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Archiv für die Kategorie ‘Nicht kategorisiert’

Anlass: egal

Schon ein paar Jahre alt – aber immer wieder aktuell.

 

 

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Klaar Kiming

Der Naivität und der Blauäugigkeit, die sich der Westen inbezug auf die Gefahr durch den militanten politischen Islam immer noch leistet, setzt Bibi Netanyahu im Gespräch mit der WELT am Sonntag eine nüchterne Analyse der Lage im Nahen und Mittleren Osten entgegen.

Auf die Frage, ob Israel sich auf seine Freunde verlasse:

Verlassen wir uns auf andere, wenn es um unsere Sicherheit und unser Überleben geht? Die Antwort ist: Nein. Suchen wir Verbündete? Nun, alle Länder suchen Verbündete. Selbst Supermächte wie die Vereinigten Staaten suchen Verbündete. Deshalb begrüßen wir unser enges Verhältnis zu Deutschland genauso wie zu den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.

Aber verlassen wir uns darauf? Nein. Das ist die zentrale historische Lehre, die wir aus dem Holocaust gezogen haben. Der Holocaust war der Endpunkt einer Abfolge von Gräueltaten, denen das jüdische Volk wie kein anderes ausgesetzt war, weil es heimat- und machtlos war. Deswegen haben wir beschlossen, die Fähigkeiten zur Selbstverteidigung zu erringen.

Zu der These, dass das iranische Regime nicht selbstmörderisch sei:

Der große Islamforscher Bernard Lewis von der Universität Princeton hat einmal geschrieben, das Prinzip der wechselseitig zugesicherten Zerstörung [die Atomwaffen-Doktrin, die im Kalten Krieg als "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den USA und der UdSSR bekannt wurde; Anm. d. Red.] sei für die radikalen Kleriker der iranischen Führung keine Abschreckung sondern ein Anreiz.

Sie haben diesen bizarren Glauben, dass der verborgene Imam – ein religiöser Führer, der vor einem Jahrtausend verschwand – in einem Feuersturm zurückkehren werde und dass es eine Katastrophe braucht, um sein Wiedererscheinen zu bewirken. Ich würde nicht auf die Rationalität eines solchen Regimes wetten. Bedenken Sie, dass zur Geburt dieses Systems die Verletzung eines uralten Prinzips gehörte: Botschaften sind unantastbar. Sie haben die diplomatische Vertretung der USA angegriffen, sie haben in aller Welt Diplomaten ermordet, sie liefern Massenvernichtungswaffen an ihre Handlanger, sie drohen mit der Sperrung der Straße von Hormus.

Die Iraner sind im Jemen aktiv, am Horn von Afrika, in Nordafrika, in Afghanistan, wo sie helfen, Nato-Soldaten zu töten. Sie sind sogar in Südamerika präsent. Alles das machen sie schon ohne Atomwaffen – stellen Sie sich nur vor, was sie mit Atomwaffen alles tun würden. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass Abschreckung bei derart militanten Akteuren funktioniert.

Über die grundsätzliche Abneigung der Nachbarschaft gegen den jüdischen Staat:

Sie sehen in uns den Vorposten jener freien, offenen Gesellschaft, die sie verachten und am liebsten auslöschen würden. Sie haben diese Freiheit und diesen Pluralismus aus ihrem eigenen Einflussbereich verbannt und nun wollen sie ihre Tyrannei auf den Rest der Welt ausweiten. Im Übrigen halten sie damit nicht hinterm Berg, sondern sagen es ganz offen.

Darin spiegelt sich ihre Verachtung: Sie äußern ihre Abneigungen laut und die Europäer setzen dem nichts entgegen. Teheran glaubt, damit käme es ungeschoren davon. Ich denke hingegen, es ist die Pflicht anständiger Menschen in Deutschland und Europa, klarzumachen, dass dem nicht so ist.

Beruhigend, dass in diesen Zeiten, in denen sich der als Antizionismus kaschierte blanke Judenhass rund um den Globus immer offener manifestiert und in der die terroristische und militärische Bedrohung des Landes stetig wächst, jemand an der Spitze der Regierung steht, der sich keine Illusionen über die Welt macht, in der sich Israel behaupten muss.

 

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Yom HaShoah 5772

Our enemies tried to deny us our future, but we rose again, in the land of our forefathers. Today, the Iranian regime openly calls (and acts) for our destruction. This time however, we have our own country, our own army. We have the capability, the duty and the determination to defend ourselves. We will never bury our heads in the sand. The People of Israel live. And also the Strength of Israel will not lie nor repent.

Bibi Netanyahu on Yom HaShoah 5772

 

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Zwei Meldungen…

… in den Nachrichten, eine nach der anderen.

Abu Mazen ist heute in die Türkei gefahren. Dort hat er sich mit den im Shalit-Deal entlassenen Terroristen getroffen. Ach, waren das nicht alles nur harmlose Friedensaktivisten und Demonstranten, die Israel aus reiner Rachsucht festgenommen hatte? Nein, waren es nicht. Es waren die Mörder von Nachschon Wachsmann und Ofir Rachum dabei. Warum Abu Mazen sie treffen wollte? Bestimmt nicht, um neue Friedenspläne für den Nahen Osten mit ihnen zu erörtern. Er hat ihnen Respekt bezeigt und damit zum Ausdruck gebracht, daß ihre Ziele die seinen sind. Über die Mittel zu diesem Zweck hat er sich jedenfalls nicht entsetzt, er hat sich nicht davon distanziert.

Abu Mazen ganz eng verbunden mit Amna Muna, die den 16jährigen Schüler Ofir Rahum per Internet nach Ramallah lockte, wo er von drei Männern aus nächster Nähe erschossen wurde.

Das war also die eine Meldung – eine klare Ansage der Palästinenserführung, wo ihre Sympathien liegen. Beim Terror, den die Araber seit den 1920er Jahren gegen die Juden entfesselt haben, der keine Pause kannte und sich in Zeiten der sog. Friedensverhandlungen sogar noch verschärft hat… und der sich nach Zugeständnissen Israels keineswegs beruhigt hat. (Netanyahus scharfe Reaktion darauf hier.)

Und die zweite Meldung.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Portugal verurteilen per UNO Israel für den Bau von 1000 Wohnungen.

Wohlgemerkt – nicht etwa Abu Mazens Umarmung mit einer verurteilten Mörderin ist ein entmutigendes Zeichen – sondern der Bau von 1000 Wohnungen, die man problemlos, falls es zu einer Räumung der Westbank kommen sollte, ebenfalls räumen kann. Darf ich auch daran erinnern, daß beim Baustopp vor zwei Jahren, oder waren es anderthalb?, die Verhandlungen keineswegs wieder in Gang gekommen sind.

Sich auf die Siedlungspolitik Israels als einziger Wurzel allen Übels zu stürzen, während am selben Tag Abu Mazen seine Flagge an den Mast des Terrors nagelt, sagt einem alles, aber wirklich alles über die Europäer, was man je wissen möchte. Terror, meine Güte, das werden die Israelis schon irgendwie verschuldet haben, wer kann sich darüber aufregen? Aber 1000 Wohnungen bauen! DAS ist ein Friedenshindernis! Dagegen muß protestiert werden! Das ist Gewalt! (Liebermans undiplomatische Reaktion darauf hier.)

Sollten sich die UNSC-Staaten nicht lieber mal darum kümmern, was aus ihrem Versprechen geworden ist, Israel vor einer wilden Aufrüstung der Hisbollah zu schützen?

Ich möchte gar nicht mal erwähnen, daß am selben Tag in Syrien 100 Menschen sterben, brutal geschlachtet von einem Regime, das bis vor kurzem noch von allen Europäern hofiert wurde. Das Schicksal dieser Menschen ist so schrecklich, daß man sie gar nicht heranziehen möchte, um einen Punkt klarzumachen…

Es ist jedoch noch keinen Monat her, daß genau dieses Regime, Assads Syrien, von der UNESCO in den Menschenrechtsrat aufgenommen wurde. Wie bitte? Das kann doch nicht wahr sein, oder? Wo waren die Demonstrationen und Proteste dagegen? Die gab es nicht. Ging das überhaupt durch die deutschen Medien?

The United Nations Education, Science and Culture Organization (UNESCO) has unanimously approved Syria’s membership on two U.N. human rights committees.

Syrien wird von UN-Institutionen einstimmig als Staat akzeptiert, der Menschenrechte nicht nur schützt, sondern weltweit fördern kann. Israel dagegen wird mit einer Verurteilung nach der anderen abgewatscht, für reine Lappalien. Syrien schlachtet tatsächlich unschuldige Zivilisten systematisch ab, Israel dagegen gibt sich die größte Mühe, das Leben von Zivilisten zu schonen, und das in einem Konflikt, in dem die andere Seite schamlos Kombattanten und Zivilisten vermischt.

Die UN-Verurteiler Israels entblöden sich auch nicht, die von israelischen Politikern einstimmig verurteilten, von der Polizei verfolgten Aktivitäten jüdischer Terroristen (“Preisschild-Aktionen”) scharf zu verurteilen. So als ob die israelische Regierung es wäre, die diese Straftaten auf der Kappe hat. Das wird damit jedenfalls suggeriert.

Ich würde ja an Ron Prosors Stelle jetzt der deutschen Regierung für die Aktivitäten der Zwickauer Terrorzelle die Leviten lesen. Dabei sind Menschen ums Leben gekommen, und der deutsche Staat hat rundherum versagt. Ich meine, gerade die deutsche Regierung hat absolut kein Recht, sich Israel gegenüber als Sittenrichter aufzuspielen. Seit Jahr und Tag werden hier in Israel Synagogen angezündet (eine Synagoge mit Gemeindezentrum, wo sich der bekannte Rabbi Shelly um Drogenabhängige kümmert, ist heute zum fünften Mal von arabischen Nachbarn angezündet worden und niedergebrannt), Friedhöfe geschändet und jüdische Einrichtungen angegriffen – aber da sagt kein Europäer was, das ist normal, das müssen die Juden aushalten.

Aber wenn es Straftäter auch auf der jüdischen Seite gibt – oh, dann müssen sich die Deutschen empören! Und Israel darauf hinweisen, daß das aber gar nicht schön ist, Moscheen anzuzünden! Danke, das ist dem israelischen Präsidenten auch schon selbst aufgefallen, bevor ihn die deutsche UN-Delegation darauf hinwies. Er ist am Tag nach dem Brand der Moschee in Tuba Zangaria hingefahren, mit den Oberrabbinern Israels, um sein Entsetzen und seine Solidarität mit den Moslems dort zum Ausdruck zu bringen.

Aber es ist ja so leicht, Israel gegenüber den Moralapostel herauszukehren, während man anderen gegenüber schon mal hier und da ein Äuglein zudrückt. Ein Argus hätte schon kein Auge mehr offen…

Ach übrigens: die künstliche Aufregung um die Mughrabi-Brücke, erinnert sich noch jemand? Vielleicht hat nicht jeder mitgekriegt, daß die Brücke schon am nächsten Tag wieder geöffnet wurde. Netanyahu hat sich persönlich dafür eingesetzt, daß sie restauriert und irgendwie brandsicher gemacht wird. Die “Eskalation” wurde zwar allgemein berichtet, die pragmatische Lösung jedoch ist wesentlich weniger attraktiv als Meldung… und die Aufregung war tatsächlich genauso künstlich herbeigeredet wie seinerseits mit “Sharons Besuch auf dem Tempelberg” und ähnlichen Spirenzchen. Hoffentlich haben es alle mitgekriegt, daß Israel de-eskaliert hat.

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Danke der freundlichen Nachfrage,

bei uns ist alles in Ordnung.

Heute früh stellte ich, wie meist, die Morgennachrichten an, und war überrascht, Bilder eines brennenden Gastanks zu sehen und die Worte “Maaleh Yosef” zu hören. So heißt unser regional council, eine Art Landkreis, nur kleiner. So, in der Nacht waren Katyushas gefallen, im Kreis Maaleh Yosef. Nun, ich hatte nichts mitgekriegt.

Y. hörte von Kollegen, wo die einzelnen Raketen gefallen waren – das veröffentlichen die Medien bei uns nie genau, damit sich kein Hisbollah-Kämpfer im Zielen üben kann. Aber weit weg war es nicht.

Quartas beste Freundin wurde im Fernsehen interviewt, zum Neid aller anderen besten Freundinnen – warum hatten die Journalisten sich an der Bushaltestelle ihres Moshavs postiert, warum waren sie nicht gleich in die Klasse gekommen? Allerdings war die Freundin auch traurig – die Rakete hat den Hühnerstall des Nachbarn getroffen, und viele Küken sind gestorben. Ein Gastank war getroffen worden, die anderen, die daneben stehen (angeblich wird mit dem Gas die Küken-Abteilung erwärmt, keine Ahnung), wurden von der Feuerwehr gekühlt, und weil es hier in der letzten Zeit viel geregnet hat, breitete sich kein Brand aus.

Als Primus, der seit gestern offiziell seinen Wehrdienst hinter sich hat und nun erstmal Schlaf nachholt, in die Küche tigerte, arbeitete ich schon am Mittagessen. “Hast du gestern nacht eigentlich was gehört?”, fragte ich, und er sagte sofort: “Waren das Katyushas?”, und er sagte mir exakt die Richtung, wo sie gefallen waren. Während seine braven Eltern schon schliefen, war er noch wach und hatte die Explosionen gehört, war sogar nach draußen gegangen, um zu sehen, wie nah es war und ob er vielleicht was tun kann. Er versteht nicht, wie wir das verschlafen konnten. Er versteht auch nicht, wieso die Kollegen des Iron dome nicht im Einsatz waren – ein solches System ist nämlich hier in der Nähe stationiert. Alarm war auch nicht.

Es ist uns schon klar, daß jederzeit, aber wirklich absolut jederzeit weitere Katyushas oder andere Raketen hier vom Himmel fallen können. Wir wußten, daß das die Realität ist in dieser Gegend, als wir vor zwei Jahren beschlossen, hier hin zu ziehen. In anderen Gegenden bleibt eine Vorwarnzeit, und wenn es nur ein paar Minuten sind, in denen man in den Schutzraum sprinten kann – wir sind so nah an der Grenze, daß selbst bei Alarm höchstens 45 Sekunden blieben. Aber das ist ja an der Grenze zum Gazastreifen nicht anders, und da fallen die Raketen viel öfter. Hier war es seit dem Krieg 2006 eigentlich sehr ruhig, von Zeit zu Zeit schießen einzelne Verrückte mal was ab, aber mit dem Dauerbeschuß Galiläas ist seit dem zweiten Libanonkrieg Schluß. Weswegen ich es für voreilig halte, den Ausgang dieses Kriegs als Niederlage für Israel zu buchen.

Aber wer hat die Raketen gestern geschickt? Die Hisbollah meint, sie war es nicht. Das mag stimmen oder nicht. Vielleicht war es eine kleine Gruppe innerhalb der Hisbollah oder außerhalb, die einen Wink aus Teheran bekam? Bestimmt fragen sich manche Leute dort, wie es kommt, daß ihr Atomprogramm wie verhext ist – gestern die Explosion in Isfahan, vor zwei Wochen der seltsame Unfall im Waffenlager, Viren und Unfälle… eine Menge geht schief. Man kann es sich nicht erklären. Ist es der teuflische Zufall, sind es Saboteure der Opposition von innen, oder gar bösartige, allmächtige Feinde von außen…? die Freimaurer…? Ich weiß es nicht. Aber ich kann mir schon vorstellen, daß es im Iran und bei der Hisbollah Leute gibt, die Israel gern ein paar Nadelstiche versetzen möchten, ohne gleich in den Krieg zu ziehen.

Es können auch, wie schon vorher, Palästinenser im Libanon gewesen sein, die ihr Mütchen kühlen wollten.

Unsere Regierung macht die libanesische verantwortlich. Nicht weil sie glaubt, daß die libanesische Regierung dahintersteckt, sondern um sie daran zu erinnern, daß die libanesische Armee verpflichtet ist, solche Vorfälle zu verhindern. Die shlumielim von der UNIFIL laufen rum und untersuchen den Vorfall, aber sie haben schon öffentlich erklärt, daß es sich nicht um eine Verletzung der Resolution 1701 handelt. Na, da bin ich ja beruhigt.

Wie es jetzt weitergeht? Ich weiß es nicht, ich kann nur intuitiv antworten. Und da sehe ich zwei mögliche Szenarios. Das wahrscheinlichere: es handelte sich um eine einzelne Aktion, aus den oben genannten Gründen, und es bleibt erstmal still. Die Iraner warten, bis sie die Atomwaffen haben, die sie zu einem Zeitpunkt, den sie bestimmen wollen, auch benutzen werden. Das kann noch einige Zeit dauern. Vielleicht wollen sie überhaupt nur ein Gleichgewicht des Schreckens, um ihren Einfluß auszuweiten. Aber das werden wir erst in der Rückschau wissen.

Oder aber es handelt sich um den Auftakt zu einer ganzen Angriffsreihe, einer langsamen Erwärmung der Nordgrenze. Eine Rückkehr zu den Zuständen vor dem letzten Krieg. Ein Zerren am Nasenring, bis der Stier schnaubt und scharrt und schließlich zum Angriff übergeht. Woraufhin man dann nach dem Metzger ruft.

Mir erscheint es dafür aber zu früh. Ich glaube, Nasrallah hat einen Riesen-Anpfiff aus Teheran bekommen, weil er die Nase zu früh aus dem Loch gesteckt hat – und das hat er ja auch selbst fast zugegeben. Den Fehler macht die Achse Iran-Hisbollah nicht noch einmal.

Und wenn ich schon die Achse erwähne – was ist mit Syrien? Manche spekulieren, daß die Syrer dahinterstecken, um von ihren Problemen abzulenken. Daß sie der Hisbollah einen Wink gegeben haben, uns einen Wink zu geben, in der Hoffnung, daß wir überreagieren und sie den Volkszorn auf uns lenken können. Nun, dafür wäre es vielleicht sinnvoller, in den Golanhöhen einen Zusammenstoß zu inszenieren. Und hat Assad überhaupt Reserven für einen Konflikt mit uns?

Ich kann allen besorgten Freunden versichern, daß der Umzug uns nicht reut. Wir wußten, daß es hier schon mal gefährlich wird, aber wo ist es eigentlich nicht gefährlich in Israel? Wir haben ja kein Hinterland. Ganz Israel ist jederzeit gefährdet. Sollen wir etwa alle auswandern? Wir haben das Recht, hier zu leben, und wir leben hier. Die Landschaft ist herrlich, die Leute sind nett, und die Nachbarn jenseits der Grenze … wären ohne Hisbollah und andere Fanatiker auch kein Problem.

Wenn man allerdings das ganze Bild betrachtet, wirkt es düsterer. Der arabische Frühling war wohl, wie befürchtet, ein islamistischer Frühling. In ein paar Jahren sind wir von islamistischen Staaten umgeben, von denen keiner mehr den kalten Pragmatismus eines Mubarak oder auch Assad an den Tag legen wird. Wer weiß, wann auch Jordanien davon befallen wird.

Die Interessen der Europäer liegen nicht in Israel, auch die deutschen nicht. Die Leserbriefe in SPon-Foren oder der ZEIT zeigen deutlich, daß die meisten Deutschen bei einer Auseinandersetzung zwischen Israel und dem Iran die Partei des Iran ergreifen würden. Und die Industrie, die an iranischen Aufträgen verdient, erst recht. Und die Politiker? Nach dem Spektakel der einstimmigen Verurteilung Israels, Stichwort Mavi Marmara, wundert einen ja nichts mehr. Diese Verurteilung ging raus, bevor noch bekannt war, was überhaupt passiert war. Von einer einstimmigen Entschuldigung, nachdem die Fakten bekannt wurden, ist mir nichts zu Ohren gekommen.

Die deutschen Medien und die Bevölkerung sind prinzipiell gegen Israel und sehen uns nur in der Schurkenrolle. Ich sehe keinen Politiker, der sich leisten könnte, gegen diesen Strom zu schwimmen. Helmut Schmidt, der enormen Einfluß in Deutschland hat, wird in allen Talkshows erklären, daß Israels aggressive Expansionspolitik den Israelis eingebracht hat, was sie nun ernten. Alle werden blöken, aber die Siedler! aber die Besatzung! aber der Rassismus des Alltags!, wenn es hier losgeht. Und werden die Scheine zählen, die das letzte Geschäft mit dem Iran eingebracht hat.

Und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist Deutschland noch israelfreundlich. Was können wir von den Briten erwarten? Oder, jetzt lacht mal herzlich, Skandinavien? Belgien? Frankreich? Spanien? Nichts.

Die USA – die haben schon zu viele Töpfe auf dem Feuer.  Bevor wir nicht wirklich massiv angegriffen werden, wird sich kein amerikanischer Präsident auf einen Schlag gegen die Iraner einlassen, das kann ich mir nicht vorstellen. (Ich weiß ja auch nicht, ob das klug wäre oder überhaupt möglich, ein Präventivschlag – mir scheint, der Zeitpunkt dafür ist verstrichen, aber was verstehe ich von Atomprogrammen?).

Nein, wir können auf niemanden bauen. Und vielleicht ist das unsere Stärke. Vielleicht verstehen das auch die Leute von außen gar nicht, daß das unsere Stärke ist. Wenn man weiß, daß man auf eigene Kraft vertrauen muß, achtet man darauf, stark zu bleiben. Wenn man weiß, daß es wirklich ums Ganze geht, dann kann man sich keine zu großen Fehler leisten. Das Gefühl, in einem Überlebenskampf auf uns selbst gestellt zu sein, gibt uns den sogenannten “chossen leumi”, die nationale Kraft zum Durchhalten.

Dazu trägt jeder bei. Ich schicke meine Tochter ganz normal in die Schule und die Schule findet auch ganz normal statt. Wir machen weiter mit dem Alltag. Etwas Besseres fällt mir nicht ein als Antwort. Kartoffeln schälen. Unkraut jäten. Stunden vorbereiten. Katzen streicheln. Musik hören.

Shlomo Artzi, Hardufim

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Ilan Grappel kommt frei

Das sind gute Neuigkeiten. Die Ägypter haben eingesehen und zugegeben, daß der Amerikaner-Israeli, der von Ägypten begeistert war und dort herumreiste, keineswegs ein Mossad-Agent war – was man wirklich auf den ersten Blick erkennen konnte. Nun ist es so, sagt Ronen Bergman, daß die Ägypter eine extra Abteilung zur Aufdeckung von israelischen Spionage-Projekten haben. Diese Abteilung muß ihre Existenz von Zeit zu Zeit rechtfertigen, und so kommen die absurden Anschuldigungen zustande – mal sind es dressierte Haie und mal eben Touristen, die als Spione verdächtigt werden.

Azzam Azzam, der Druse aus dem schönen Dorf Mghar, hat auf diese Weise schuldlos acht schlimme Jahre im ägyptischen Gefängnis gesessen. Der Beduine Ouda Tarabin sitzt noch immer. Auch die Vorwürfe gegen ihn sind vollkommen aus den Fingern gesogen.

Aber immerhin ist es doch nett, daß die Ägypter ihn freilassen, nicht wahr?

Nur ein kleiner Schönheitsfehler stört mich daran: Ilan Grappel wird, obwohl zugegebenermaßen vollkommen zu Unrecht festgenommen, nicht einfach freigelassen. Sondern ausgetauscht. Wir lassen 25 ägyptische Kriminelle frei, dafür kommt Ilan Grappel frei. Wenn es um Israel geht, reicht allein Recht zu haben nicht aus. Selbst für das Grundrecht, daß ein Unschuldiger frei herumlaufen darf, müssen wir einen Preis zahlen.

Eigentlich ein Skandal. Aber selbst in Israel wird nur mit den Schultern gezuckt. Ja, so ist das eben. Man konzentriert sich eher auf die positiven Seiten des Deals: daß ein Vertrauensverhältnis mit Ägypten aufgebaut wurde, im Zuge der Shalit-Verhandlungen, daß Grappel nur ein paar Monate im Knast saß, daß er vermutlich nicht, wie Azzam, gefoltert wurde, und daß es bei den freizulassenden Ägyptern größtenteils um Kriminelle, Drogenhändler und Grenzverletzer geht, die man nicht vermissen wird, und daß die Zahl so gering ist. 25 kriminelle Ägypter gegen einen unschuldigen Israeli. Das gilt hierzulande als guter Deal.

Was folgt daraus? Daß an den Vorwürfen der schiefen Proportion tatsächlich was dran ist.

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Hilfsangebote

Das Erdbeben in der Türkei war wohl auch in einigen Hochhäusern in Israel spürbar. Gott sei Dank, nicht bei uns, ich habe nichts für Erdbeben übrig – wer hat das schon? Als mir klarwurde, wie ernst diese Katastrophe ist, war mir klar, daß Israel sofort Hilfe anbieten muß. Nur um zu prüfen, ob ich auch die richtigen Werte weitergebe, erzählte ich Quarta von dem Erdbeben – und sie sagte sofort: Mama, wir müssen helfen, weißt du noch, wie die Türken uns geholfen haben?

Ehud Barak und Avigdor Lieberman denken genauso, so wenig sie ansonsten mit Quarta gemeinsam haben,  und haben bereits Hilfe angeboten. Sie waren die ersten – und noch bevor die Türken antworteten, gaben sie Anweisung, vorsorglich schon mal einen Einsatz vorzubereiten. Im Fernsehen wurde berichtet, daß die Türken geantwortet haben, sie kommen im Moment noch allein zurecht. Wenn ich die Bilder sehe, könnte ich aber heulen. Bei so einem Unglück ist doch jedes Paar Hände nützlich, besonders, wenn es ausgebildete Leute mit Ausrüstung und Erfahrung sind.

Hoffentlich besinnen sich die türkischen Verantwortlichen noch. Wir würden gern helfen. Ich werde nicht vergessen, wie schnell die Türken letztes Jahr hier waren und bei der Löschung des Brands halfen, zusammen mit Griechen und Zyprioten. Eines der Löschflugzeuge geriet bei seiner Schleife über dem Meer bis in unsere Gegend, und ich winkte idiotisch in den Himmel und schrie danke.

Allerdings erinnere ich mich auch an Haiti. Die Israelis errichteten nach dem verheerenden Erdbeben sehr schnell ein Feldhospital und retteten viele Leben. Sie blieben noch lange da, als andere Abordnungen schon abgereist waren. Doch in vielen Teilen der Welt breiteten sich bösartige und dummdreiste Gerüchte aus, daß die Israelis dieses Hospital nur errichtet haben, um Verletzten und Toten – Organe zu entnehmen. Wie es genau gehen soll, unter solchen Bedingungen brauchbare Organe zu entnehmen und die zu verkloppen, fragte keiner nach. Beim Erfinden von Lügen über Israelis sind manche Leute eben schamlos, und andere so gutgläubig, daß es einen grausen kann. (Ich verlinke die Seiten nicht, die diese aus den Fingern gesogenen Verleumdungen propagieren… Google kennt sie).

Nun, unser Angebot steht. Es wäre schön, wenn die Tradition gegenseitiger Hilfe, die seit vielen Jahren besteht, nicht abbräche. Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt. Es ist ein Privileg, helfen zu dürfen.

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Heißer Herbst

Herbstwetter in Israel – das bedeutet scharfe, extrem trockene Ostwinde, entweder sehr heiß oder kühl. Beides unangenehm. Die Luft ist voll Sand und Staub (ovech). Es ist die Zeit der Wald- und Buschbrände, wie wir letztes Jahr Anfang Dezember gesehen haben. Die Erde ist ausgedörrt, die Vegetation geht auf wie Zunder. Es ist auch die Zeit der Brandstifter.

Gestern war ein riesiger Brand in der Gegend, wo Y. (der geniale Mann und Hausvater) arbeitet. In der Nacht schlief ich schlecht, weil ich dauernd Brandgeruch in der Nase hatte. Ich habe mir das nicht eingebildet, wie ich morgens herausfand. Die ganze Nacht über wurden in Galiläa Brände gelöscht - wurden sie auch  gelegt? Eine Intifada der Brandstifter erleben wir seit Jahren, jeden Spätsommer und Herbst.

 

Update abends: mehr als zwanzig Einsätze der Feuerwehr heute, die meisten davon in unserer Gegend. Es war zwar gegen Mittag stechend heiß, aber der Ostwind ist diesmal mehr von der kühlen Sorte. Es kann nicht am Wetter gelegen haben. Auch nicht an Nachlässigkeit von Grill-und Picknick-Fanatikern. Wir haben eine wochenlange Abfolge von Feiertagen hinter uns, da hätte täglich ein Chaot mit der Holzkohle einen Brand auslösen können. Aber erst seit gestern vormittag sind so viele Brände zu verzeichnen. Hoffentlich werden die Schuldigen gefunden.

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Ach neee…

… so hatte ich mir das doch nicht vorgestellt, laß mal lieber! Jeder von uns kennt doch diese nervigen Leute. Sie wollen eine saure Gurke, aber hat man die saure Gurke aufgetrieben, dann heißt es, “ja wieso denn in Essig, ich wollte doch mit Senfkörnern”.

Israel hat den Palästinensern (angeblich) angeboten, den Bau von öffentlichen Einrichtungen (über die der Staat Kontrolle hat) zu stoppen. Daß die Regierung ungern auf private Bautätigkeit Einfluß nimmt, ist wohl verständlich – noch dazu, wo Wohnungen problemlos bei einer Abtretung von Grund und Boden mit übertragen werden können. Außerdem nennt man so einen Vorschlag einen KOMPROMISSvorschlag, und ohne Kompromißbereitschaft sind Verhandlungen einfach nicht möglich.

Was haben die Palästinenser dazu gesagt? Sie haben den vielen Neins ein weiteres hinzugefügt, selbstverständlich.

A Palestinian negotiator claimed Friday that Israel offered to halt a limited amount of construction work in Jewish settlements in the West Bank in an effort to find a way to restart peace negotiations

Erekat said the Palestinians dismissed it because it applied only to government construction. He noted that 82% of settlement construction is done by private contractors, and called on Israel to halt all building activity. He claimed that Netanyahu deliberately separates the private and state projects in order to “deceive the world.”

Alles oder nichts nennt man das – und diese Haltung kennzeichnet die Palästinenser von Anfang an. Olmert bietet ihnen nur lächerliche 97% der von ihnen geforderten Gebiete an? Nein! (Ich könnte die Beispiele hier ins Endlose weiterführen, aber dieses Beispiel ist einfach so schlagend).

Eine weitere Frage allerdings stellt sich mir doch. Wenn Israel in Gilo Wohnungen baut (in Gilo, das sowohl die Genfer Initiative als auch Rabins Oslo-Pläne als auch der Mifkad in israelischer Hand sahen – Gilo ist eindeutig für sogenannte land swaps prädestiniert), dann steht´s in allen Zeitungen im In- und Ausland. Wenn die Palästinenser vollmundig zu Protokoll geben, daß sie ein Entgegenkommen Israels ablehnen, weil es nicht ihren Forderungen entspricht und sie nur auf 100%ige Erfüllung dieser ihrer Forderungen aus sind – hört Ihr davon was? Erwähnen Tagesschau und Tageszeitung sowas auch? Das interessiert mich wirklich.

Und jetzt geh ich die unerwünschten Gürkchen entsorgen… der Kompost ist geduldig.

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Eine Reportage von Shai Gal,

Channel 2, die ich gern mal im deutschen Fernsehen sähe.

Shai Gal fuhr im Laufe des 18. Oktober, als Gilad Shalit freigelassen wurde, durch Israel. Er fuhr von einer Station des Terrors zur anderen und traf dort Angehörige von Opfern, Augenzeugen und Rettungskräfte, die damals zur Stelle waren.

Überall hingen die Menschen an Fernseher und Radio und verfolgten Gilads schrittweisen Weg nach Hause. Shai Gal zeichnete auf, wie alle mit feuchten Augen murmelten, “ach, wie schön”, als sie sahen, daß Gilads Körpersprache etwas gelöster wurde, als er seinen Vater umarmte. Wenn sie dann interviewt wurden, erzählten sie von den Erinnerungen an die Terrorangriffe, an Mord und Tod und Blut und Schmerz und Schock. Manche waren von Anfang an für einen Deal, der die Freilassung von Terroristen beinhaltet, andere waren von Anfang an dagegen und sind es noch.

Interessant waren die Menschen, die ihre Meinung geändert haben, so wie der Besitzer des Cafe Moment. Ihm wurde kurz vor Gilads Entführung eine Tochter geboren, und als die im Kindergarten Lesen und Schreiben lernte, als Vorbereitung für die Einschulung, erschrak er. “Meine Tochter ist schon so groß, und der junge Mann, der vor ihrer Geburt gefangen genommen wurde, sitzt immer noch im Loch? Genug!”

Bei jeder Nennung eines Terrorangriffs kamen bei mir die Erinnerungen hoch. Der Terrorist, der den Bus in den Abgrund steuerte, zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das war “mein” erster Terrorangriff, ich war noch unverheiratet und arbeitete im Kindergarten. Aus Rücksicht auf die Kinder verbargen wir Schock und Entsetzen. Mir wurde klar, wo ich leben wollte.

Busbahnof Hadera. Der Bus in Haifa, vor dem Haus meiner Freundin Yael, auf Sderot Moria – meine Stammlinie, in der ich zu dieser Stunde auch gesessen hätte, wenn ich ihn nicht verpaßt hätte. Die Tochter einer Kollegin, eine Schülerin, starb damals. Das Cafe Moment. Der Mord an Avi Toledano, und ein paar Worte vom Polizisten, der die Leiche fand – mit ausgestreckter Hand, als würde er um Entdeckung bitten. Ach, und das Dolfinarium, die Dolfi-Disco… die arme Mutter, die ihre zwei Töchter verlor, Yulia und Yelena. Werde ich nie vergessen, die vielen jungen Toten.

Alle Drahtzieher dieser Anschläge sind freigekommen. Sie bereuen nichts. Sie sehen Terror nicht als Terror, sondern als legitime Mittel des Widerstands. Ich weiß, daß viele Deutsche das genauso sehen. Jede Bluttat wird gerechtfertigt, wenn sie nur Palästina dient, wenn sie nur als Kampf gegen die grausamen Besatzer ausgegeben werden kann.

Aber vielleicht würde auch der gänzlich verhärtete Israel-Hasser mal ins Nachdenken kommen, wenn er die Menschen sähe, die wie Assaf Zurs Vater gegen die Freilassung des Mörders seines Sohns protestiert haben – und die trotzdem erleichtert sind, Gilad frei zu sehen, und seiner Familie alles Gute wünschen. Die Taxifahrer, die damals in Hadera den Bus in die Luft gehen sahen, die wissen, daß die Mörder von damals jetzt freikommen, denen vor neuen Angriffen graut – und die trotzdem hinter dem Deal stehen, so schwer das Herz dabei auch ist.

Der Wert eines Menschenlebens, das man retten kann, ist unendlich groß hier. Menschen, die in der ganzen Welt als Inbegriff der Rachsucht und Unnachgiebigkeit (Stichwort “alttestamentarisch”) verleumdet werden, gehen einen geradezu selbstmörderischen Handel ein, um einen jungen Mann zu retten, und trotz aller Ängste freuen sie sich daran.

Shai Gals Reportage würde wohl nie im deutschen Fernsehen gesendet werden. Israelis als Menschen mit Dilemmas und Gefühlen und Traumata darzustellen – das kann man dem Zuschauer nicht zumuten, der seit Mohammed al Dura darauf gedrillt wird, beim Wort Israel Abscheu, Empörung, Zorn zu empfinden.

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