Das Tolle am Internet ist, dass jeder mitmachen kann. Das Furchtbare: jeder macht mit. Etwa, um der geneigten ZEIT-Leserschaft mitzuteilen, man attestiere den Israelis ja grundsätzlich Friedenswillen und -fähigkeit, nicht jedoch “den Eliten”. Dabei ist nach acht Jahrzehnten israelisch-arabischem Konflikt und zwei Jahrzehnten “Friedensprozess” eines offensichtlich: Es wird keinen Frieden geben – aus dem einfachen Grund, weil die arabische Welt keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte akzeptieren wird. Sie stellt es jeden Tag aufs neue unter Beweis, und wer es wissen will, kann es wissen, es sei denn, er ist dermaßen obsessiv auf den jüdischen Staat fixiert, dass ihn Hass und Grausamkeit in dessen schwieriger Nachbarschaft einfach nicht interessieren, dafür aber die ominösen “Eliten”. So wie dem Besserwisser im Kommentarbereich, der mit Sicherheit noch nie einen Fuß auf israelischen Boden gesetzt hat, geht es den meisten, obwohl der Nahost-Konflikt nur dann „gelöst“ werden könnte, wenn einer der Kontrahenten besiegt am Boden läge. Da die Israelis aber nicht so wollen, wie sie können, und die Palästinenser nicht so können, wie sie wollen, wird alles so bleiben, wie es ist. Wird Felicia Langer als antizionistische Wanderhure von Vortragssaal zu Vortragssaal ziehen, werden bei beträchtlichen Mengen Mineralwasser in feinen Hotels Friedenspläne entworfen, die keinerlei Chancen auf Verwirklichung haben, werden weiter wilde Haufen von Antisemiten mit nutzlosem, als “Hilfsgüter” deklarierten Ballast Richtung Gaza segeln und werden Agentur-Fotografen sich mit palästinensischen Demonstranten und deren Kindern verabreden, um in einem öden Tal Soldaten zu provozieren, in der zynischen Hoffnung, diesen rutsche endlich mal die Hand aus, um ein paar knackige Bilder zu bekommen – dies, obwohl gewissermaßen nebenan, in Syrien, jeden Tag über hundert Menschen abgeschlachtet werden.
Ein absurdes Theater, das zu kommentieren einem nicht nur die Zeit fehlt, sondern auch zunehmend die Lust. Die Wahrheit ist: Der Nahost-Frieden wird ebenso wenig kommen wie Godot, und statt ihn wortreich herbeireden zu wollen, sollte man sich langsam den wirklichen Problemen auf diesem Planeten zuwenden. Erst wenn der regionale Konflikt – und das ist er: ein regionaler Konflikt! – ernsthaft eskalieren sollte, etwa dadurch, dass die iranischen Mullahs wirklich drauf und dran sind, eine Atombombe in die Hände bekommen, sollte man überhaupt Notiz von ihm nehmen – und dann aber auch handeln. Gleiches gilt für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Araber doch noch dazu durchringen könnten, sich dauerhaft mit der Existenz Israels abzufinden. Bis dahin sollten die deutlich überzählig im Land herumlungernden hoch bezahlten Schwadroneure in den Korrespondentenbüros ebenso wie die elenden Pressefotografen in freier Wildbahn ihre Mikros und Kameras abschalten und ihren Hintern beizeiten dorthin bewegen, wo es nottut, damit wir nicht immer nur auf verwackelte Handykamerabilder aus Aleppo angewiesen sind. Dort herrscht nämlich wirklich Krieg, und es bedarf keiner Mätzchen, um ihn darzustellen. Was Israel und Palästina angeht, sollte das Motto lauten: Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.
Sehr wohl aber ist es notwendig, dazwischenzufunken, wenn die Fortführung dieser grotesken Zirkusveranstaltung von Clowns wie jenen sozialdemokratischen Funktionären befeuert wird, die “gemeinsame Werte” mit der Fatah zu teilen meinen, gar eine ”strategische Partnerschaft” mit dieser bekunden.
Als reichte es nicht, dem schon lange nicht mehr legitimierten Abbas-Klüngel weiterhin die Millionengelder in den Schlund zu schaufeln und seine Intransigenz noch zu belohnen und damit zu perpetuieren, macht man sich auch noch programmatisch mit dieser antidemokratischen, komplett friedensunwilligen, die Todesstrafe bejahenden, antijüdische Hasspropaganda verbreitenden und jeder pluralistischen Zivilgesellschaft Hohn sprechenden Bande gemein – Hauptsache, sie frisst am richtigen Ort Kreide. Das ist wirklich zum Speien, der Tiefpunkt einer Volkspartei, die sich so viel auf ihre Tradition einbildet. Das sollte die Deutschen interessieren, nicht, ob die israelische Luftwaffe nach tage-, wochen-, monate- und jahrelangem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ein paar Terrorfürsten vom Motorrad holt. Aber von einer Gesellschaft, der zu großen Teilen jeglicher Sinn für Proportionen abhanden gekommen ist, in der ein Kindsmörder Schmerzensgeld zugesprochen bekommt, jugendliche Gewaltverbrecher in nutzlose Anti-Aggressionsseminare geschickt werden, bevor sie ein Zufallsopfer tottreten und die Klassifizierung der stramm antisemitischen, islamofaschistischen Hisbollah in einer ehemals ernstzunehmenden, von einem Altbundeskanzler mitherausgegebenen liberalen Wochenzeitung als „großer Fehler“ bezeichnet werden darf, ohne dass der Autor geteert und gefedert zum Stadttor hinausgetrieben würde, mag das schon zuviel verlangt sein.

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