Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen: Ma´ale Adumim ist – auch wenn das noch so oft behauptet wird – keine Siedlung, sondern eine ausgewachsene Stadt mit ungefähr 36.000 Einwohnern. Von denen auf einer merkwürdigen Fotostrecke in der Online-Ausgabe der ZEIT allerdings kein einziger zu sehen ist.
Wir sehen Straßen, Häuser, Spielplätze – allein, so ausgestorben wie ein Präriestädtchen, in dem traurig-trockene Grasbüschel über die staubigen Wege treiben. Die Galerie aus 18 Fotos kommt wie ein einziges Stillleben daher. Was ist geschehen – ist die Neutronenbombe gefallen? Die Bevölkerung Ma´ale Adumims geschlossen verreist, ausgewandert, zum Einkaufen nach Jerusalem oder zum traditionellen Palästinenserdrangsalieren in die Umgebung gefahren? Hat die Beulenpest gewütet oder haben sich die Bewohner in ihren Häusern verschanzt, als sie den Fotografen anrücken sahen?
Wir werden es nicht erfahren. Aber was wir mutmaßen dürfen: Siedler, die, wie Kevin Zdiara in einem schönen Beitrag schreibt, mittlerweile “auf eine Stufe mit den schlimmsten Menschheitsverbrechern” gestellt werden, sollen wohl nicht als Menschen vorkommen dürfen, womöglich noch als die sympathischen, nun wirklich nicht radikalen oder extrem religiösen Menschen, die sie nun einmal sind – Familien, Kinder, die jeden Tag die Straßen und Spielplätze der Stadt zu bevölkern pflegen. So erscheint der Ort irgendwie trostlos, kalt, wie ein steiniger Fremdkörper in der kargen wüstenhaften Landschaft Judäas. Liegen wir falsch, wenn wir vermuten, dass genau das beabsichtigt sein dürfte?

Sensation: In Ma´ale Adumim leben Menschen!
