Schon der Umstand, dass sich (linke) Israelis und Palästinenser zusammensetzen und miteinander reden könnten, ist der “gemäßigten” Fatah, die lieber Frieden mit der Hamas schließt als mit dem jüdischen Staat, unerträglich. Das ist die traurige Bilanz nach fast zwei Jahrzehnten “Friedensprozess”. Man muss schon an den Weihnachtsmann glauben, um Frieden und Koexistenz mit einer solchen Bande für möglich zu halten. Andererseits: Geht es den vorgeblichen Palästinafreunden um Frieden? Oder wissen sie nicht im Gegenteil ganz genau, dass die Bereitschaft von Fatah oder Hamas, sich eines Tages mit Israel zu arrangieren, gegen Null tendiert – und springen sie nicht gerade deshalb jenen zur Seite, denen im Leben noch kein derartiger Gedanke durch den Kopf gegangen ist?
Vor einigen Tagen hat der gefühlt 20-mal von seinem Posten als Chefunterhändler der PA zurückgetretene notorische Saeb “500 Tote in Jenin” Erekat die Unverfrorenheit besessen, in der Jerusalem Post den Augenblick der Wahrheit zu beschwören. Ausgerechnet er. Kein Wort zum Thema Terror, dafür die sattsam bekannten Klagen über angebliche Intransigenz israelischer Regierungen, über Checkpoints, Mauer und, you name it, tägliche Demütigungen. In 20 Jahren haben Erekat und seine Spießgesellen so gut wie keine Geste des guten Willens zustande gebracht, und sie sind keinen einzigen Schritt auf den “Verhandlungspartner” zugegangen. Fast 20 Jahre nach Oslo ist klar: Die PLO, die ihre Charta entgegen weit verbreiteter Annahme bis heute nicht änderte, hatte nie die Absicht, mit Israel zu Potte zu kommen. Den “historischen Kompromiss” meint man mit dem “Verzicht auf 78 Prozent des Landes”, die man nie kontrolliert hat, längst gemacht zu haben. In seinem PR-Stunt ruft Erekat die Israelis dazu auf, die absolut unveränderten Forderungen seines Herrn und Meisters Arafat anzuerkennen, sonst gebe es eben keinen Frieden.
Sämtliche “Verhandlungen” waren also für die Katz, das war für alle, die es wirklich wissen wollten, schon lange offensichtlich, und nun ist es offiziell. Was ein Sari Nusseibeh auch veranstalten mag, ist vor diesem Hintergrund völlig ohne Belang, denn mit jenen, die in Palästina das Sagen haben, ob “gemäßigt” oder “radikal”, ist kein Frieden zu machen, ja nicht einmal ein Staat. Um einen solchen Staat anzuerkennen, müssten die Israelis mit dem Klammerbeutel gepudert sein oder kollektive Suizidgelüste hegen, und davon kann gottlob keine Rede sein. Nach Post-Oslo-Terror, “Al-Aqsa-Intifada” und allem, was Leute wie Erekat nach wie vor in Wort und Schrift verlautbaren lassen, machen sich die Israelis, die noch Mitte der 90er-Jahre vage Hoffnungen auf Frieden hatten, längst keine Illusionen mehr. Und da voraussichtlich weder Hamas noch Fatah freiwillig Platz machen werden für Palästinenser, die wirklich einen Dialog wollen, wird alles so bleiben, wie es ist. Kein Schritt vorwärts, kein Schritt zurück – unter diesen Umständen ist der Status quo noch immer alternativlos. Mit ihm können offensichtlich alle ganz gut leben, ob Erekat sein Klagelied anstimmt oder nicht.
