…the more they remain the same.
Jerusalem, den 25. März 1933.
Bei dem aus Anlass des Purim (Faschings-)Festes in Tel-Aviv am 13. d. M. veranstalteten Umzug wurde ein Wagen mitgeführt, der die Verfolgung der Juden in Deutschland zum Gegenstand hatte. Der Herr Reichskanzler Hitler war dabei auf einem Pferde reitend, mit einer Lanze in der Hand und einer Tafel auf der Brust dargestellt, auf der hebräische Worte standen mit dem Sinn: “Tod den Juden”. Vor ihm waren Figuren zweier blutüberströmter Juden angebracht, und vor diesen ein Schild mit der Inschrift “Herr Hitler, Chef der deutschen Regierung”, sowie eine andere Tafel mit der Inschrift “Wir aus Deutschland vertriebenen Juden wollen, dass die Pforten unseres Landes Palästina uns geöffnet werden!” (…)
Nach Einziehung von Bestätigungen der in der Presse erschienenen Meldungen durch das Konsulat in Jaffa habe ich am 22. d. M. mit einem abschriftlich beigefügten Schreiben bei dem Bürgermeister der Stadt Tel-Aviv, Herrn Dizengoff, Protest erhoben und der Erwartung Ausdruck gegeben, dass der vom Stadtrat in Tel-Aviv ernannte Ausschuss für den Purim-Umzug sich entschuldigen wird. Diesen Schritt bei der Gemeindebehörde von Tel-Aviv habe ich mit dem gleichfalls im Auszug abschriftlich beigefügten Schreiben dem Generalsekretär der Palästina-Regierung zur Kenntnis gebracht und unter anderem um geeignete Anweisungen an die Polizei gebeten, damit zukünftig ähnliche Zwischenfälle vermieden werden.
Wolff
(aus: Steininger, Rolf (2007) (Hrsg.): Der Kampf um Palästina 1924 – 1939. Berichte der deutschen Generalkonsuln in Jerusalem, München: Olzog.)
Herr Dizengoffs Antwort ist in dem Band leider nicht überliefert. Ich müsste mich aber schon sehr täuschen, wenn sie nicht ähnlich geklungen hat wie die goldenen Worte von General McAuliffe in Bastogne am 22.12.1944.
Gefühle verletzt und ein ganz Volk unter Generalverdacht gestellt… Pfui, pfui, pfui!
Gut auch der Général Cambronne, der 1815 über ein ähnliches Ansinnen einfach bloß “merde” sagte.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Pierre_Cambronne#Le_mot_de_Cambronne
Nun ja, der Mann hat halt seinen Job gemacht als Vertreter Deutschlands,
was seine Berichte um so wertvoller macht, als zeitgenössische Quelle, die die Geschichtsfälschung der palästinensischen Propaganda sehr schön wiederlegt. Ob es um die Entwicklung des Konfliktes aus dem Klagemauerstreit und der Hetze des Muftis geht, um das tägliche Wettern gegen die Landverkäufe derer, die nachts profitabel an die Juden verkauft hatten, das Propagandamärchen der massenhaft in Not geratenen verdrängten Fellachen, der Mann berichtet ausführlich darüber, was damals lief in Palästina. Und das kann man nicht einfach als zionistische Propaganda abtun.
Dem Isrelfreund sei dieses Buch als Argumentationshilfe wärmstens empfohlen, dem Pali-Versteher und Pappefan als Therapeutikum in hoher Dosis
.
Das Buch kostet 50€, ist den Preis aber echt wert. Hatte es erst per Fernleihe und später dann doch noch gekauft.
Was ich sehr interessant finde: Der Brief datiert vom 25.3.1933, also keine 2 Monate nach Hitlers Machtübernahme.
Und trotzdem stellen die Juden in Tel Aviv ihren Purimwagen so dar, als wäre schon Nov. 1944. Sie haben es geahnt.
@Markus: Was gabs denn da zu “ahnen”? Die Intentionen der Nazis waren doch lange vor 1933 mehr als deutlich. Wer “Mein Kampf” gelesen hatte, wusste doch, was geplant war.
@Charly: Danke für den Tip! Was ist denn ein “Pappefan” ?
Quatsch, “geahnt”. Sie haben schlicht den Mördern die lautstarke und nur allzu häufige Verkündung ihrer Absichten auch abgenommen, zur Bestimmung feindlicher Ziele eine einfache und zielsichere Methode.