Polizisten “respect” einfordern
dann kann man den Palaestinensern nur zurufen: Ihr habt Eure Lektion gelernt. Was dem einen sein Recht auf einen Plasmafernseher, ist ihnen eben das Recht auf einen eigenen Staat…
Von den Auswüchsen dieser Haltung wissen die Palästinenser wohl nichts, aber sie sind durch Erfahrung immer dreister geworden, weil sie mit jeder Tour durchgekommen sind: Mit Terrorismus haben sie es geschafft, von der Welt als eigenes Volk mit einem Anliegen wahrgenommen zu werden, haben einen Beobachterstatus in der UNO erlangt, politische und wirtschaftliche Unterstützung trotz demonstrativem Desinteresse an einer friedlichen Einigung mit Israel, trotz absoluter Kompromisslosigkeit, trotz Erziehung der eigenen Jugend zum Dschihad, trotz Intifada. Nie hatte Fehlverhalten Konsequenzen, man konnte ja immer mit dem Finger auf Israel zeigen. Kein Wunder, dass die nie erwachsen werden und Verantwortung übernehmen, sondern greinend zur UNO laufen. Wenn Erdogans Ausdruck “verzogenes Kind” überhaupt auf ein Volk zutrifft, dann gerade auf die Palästinenser.
Das alles wissen nicht nur die Politiker weltweit, sondern auch diejenigen Menschen, die wenigstens ein wenig die Dinge verfolgen. Trotzdem wissen die meisten in der Konsequenz nur, dass sie gegen Israel und für die Palästinenser sind. Darüber staune ich seit Jahren und komme aus dem Staunen nicht heraus. Ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären.
Allerdings habe ich mir auch den Antisemitismus nie wirklich erklären können.
Will scheinen, dass der Welt mit Vernunft nicht beizukommen ist.
SoE in Bestform.
[...] Claudio Casula hat etwas Positives an Abbas‘ Scharade vor der UNO-Vollversammlung gefunden. Leider muss er auch beklagen, dass die putzige Ulrike mit ihrer Meinung reichlich daneben liegt – und ihr wieder einmal erklären, wie die Realität im Nahen Osten aussieht. [...]