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Archive for the ‘Halunken’ Category

Es ist völlig in Ordnung, dass 43 Reservisten der Aufklärungseinheit 8200 des Militärgeheimdienstes in einem Brief erklärt haben, sich nicht weiter an der Überwachung von Palästinensern beteiligen zu wollen. Jeder muss so eine Arbeit mit seinem Gewissen vereinbaren können, auch wenn die Protestler natürlich mehr Glaubwürdigkeit reklamieren könnten, wenn sie sich während ihrer aktiven Dienstzeit entsprechend geäußert hätten. Aber gut: Wer es nicht kann, soll es lassen. So wie vor einem Jahrzehnt die wenigen Piloten, die aus Sorge vor Kollateralschäden keine Einsätze zur gezielten Tötung von Terrorfürsten mehr fliegen wollten. 

Im Gegenteil ist es richtig und wichtig, dass die moralischen Fragen auch öffentlich gestellt werden. Israel unterscheidet sich ja in vielerlei Hinsicht von seiner mehr als rustikalen Nachbarschaft, vor allem aber auch, weil es selbst in Zeiten, in denen ein “Right or wrong – my country!” nur allzu verständlich wäre (also etwa inmitten eines Terrorkrieges in den eigenen Städten), immer wieder das eigene Handeln hinterfragt, Fehler korrigiert, beim nächsten Mal umsichtiger und besser präpariert vorgeht. Im Zweifel lieber einen Einsatz abbricht, als zu viele Unbeteiligte zu gefährden. In einer Weltgegend, in der Radikalismus und Gewalt vorherrschen und in der ein Menschenleben nicht viel gilt, ist das die absolute Ausnahme.

Der Brief der 43 Reservisten, mag er noch so politisch motiviert sein, ist daher kein Beinbruch. Die Verfasser sind auch keine “Verräter”. Gleichwohl verrichtet die Einheit 8200 weiterhin ihren Dienst sehr effizient, eben weil es genügend Soldaten gibt, die bei der Güterabwägung (Datenschutz für Palästinenser vs. akute Bedrohung der Sicherheit der Israelis) nicht zweimal nachdenken müssen. Schön ist das alles zweifellos nicht. Im Privatleben von Palästinensern herumzuschnüffeln, etwa um persönliche Schwachstellen zwecks Informantenanwerbung zu finden, macht gewiss keinen Spaß, so wie es keinen Spaß macht, sich im Libanon mit der Hisbollah oder in Khan Younis mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad mörderische Kämpfe zu liefern. Oder kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass junge Israelis gern bei 30 Grad in voller Kampfmontur in den Gassen Hebrons jugendlichen Brandsatzwerfern hinterherlaufen oder mitten in Gaza City einen Luftangriff auf eine Raketenabschussrampe fliegen, die unmittelbar neben einem zivilen Gebäude installiert ist?

Allein: Die Situation ist, wie sie ist. Weil die Nachbarschaft ist, wie sie ist. Wer seine Zelte in der Kanalisation aufschlägt, kann keine blütenweiße Weste behalten, das ist der Preis, den die Israelis für ihr Überleben in der Region zahlen müssen. Der Frust und die Zweifel, die etwa von den ehemaligen Shabak-Chefs in “The Gatekeepers” geäußert werden, sind verständlich – aber die Lage könnte sich ja nur dann ändern, wenn eine politische Lösung in Sicht oder jedenfalls grundsätzlich realisierbar wäre. Ist sie aber nicht, und das liegt nach wie vor und zuvörderst an der fortgesetzten Weigerung der Palästinenser und aller anderen arabischen Nachbarn, sich dauerhaft mit der Existenz eines jüdischen Staates abzufinden.

Denn so sieht es derzeit aus: Im Norden wartet die waffenstarrende Hisbollah auf die nächste Runde, so wie im Süden die zwar einmal mehr angeschlagene, aber dennoch zum ewigen Krieg gegen die Juden entschlossene Hamas. Im Nordosten könnten schon bald die Halsabschneider des Islamischen Staates den Platz der syrischen Feinde einnehmen, wenn sie nicht gar in Jordanien einfallen, dem östlichen und einzigen halbwegs zurechnungsfähigen unter Israels Nachbarstaaten; noch weiter östlich drehen sich munter die Zentrifugen in den iranischen Atomanlagen, während der Westen mit verschränkten Armen daneben steht. Hilfe von außen ist nicht zu erwarten, selbst Amerika ist unter Obama nur ein Verbündeter mit beschränkter Haftung.

In einer solchen Situation ist es gut, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Israelis keinen Zweifel mehr hegt, dass es um das Überleben des Landes geht und eben nicht um die “Besatzung”, die längst hätte beendet werden können, wären denn die Palästinenser zum Frieden bereit – dieser zentrale Punkt ist spätestens seit der “Al-Aqsa-Intifada” hinreichend geklärt, und Israelis, die von deutschen Zeitungen hofiert werden (wie kürzlich David Ranan in der SZ), weil sie die israelische Politik und Gesellschaft angreifen, ihr die fortwährende “Besatzung” vorwerfen, ohne den krachend gescheiterten “Friedensprozess” und den immer weiter gesteigerten Post-Oslo-Terror auch nur zu erwähnen, werden im eigenen Land nicht ernstgenommen. Der klare Blick auf die Verhältnisse ist weitgehend Konsens in Israel, das ist die Hauptsache, und daher sind nicht die Briefe schreibenden Reservisten der Einheit 8200 “die Tapferen”, als die sie von Julia Amalia Heyer geadelt werden (und die damit den restlichen 99,99 Prozent der Soldaten den Feiglingsstatus zuweist), sondern all jene ordinary Israelis, die im Bewusstsein der prekären Lage ihr Leben leben, ihre Arbeit tun, ihre Kinder erziehen und sich notfalls von der Armee einberufen lassen, um gegen die jeweils aktuelle dschihadistische Bedrohung zu Felde zu ziehen.

Schreibtischtäter wie Heyer mögen sich wie Bolle freuen, wenn sich ihre Abneigung gegen Israel mit Statements von Israelis unterfüttern lässt, für den jüdischen Staat jedoch hat so ein Vorfall nur rudimentäre Bedeutung. Ein schlechtes Gewissen müssen die Israelis in ihrer Gesamtheit gewiss nicht haben, und ein Häuflein renitenter Reservisten oder ein paar Frauen in Schwarz oder einen Gideon Levy hält das Land locker aus, so lange das Gros der Bevölkerung und die Verantwortlichen in der Politik wissen, was auf dem Spiel steht: nicht weniger als das Überleben von inzwischen sechs Millionen israelischen Juden. Nach den ernüchternden Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre ist das nur noch für wenige schwer zu begreifen, doch deutsche Medienschaffende feiern weiterhin lieber ein paar Dutzend Unbelehrbare als Helden statt endlich mal der großen Mehrheit der Israelis Gehör zu schenken. Und das nicht nur, weil sich auf einem leeren Fass viel lauter trommeln lässt.

 

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Irgendwann im Lauf des 19. Juli, vielleicht auch später, müssen jemandem im Pressehaus am Hamburger Speersort die Ohren geklingelt haben. Früher am Tag war ein Israeli in der Nähe von Dimona im Negev von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getötet worden. Nicht, dass israelische Opfer für deutsche Medien, insbesondere für die ZEIT, ein Thema wären, aber diesmal war es anders: Das Opfer hieß Auda al-Wadj und war Beduine. Offenbar hatte ihn der überraschend effektive israelische Zivilschutz – bestehend vor allem aus Bunkern, dem „Zeva-Adom“-Alarm und dem Raketenschutzschild „Eiserne Kuppel“ – nicht vor seinem Schicksal bewahren können.

Die ZEIT wäre indes nicht die ZEIT, würde sie sich entgehen lassen, daraus eine weitere Geschichte zu konstruieren, die nicht die Palästinenser (die Raketen auf israelische Städte, den Flughafen und den Atomreaktor in Dimona abfeuern und also auch Auda al-Wadj auf dem nicht vorhandenen Gewissen haben) sondern die Israelis in einem schlechten Licht dastehen lässt. Also schickt sie Celestine Hassenfratz nach Südisrael, auf dass sie von einem weiteren Missstand im verdorbenen Judenstaat berichten möge:

„Für Beduinen gibt es keinen Schutz“ heißt der Artikel und er suggeriert, die Beduinen seien Bürger zweiter oder dritter Klasse, um deren Wohlergehen sich niemand kümmere. Wie nicht anders zu erwarten, springt die Meute im Kommentarbereich auf den Text an wie der Pawlowsche Hund auf die Glocke, wittert gleich einen weiteren Beleg für Rassismus im Judenstaat, doch leider handelt es sich nur um ein weiteres besonders trauriges Beispiel für richtig schlechten Journalismus.

Warum? Weil Celestine Hassenfratz es fertigbringt, einerseits zu beklagen, dass Israel versucht, die etwa 210.000 halbnomadisch lebenden Beduinen sesshaft zu machen, andererseits aber den Eindruck erweckt, staatliche Leistungen wie Strom- und Wasserversorgung, Anbindung an öffentlichen Nahverkehr oder eben der in diesen Zeiten lebenswichtige Zivilschutz würden den Beduinen bewusst vorenthalten, eben weil sie keine Juden seien.

Nun verhält es sich mit den Beduinen in Israel so: Knapp die Hälfte von ihnen ist in sieben größeren Städten wie Rachat (12 Kilometer nördlich von Be´er Sheva, mehr als 40.000 Einwohner) beheimatet, die anderen 120.000 in provisorischen Unterkünften, meist Wellblechhütten, die von Zeit zu Zeit ab- und woanders wieder aufgebaut werden, wie es sich für Nomaden gehört. Die sesshaft gewordenen Beduinen sind mit allem versorgt, was sie zum Leben benötigen, ihre Kinder können der Schulpflicht nachkommen, einige hundert Beduinen studieren an der Universität Be´er Sheva. Nicht wenige dienen freiwillig in der israelischen Armee. Hier sei der Beduine Ismail Kaldi zitiert, der im diplomatischen Dienst tätig ist.

I am a proud Israeli – along with many other non-Jewish Israelis such as Druze, Bahai, Bedouin, Christians and Muslims, who live in one of the most culturally diversified societies and the only true democracy in the Middle East. Like America, Israeli society is far from perfect, but let us deals honestly. By any yardstick you choose—educational opportunity, economic development, women and gay’s rights, freedom of speech and assembly, legislative representation—Israel’s minorities fare far better than any other country in the Middle East.

Sicher nicht die Sorte von Beduinen, die Celestine Hassenfratz interessieren könnte. So wie die Palästinenser im Gazastreifen einen Krieg gegen Israel beginnen und sich beschweren dürfen, sobald Israel zum Gegenangriff übergeht, muss in diesem Fall jemand her, der mit Israel nichts am Hut hat, ein Palästinafähnchen in der Wohnung aufhängt, einen Hamas-Sender im Fernsehen einschaltet – und der deutschen Reporterin sein Leid klagt: Keinen Schutz hätten sie, die Beduinen, barmt Sleman, ganz so, als sei es der Staat Israel traditionell immer wieder ihren Wohnort wechselnden Bürgern schuldig, neben jede der manchmal kilometerweit voneinander entfernt stehenden provisorischen Behausungen eine Iron-Dome-Batterie aufzustellen oder einen Bunker zu bauen. Damned if you do, damned, if you don´t: Will Israel die Beduinen aus guten Gründen sesshaft machen, ist das ein Affront gegen die traditionelle Lebensweise der Nomaden, aber wenn diese mitten in der judäischen Wüste oder im Negev ein Problem haben, ist wiederum der Staat zu belangen – schließlich fahren die Linienbusse nicht jedes Zelt und nicht jede Wellblechhütte an, und mit den staatlichen Leistungen sieht es hier auch ganz mau aus!

Der Prawer-Plan wird, wen wundert´s, nur am Rande gestreift, selbstverständlich auf die negativen Aspekte oder unterstellten bösen Absichten der Regierung in Jerusalem fokussierend. Es bleibt dem Leser Tim Kochmüller vorbehalten, einen substanziellen Beitrag zur Situation zu leisten:

Es gibt in der Negev eine beduinische Gesellschaft im Übergang: Nomadische Hüttensiedlungen (legal, da temporär als Sommer- oder Winterlager) koexistieren mit nicht genehmigten Steinhaus-Siedlungen ohne Infrastruktur und ausgebauten Beduinen-Städten und Dörfern mit weitestgehender Versorgung.

Das wäre der ZEIT allerdings schon zuviel der Information gewesen. Sie möchte den Eindruck erwecken, die Zerstörung ohne Baugenehmigung errichteter Häuser sei so etwas wie eine verdammenswerte Willkürmaßnahme des Staates; kein Wort über die nachträgliche Anerkennung einiger dieser Siedlungen, die gerade im Sinne des Prawer-Plans auf eine ordentliche rechtliche Basis gestellt werden sollen, und natürlich verzichtet die Autorin auch darauf, ein Statement irgendeiner staatlichen Autorität einzuholen. Klar, dass auch die Behauptung, so wie auf dem Sender der Hamas laufe im israelischen Fernsehen „nur Propaganda“, nicht weiter hinterfragt wird. Man könnte es zwar mal nachprüfen, aber die Reporterin belässt es bei der Anmerkung, das sei jedenfalls die Meinung ihres Gastgebers.

Nicht nur, dass Hassenfratz der offensichtliche Widerspruch zwischen ihren beiden Hauptanklagepunkten nicht auffällt; auch die einfachsten Regeln journalistischer Sorgfaltspflicht scheinen ihr durchaus verzichtbar, wohl weil sie Recherche für ein französisches Schimpfwort hält. So wie die damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands Margot Käßmann das Verbot, besoffen Auto zu fahren und bei Rot über die Kreuzung zu brettern, nur als unverbindliche Empfehlung betrachtet haben mag, sieht man bei der ZEIT, jedenfalls wenn es um Israel geht, den Pressekodex als antiquierte Richtlinie an, die im Fall des Falles getrost ignoriert werden darf. Wo solche Geister zu Hause sind, wird auch stets der Orchesterleiter Daniel Barenboim als erste Instanz angerufen, wenn es um den nahöstlichen „Friedensprozess“ geht. Und Theo „Ted“ Sommer, der Editor-at-large, kann zwar nicht einmal eine korrekte Steuererklärung einreichen, weiß aber dafür ganz genau, wer die Schuld am Nahostkonflikt trägt, dass die Israelis keine Ahnung davon haben, was gut für sie ist, ja dass sie sich selbst gefährden, und stellt ansonsten klar, wie der ganze Balagan zu lösen ist: indem man allen Forderungen der Palästinenser nachgibt.

Willkommen im Oberhaus des deutschen Qualitätsjournalismus!

 

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Sehr von Antisemiten verehrter Herr Todenhöfer,

Ministerpräsident Netanyahu ist derzeit mit wichtigeren Aufgaben beschäftigt, als Offene Briefe mediengeiler Ex-Politiker zu lesen, die auch noch auf Deutsch verfasst sind, weil sie sich ohnehin nicht an ihn, sondern an ein einschlägiges Publikum richten.

Daher, wenn Sie erlauben: Darf ich Ihnen mitten auf Ihrer beeindruckenden Selbstdarstellungstournee ein paar Fragen stellen? Als Deutscher, der weiß, dass man aus unserer Geschichte nicht unbedingt gelernt haben muss, den Juden zu raten, sich nicht gegen ihre Todfeinde zu verteidigen und der den Antisemitismus nicht nur pro forma ablehnt, weshalb er sich nicht ausgerechnet auf den einzigen jüdischen unter den 200 Staaten dieser Welt einschießt?

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie es wäre, nicht nach Gaza zu fahren, um vor der Kamera den Vater Teresa der leidenden Palästinenser zu geben, sondern wenigstens ein einziges Mal nüchtern zu beobachten, was sich dort seit Jahrzehnten tut? Wenn Sie schon eine rührselige Blumenzüchtergeschichte vortragen, wissen Sie dann auch, dass Israel beim vollständigen Abzug vor neun Jahren 3000 Gewächshäuser intakt zurückgelassen hat, die von den Menschen, die Ihnen so am Herzen liegen, in Nullkommanix zerstört wurden? Ist Ihnen bekannt dass die „Blockade“ eine Folge des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen ist, der gleich nach dem Rückzug intensiviert wurde? Ach, ich vergaß – für Sie ist ja die Hamas eine „radikale, streng konservative“ Bewegung, die „mit teilweise selbst gebastelten Raketen dilettantisch und in inakzeptabler Weise versucht, wenigstens ein paar Rechte der Palästinenser durchzusetzen“.

Es ist natürlich legitim, von „sogenannten palästinensischen Terrorbewegungen“ zu sprechen oder der Hamas edle Absichten zu attestieren, so wie es legitim ist, sich vorzustellen, wie lustig und vor allem angemessen es wäre, Ihnen einen Chinaböller in die Hose zu stecken. Aber erwarten Sie nicht, dass Herr Netanyahu Ihr ebenso weinerliches wie redundantes Geschreibsel ernst oder auch nur Kenntnis nimmt. Er könnte Ihnen nämlich auch einige Geschichten erzählen.

Etwa über die Brutalität, mit der ihre Schützlinge seit den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts gegen die jüdische Existenz im Land vorgehen. Sagt Ihnen der Schlachtruf „Idbach al-Yahud“ etwas? Das heißt: Schlachtet die Juden, und es ist seither zahllose Male versucht und auch getan worden. Haben Sie schon mal die Bilder der Familie Fogel gesehen, die von zwei edlen palästinensischen Freiheitskämpfern in ihren Betten abgeschlachtet wurde? Oder die Leichenteile in einem zerbombten Linienbus und in den Bäumen und auf den Balkonen in der Dizengoff Street? Die schwangere Tali Hatuel und ihre drei kleinen Töchter, ermordet im Auto? Den Säugling Shalhevet Pas, von einem palästinensischen Scharfschützen im Kinderwagen abgeknallt? Ach nein, die können Sie gar nicht gesehen haben – anders als Ihre Freunde in Palästina wahren die Israelis die Würde der Opfer und zerren sie nicht noch zum Wohle der Propaganda vor die Kameras.

Versuchen wir es also so herum: Was sagen Sie als so feinsinniger und empfindsamer Mensch zu der Kultur des Todes, die dort gepflegt wird, wo Sie „am liebsten sofort wieder hinfahren würden”? Zu den „Sommer-Camps“, in denen man schon Hunderttausende von Dreikäsehochs in Tarnanzügen durch den Sand robben lässt? Zum Kinderfernsehen, in dem man zum Jihad gegen die Juden aufruft? Nein, nicht zum Ende der Blockade oder ähnlichem – zum Judenmord ruft man dort auf, und zwar jeden Tag, den der Herr werden lässt. Steht Ihnen da nicht das tadellos frisierte Haupthaar zu Berge? Haben Sie schon einmal gesehen, wie man in Palästina bei der Nachricht von einem gelungenen Terroranschlag feiert und Süßigkeiten verteilt? Und wie man Bombenattentate mit Attrappen nachstellt? Und dass man live, open air, vor Publikum die Verschleppung Gilad Shalits nachgespielt hat, inklusive eines palästinensischen Laienschauspielers, der auf der Bühne in grüner Uniform vor den maskierten und bewaffneten „Konservativen“ der Hamas auf dem Boden kniete und ängstlich nach seiner Mutter rief? Saukomisch, so was, oder? Landestypischer Humor! Hochzivilisiert!

Wissen Sie, was, Herr Todenhöfer? Machen Sie, was Sie wollen, ignorieren Sie die Realität des Nahen Ostens, pfeifen Sie auf jüdisches Leid, solidarisieren Sie sich mit einem von selbsternannten Gotteskriegern zum Jihad erzogenen Volk und reden Sie sich auch noch den niederträchtigsten Terror schön, raten Sie den Israelis, die binnen nicht einmal drei Wochen mit 2400 Raketen beschossen wurden, dazu, für ihre Mörder die Grenzen zu öffnen, damit diese nicht mehr so mühsam Tunnel graben müssen; dafür haben Sie ja Ihre Facebook-Seite, die von den Antisemiten so unweigerlich angesteuert wird wie der Kuhfladen von der Schmeißfliege. Aber, bitte: Verschonen Sie uns mit dieser schmierigen Leidensnummer, dieser lächerlichen Legende vom palästinensischen Opfervolk und der taktischen, weniger als lauwarmen Distanzierung von der Hamas, die Sie sich pflichtschuldigst abringen; sie ist alles andere als glaubwürdig, eher, wenn ich das einmal so offen sagen darf, rechtschaffen ekelhaft. Nehmen Sie sich lieber ein Beispiel an jenem CDU-Ratsherrn, der vor ein paar Wochen aus seinen Herzen keine Mördergrube gemacht und den wahrhaft israelkritischen Satz „Juden sind scheiße“ auf seiner Facebook-Seite hinterlassen hat. Das war kurz, knapp – und, im Gegensatz zu Ihrem larmoyanten Sermon, wenigstens ehrlich.

Mit dem Ausdruck meiner Geringschätzung,

Claudio Casula

 

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Was sich seit nunmehr 18 Tagen in Israel und dem Gazastreifen abspielt, ist wie geschaffen dafür, die Motive der vorgeblichen Palästinafreunde und Israelkritiker vorzuführen. Die Tatsachen sind eindeutig: Eine islamistische Terrororganisation, die seit sieben Jahren die Herrschaft über 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen ausübt (de facto reicht ihr Einfluss deutlich länger zurück), läutet nach 2008/2009 und 2012 die dritte Runde im ewigen Jihad gegen den jüdischen Staat ein. Nachdem sie in dieser Zeit mit mehr als 12.000 Raketen den Menschen in Südisrael das Leben zur Hölle gemacht hat, verfügt sie zu Beginn der dritten Runde über ein Arsenal von ca. 10.000, vor allem über Tunnel aus Ägypten eingeschmuggelte Raketen mit deutlich größerer Reichweite.

Als sie diese in deutlich größerer Zahl als bis dato auf Städte in Israel abschießt – und zwar direkt aus dicht bevölkerten Gegenden, aus Hochhäusern, neben Schulen, Kindergärten, Kliniken – ist die Regierung in Jerusalem zum Handeln gezwungen und beginnt am 8. Juli mit der Operation „Protective Edge“, hebr. Zuk Eitan (Fels in der Brandung). Zunächst erfolgen Luftangriffe auf Hamas-Ziele (Führungspersonal, Operationszentren, Abschussrampen, Raketen- und Sprengstoffdepots etc.); fünf Tage später sind bereits mehr als 783 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Schließlich startet Israel am 17. Juli, nach einem Versuch von Hamas-Terroristen, durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet vorzudringen, die Bodenoffensive, wohl wissend, dass damit auch die eigenen Verluste unweigerlich ansteigen werden.

Wie sich herausstellt, sind die Terror-Tunnel, von denen his heute über 30 gefunden wurden, das zweite große Problem neben dem massiven Raketenbeschuss. Dieser kann eingedämmt werden – durch das zwar teure, aber hocheffektive Raketenabwehrsystem „Eiserne Kuppel“, das die Zivilbevölkerung Israels in den Ballungszentren des Landes schützt. Aber alle zehn Minuten heulen die Alarmsirenen im Land, ein normales Leben wird drei Viertel aller Israelis damit unmöglich gemacht. Der Staat ist also gezwungen, die Gefährdung seiner Bürger auszuschalten, und da ist es mit der Abwehr von Raketen allein nicht getan. Zudem erweisen sich die erwähnten Terror-Tunnel als womöglich noch größere Gefahr: Zwei Mal versuchen Hamas-Terrorkommandos, durch kunstvoll ausgestaltete unterirdische Gänge israelische Kibbuzim in der Nähe des Gazastreifens zu erreichen – das realistische Szenario beinhaltet neben Massakern an den Bewohnern auch die Verschleppung weiterer, weil sich Geiselnahmen in der Vergangenheit als effektives Mittel erwiesen haben, Gesinnungsgenossen aus israelischer Haft freizupressen. Auch deshalb werden in den Tunnels, die die israelische Armee bei der Bodenoffensive im Verlauf der folgenden Tage aufspürt, neben Waffen und Sprengstoff auch Betäubungsmittel und Handschellen gefunden.

Über die Hamas müssen wir an dieser Stelle nur wenige Worte verlieren. Sie ist aus guten Gründen u.a. von den USA und der EU als Terrororganisation gelistet; sie hat Hunderte von Israelis bei Bombenattentaten vor, während und nach der „Al-Aqsa-Intifada“ ermordet, sie hat die rivalisierende Fatah 2007 in einem blutigen Putsch aus dem Gazastreifen vertrieben; sie hat den eliminatorischen Judenhass in ihrem Programm verankert und erzieht schon die Kleinsten in den Kindergärten zum antisemitischen Jihad. Sie erschießt „Kollaborateure“ ohne viel Federlesens auf offener Straße und schleift die halbnackten Leichen auf Motorrädern hupend durch die Straßen Gazas. Sie benutzt Hilfsgelder, um Terrortunnel zu bauen und Waffen und Raketen zu kaufen, weil sie aufs Wohlergehen der Bevölkerung scheißt, sie benutzt diese Bevölkerung, um ihre Waffendepots und Kommandozentralen zu schützen, sie flüchtet in Ambulanzwagen, schießt aus Krankenhäusern, deponiert (bisher in zwei Fällen nachgewiesen) gar Raketen in Schulen – und missbraucht auch Moscheen, sie lässt eiskalt alle Toten, selbst die eines natürlichen Todes gestorbenen und die ermordeten “Verräter”, für die Idioten im Westen als Opfer Israels in die Statistik eingehen. Kurz: Sie pfeift auf alle Regeln eines halbwegs zivilisiert ablaufenden Krieges.

Würde sie sich in offener Schlacht stellen, wäre das Gaza-Problem binnen eines halben Tages erledigt. Aufgrund ihrer durch und durch skrupellosen „Kampf“weise ist es jedoch extrem schwierig, sie zu schwächen oder gar zu entmachten und zu entwaffnen, ohne dass Zivilisten in größerer Zahl in Mitleidenschaft gezogen werden. Das wissen die radikalen Islamisten genau, und hier liegt – eben weil man ihr, wie wir noch sehen werden, auf diese eigentlich weithin sichtbare Leimrute kriecht – ihr großer Vorteil.

Da der großangelegte Angriff mittels Raketentrommelfeuers wegen „Iron Dome“ nicht den gewünschten Erfolg bringt, Tel Aviv also nicht „in Schutt und Asche gelegt“ werden kann, wie es ein Hamas-Führer etwas zu optimistisch ausgedrückt hatte, zieht man mal wieder Plan B aus der Schublade: der Weltöffentlichkeit mittels der zahlreich vertretenen Medien vorzugaukeln, eigentlich das Opfer einer israelischen Aggression zu sein. Und bis auf wenige Ausnahmen zieht die Nummer: Sehr bald konzentriert man sich weltweit auf die „Opfer“zahlen, die unverhältnismäßig seien. Da die Israelis ihre Zivilbevölkerung schützen (Iron Dome, Luftschutzbunker, Code-Red-Apps), liegen sie beim zynischen Bodycount hoffnungslos zurück, zumal die Hamas alles dafür tut, die eigene Zivilbevölkerung mit zur Zielscheibe zu machen.

Dies wird von einigen Journalisten zwar durchaus erkannt, dennoch spielt man dem mörderischen Kalkül der Islamisten in die Hände, indem man auf die zivilen „Opfer“ fokussiert. Stand heute (Tag 18 des Krieges) ist in deutschen Medien grundsätzlich von über 800 getöteten „Palästinensern“ die Rede; in Israel kursieren nach Rückmeldung der Armee realistische Zahlen von bisher 300-500 getöteten Hamas-Terroristen, was mehr oder weniger bedeuten würde, dass auf einen getöteten Zivilisten ein Hamas-Terrorist kommt, aber die interessieren weder Spiegel online noch die Süddeutsche Zeitung. Diese machen auf gewohnte Weise Stimmung, titeln „Israel droht mit verstärkten Angriffen“, nachdem die Hamas eine kurze Waffenruhe gebrochen hat und weisen die Schuld am Beschuss einer UN-Schule Israel bereits zu, als die UN selbst noch nicht weiß, welche der in der Gegend schießenden Parteien das Objekt getroffen haben könnte. Insbesondere im Fernsehen kommen Gestalten wie Jürgen Todenhöfer und Michael Lüders zu Wort, die zwar alles andere als Nahostexperten sind, dafür aber genau das erzählen, was die Medienfritzen ihrer Klientel verklickern möchten. Und man zeigt palästinensische Tote vor, während die Israelis die ihren aus Pietätsgründen diskret beerdigen. Ein Uli Gack quatscht im ZDF von einer „extremen Verrohung auf beiden Seiten“, eine Sabine Rau im ARD-“tagesthemen”-Kommentar von der „brachialen Unerbittlichkeit dieses Feldzuges“; der Hamas die Alleinschuld zuzuschreiben, sei falsch. Man ist ja neutral, möchte sich weder mit einer (noch einmal: offiziell so eingestuften) Terrororganisation noch mit dem von ihr angegriffenen jüdischen Staat gemein machen. „Einseitige Schuldzuweisungen werden der Lage nicht gerecht“, doziert die WDR-Tante aus dem Kölner Elfenbeinturm, denn schließlich wenden sowohl die Terroristen als auch die Angegriffenen Gewalt an. Bäh! Und außerdem ist ohnehin irgendwie die „unerbittliche Siedlungspolitik Israels“ an dem Hass der Hamas schuld, die „Scharfmacher und Populisten“ dieser Regierung Netanyahu.

Leider hat noch keiner der deutschen Oberlehrer präzisieren können, wie denn eine angemessene oder „proportionale“ Reaktion der Israelis auszusehen hätte. Sollen sie auch mal 150 Raketen am Tag aufs Geratewohl auf Gaza City abschießen? Dann gäbe es wahrscheinlich Zehntausende Tote an einem Tag. Sollen sie die Hamas-Führer persönlich ausschalten? Dann würfe man Israel wieder „gezielte Tötungen ohne Gerichtsverfahren“ vor. Die Wahrheit ist: Keine einzige Reaktion der Israelis wird goutiert, und übrig bleibt einzig die Option, sich widerstandslos beschießen zu lassen, bis das Raketenarsenal der Hamas verbraucht ist. Sie sollen sich – wie 1990 im Irakkrieg – vor den Raketen der Hamas ducken, in Schutzräume fliehen, die Sirenen heulen lassen, nachts ihre Kinder wecken, um in die Bunker zu laufen, alten Menschen, darunter 100.000 Holocaust-Überlebenden, und Behinderten zumuten, in 15 bis 90 Sekunden Deckung zu suchen. Und auch dann sind sie ja noch selber schuld, trotz vollständigen Rückzugs aus dem Gazastreifen vor neun Jahren – wegen der „Blockade“ oder des Wohnungsbaus im Westjordanland oder der Tatsache, dass sie einfach ein Stachel im Fleisch der arabischen Welt sind.

Um es mal klar zu sagen: Wer von „brutalen Schlägen“, „unerbittlichen Angriffen“, „blindwütiger Vergeltung“ und ähnlichem schwadroniert, sollte wissen, dass die israelische Luftwaffe in der Lage wäre, das Gaza-Problem binnen Stunden zu lösen – dann allerdings wirklich um den Preis, dass die bisherige „Opfer“zahl um ein Vielfaches steigt und an den schwachsinnigen Genozid-Vorwürfen, die völlig derangierte Antisemiten mitunter vorbringen, endlich mal ein bisschen was dran wäre. Das aber ist ebenso wenig im Sinne der Israelis wie ein Sturz der Hamas-Herrschaft in Gaza, obwohl nur ein solcher die einzige Möglichkeit böte, die verhängnisvolle Entwicklung zu stoppen bzw. rückgängig zu machen. Man wagt sich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man feststellt: Jedes andere Land der Welt nähme sich die Freiheit, seine erklärten Todfeinde entscheidend zu besiegen – ein Recht, das man einzig dem jüdischen Staat partout nicht zugestehen mag.

Und so läuft es, wie es immer läuft, ob nun die Islamisten der Hisbollah oder die der Hamas und des Islamischen Jihad Israel attackieren: Alle, die mit dem jüdischen Staat im besonderen und den Juden im allgemeinen ein Problem haben, schauen genau hin, wie sich Israel zur Wehr setzt. Die vorwiegend muslimischen Demonstranten in Europa machen sich nicht einmal mehr die Mühe, zwischen „Zionisten“ und Juden zu unterscheiden und rotzen ihren widerlichen Hass ungefiltert in die Öffentlichkeit, Hitler-Verehrung inbegriffen; die Politik eiert zwischen lauwarmen Bekenntnissen zum Selbstverteidigungsrecht Israels und Aufrufen zur “Mäßigung” hin und her; die Vereinten Nationen machen sich zum Komplizen der islamistischen Gotteskrieger, indem sie ihre Einrichtungen, wie etwa Schulen, als Raketendepots missbrauchen lassen, und nehmen über den seinem Namen Hohn sprechenden „Menschenrechtsrat“ Israel ins Visier, indem sie die Reaktion der Israelis verurteilen und die Hamas und ihre Angriffe komplett unerwähnt lassen, während sich nur die USA dieser Farce widersetzen und neun europäische Staaten sich feige enthalten; und die Medien spielen das zynische Spiel der Hamas mit, indem sie sich auf tragische Opfergeschichten von Zivilisten konzentrieren, die Kämpfe mit den schwer bewaffneten, 15.000-20.000 Mann starken Einheiten der Hamas ausblenden und ansonsten über eine Handvoll Israelis berichten, die es als einzige von acht Millionen Einwohnern auch nach 20 Jahren immer noch nicht geschnallt haben, dass mit Fatah und Hamas kein Frieden zu machen ist. Und sie heben eine weitere Handvoll Verweigerer als aufrechte Israelis heraus, die im Gegensatz zu allen anderen, denen es auch keinen Spaß macht, Kopf und Kragen zu riskieren, der Meinung sind, es gebe doch sicher eine politische Lösung des Problems. Einfach nur nett sein! Da findet ein Gideon Levy von der gern zitierten linken Ha´aretz ebenso ein warmes Plätzchen wie der Schriftsteller Edgar Keret und eine schöne Seele wie Chen Tamir: „Mit meinen Ansichten gelte ich als radikal”, sagt sie Raniah Salloum von Spiegel online. „Aber ich komme mir nicht so vor. Ich habe das Gefühl, dass ich normal bin und alle anderen verrückt.”

Während diesen Irren eine Bühne bereitet wird, rücken die Israelis in der Bedrohung zusammen. Sie machen sich längst keine Illusionen mehr, weder über die Region, in der sie um ihr Überleben kämpfen, noch über die Weltgemeinschaft, die keinen Finger krumm macht, wenn die Judenmörder von heute ihre Messer wetzen. In dieser hochgradig perversen Welt, in der 1700 Tote des syrischen Bürgerkriegs binnen einer Woche ignoriert werden, während man wegen einiger Hundert in Gaza Amok läuft, das wissen sie, werden sie auf absehbare Zeit und wahrscheinlich auch darüber hinaus auf sich allein gestellt sein. Und dabei trotzdem geduldig und entschlossen bleiben und, anders als ihre Feinde, ihre Menschlichkeit nicht über Bord werfen. Und genau das ist es, was sie so stark macht, angesichts der beschämenden Reaktion der Welt mitten in einem weiteren erfolglosen Versuch, dieses Volk von der Landkarte zu tilgen. Wenigstens das sollte man anerkennen: dass die Israelis ihre Coolness und ihre Moral selbst in diesen Zeiten bewahren.

Während man selbst im Lichte dessen, was tagtäglich zu lesen und zu hören ist, nur noch kotzen könnte.

 

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Als vor ziemlich genau 70 Jahren die alliierten Expeditionsstreitkräfte in der Normandie landeten, um Europa von der Nazi-Herrschaft zu befreien, verloren die Truppen aus Amerika, Großbritannien, Kanada und Polen über 200.000 Soldaten; bei den Deutschen waren es noch mehr. Wie Antony Beevor in „D-Day“ schreibt, ließen auch 19.800 französische Zivilisten in jenem Sommer ihr Leben, die 15.000 nicht mitgezählt, die schon vorher bei Luftangriffen getötet wurden.

Um das Kriegsziel, die Niederringung der Nazis, zu erreichen, nahm man diese Opfer in Kauf. Niemand wäre auf die Idee gekommen, „Operation Overlord“ abzublasen, weil auch Nichtkombattanten verletzt oder getötet wurden. Um es klar zu sagen: In jedem Krieg werden zivile Opfer in Kauf genommen. Mit einer Ausnahme: wenn die israelische Armee gezwungen ist, gegen Hisbollah oder Hamas vorzugehen. Dann wird jedes unbeteiligte Opfer penibel gezählt und gern auch vorgeführt, und darüber hinaus jeder an Kampfhandlungen Beteiligte zum unschuldigen Zivilisten umetikettiert – die Hamas hatte die Bevölkerung schon frühzeitig dazu aufgerufen, im Propagandakrieg gewisse Richtlinien zu befolgen.

When referring to casualties in Gaza, the term “innocent citizen” should always be added to the name, the video says.

Entsprechend halten sich auch Israel wenig wohl gesonnene Journalisten an solche Empfehlungen und erwecken auf breiter Front den Eindruck, es handle sich in Gaza sämtlich um unschuldige Opfer. Nach 12 Tagen heftiger Angriffe wurden bisher etwa 300 „Opfer“ gezählt, also 25 pro Tag, die von Aschraf al-Qudra, dem derzeit wohl meistzitierten Menschen der Welt, allesamt „Märtyrer“ genannt werden. Von al-Qudra stammen sämtliche Zahlen über Kriegsopfer unter der Bevölkerung des Gazastreifens. Meist wird er als „Gesundheitsbeamter“ bzw. „Sprecher der Rettungsdienste“ vorgestellt, tatsächlich ist er der Sprecher von Hamas-„Gesundheitsminister“ Mufiz al-Makhalalati. Kein Journalist weiß, wie die von ihm ersonnenen Zahlen zustande kommen und wie es überhaupt möglich ist, sie mehrmals täglich zu aktualisieren.

Statt zu zeigen, wie die israelischen Streitkräfte gegen Raketenstellungen, Waffenlager, Bunker etc. vorgehen, um was es also wirklich geht, laufen westliche Medienschaffende nun durch Krankenhäuser und schildern das Leid der Menschen, die es erwischt hat. Und weil palästinensische Zivilisten, denen die von ihnen selbst gewählte Hamas den Schlamassel zweifellos eingebrockt hat, ebenfalls von den Israelis geschützt werden sollen, dreht man letzteren einen Strick aus der Notwendigkeit, sich gegen Raketenangriffe der Hamas auf die israelischen Zivilisten zur Wehr setzen zu müssen. Offensichtlich ist Israel für das Wohlergehen der Zivilisten auf beiden Seiten verantwortlich, während die Hamas ihre Bevölkerung fröhlich dazu aufruft, sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung zu stellen.
In diesem Sinne schnürt auch Raniah Salloum für Spiegel online durch Gaza und beklagt die Blockade bzw. die „Belagerung“ – allerdings ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, dass der komplette Landstrich von Israel aus mit Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff versorgt wird; selbst jetzt, da aus Gaza jeden Tag 70 Raketen auf Städte in Israel abgefeuert werden, rollen Hunderte von Trucks über Grenzübergänge wie Keren Shalom oder Erez, sodass Salloums Klage „Kaum jemand darf hinaus und kaum etwas herein“ auch hier nur zur Hälfte stimmt: Es darf tatsächlich kaum jemand heraus (z.B. Patienten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden), dass „kaum etwas herein“ dürfe, ist unwahr, es sei denn, die Reporterin wollte sich darüber beschweren, dass Israel die Einführung von Raketen und anderen Waffen für die Hamas unterbindet.

Die radikalislamische Terrororganisation selbst sorgt nur für das, was sie im Krieg gegen die Juden benötigt, nämlich – über Schmuggeltunnel aus dem Sinai – Raketen, Panzerfäuste, Maschinenpistolen, Handgranaten; auch Beton, mit dem man die kunstvoll errichteten Terror-Tunnel im Norden auskleidet, die sogar über Belüftungssysteme und elektrische Beleuchtung verfügen. Man muss ja Prioritäten setzen! Damit es in Gaza sonst an nichts mangelt, soll ausgerechnet Israel in die Bresche springen, das von Gaza aus terrorisiert wird. Fällt jemandem die Absurdität dieser Argumentation auf?

Gut, Raniah Salloum lässt die entscheidenden Tatsachen unerwähnt, aber dafür übt sie ein klitzekleines bisschen Kritik an den Hamas: „Das Leid der Menschen nutzt die Hamas als Bühne.“ Nicht nur das, sie ist auch für das Leid der Menschen verantwortlich, aber so weit möchte die vom „perfekt getrimmten Bart“ eines Gotteskriegers beeindruckte Salloum nicht gehen; schließlich nutzt sie das Leid der Menschen selbst, nämlich um die SpOn-Leserschaft gegen Israel in Stimmung zu bringen, wobei das längst nicht mehr nötig sein dürfte.

Und sie zitiert Robert Turner, Leiter des Gaza-Programms der UNRWA, der von einer “undefinierte(n) Sicherheitsbedrohung“ faselt, die Israel schon zur Blockade ausreiche, als seien 12.000 Raketen in den vergangenen Jahren ebenso ein Klacks wie die Terror-Tunnel, die einzig zu dem Zweck gebaut wurden, in Israel Massaker zu verüben und Geiseln in den Gazastreifen zu verschleppen.

Man muss es noch einmal sagen: Israel führt diesen Krieg, um fünf Millionen Israelis, die sich gegenwärtig täglich vor Raketen aus dem Gazastreifen ducken müssen, wieder ein normales Leben zu ermöglichen, und nicht etwa, weil es Spaß macht, Krieg zu führen. Lieber säßen die jungen Männer, die jetzt in Gaza kämpfen, am Strand von Tel Aviv und nippten an einem Glas Goldstar, statt in den stinkenden Höllenpfuhl im Süden einzumarschieren, Tunnel aufzuspüren und sich mit bärtigen Gotteskriegern herumzuschlagen. Dieser Krieg geht, man kann es nicht oft genug sagen, auf das Konto der Hamas. In Ägypten macht man sich da keine Illusionen, während die Hysterie in Europa wieder einmal groteske Züge annimmt. “Hamas, Hamas, Juden ins Gas!”, “Kindermörder Israel!”, “Allahu akbar!”, “Intifada bis zum Sieg” – an solchen Parolen erkennt man die vorgeblichen Friedensfreunde. Man ahnt, zu was sie fähig wären, wenn nicht Israel, sondern sie am längeren Hebel säßen.

Eigentlich müsste jedem Beobachter klar sein, dass kein Bewohner Gazas hätte sterben müssen oder verwundet im Krankenhaus läge, wenn die Hamas sich nicht den ewigen Krieg gegen Israel auf die Fahnen geschrieben hätte. Und da Israel in einem dicht bevölkerten Gebiet agieren muss – die Palästinenser sprechen von 1,8 Millionen Menschen – beweisen 300 Tote bei 2250 Luftangriffen eindeutig, dass Israel sehr vorsichtig und eben nicht „mit aller Härte“ vorgeht. 300 Menschen erledigt, wie man vor zwei Tagen sehen konnte, ein Schütze im ukrainisch-russischen Grenzgebiet locker mit einer einzigen Rakete.

Über die Vorsichtsmaßnahmen, die die IDF trifft, ist bereits geschrieben worden, u.a. von Gil Yaron in der WELT. Wohl wissend, dass die Antisemiten weltweit nur darauf warten, irgendwas in die Hand zu bekommen, um den jüdischen Staat als „Kriegsverbrecher“ mit Dreck bewerfen zu können, geht Israel extrem umsichtig vor – umsichtiger übrigens als jedes andere Krieg führende Land der Welt. Selbst auf die palästinensischen Zivilisten, die die Ermordung von Israelis mit Knafeh für alle feiern, wird Rücksicht genommen. Auf die Belehrungen eines John Kerry kann Israel dankend verzichten. Wenn Jerusalem wollte, könnte man ganz anders, so viel ist mal sicher. Und man muss ganz und gar nicht hartherzig zu sein, um zu akzeptieren, dass, wo gehobelt wird, Späne fallen. Um die 35.000 toten Zivilisten in der Normandie war es sehr schade. Um die Nazis nicht.

Dank an Stefan Frank für wertvolle Hinweise!

 

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ZEIT online bringt eine Fotostrecke mit dem verheißungsvollen Titel „Betende Soldaten, fliehende Zivilisten“ – 14 Agenturbilder sind es insgesamt.

Was wir sehen:

Rauch in Gaza-Stadt nach israelischem Luftangriff

israelische Soldaten

einen israelischen Soldaten, der sich Tefillin anlegt

israelische Soldaten mit Granaten

israelische Panzer

israelische Artillerie in Aktion

einen Apache-Helikopter in Aktion

eine Rauchwolke über Gaza

Trümmer in Gaza-Stadt

einen Verletzten in Gaza-Stadt

ein Krankenhaus in Gaza-Stadt

noch einmal Trümmer in Gaza-Stadt

Mädchen, das sich anschickt, aus Gaza-Stadt zu fliehen

Flüchtlinge in Gaza-Stadt

Was wir nicht sehen: Raketenbeschuss aus Gaza-Stadt, Hamas-Terroristen, israelische Zivilisten in Bunkern, getroffene Wohnhäuser in Ashdod oder Ashkelon, Behandlung von traumatisierten Kindern in Südisrael. Stattdessen die perfekte Illustration des palästinensischen Narrativs: hier die angreifenden Israelis (Soldaten!), dort die leidenden Opfer in Gaza. Ein blitzsauberes 14:0 in der Propagandaschlacht und ein weiteres journalistisches Glanzstück aus dem Pressehaus Speersort.

 

M75 rocket launched from Gaza strip into Israel
Für ZEIT online kein Thema: Raketenbeschuss aus Gaza-Stadt

 

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Waren in den vergangenen Tagen mitunter ungewohnte Töne im deutschen Blätterwald zu vernehmen (Peter Münch, Raniah Salloum und Ulrike Putz überraschten mit Kritik an der Hamas), so greifen die Reflexe bei der stets wertenden Berichterstattung über die gegenwärtigen Geschehnisse in Gaza und Israel in der Regel zuverlässig. Dazu gehören insbesondere der Vorwurf an Israel, zu hart zurückzuschlagen oder, soll überhaupt geleugnet werden, dass die Hamas den Konflikt gewollt und begonnen hat, im Grunde diejenige Seite zu sein, die am ganzen Schlamassel schuld ist.

Besonders augenfällig wurde das heute. Die israelische Regierung hatte angekündigt, die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe ab 9.00 Uhr einzuhalten; sollte die Hamas dies allerdings nicht tun, behalte man sich eine Fortsetzung der Operation „Protective Edge“ vor. Die Online-Ausgabe der SZ schlagzeilte daraufhin so:

 

SZ_15.7

 

Dass die Überschrift, die Israel einmal mehr die Rolle des Aggressors zuwies, im Widerspruch zum Text stand, fiel entweder niemandem auf oder wurde in der Erwartung in Kauf genommen, dass der gemeine Onlineausgabenkonsument sich mit dem Überfliegen der Schlagzeile schon zufrieden geben werde.

Sechs Stunden lang hielt sich die israelische Luftwaffe zurück, während 50 Hamas-Raketen über Israel niedergingen – was die deutschen Redaktionen ignorierten. Sie waren vollauf damit beschäftigt, die Ereignisse auf der WM-Fanmeile in Berlin in allen Einzelheiten zu schildern. Außerdem hatte Israel noch nicht zurückgeschlagen, die eigentliche Meldung ließ also auf sich warten.

Erst als Israel am späten Nachmittag der Kragen platzte, wachten die SpOn-Auslandsredakteure wieder aus dem Koma auf brachten diese Meldung:

 

Spon_15.7

 

Nicht nur, dass die Schlagzeile den Verlauf der Ereignisse auf den Kopf stellte (und wiederum im Widerspruch zum nachfolgenden Text stand): Das Foto (Bildunterschrift: „Ein israelischer Raketenabschuss Richtung Gazastreifen: Waffenruhe hielt nur kurz“) zeigte eine Batterie des israelischen Raketenabwehrsystems „Iron Dome“, womit eine Defensivwaffe zum Schutz der Bevölkerung zu einer Angriffswaffe umgedeutet wurde. Dreister geht´s nimmer.

Stunden später wurde die Bildunterschrift übrigens geändert; die unsägliche Schlagzeile blieb stehen. Eines ist jedenfalls klar: Mit seriösem Journalismus haben solche Vorfälle nichts zu tun. Hier ist auch (nicht nur) Schludrigkeit ursächlich, sondern hier hat der Wahnsinn Methode. Nicht erst seit heute, aber an solchen Beispielen lässt er sich besonders deutlich festmachen. Wenn es um Israel geht, pfeift der Großteil der Journaille auf jegliche Fairness. Wie schäbig.

 

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