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Archive for the ‘Fernsehtipps’ Category

Noch einmal: Allahs Bräute

Heute Abend, 20.15 Uhr, wiederholt 3sat die Dokumentation “Shahida – Allahs Bräute”, über die SoE bei der Erstausstrahlung berichtete.

Wer heute keine Zeit hat, kann den Film auch auf youtube sehen.

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Was guckst du… im April?

Erstausstrahlungen auf Phoenix, die sich Leser dieses Blogs gern vormerken dürfen:

 

Mittwoch, 4. April, 23.05 Uhr
Tage, die die Welt bewegten:
Entscheidung im Sechstagekrieg

 

Montag, 9. April, 20.15 Uhr
Der Jordan, Quelle der Fruchtbarkeit und Spiritualität

 

Donnerstag, 12. April, 20.15 Uhr
Zeitalter des Terrors:
Operation Entebbe (BBC-Doku)

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„Drei Halunken und ein Halleluja“ – so heißt eine italienische Westernkomödie aus dem Jahr 1970. Der Titel passt aber auch gut auf „Die Anwälte. Eine deutsche Geschichte“, das Buch zum gleichnamigen Film, der heute Abend um 21.55 Uhr auf Arte ausgestrahlt wird, auch wenn sich die Autoren Martin Block und Birgit Schulz sicher gegen diesen Vorschlag verwahren würden. Schließlich geht es um drei ehemalige Anwälte der außerparlamentarischen Opposition bzw. später der RAF, die einst einträchtig im „Sozialistischen Anwaltskollektiv“ wirkten, und dafür bringen die Autoren viel Sympathie auf. Einer allerdings, Horst Mahler, mutierte vom sozialistischen zum nationalsozialistischen Systemgegner und machte sich damit für die beiden ehemaligen Mitstreiter unmöglich: für Otto Schily, der immer schon so aussah, als sei er im Anzug zur Welt gekommen und sich zum Law&Order-Mann und beinharten Innenminister wandelte, und Hans-Christian Ströbele, der seinen linken Idealen treu blieb und nur seine Ansprüche herunterschraubte: Seit sich das System als übermächtig erwies, reitet der „Catweazle der Grünen“ (Reinhard Mohr) gegen erheblich kleinere Windmühlen wie eine McDonald’s-Filiale in seinem Kiez an und, steter Tropfen höhlt den Stein, arbeitet so unermüdlich im Kleinen daran mit, aus dem einst spießigen, intoleranten und autoritären Staat ein Land der Müslilöffler, Treehugger und Liegeradfahrer zu machen. Nicht ohne Erfolg, wie man zugeben muss: Der Mann, der einst wegen „Unterstützung einer kriminellen Vereinigung“ zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, wird stets konsultiert, wenn man eine dezidiert linke Stellungnahme braucht, und ist ein gern gesehener Gast in Talkrunden wie jener von Maybrit Illner, der Fleisch gewordenen Vuvuzela des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Die Herren Schily und Ströbele haben sich heute nur noch wenig bis gar nichts zu sagen, und Horst Mahler („Heil Hitler, Herr Friedman!“) wird von beiden mit Nichtbeachtung gestraft. Dabei haben sie ihn, den Linksterroristen, 1971 und 1972 in zwei Prozessen verteidigt, und das kaum schweren Herzens. Seinerzeit sah die APO nicht ganz zu Unrecht die Bundesrepublik als muffigen, konservativ-autoritären Staat an und begann, Respektspersonen infrage zu stellen. Das war eine schöne Zeit, so hört man aus dem Buch (und gewiss auch aus dem Film) heraus – Aufbrechen alter Strukturen, notwendige Veränderungen, eine neue Debattenkultur. Ob allerdings der Republikanische Club, gegründet von linksgerichteten Intellektuellen wie Enzensberger, am Ende nicht viel mehr war als ein in der Wolle gefärbter Stammtisch, diese Frage stellen die Autoren nicht. Dabei wurden ja auch dort recht einfache Wahrheiten verkündet: Der Staat ist repressiv, ein Handlanger des US-Imperialismus (Vietnam!), die „Springer-Presse“ das Böse schlechthin, der Sozialismus die Lösung für die Mühseligen und Beladenen dieser Welt. Als der Student Benno Ohnesorg von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wurde, hatte man endlich einen Märtyrer. Der „Mord durch die Polizei“ (Mahler), also: durch die Staatsgewalt, war der Beweis für die gewaltsame Repression des faschistischen Staates gegen die APO. Welch eine Ironie der Geschichte, dass sich der Täter 2009 als Agent der Stasi entpuppte. Wie auch immer: Die heißblütigeren unter den Linksaktivisten sahen nun Gewalt gegen „das (Schweine-)System“ gerechtfertigt. Dass Bomben in Kaufhäusern nur sehr bedingt als Ausdruck des Protests gegen den Vietnamkrieg gesehen werden können, empfanden etwa die Mitglieder der Kommune 1 mitnichten so. Sie brachten am 24. Mai 1967 in zwei Flugblättern ihre Genugtuung über die Brandstiftung in einem Brüsseler Kaufhaus, die 322 Menschen das Leben kostete, folgendermaßen zum Ausdruck:

Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelte zum ersten Mal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnamgefühl (dabei zu sein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch missen müssen. […] So sehr wir den Schmerz der Hinterbliebenen in Brüssel mitempfinden: wir, die wir dem Neuen aufgeschlossen sind, können, solange das rechte Maß nicht überschritten wird, dem Kühnen und Unkonventionellen, das, bei aller menschlichen Tragik im Brüsseler Kaufhausbrand steckt, unsere Bewunderung nicht versagen.

(…)

Wenn es irgendwo brennt in der nächsten Zeit, wenn irgendwo eine Kaserne in die Luft geht, wenn irgendwo in einem Stadion die Tribüne einstürzt, seid bitte nicht überrascht. Genauso wenig wie beim Überschreiten der Demarkationslinie durch die Amis, der Bombardierung des Stadtzentrums von Hanoi, dem Einmarsch der Marines nach China. Brüssel hat uns die einzige Antwort darauf gegeben: Burn, warehouse, burn!

Mahler gelang es, Fritz Teufel und Rainer Langhans herauszupauken, indem er den zynischen Text als nicht strafbare Satire darstellte. So schlimm waren der Staat und seine Gerichtsbarkeit also auch wieder nicht, wenn sie sich einer derart plumpen Argumentation geschlagen gaben. Immerhin wird Langhans seiner gerechten Strafe, wenn auch mit einiger Verspätung, nun doch noch zugeführt, öffentlich sogar – nämlich Mitte des Monats, wenn er ins RTL-Dschungelcamp einzieht.

Die Spätfolgen von 68 dürften Ströbele und den Autoren durchaus recht sein, Otto Schily schon fast zuviel. Horst Mahler ist ein Feind des Staates geblieben, nur dass er längst aus der rechten Ecke schießt. Für Menschen, welche die Glanzzeit der drei Anwälte bewusst erlebt haben, dürfte die 90-minütige Dokumentation nicht viele Neuigkeiten bereit halten, aber dennoch, aufgrund der Verknüpfung mit den drei Lebensläufen, durchaus von Interesse sein; ebenso wie meiner Generation, die den deutschen Herbst plus minus ein paar Jahre recht früh erfuhr. Der Terror versaute mir meinen 8. Geburtstag, als ein PLO-Kommando 11 israelische Olympiasportler ermordete (ein Massaker, das Ulrike Meinhof in der U-Haft enthusiastisch begrüßte), und den 13. Geburtstag, als die RAF Schleyers Begleiter ermordete und ihn selbst verschleppte. Für alle später Geborenen erklären Buch und Film recht anschaulich, wenn auch mit linker Schlagseite, wie sich Staat und Gesellschaft durch 68 ff veränderten und welche unterschiedlichen Wege drei Protagonisten der staatskritischen Szene einschlugen. Da sie nicht mehr miteinander reden, reden sie übereinander, jeder für sich: Schily, bemüht, keine Äußerung zu tun, mit der er sich den Vorwurf der Bescheidenheit einhandeln könnte, Ströbele mit der Gelassenheit des Altlinken, der nichts bereut, und der Holocaustleugner Mahler als einer, der gar nicht das Gefühl hat, „von links nach rechts oder von rechts nach links“ gewandert zu sein. Irgendwie biegen die gewieften Rhetoriker sich alles zurecht, eigentlich sind sie sich doch im Grunde alle treu geblieben, also bitte. Insofern würde auch ein anderer alter Filmtitel passen: „Die drei Scheinheiligen“, Deutschland 1964.

Arte, 21.55: Die Anwälte. Eine deutsche Geschichte

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Zwar sehen, was manchen überraschen mag, die wenigsten Siedler den Messias um die Ecke biegen (wenngleich sein Erscheinen immer noch wahrscheinlicher ist als das einer kompromissbereiten PA), die weitaus meisten zogen aus ganz anderen Gründen in die Gebiete, aber der Titel gibt immerhin Anlass zu einschlägigen Erwartungen. Überhaupt scheint die Siedlungsfrage den Öffentlich-Rechtlichen sehr am Herzen zu liegen.

Alle SoE-Leser sind herzlich eingeladen, sich die eine oder andere Sendung zu Gemüte zu führen und an dieser Stelle davon zu berichten – gern auch ausführlicher in einem Gastbeitrag. Schließlich wird man die Medien doch wohl noch kritisieren dürfen?!

—schnipp—

Dienstag 2.11. Arte 22.27
Von Brooklyn in die Wüste
Amerikanische Siedler in israel

Mittwoch 3.11. ARD 23.30
In Erwartung des Messias
Israel und seine Siedler

Sonntag 7.11. ARD 23.35
Entweder Broder –
Die Deutschland-Safari

Mittwoch 10.11. ARD 23.30
Bewährungsprobe für Obama
Die amerikanisch-israelischen Beziehungen

Mittwoch 24.11. ARD 23.30
Tot (sic!) in Beirut
Das Attentat auf Rafik Hariri

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Heute Abend:
Freitag, 25. Juni Arte 20.15
Der Preis der Vergeltung

Israelischer Spielfilm von 2007: Drama um drei Mossad-Agenten, die einen KZ-Arzt und NS-Kriegsverbrecher kidnappen und nach Israel bringen sollen. Mit Gila Almagor, Edgar Selge

Mittwoch, 30. Juni Arte 20.15
Von Auschwitz nach Entebbe – Israels Kampf gegen den Terror

Dokumentation über die legendäre Befreiungsaktion (a daring raid, even by Israeli standards) 1976 in Uganda; wir möchten hier in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, dass Spirit of Entebbe bei den Vorbereitungen beratend zur Seite stand und den Film bereits gesehen hat. Rezension folgt.

Sonntag, 25. Juli ARD 21.45
Eichmanns Ende – Liebe, Verrat, Tod

Doku-Drama über die Entdeckung und Ergreifung des Organisators der Massendeportationen europäischer Juden in die Todeslager der Nazis.
Mit Herbert Knaup, Ulrich Tukur, Axel Milberg

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“Shahid” heißt in diesem Zusammenhang natürlich nicht Märtyrer (und schon gar nicht Selbstmordattentäter!), sondern so viel wie “ehrenamtlicher Helfer”. So oder so: ein klarer Fall von Arafat-Syndrom. (Dank an CC für den Hinweis.)

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Beim ZDF Auslandsjournal ist der Groschen gefallen:

Die Stürmung der Hilfsflotte für Gaza durch die israelische Armee sorgte für weltweite Empörung. Bernhard Lichte erklärt, wer die Aktivisten sind, woher sie kommen und welche Absichten sie haben.

Ein unbedingt sehenswerter Beitrag.

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Wie gut, dass es Al Jazeera gibt. Endlich erhalten auch wir Westler, die wir jahrzehntelang nur die durch zionistische Propaganda weichgespülte Version der nahöstlichen Realität im TV sehen konnten, einen Einblick in die wahren Abgründe der israelischen Verbrechen und ihrer Auswirkungen. Waren es vor zwei Wochen die unzensierten Bilder der Apokalypse in Gaza, die uns schockierten, so sind es heute erschütternde Aufnahmen aus Al Quds, die uns erbeben lassen. Die Perfidie der Zionisten kennt ganz offenbar keine Grenzen. Was Al Jazeera aufdeckt, muss man gesehen haben, um es zu glauben.

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Montag, 29. März, ARD 21.00
Der Todesflug der Swissair 330
Dokumentation: Vor 40 Jahren sprengte die PFLP ein Schweizer Passagierflugzeug mit einer Paketbombe in die Luft, die eigentlich für die EL Al gedacht war – den Terroristen war nicht bewusst, dass die Post für Tel Aviv am Shabat über Wien und Zürich umgeleitet wurde. 47 Menschen starben, aber Ermittler wie Staatsanwaltschaft zeigten kein überbordendes Interesse an der Strafverfolgung, obwohl die Täter recht schnell feststanden. Ein Teil der damals üblichen Strategie mit der Absicht, künftig vom palästinensischen Terror verschont zu bleiben (siehe auch: Freipressung der Mörder der israelischen Olympia-Sportler zwei Jahre später).

Mittwoch, 31. März, ZDFneo 20.15
Rom – Aufstand der Juden
Doku über die jüdischen Rebellionen gegen die römische Besatzungsmacht im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert

Donnerstag, 1. April, MDR 22.35
Krach am Grab – Christen streiten in Jerusalem
Reportage von Uri Schneider über die Grabeskirche

Sonntag, 4. April, 3sat 9.15
Shimon Peres: Friedensfalke
Interview mit dem israelischen Staatsoberhaupt

Mittwoch, 7. April, Bayern 19.00
Stationen
Ora et labora in Jerusalem –
100 Jahre Benediktinerabtei Dormitio

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Der Dokumentarfilm „Shahida – Allahs Bräute“

Über zwei Jahre besuchte die israelische Filmemacherin Natalie Assouline palästinensische Terroristinnen, die im Sharon-Gefängnis einsitzen, und befragte sie nach ihren Motiven. Ein Dokument, das verstört – und ernsthafte Besorgnis über den Zustand der palästinensischen Gesellschaft nährt.

Manal, Mutter von drei Kindern, wollte sich in einem israelischen Kindergarten in die Luft sprengen. Wafaa aus Jabaliya plante, ihren Sprengstoffgürtel in einem Krankenhaus (!) zu zünden, in dem sie von jüdischen Ärzten und Pflegern behandelt worden war. Und Ayat hat studiert: im ersten Jahr Ingenieurswesen, im zweiten Design.: „Ich dachte ans Heiraten und ich dachte ans Studieren und ich dachte an den Tod.“

Könnte es sein, dass eine Gesellschaft, in der solche Perversionen möglich sind, krank ist? Und dass sie „kritische Solidarität“ ebenso bitter nötig hat wie einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf?

Es mag weitgehend vergessen worden sein, aber seit die Palästinensische Autonomiebehörde Arafats im Herbst 2000 die al-Aqsa-Intifada lostrat, wurden bei 155 Selbstmordattentaten 526 Israelis ermordet, 3300 verletzt, viele von ihnen verstümmelt, traumatisiert bis heute.

Den Mördern und ihren Helfern geht es, jedenfalls wenn sie in einem israelischen Gefängnis gelandet sind, deutlich besser: Sie sind allesamt gesund und wohlgenährt, um nicht zu sagen: fett wie Klosterkater, sie schwatzen und sie lachen, sie singen und sie beten, und man liegt nicht ganz falsch, wenn man vermutet, dass es ihnen im Sharon-Gefängnis besser geht als zu Hause, worauf wir noch zu sprechen kommen werden. 120 Palästinenserinnen brummen in israelischem Gewahrsam, wegen Beihilfe zu oder Vorbereitung bzw. Ausführung von Selbstmordattentaten. Was die im Film gezeigten Frauen betrifft, gehören sie, bis auf eine Ausnahme, alle einer der palästinensischen Terrorgruppen an: Samar (23) etwa den Izz ad-din al-qassam-Brigaden der Hamas, Manal dem Islamischen Jihad. Alle Frauen, bis auf die erwähnte, tragen Kopftuch, Hijab, lange Mäntel gar. Denn alle sind religiös.

Und das ist der Umstand, der dem Betrachter am meisten zu denken gibt: Wenn der Islam eine Religion des Friedens ist, wie kann es dann sein, dass gläubige Massenmörderinnen in spe in der Überzeugung aufbrechen, ihre Tat sei gottgefällig?

Kahira aus Jenin, Mutter von vier Kindern, wurde zu dreimal lebenslänglich plus 30 Jahre verurteilt, wegen Beförderung eines „Märtyrers“. Sie holte den Attentäter aus Ramallah ab und fuhr ihn nach Jerusalem. Dort hatten die beiden Schwierigkeiten, einen geeigneten Ort für das Blutbad auszuwählen:

Wir konnten nicht in ein Restaurant wegen der Sicherheitskräfte… Zwei Busse kamen, ich sagte dem Märtyrer, er solle es da auf der Straße machen, weil es unmöglich war irgendwo reinzukommen… Das tat er und sagte: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet. Ich sagte: Möge Gott deine Tat billigen und dich ins Paradies schicken… Er sah sehr freudig aus. Im letzten Augenblick sah er mich an und lächelte… Er war zufrieden.

So viel zum oft gehörten Argument der Terrorversteher, es sei die pure Verzweiflung, die Menschen zu einer solchen Tat triebe.

Auch Manal scheint von einer beunruhigenden Motivation angetrieben worden zu sein:

Ich studierte ein Jahr Krankenpflege und zwei Jahre Islamkunde. Mein Mann wollte nicht, dass ich weitermache, Schwestern müssen in den Krankenhäusern übernachten, das wird bei uns nicht gern gesehen. Dann schloss ich mich der Hamas an.

Krankenpflegerin und Menschen helfen – wie, so will die Interviewerin wissen, passt das zusammen mit Bombenbauen für Hamas? Manal wirkt verlegen, sucht nach einer Ausrede:

Die Hamas ist keine Terroristengruppe, und sie töten keine Unschuldigen.

Nun, wenn man davon überzeugt ist, dass alle Juden schuldig sind, dann sicher nicht. Denn es sind ja israelische Soldaten, die „nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten (unterscheiden )“. Im Kindergarten, im Restaurant, im Einkaufszentrum, in einem Schulbus oder vor einer Disco hingegen trifft es immer die Richtigen. Weshalb Manals Gebet sich so anhört:

Lass die Freiheitskämpfer überall siegen. In Palästina, Afghanistan, Tschetschenien, Irak.. heiliger Kampf… Allah… demütige die hochmütigen Ungläubigen, deine Feinde.

Manar und Latifa, Amani und Fatma, Ayat und Rajed, Fida, Maha und Futana nämlich sind im Auftrag des Herrn unterwegs. Und pfeifen notfalls darauf, dass sie „ein ausgefülltes Leben“ führen, Kinder haben oder, wie Samar aus Jabaliya, im dritten Monat schwanger sind, wenn erst mal eine der Terrorgruppen an sie herantritt, um sie Sprengstoff basteln, einen Mörder zum Anschlagsort kutschieren oder sich gar selbst in die Luft jagen zu lassen, Hauptsache, es kommen genügend Juden dabei um.

Wafaa aus Jabaliya war eines Tages beim Kuchenbacken ein Gasbehälter um die Ohren geflogen. Sechs Monate lang wurden ihre Brandwunden im Soroka-Krankenhaus in Be´er Sheva behandelt. Indes wären Juden nicht Juden, wenn sie einfach nur Gutes täten:

Sie waren nicht sehr nett zu mir.

Und jetzt soll Wafaa 12 Jahre in einem israelischen Gefängnis verbringen. Warum?

Weil ich versucht habe mich im Soroka in die Luft zu sprengen. Aber es ging schief. (lacht verlegen)

Bei einem solchen Abgrund von Niedertracht bleibt jedem zivilisierten Menschen die Spucke weg, aber Wafaa gibt zu, dass sie noch etwas anderes als die Hilfsbereitschaft der Juden zu ihrer Tat getrieben hatte:

Seit ich klein war, träumte ich davon, eine Märtyrerin zu werden – um der Gnade Gottes würdig zu sein. Als Gotteskämpferin.

Was uns zweierlei zeigt: dass, erstens, in 15 Jahren palästinensischer Autonomie die Erziehung schon der Kleinsten zum Hass auf die Juden grausame Früchte getragen hat und, zweitens, etwas an der Befürchtung dran sein könnte, dass der Islam, je stärker der Glaube, eine problematische, ja mitunter gefährliche Religion ist. Oder was soll man davon halten, wenn eine fromme Muslima einen Satz wie diesen von sich gibt: „Nach der Explosion wird Gott meine Seele zu sich nehmen“.

Einmal heißt es:

Wenn wir hier ankommen, sind wir ungebildet… hier haben wir 24 Stunden am Tag freie Zeit… beten, studieren den Koran, lesen… wir haben die Politik.

Und die, in unheiligem Verein mit dem strengen Glauben, scheint die einsitzenden Terroristinnen endgültig versaut zu haben. Nicht ein Wort der Reue fällt, alle sind der festen Überzeugung, richtig gehandelt zu haben.

In einer Szene sehen wir die Palästinenserinnen diskutieren – über den Status von Männern und Frauen im Islam. Vor dem Islam, so erfahren wir, war es nämlich so: Die Frau hatte keine Rechte, durfte nicht erben oder lernen, eine Frau war Sklavin. Könige hatten viele Frauen. Während Achmed Normalverbraucher nur vier haben darf. Kahiras Mann etwa hat, da sie nunmehr im Bau sitzt, eine zweite Frau geheiratet und geschwängert. Nun ja, sagt Kahira, er darf das. Doch zurück zum Islam. Inwiefern änderte sich mit seinem Siegeszug die Stellung der Frau in der arabischen Gesellschaft?

Der Islam ehrte die Frau… Sie hatte das Recht zu heiraten, wen sie wollte.

Man wüsste gern, wann genau es damit ein Ende hatte.

Keiner konnte ihr mehr etwas vorschreiben, nur im Islam wird sie geehrt.

Und der beste Beweis dafür ist, dass sie sich für spirituellen Führer, Gott und Vaterland sogar in die Luft sprengen darf. Allahu akbar! Allerdings ist der Lohn, wie auch in den westlichen Ländern, nicht der gleiche:

Im Islam gibt es für Märtyrer ein Leben nach dem Tod. Auf einen männlichen Märtyrer warten im Himmel 72 oder sogar 100 Jungfrauen…

Und wer wartet auf Manal und Kahira? Etwa 72 Callboys? Ach, nein:

Eine Märtyrerin wie wir wird zur Herrin über diese Jungfrauen.. Sie ist schöner und in Gottes Augen mehr wert.

Und da schüttelt man über Leute den Kopf, denen dieser Glaube suspekt ist.

Amani, Ayat, Fida & Co. tauschen sich im Gefängnis über den Jihad aus wie andere über die neuesten Rezepte in „Kochen und Genießen“. Sie lachen, essen zu Mittag Schnitzel und Bulgur, öffnen ihre Post, empfangen Besuch – man denkt unwillkürlich an Gilad Shalit, dem all dies seit mehr als drei Jahren verwehrt wird, und der, wer weiß, eines Tages nur das Tageslicht wieder sieht, weil Israel 1000 Häftlinge vom Kaliber Manals und Fatmas auf die Menschheit loslässt. Denn glaube niemand, diese Frauen seien geläutert, geschweige denn willens, wenigstens der nächsten Generation das sinnlose Blutvergießen zu ersparen.
Eine der Häftlinge ist schwanger. Sie will ihren Sohn, wenn er zur Welt kommt, Barraa nennen, was Unschuld bedeutet oder „frei von den Ungläubigen“. Auch er wird nach dem Willen seiner fanatischen Mutter dereinst verheizt, denn „der Jihad wird nie enden, so lange es Israel gibt.“ Und auch danach nicht:

Warum soll es dann enden? Sollen wir Afghanistan und die dort lebenden Moslems vergessen? So lange Moslems unter Ungerechtigkeiten leiden, wird der Jihad weitergehen… Er wird nie enden.

Ist es nicht gerade zwei Wochen her, dass Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in der ZEIT monierte, der internationale Terrorismus werde als „religiös motiviert dargestellt“?

Schwer vorstellbar für Gasprom-Gerd, dass einem neuen Erdenbürger von der eigenen Mutter der Märtyrertod zugedacht wird, aber, nun ja, genau so ist es. Mutter und Kind werden im Gefängnis mit Begeisterung und lulululululululululululu empfangen, und die Frauen bewundern den frisch geborenen Shahid:

„Seid leise, ihr weckt ihn ja auf.“
„Der schläft sogar bei einem Bombenangriff.“
„Er ist eben Hamas. Was hast du erwartet?“
„Wenn er groß ist, geht er zur Volksfront oder zur Demokratischen Front.”

Na denn: frohe Zukunft!

In einer Kultur, die ihren Neugeborenen den Wunsch nach Mord und Selbstmord mit in die Wiege legt, gehört wohl auch das Wiegenlied vom Totschlag dazu:

Ich war bei meinen Brüdern
Und ich hörte die Bomben
Ich fragte meine Mutter
Sie sagte, er war ein Verräter und Mörder
Ich blickte in den Himmel
und sah, wie Flugblätter um uns herunterfielen
ich fragte meine Mutter
sie sagte, das sind die, die sich ergeben haben (…)

Denn wo naiver Glaube, völkisches Denken, Selbstmitleid und primitiver Judenhass sich guten Abend sagen, wird diese tödliche Mixtur mitunter poetisch ausgedrückt. Eine der Frauen singt im Gefängnishof:

Jetzt bin ich eine Gefangene der Juden. Warum legt ihr mir Ketten an?

Ketten? Und: warum?

Ich will zu meinen Kindern.
Gott wird sich an denen rächen, die mich von ihnen fernhalten. Allah ist groß.

Nein, diese Juden! Halten ehrenhafte arabische Frauen von ihren Kindern fern. Jedenfalls die Juden von der rachsüchtigen Sorte, nicht die milden, verständnisvollen, sich schämenden Juden wie Abi Melzer, die ihren Verfolgern ins Rektum kriechen und noch „Mmh, duftet prima!“ rufen.

Drei Leute von der Märtyrerbrigade warteten auf mich im Auto… Ich stieg ein und sie nahmen mich mit zu einem Haus, wo ich den Gürtel anlegte… Der Sprengstoff war wie eine Hose… voll mit Sprengstoff von hier bis da, und sehr schwer (grinst). Ich fuhr zum Grenzübergang Erez. Eine Soldatin wunderte sich, warum ich so dick war, ich sagte dass ich krank sei und mein Körper voller Brandwunden wäre.

Aber wie Israelis so sind: Sie glauben einem nicht. Die Soldatin wurde misstrauisch, rief: „Sie sind verhaftet!“

Ich zog den Auslöser, betete zu Gott: bitte nimm mein Opfer an.

- und, plopp, hatte den Auslöser in der Hand. Ach, herrje.

Nichts, keine Explosion, keine Körperteile (lacht)… sie schnappten mich…
Ich war nur traurig, weil mein Traum vom Heldentod nicht in Erfüllung gegangen war… Ich wollte mich in die Luft jagen, rings um mich Juden und sie alle würden sterben.

Und dann scheiterte sie am Checkpoint. Ein tragisches Schicksal, das jedem Palästina-Portal-Leser das Wasser in die Augen treiben muss.

Aber wir wollen hier nicht sarkastisch werden. Im Grunde ist der ganze Film ein bedrückendes Beispiel für den Verfall menschlicher Werte und ein Plädoyer für die Befreiung der Palästinenser von ihrem Blut-und-Boden-Regime. Eine Frau erzählt, man habe sie im Lager „nicht akzeptieren wollen. Ich war die einzige verheiratete Frau, die Hosen trug und ihr Haar nicht bedeckte. Die Leute sagten, dass ich eine Schande sei… Das belastete mich, dass alle über mich redeten… Ich war jung, ich heiratete, als ich 14 war, 15, als ich meine Älteste bekam.. Mein Glaube wurde stärker, und ich näherte mich Gott.“

Der Umgang mit den „gläubigen muslimischen Schwestern“ im Knast tat ein Übriges. Jetzt, nach der Gehirnwäsche, ist die geläuterte Muslima bereit zur Rückkehr in die palästinensische Gesellschaft, nunmehr als vollwertiges Mitglied.

Gilt dies für alle Frauen, mit denen Natalie Assouline sprach?
Nein. Ranya redet sich frei. Sie wurde an einer Straßensperre mit einem Messer erwischt. Warum? Weil ich zu Hause Probleme hatte. Sie schlugen mich die ganze Zeit, seit ich ein kleines Kind war. Du wolltest ins Gefängnis? Ja. Weil es hier besser ist als zu Hause? Ja.

Ranya erzählt, sie sei zu Hause immer nur geschlagen worden. Außer essen, trinken und schlafen sei nichts erlaubt gewesen.

Ich habe Probleme mit den anderen. Sie lehnen mich ab, weil ich keiner Organisation (vulgo: Terrorgruppe) angehören will. Die haben ein Problem mit denen, die sich nicht der PLO, der Fatah oder der Hamas anschließen wollen. (…) Sie sagen, ich sei eine Agentin. Dass ich für die Juden arbeite.

Und Ranya beteuert, dass sie nicht die einzige sei. Alle hätten „draußen“ Probleme gehabt, schöben Besetzung und Jihad nur vor. Beim Hofgang sagt sie zu einer anderen Gefangenen: „Du hast sechs Kinder und willst mir erzählen, du willst für dein Heimatland zurück ins Gefängnis? Komm mir nicht mit Heimat, jede von euch hat ein Problem.“

Aber außer Ranya gibt das keine zu. Statt dessen fordert man Barraa, inzwischen ein lallendes Kleinkind, zu den wirklich wichtigen Bekenntnissen des Lebens auf:

Sag: Allah ist groß.

Barraa, sag: Wenn ich groß bin, sprenge ich mich mit euch in die Luft.

Der Film „Shahida – Allahs Bräute“ wird am 9. Januar 2010 auf arte ausgestrahlt.

Von den Juden geschnappt. Die Welt, sie ist ungerecht.

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