Die wahre Katastrophe der palästinensischen „Nakba“ besteht darin, dass sich immer noch jemand findet, der daran glaubt. Wie der „spontane“ Grenzdurchbruch „hungernder“ Palästinenser nach Ägypten oder der „Stromausfall“ im Gazastreifen fällt sie in das Reich der Sagen und Legenden, die Grimms Märchen an Einfallsreichtum in nichts nachstehen.
Während die Erzählungen der Gebrüder Grimm jedoch vor allem in Kinderzimmern beliebt sind, erfreut sich das Märchen von der „Nakba“ einer erstaunlichen Medienkarriere. Ob intellektuelle Einfalt oder politisches Kalkül- die israelische Staatsgründung und die palästinensische „Nakba“ sind die siamesischen Zwillinge der Nahost-Berichterstattung.
Der Verlierer heißt journalistische Wahrhaftigkeit. Denn wo kein (israelischer) Täter, da auch kein (palästinensisches) Opfer. Die Kernfrage muss lauten, ob es auch nur einen einzigen palästinensischen Flüchtling gäbe, wenn die Araber die UNO Teilungsresolution vom 29.11.1947 angenommen hätten. Stattdessen verbündeten sich Ägypten, Jordanien, Syrien, der Irak und der Libanon, um Israel von der Landkarte auszulöschen und die Juden ins Meer zu treiben. “Die Araber wollen einen Vernichtungskrieg. Es wird ein gigantisches Massaker geben, das später einmal im gleichen Atemzug mit den Massakern der Mongolen und der Kreuzfahrer genannt werden wird”, erklärte Azzam Pascha, Generalsekretär der arabischen Liga, noch kurz vor Kriegsbeginn mit gesundem Größenwahn.
Wie reagierte der junge jüdische Staat auf die unverhohlene Vernichtungsdrohung? “Wir appellieren - sogar während der Dauer des blutigen Angriffs, der auf uns seit Monaten unternommen wird - an die Angehörigen des arabischen Volkes, die im Staate Israel leben, den Frieden zu bewahren und sich am Aufbau des Staates auf der Grundlage voller bürgerlicher Gleichheit und entsprechender Vertretung in allen Institutionen des Staates, den provisorischen und den endgültigen, zu beteiligen. Wir strecken allen Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und auf gute Nachbarschaft entgegen und appellieren an sie, mit dem in seinem Land selbstständig gewordenen jüdischen Volke in gegenseitiger Hilfe zusammenzuarbeiten“ heißt es in der Unabhängigkeitserklärung von 14. Mai 1948.
Worten folgten Taten: Während des Gefechts um Haifa schickte David Ben Gurion Golda Meir eigens ins Kampfgebiet, um die Araber zum Bleiben zu überreden - kein anderer Staat hat sich in einer vergleichbaren Situation seinen Feinden gegenüber jemals so demokratisch und humanitär verhalten wie Israel.
Trotzdem begannen die Araber, Israel fluchtartig zu verlassen. Der wohlhabenden Oberschicht, die sich vor den Unbequemlichkeiten des Krieges nach Amman, Kairo oder Beirut zurückzog, folgten vielerorts arabische Dorfbewohner. Sie gingen aus Angst, sich den Anweisungen der arabischen Befehlshaber zum Verlassen der umkämpften Gebiete zu widersetzten und als Verräter an der arabischen Sache zu gelten. Wieder andere verließen das Land, um nicht zwischen die Fronten der kämpfenden Parteien zu geraten. Durchaus keine „jüdische Propaganda“, wie die Erinnerungen des damaligen syrischen Ministerpräsidenten Haled al Azm zeigen: “Seit 1948 haben wir die Rückkehr der Flüchtlinge gefordert, dabei hatten wir sie selbst zur Flucht veranlasst. Zwischen unserem Aufruf an die Palästinenser, das Land zu verlassen, und unserem Appell an die Vereinten Nationen, eine Resolution über ihre Rückkehr zu verabschieden, lagen nur wenige Monate.”
Was geschah mit den Flüchtlingen nach Beendigung des Krieges? Israel bot an, während der Kämpfe getrennte Familien wieder zu vereinen, Ausgleichszahlungen für verlassenes Land zu leisten und 100.000 Flüchtlinge zu repatriieren. Die Aufnahme in arabische Bruderstaaten oder in die bis 1967 von Jordanien kontrollierte Westbank hätten ein übriges zur Lösung der Situation beigetragen. Doch Hass und politisches Kalkül behielten die Oberhand. Nichts durfte als Anerkennung des geächteten Judenstaates gewertet werden - lieber opferte die arabische Führung ihre eigenen Landsleute auf dem Altar des Judenhasses. Sie machten die Flüchtlinge zu Schachfiguren in einem grausamen Spiel – mit einem einzigen Ziel: Die Vernichtung Israels, egal mit welchen Mitteln. Die vorsätzlich geschaffenen erbärmlichen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern waren und sind eine zu mächtige Waffe im palästinensischen PR-Arsenal. Die verelendeten Bewohner waren und sind ein zu bequemes Rekrutierungsfeld für Terroristen. Die Flüchtlingslager waren und sind viel zu nützlich für die Ziele der Araber. Das ist die wahre Katastrophe der „Nakba“.