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Archive for the ‘Besserwisser’ Category

Bullshit

Bei ZEITonline kennt man offensichtlich den Unterschied zwischen einer Siedlung und einer Wohneinheit nicht.

1001Siedlungen
(Screenshot, 11.08.2013, 15.01 Uhr)

 

Im Vorspann steht es noch einmal falsch („Kurz vor den nächsten Friedensgesprächen kündigt Israel neue Siedlungen in Ostjerusalem und im Westjordanland an“), bevor dann im Text endlich von Wohnungen die Rede ist und eingeräumt wird, dass zwei Drittel dieser Wohnungen in Jerusalem entstehen sollen und der Rest in Ariel und Beitar Illit. Ob aber an diesen Orten – zwei Kommunen, die selbst nach einem (äußerst unwahrscheinlichen) Friedensschluss garantiert bei Israel verbleiben werden – gebaut wird oder in Ramallah rollt eine Kichererbse vom Laster, ist vollkommen unerheblich. Gleichwohl bringt die fette Schlagzeile ZEIT-Leser wie „Gonokokkenmutterschiff“ dazu, im Kommentarbereich eine israelische „Kriegserklärung“ zu beklagen.

Und, bei Gott, unter den ZEIT-Lesern gibt es entschieden zu viele Gonokokkenmutterschiffe.

 

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Während die Hamas Kinder im Umgang mit Kalaschnikows schult, feiert die Fatah den Mörder eines Vaters von fünf Kindern als Helden.

Zur Erinnerung: In der erstgenannten Organisation vermutet Claudia Roth „einen pragmatischen Teil“, mit dem Israel verhandeln solle, mit der anderen teilt die SPD „gemeinsame Ziele“ und „gemeinsame Werte“. Wer einen Nahost-„Friedensprozess“ voranbringen will, sollte im Herbst also unbedingt rot-grün wählen.

 

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Ausgerechnet der „Hardliner“ der Hamas signalisierte in den vergangenen Jahren einen Kurswechsel und die Bereitschaft, den militanten Widerstand (= Terror, C.C.) zumindest temporär aufzugeben

verkündete Susanne Knaul am 7. Dezember vergangenen Jahres, als Hamas-Chef Khaled Meschaal den Gazastreifen besuchte, unter dem Jubel Zehntausender aus einer Pappmache-Rakete kletterte und den von Knaul behaupteten Kurswechsel wie folgt zusammenfasste:

Palestine is ours, from the river to the sea and from the south to the north. There will be no concession on an inch of the land,“ he told the crowd on his first visit to Gaza. „We will never recognise the legitimacy of the Israeli occupation and therefore there is no legitimacy for Israel, no matter how long it will take.

Um darin eine auch nur temporäre Abkehr vom Terror-Programm zu erkennen, muss man schon über eine Phantasie verfügen, die für das Drehbuch eines veritablen Science-fiction-Films ausreicht, für einen Artikel in einer halbwegs seriösen Tageszeitung allerdings nicht geeignet ist. Allein, seit Frau Knaul alle journalistischen Standards über Bord geworfen hat, fühlt sie sich leicht und frei, immer weiter das Blaue vom Himmel herunterzulügen.

Gemäßigt und ambitioniert

nennt sie Meschaal diesmal anlässlich seiner „Wiederwahl“ durch den Rat der Hamas. Ach ja, und „kompromissbereit“ wird er in der Bildunterschrift auch genannt. „Versöhnung ist seine Mission“, schreibt Knaul, womit allerdings im besten Falle die Beendigung des Kriegszustandes mit der rivalisierenden Fatah gemeint ist, wenn diese sich auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel (Abschaffung Israels) zur selben Taktik bekennt wie die Hamas.

Gemäßigt, kompromissbereit, versöhnlich – wenn zuträfe, was Knaul von Meschaal behauptet, wäre der radikale Islamist („der studierte Physiker“, wie die Terrorversteherin ihn nennt, wobei sie zu erwähnen vergisst, dass er auch Vater von sieben Kindern ist) ein idealer Kandidat für das Papstamt gewesen. Man fragt sich wirklich, was in Oberstübchen wie dem der taz-Redakteurin vor sich geht. In einer Medienlandschaft, die, wie heute Spiegel online, den Raketenbeschuss Israels durch die Hamas und den darauf folgenden Beschuss der Terrorziele durch die israelische Luftwaffe mit dem Satz „Damit haben beide Konfliktparteien die Waffenruhe gebrochen“ kommentiert, wundert einen allerdings schon lange nichts mehr.

Der Wahnsinn geht weiter.

 

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Eigentlich ist ja zu begrüßen, dass die „Dokumentationsjournalisten des SPIEGEL“ endlich MEMRI entdeckt haben. Das könnte helfen, zur Abwechslung mal zu erforschen, wie die arabische Welt tickt.

Nun haben die Äußerungen des Muslimbruders Mursi, die derzeit für eine gewisse Beunruhigung sorgen, einen historischen und religiösen Hintergrund, und gemeint waren mit den „Abkömmlingen von Affen und Schweinen“ schon immer die Juden, sowohl im Koran als auch im Tafsir al-Jalalayn 5,60 ein halbes Jahrtausend vor der Gründung des Staates Israel; und „Israel“, „Juden“ und „Zionisten“ sind für Araber generell dasselbe; daher ist Mursi auch nicht, wie Spiegel online meint, ein „Anti-Zionist“, sondern ein waschechter Antisemit.

Aber den logischen Schluss aus den vorliegenden Fakten zu ziehen, ist nicht jedem gegeben. Insbesondere nicht jenen, die nicht einmal die Einblendung auf dem Bildschirm lesen, sonst hätten sie mitbekommen, dass Mursi 2010 das Interview, in dem er minutenlang vom Leder zieht, natürlich nicht MEMRI TV, der Video-Plattform des Watchdogs, gegeben hat, sondern dem libanesischen Sender Al-Quds TV.

So sieht er aus, der „Faktencheck“ der hochgelobten „Dokumentationsjournalisten des SPIEGEL“. Saubere Recherche ist was anderes.

 

Screenshot

 

 

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Das war jetzt also der von allen erwartete “Rechtsruck”? Wie es aussieht, besteht zwischen dem “rechten” und dem “linken” politischen Lager nach den Knessetwahlen ein Patt, womit alle Unken, die es schon vorher und wieder mal besser wussten, offensichtlich falsch lagen. Unken wie Bettina Vestring. “Israel wählt gefährlich” hieß ihr von völliger Ahnungslosigkeit in der Sache, dafür durch Voreingenommenheit bestechender Kommentar in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau, denn was gefährlich ist und für wen, das weiß eine deutsche Online-Redakteurin mit grandiosem Mut zur israelkritischen Einstellung immer noch am besten.

Oder eben nicht. Die fragmentierte Parteienlandschaft Israels spiegelt die Vielfalt seiner Bevölkerung wieder, und jeder Staatsbürger hat mehr oder weniger gute Gründe für seine Wahlentscheidung. Religiöse Juden wählen religiöse Parteien, Araber wählen meistens – aber durchaus nicht immer – arabische Parteien (kleine Anekdote: bei diesen Wahlen stimmten im von Arabern bewohnten Taybe 22 Wähler für Likud-Beytenu, 19 gar für die siedlernahe Partei von Naftali Bennet) oder gar nicht; wer den Palästinensern misstraut, wählt Likud, wer ihnen trotz allem immer noch vertraut, wählt Meretz oder Avoda und so weiter. Hinzu kommt, dass beileibe nicht nur der Konflikt mit der arabischen Welt eine Rolle spielt, die Israelis also nicht zwingend morgens mit dem Palästinenserproblem aufwachen und abends mit ihm zu Bett gehen, sondern handfeste Dinge, die ihr Leben betreffen: die hohen Lebenshaltungskosten etwa; im Fall der streng religiösen Juden und der Araber auch durchaus Interessen, die allein für ein bestimmtes Milieu relevant sind.

Da wird es mit den Rechts-links-Schubladen schon schwierig. Was etwa macht einen Lieberman zu einem “Ultranationalisten”? Immerhin favorisiert er eine Politik der Loslösung von den Palästinensern. Nicht nur gewährte er ihnen unter gewissen Umständen einen eigenen Staat – kaum, weil sie ihn etwa verdienten, sondern weil er sie einfach loswerden will – vielmehr würde er diesem, aus demselben Grund, sogar noch israelisch-arabische Gemeinden diesseits der Green Line on top draufpacken, was für deren Bewohner allerdings, allem Diskriminierungsgerede zum Trotz, eine Horrorvorstellung ist. Als Nationalisten kann man den Unsympathen Lieberman durchaus bezeichnen – aber als “Ultranationalisten”? Hinzu kommt, dass seine Partei, die vor allem die Interessen der russischen und osteuropäischen Einwanderer vertritt, mit religiösen Vorrechten nichts am Hut hat. Rechts ist eben nicht gleich auch religiös.

Was ZEIT online nicht daran hindert, in einem Artikel zu den Wahlen hanebüchene Aussagen wie diese zu machen:

Im Parlament besteht damit ein Patt zwischen dem religiösen rechtsnationalistischen Lager und den Parteien der politischen Mitte mit den arabischen Parteien.

Das dröseln wir hier gern einmal kurz exemplarisch auf. Wie wir gesehen haben, sind rechts und religiös nicht unbedingt deckungsgleich, die platte Beschreibung des erstgenannten Lagers ist unzulässig. Auch ist nicht jeder Konservative gleich “nationalistisch” oder gar “rechtsnationalistisch”. Nun zu den Parteien der “politischen Mitte”. Dazu scheint die linke Arbeitspartei ebenso zu gehören wie Meretz, eine Partei, die in etwa mit den deutschen Grünen zu vergleichen ist. Um hier Parteien der Mitte zu erkennen, muss man schon eine sehr eigenwillige Perspektive einnehmen. Demnach scheint es in Israel keine Linken zu geben.

Dabei wird es bei den arabischen Parteien noch prekärer: Hadash ist kommunistisch, Raam Ta’al vor allem antizionistisch, also grundsätzlich staatsfeindlich, und Balad (arabisch-)nationalistisch und sozialistisch. Nationalsozialistisch, wenn man so will. Ihre bekannteste Vertreterin, Hanin Zoabi, segelte 2010 mit türkischen Dschihadisten auf der Mavi Marmara gen Gaza.

So wie sich der kleine Moritz in der ZEITonline-Redaktion das vorstellt, gibt es aber nur die finsteren, religiösen und nationalistischen Kräfte auf der einen Seite sowie die guten Parteien der Mitte und die der armen diskriminierten Araber auf der anderen. Wer’s glaubt, gehört sicher zu jenen, die in den vergangenen Wochen und Monaten dem “Rechtsruck”-Geraune frönten. Solchen Leuten jedoch ernsthaft Kompetenz in der Sache zuzubilligen und sich auf ihre Voraussagen und die ihrer Zulieferer wie Gideon Levy von Ha’aretz und anderen üblichen Verdächtigen zu verlassen, ist grob fahrlässig. Da macht man weniger falsch, wenn man nach Sitte der altrömischen Auguren das Fressverhalten von Hühnern im heiligen Bezirk oder die Eingeweide von Tieren beobachtet.

Mehr als 30 Parteien sind zur Parlamentswahl angetreten, jede dritte hat die Hürde genommen und wie seit jeher wird in Jerusalem eine Koalitionsregierung gebildet werden. Wie es aussieht, dürfte am Ende ein Mitte-rechts-Bündnis dabei herausspringen, das die Positionen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung vertritt – in jeder Demokratie dieser Welt ein völlig normaler Vorgang.

Man wäre auch in Deutschland gut beraten, diese zumal für nahöstliche Verhältnisse einzigartige Demokratie fair zu beurteilen statt sich in Klischees und Ressentiments zu suhlen. Und man möge den Unterschied zu den palästinensischen Nachbarn wahrnehmen; diese haben bei ihrem letzten, auch schon deutlich zu lange zurückliegenden Urnengang mehrheitlich für die Hamas gestimmt, sich bei der Wahl zwischen Pest und Cholera also für die Pest entschieden. Sie haben damals wirklich “gefährlich gewählt”, auch wenn es die FR nicht mitbekommen hat. Verglichen damit, wäre selbst der prognostizierte “Rechtsruck” in Israel immer noch Peanuts gewesen. Wenn er denn passiert wäre.

 

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Wenn sich schon im Nahen Osten nichts bewegt, jedenfalls nicht zum Guten, ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass endlich die längst überfällige Debatte über das Übel des heimischen, als legitime „Israelkritik“ camouflierten Antisemitismus geführt wird – Jakob Augstein, einem der bekannteren Vertreter der deutschen Israel-Obsession, sei Dank.

Nun ist zur Causa Augstein eigentlich alles gesagt; aber noch nicht von allen, daher hier noch meine paar Cent zur oft gehörten Behauptung der „Israelkritiker“ vom Schlage des „Freitag“-Herausgebers und SpiegelOnline-Kolumnisten, mit dem wir uns aus gegebenem Anlass auch schon einmal beschäftigt haben, sie kritisierten doch nur die Politik der gegenwärtigen Regierung in Jerusalem, die natürlich ganz furchtbar und „ultranationalistisch“ sei. Jemand, der seit mehr als drei Jahrzehnten aufmerksam beobachtet, wie sich, was die öffentliche Meinung zu Israel betrifft, der Wind in Deutschland drehte, kann über diese fadenscheinige Schutzbehauptung nur den Kopf schütteln.
Dankenswerterweise hat kein Geringerer als Jakob Augstein selbst sich in seiner SpOn-Kolumne Mitte September 2011 diesbezüglich vielsagend verplappert:

Als israelische Sicherheitskräfte vor einem Jahr in internationalen Gewässern das türkische Schiff „Mavi Marmara“ enterten und acht türkische und einen amerikanischen Staatsbürger erschossen, hatte die israelische Regierung das getan, was sie seit dem Sechstagekrieg vor 44 Jahren immer getan hat: ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel das durchzusetzen, was sie für die Interessen Israels hält.

Die Frage außer Acht lassend, ob ein gelegentlich auf dem Feld der Nahostpolitik dilettierender deutscher Journalist wirklich besser als die gewählte politische Führung in Israel um die Interessen des Landes wissen könnte, stellen wir fest, dass es für Augstein keinen Unterschied macht, wer gerade in Jerusalem die Richtlinien der Politik bestimmt. Da Bibi Netanyahu nicht seit dem Sechstagekrieg vor viereinhalb Jahrzehnten regiert, verhält sich „die israelische Regierung“ immer falsch, gleichgültig ob es sich um die Sozialdemokraten Eshkol, Meir und Rabin handelt, um die Likud-Premiers Begin und Shamir oder um die Ministerpräsidenten, die sich auf den verhängnisvollen „Friedensprozess“ von Oslo einließen und auch mit allerlei Zugeständnissen und Friedensplänen bei der Palästinenserführung – für deren Tun und Lassen Augstein sich selbstredend nicht die Bohne interessiert – auf Granit bissen, etwa Peres, Barak oder Olmert. Schön, dass der „im Zweifel Linke“, der, was Israel angeht, jedenfalls keinerlei Zweifel hegt, dies in bemerkenswerter Offenheit klargestellt hat.

Für alle SoE-Leser, die an lesenswerten Beiträgen zur Augstein-Debatte interessiert sind, seien hier einige verlinkt – etwa die von Malte Lehming im Tagesspiegel, von Stefanie Galla auf der Achse des Guten, von Liza, vom Lindwurm, von Stefan Gärtner in der Titanic und, last but not least, vom persönlich in den Fall involvierten Henryk M. Broder in der WELT.

Update: Auch dieser Text von Rainer Trampert und dieser von Bonde seien hier dringend zur Lektüre empfohlen.

 

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Er war im Schaufenster eines Antiquariats ausgestellt: DER SPIEGEL vom 12. Juni 1967; unmittelbar zuvor war der Sechstagekrieg mit einem ebenso unerwarteten wie überwältigenden Sieg Israels zu Ende gegangen. Der Titel, „Israels Blitzkrieg“ (!), forderte zum unverzüglichen Erwerb auf. Ich betrat die Buchhandlung, entrichtete 10 Euro (ca. 20 D-Mark) für das Heft, das seinerzeit 1,50 DM gekostet hatte, und las die Titelgeschichte noch am selben Abend durch, ebenso wie den erquickenden Kommentar „Israel soll leben“ aus der Feder Rudolf Augsteins, eines der schönsten zionistischen Dokumente seit der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Anschließend schrieb ich eine detaillierte Rezension.

Um es kurz zu machen: Das Heft war jeden Cent wert. Ich schaue es mir immer wieder gern an, wenn ich in diesen Tagen – nicht nur im SPIEGEL, sondern überall – vom „palästinensischen Westjordanland“ und vom „palästinensischen Ostjerusalem“ lese. Denn weder in der siebenseitigen Coverstory noch in Augsteins flammendem Appell an Deutschland und den Westen, an der Seite Israels zu stehen und jedem, der „dem Staat Israel die Existenz bestreitet“, die Entwicklungshilfe zu streichen, tauchen die Begriffe „Palästinenser“ oder „palästinensisch“ auch nur ein einziges Mal auf, obwohl die PLO damals bereits seit drei Jahren ihr terroristisches Unwesen trieb, also „Palästina befreien“ wollte, ohne dass Gazastreifen und Westbank israelisch besetzt gewesen wären.

Besetzt waren diese Gebiete gleichwohl – Gaza von Ägypten, die Westbank und Ostjerusalem von Jordanien. Entsprechend ist im SPIEGEL anno 1967 von „Westjordanien“ (heute: „palästinensisches Land“) die Rede, wird die Bedrohung Israels durch Nassers Ägypten, Syrien und Jordanien sowie die militärische Entwicklung des jüngsten Waffengangs analysiert und auch die unselige Rolle der Supermacht Sowjetunion angesprochen, über „Palästina“ jedoch, wie gesagt, kein Wort verloren.

Heute allerdings ist alle Welt – mit Ausnahme der Amerikaner, der Tschechen und einiger sympathischer Südseeinsulaner – davon überzeugt, dass die Palästinenser einen legitimen Anspruch auf jeden Quadratmeter der Westbank inklusive Ostjerusalems haben, und eine israelische Bebauung karstiger Hügel zwischen Jerusalem und Ma´ale Adumim wird als „tödlicher Schlag für den Friedensprozess“ gewertet, während die Hamas weiter fröhlich zur Vernichtung Israels aufruft, palästinensische Kinder zum Hass auf Israel erzogen werden und selbst die sogenannten „moderaten“ Vertreter der Fatah, sofern sie zu ihren eigenen Leuten sprechen und nicht westlichen Reportern die Hucke voll lügen, keinen Hehl daraus machen, weiterhin Ansprüche auf „ganz Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer“ aufrechtzuerhalten, ganz so, wie es schon vor 1967 war.

Aber um „Landraub“ beklagen zu können, muss einem das, was angeblich gestohlen wurde, erst einmal gehört haben. Dies ist eindeutig nicht der Fall, da auf das britische Mandat die Eroberung und die (international nicht anerkannte) Annexion durch Transjordanien gefolgt waren. Insofern handelt es sich in der Tat um „umstrittene“, nicht um „besetzte“ Gebiete, und daher ist der Ausbau von Siedlungen, die ohnehin bei Israel verbleiben werden, auch keineswegs ein „illegaler Akt“.

DER SPIEGEL Nr. 25/1967 weiß dementsprechend nichts von einer „Besetzung palästinensischen Landes“ zu berichten; wohl aber vom Versuch dreier arabischer Staaten, Israel den Garaus zu machen. Nun sei den Aggressoren aber gründlich „aufs Haupt geschlagen“ worden, die Israelis, so Augstein, „nur dank ihrer Bravour einer Katastrophe entgangen“. Daran seien jene erinnert, die heute von „widerrechtlich besetztem palästinensischen Land“ schwadronieren.

Warum die offiziell verkündeten, rückwirkenden Ansprüche der Palästinenser – übrigens exakt dieselbe „Verhandlungs“-Position wie vor fünf, zehn, fünfzehn, ja zwanzig Jahren bei der Aufnahme des sogenannten „Friedensprozesses“ – sakrosankt sein sollten, erschließt sich vor diesem Hintergrund nicht. Natürlich darf Mahmoud Abbas die ganze Westbank, Ostjerusalem und das „Rückkehrrecht“ fordern, so wie er auch 100 Milliarden Dollar in kleinen Scheinen oder die erdabgewandte Seite des Mondes fordern darf; nur verdienen diese Forderungen eben keine Unterstützung. Wobei man über den Mond vielleicht mal sprechen sollte.

Was 1967 galt, gilt auch heute noch: Israel ist von Nachbarn umzingelt, die den jüdischen Staat von der Landkarte radiert sehen wollen. Wäre es so, wie allgemein behauptet wird, nämlich dass Israel wirklich den Frieden gewönne, wenn es denn nur alle Gebiete räumte, ließe sich ja über weitere Konzessionen reden; allein: Nach allen Erfahrungen, die Israel mit bisherigen Rückzügen gemacht hat, vom Südlibanon über Teile Judäas & Samarias, dem Gazastreifen und neuerdings auch dem Sinai, kann man allerdings nicht ernsthaft erwarten, dass es auch noch seine Hauptstadt an Fatah und Hamas abtritt. Unmittelbar nach einer Räumung würde in der Altstadt der große Sieg der Araber über Israel gefeiert werden, und keine 24 Stunden später geriete das erste Viertel der Neustadt unter Mörserbeschuss. Daran kann kein Zweifel bestehen; wer das Gegenteil behauptet, hat sich weder mit der Charta der Hamas beschäftigt noch mit offiziellen Verlautbarungen der ach so moderaten Fatah.

Die weltweite Empörung über den geplanten Bau von Häusern in E 1 wäre nur dann zu verstehen, wenn man davon ausgeht, dass Ostjerusalem eines Tages tatsächlich an die palästinensischen Terrorbanden fällt. Dies wird nicht geschehen, selbst zwei Drittel der Anhänger der israelischen Arbeitspartei sind dagegen. Aus gutem Grund. Alles spricht dafür, dass es Hamas und Fatah genau so arg, wenn nicht schlimmer treiben würden als Jordanien zwischen 1948 und 1967; damals waren alle Juden getötet oder vertrieben, Dutzende Synagogen zerstört, der Friedhof auf dem Ölberg geschändet worden; der Zugang zu ihren heiligen Stätten blieb den Juden verwehrt. Auch heute noch wird jeder jüdische Bezug zu Jerusalem von arabischer Seite geleugnet, das ist bestens dokumentiert. Die Vergangenheit, so viel ist sicher, würde sich wiederholen, nicht nur in Jerusalem, sondern überall an den äußerst verwundbaren Grenzen (O-Ton SPIEGEL: „Ein Land mit so ungünstiger Militärgeographie läßt sich nicht defensiv, sondern nur offensiv schützen“). Nur ein Narr kann glauben, dass die Israelis sich das antun.

1967 machte man sich da noch keine Illusionen. Aber die Welt hat ein verdammt schlechtes Gedächtnis.

 

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…und was sie wirklich dabei denken – Teil 2

Vor zweieinhalb Jahren haben wir schon einmal die gebetsmühlenartigen Phrasen „israelkritischer“ Geister dechiffriert. Höchste Zeit, zu aktualisieren.
 
 
 
Die Waffenruhe hält.
Satter Raketenhagel auf Israel. So muss es sein.
 
Im Nahen Osten droht eine Eskalation.
Die Juden könnten zurückschießen.
 
Neue Runde der Gewalt in Nahost!
Klar, dass den Juden irgendwann der Kragen platzen würde. Na, dann mal los!
 
Die Gaza-Offensive wurde doch nur aus wahltaktischen Gründen gestartet.
Das fehlte ja noch, dass ich denen zugestehen würde, irgendwas zu Recht zu unternehmen.
  
Wegen der israelischen Angriffe werden die Leute in Gaza sich nur umso stärker um die Hamas scharen!
Obwohl sie ihnen die Scheiße eingebrockt hat. Na ja.
 
Israel hat natürlich das Recht, sich zu verteidigen…
Aber wehe, sie tun es! Dann zähl’ ich jeden einzelnen Toten in Gaza, mit Genuss…
 
Das Missverhältnis der Opferzahlen ist eklatant!
Die Juden könnten mal eine Weile auf Zivilschutz und Iron Dome verzichten, mir kommen viel zu wenige von denen um.
 
Die Menschen in Gaza haben keine Bunker, in die sie sich flüchten können!
Weil die Hamas keine bauen ließ. Egal, muss nicht jeder wissen.

Israel fliegt schwere Luftangriffe auf Gaza, Hamas antwortet mit Raketenbeschuss.
Zwei mal drei macht vier, widde-widde-witt und drei macht neune, ich mach‘ mir die Welt, widde-widde wie sie mir gefällt…
 
Beide Seiten schießen aufeinander.
Die einen auf Waffendepots, Raketenstellungen und Hamas-Einrichtungen, die anderen auf Städte. Wir wollen das hier aber nicht zu Tode differenzieren. Sie schießen eben beide, aus die Maus. Und Gewalt ist inakzeptabel!
 
Es werden auch Unschuldige getötet!
Hurra! Lässt sich super gegen Israel verwenden.

Gezielte Tötungen verstoßen gegen das Völkerrecht!
Mist, es hat nur einen Hamasführer erwischt.

Der arabische Frühling hat neue Realitäten in der Region geschaffen, auf die sich der Westen einstellen muss.
Mir doch egal, wenn die ins Mittelalter zurückfallen, Hauptsache, es geht den Itzigs an den Kragen. Sollten wir nach Kräften unterstützen.

Es ist die Verzweiflung, die die Menschen Raketen abschießen lässt!
Aber stolz wie Oskar sind sie darauf, das muss man schon sagen.
 
Ein Ende der Gewalt ist das Gebot der Stunde!
Nicht, dass die Hamas noch empfindlich getroffen wird.
 
Das sagen übrigens auch Israelis wie Avi Primor!
Der ideelle Gesamthofjude. Ich liebe ihn.
 
Am Telefon begrüße ich den Nahostexperten Michael Lüders…
Ich würde auch Erich von Däniken als „Wissenschaftler“ begrüßen.

Schlimm, diese Blockade!
Mir doch wurscht, dass da jede Woche Tausende Tonnen Güter über die Grenzübergänge geschafft werden.

Das stand auch in der liberalen Tageszeitung Ha’aretz.
Eher lass ich mir den rechten Arm abhacken als dass ich ein anderes Blatt zitiere.

Wenn Israel so weitermacht, droht ein Flächenbrand!
Ein Evergreen. Hat sich zwar noch nie bewahrheitet, kommt aber immer gut.

Die Wahlen in Israel sind nur formal demokratisch – die israelische Gesellschaft ist es schon lange nicht mehr.
Ich habe einen Liter Klosterfrau Melissengeist intus.
 
Die Hamas ist der Sieger.
Jedenfalls sind Haniye zwei Finger zum Victory-Zeichen geblieben.
 
140 Tote in Gaza!
Und 40.000 Tote in Syrien. Wen interessiert’s?
 
Israel sollte es nicht zu weit treiben.
Der Jude wird frech.
 
Ein Staat Palästina liegt im Interesse Israels.
Gott, was muss ich aufpassen, dass ich mich vor Lachen nicht einnässe.
 
Aber er war es auch, der den Deal möglich machte.
Die Geiselnahme hat sich ausgezahlt. Toller Kerl, dieser Dschabari!
 
Ein Dieter Graumann, ein Zentralrat der Juden hat langsam keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft.
„Juden raus!“ darf man ja so nicht sagen.
 
Ich unterstütze den Boykott israelischer Produkte.
„Kauft nicht bei Juden“ geht leider auch nicht mehr.
 
Abbas’ Antrag auf Anerkennung Palästinas als Staat muss man doch unterstützen!
Osloer Vereinbarungen? Drauf geschissen!
 
Der Friedensprozess muss wieder in Gang kommen.
Die einseitigen Zugeständnisse Israels müssen weitergehen.
 
Israel folgt doch nur wieder dem Racheimpuls.
Ich habe kein Problem damit, die Bekämpfung von Terroristen zum überholten archaischen Ritual umzudeuten.
 
Selbst der Emir von Katar und der türkische Außenminister machen der Hamas ihre Aufwartung.
Na gut, echte Granaten sind das nicht, aber man muss nehmen, was man kriegt.
 
Den Palästinensern sind doch nur 22% des historischen Palästinas geblieben!
Was bitte ist „Jordanien“?
 
Israel schafft einseitig Fakten durch Siedlungen in den besetzten Gebieten!
300 weitere Wohnungen in einem Jerusalemer Stadtteil bereiten mir schlaflose Nächte.
 
In Jerusalem gehen Vertreibung und ethnische Säuberung weiter.
1967 lebten 55.000 Araber dort; heute sind es nur noch 281.000.
 
Nun, es gibt überhaupt gar keinen Grund, in irgendeiner Weise Sympathien für die Hamas zu haben. Aber…
…lieber als dieser Judenstaat ist sie einem doch allemal.
 
Juden siedeln im arabischen Viertel Silwan.
Unglaublich, was man den Palästinensern zumutet.
 
Endlich Waffenstillstand in Gaza!
Jetzt ist Wiederbewaffnung angesagt – und dann kann es wieder losgehen!

 

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Frau Wieczorek-Zeul!

In einem Gastbeitrag für die FAZ plädieren Sie dafür, dass die Bundesregierung den Antrag der Palästinensischen Autonomiebehörde unterstützt, von der UN-Generalversammlung als Staat mit Beobachterstatus anerkannt zu werden.

„Im Interesse Israels Palästina stärken“ – das könnte nur gelingen, wenn diesem „Staat Palästina“ daran gelegen wäre, mit Israel zu einem friedlichen Ausgleich zu kommen. Dies aber ist mitnichten der Fall. Dass Sie sich auf Avi Primor berufen, der das erzählt, was Sie hören wollen, fällt nicht wirklich ins Gewicht, weil dieser Darling der deutschen Medien nicht die Mehrheitsmeinung der Israelis zur Palästinafrage vertritt. Vielleicht sollten Sie einmal jemandem aus jenem Lager zuhören, das aus guten – beziehungsweise tragischen – Gründen längst die Hoffnung aufgegeben hat, mit der Fatah ein tragfähiges Abkommen schließen zu können. Kein Wunder, für die Aufgabe von Gebieten hat Israel bis heute nur Selbstmordattentate und Raketen bekommen.

Sie geben vor, einen „wirklichen Friedensprozess“ zu unterstützen, „der die gesamte palästinensische Bevölkerung umschließt“. Wie aber soll das funktionieren, wo doch 1,5 Millionen Palästinenser in Gaza von der terroristischen Hamas beherrscht werden? Und was veranlasst Sie zu der Annahme, dass Mahmoud Abbas „gestärkt werden“ sollte, wo dieser Mann seit Jahren Verhandlungen mit der israelischen Regierung boykottiert? Hinzu kommt, dass Abbas – der im übrigen die letzten, auch schon mehr als sechs Jahre zurückliegenden Wahlen gegen die Hamas verloren hat und dennoch weiterregiert, als wäre nichts geschehen, also als Vertreter der Palästinenser gar nicht legitimiert ist – keine Gelegenheit verstreichen lässt, den Staat Israel anzuschwärzen, ihm „Massaker“ und ähnliches vorzuwerfen.

Der Mann, den Sie gestärkt sehen wollen, hat die Palästinenser dazu aufgerufen, die Waffen statt aufeinander auf die „israelische Besatzung“ zu richten. Hat den Hamas-Gründer Scheich Yassin als „Märtyrer“ gelobt und Verse aus dem Koran zitiert, in dem Juden als „Weltverderber“ bezeichnet werden. Hat den nach der Entführung Gilad Shalits freigepressten verurteilten Mördern in Ramallah einen festlichen Empfang bereitet, der Anerkennung Israels als jüdischer Staat eine kategorische Absage erteilt und bekräftigt, in einem Staat Palästina keinen einzigen Juden dulden zu wollen – dies zuletzt vor knapp zwei Jahren. Hat die jüdische Verbindung zum Land Israel geleugnet. Hat Ala’a Abu-Dahem, der acht Jeshiwa-Studenten ermordet hatte, und Mohammed Oudeh, der hinter dem Olympia-Massaker von 1972 steckte, und den Hisbollah-Terroristen Imad Mughniyeh als „außergewöhnliche Helden“ und Männer gefeiert, deren „Kampf und Opfer“ beispielhaft seien. Und hat, von der westlichen Presse entweder unbemerkt oder bewusst ignoriert, der jordanischen Tageszeitung Al-Dustour gesagt, gegenwärtig sei er gegen den „bewaffneten Kampf“, weil die Palästinenser nicht stark genug seien, zu einem späteren Zeitpunkt könne sich das aber ändern.

Und diesen Herrn wollen Sie stärken? Nun ja, da Sie einer Partei angehören, die erst kürzlich bekräftigt hat, eine „strategische Partnerschaft“ mit der Fatah zu unterhalten, mag das so sein. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass Menschen, die sich ein bisschen auskennen, Ihnen abkaufen, dass eine Stärkung „Palästinas“ (also der Fatah von Abbas) im Interesse Israels läge. Dort hat man für solch naive Einstellungen nur noch ein bitteres Lächeln übrig, bestenfalls.

Es sollte Ihnen eigentlich zu denken geben, dass vor einigen Tagen Hamas-Chef Khaled Maschaal listig zu Protokoll gegeben hat, auch er würde sich erst einmal mit Gaza, Westbank und Jerusalem zufrieden geben – was das Verhältnis zu Israel beträfe, könne man aber erst danach klären.

Was das bedeutet, dessen ist man sich in Israel, anders als im Willy-Brandt-Haus, bewusst: Krieg. Und noch einer, und noch einer – jedes Mal mit einer für Israel schlechteren Ausgangsposition. Schauen Sie auf die Landkarte, vergegenwärtigen Sie sich die Israel-(und Juden-)Feindlichkeit in der arabischen Welt im allgemeinen und den abgrundtiefen Hass der islamischen Fundamentalisten im besonderen; sehen Sie sich an, wie bereits heute die israelische Bevölkerung im Schatten zehntausender Raketen etwa der Hisbollah lebt. An Israels Grenzen braut sich eine radikale islamistische Ablehnungsfront zusammen, selbst die beiden Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien können jederzeit aufgekündigt werden. Und Mahmoud Abbas schickt sich an, am 65. Jahrestag der Ablehnung des UN-Teilungsplans durch die Araber die Osloer Abkommen endgültig zu beerdigen. Und Sie, Frau Wieczorek-Zeul, schippen noch ein bisschen Sand dazu.

So wird es nicht funktionieren. Palästinensische Eigenstaatlichkeit ist ohne eine Anerkennung Israels nicht zu haben, darauf beharrt Barack Obamas Administration ebenso wie Frau Merkel, und das ist keine „Einseitigkeit“, wie Sie das zu bezeichnen belieben, sondern das berechtigte Pochen auf Einhaltung unterschriebener Abkommen, also eine Selbstverständlichkeit – es sei denn, man ist an einem Nahostfrieden eben nicht interessiert.

Wenn Sie den Palästinensern (und den Israelis) etwas Gutes tun wollen, dann sagen Sie ihnen, dass Deutschland darauf besteht, dass das Prinzip „Land für Frieden“ eingehalten wird. Dies beinhaltet für die palästinensische Seite eine Anerkennung Israels als jüdischer Staat, die Einstellung der antiisraelischen und antijüdischen Agitation in palästinensischen Medien (keine schlechte Idee nach 20 Jahren „Friedensprozess“), die Wiederaufnahme von Verhandlungen, der Verzicht auf ein unrealistisches „Rückkehrrecht“ (= endgültige Vereitelung der Zweistaatenlösung mit demographischen Mitteln) und die Vorbereitung der palästinensischen Bevölkerung auf notwendige territoriale Kompromisse. Ach ja: Wahlen wären auch keine schlechte Idee. Nur diesmal idealerweise mit demokratischen Parteien.

Bis dahin überlassen Sie es bitte den Israelis selbst, zu entscheiden, was in ihrem Interesse liegt.

 

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Am 11.11. hat die Karnevalszeit begonnen. Rein zufällig lief wenig später die israelische Militäroperation „Pillar of Defense“ an, und einige der üblichen Verdächtigen unter den deutschen Narren stiegen sogleich in die Bütt. Hier die Highlights der vergangenen Tage.

 
 
Auf die zitierte Feststellung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, in Israel kämen im Gegensatz zum Gazastreifen Politiker durch Wahl und nicht durch Gewalt an die Macht, hyperventiliert Evelyn Hecht-Galinski in der jungen Welt am 21.11.:

Das ist auch gelogen, die Hamas wurde bekanntlich demokratisch gewählt, was wohl niemand außer Graumann bestreitet. Demgegenüber sind die Wahlen in Israel nur formal demokratisch – die israelische Gesellschaft ist es schon lange nicht mehr.

Zur Erinnerung: Die Hamas, die – ähnlich wie die rivalisierende Fatah – mit der Demokratie so viel zu tun hat wie „die Tochter“ mit einer echten Publizistin, regelte die Machtfrage im Gazastreifen im Jahr 2007 auf arabische Art. Was dieses Gebaren mit der auch in Israel praktizierten westlichen Demokratie zu tun haben soll, bleibt das Geheimnis von Frau Hecht-Galinski. Ebenso wie ihre Behauptung, die Wahlen in Israel seien nur „formal demokratisch“ und „die Gesellschaft schon lange nicht mehr“, sich mit der Tatsache vertragen könnte, dass sich in der Knesseth derzeit Abgeordnete aus 13 (!) Parteien tummeln, darunter auch etliche arabische.

Im selben Paralleluniversum wie EHG dreht Karin Leukefeld ihre Runden. Ungeachtet der selbst von extrem „israelkritischen“ Beobachtern attestierten präzisen und dem Schutz selbst feindlich gesinnter Zivilisten Priorität einräumende Vorgehensweise der IAF gegen Hamas-Ziele schreibt sie, ebenfalls in der jungen Welt, am 24.11.:
 

Die überlebenden Kinder in Gaza haben ihre Eltern und Geschwister, Onkel, Tanten, Freunde vor ihren Augen sterben sehen. Lehrer, Nachbarn, selbst ein Mann, der das Wasser in einen Container bringt, wurde mit seinem Sohn getötet, ihr Zuhause zerstört. Kindergärten und Schulen, Spielplätze, Gesundheitszentren, ihre komplette Nachbarschaft wurde dem Erdboden gleich gemacht.

Was zum Henker raucht Karin Leukefeld?

Vordergründig seriöser kommt da Peter Münch daher, dem ebenfalls keine überbordenden Sympathien für den jüdischen Staat nachgesagt werden können. Wie es sich für einen Besserwisser der Süddeutschen Zeitung gehört, erteilt er der Regierung in Jerusalem am 18.11. Ratschläge, derer sie unbedingt bedarf:
 

Aber Israel wäre gut beraten, diesen Einsatz nicht zu weit zu treiben – weder aus dem Gefühl der eigenen Stärke noch aus Rachsucht heraus. Denn im neuen Umfeld kann heute ein Angriff auf die Hamas plötzlich als Angriff auf die gesamte arabische Welt verstanden werden.

Dies, nachdem er in seinem Artikel die äußerst israelfeindliche islamistische Front von Nordafrika bis Iran geschildert hat, aber das nur am Rande. Nahe liegt in jedem Fall die Frage, ob Israel die vorausgegangenen Angriffe der Hamas in diesem Sinne auch als Angriff der gesamten arabischen Welt zu verstehen hat – und welche Konsequenzen das haben sollte. In jedem Fall muss das Land davor gewarnt werden, es mit seiner Selbstverteidigung zu weit zu treiben, widrigenfalls die arabische Welt Israel, nun: sowieso nicht leiden kann.
 
In der taz bemüht sich Susanne Knaul am 15.11., auch das Positive an einem Terrorfürsten wie al-Dschabari zu sehen:

Man kann Verständnis dafür haben, dass in Israel niemand um Ahmed Al-Dschabari trauert. Der getötete de facto-Armeechef im Gazastreifen lehrte seine Feinde das Gruseln. Fünf Jahre hielt er den israelischen Soldaten Gilad Schalit in seiner Gewalt. Doch er war es schließlich auch, der den Geiselaustausch möglich machte.

Noch einmal: Ein Mann lässt eine Geisel nehmen, hält sie mehr als fünf Jahre lang an einem unbekannten Ort gefangen und lässt sie schließlich frei – weil er dafür 1077 verurteilte Mörder freipressen kann. Nach der Logik der Susanne Knaul ist ihm das irgendwie hoch anzurechnen.
 
Unfassbar, aber es geht noch irrer.

Die Politologin Helga Baumgarten ist seit fast zwei Jahrzehnten Dozentin an der Universität Bir Zeit bei Ramallah. Dort gibt es – richtig geraten! – genau zwei Listen, die Studenten wählen können: den Fatah-Block „Märtyrer Yassir Arafat“ und die Hamas-nahe Liste „Die islamische Befreiung“. Angesichts dieses Umfelds kann es nicht verwundern, dass Frau Baumgarten spätestens hier ein gestörtes Verhältnis zur Realität entwickelt hat. Im Tagesspiegel lässt sie sich am 15.11. wie folgt vernehmen:

Die palästinensische Seite hatte klar signalisiert, dass sie zu einem Waffenstillstand bereit ist. Die israelische Reaktion darauf war die sogenannte gezielte Tötung – im normalen Sprachgebrauch nennt man das Mord – des militärischen Führers der Hamas.

 
Israel eliminiert einen Raketenschmuggler und Geiselnehmer, und die Reaktion einer deutschen Politikwissenschaftlerin fällt in die Kategorie Imbezillität – im normalen Sprachgebrauch nennt man das Schwachsinn.
 
Auf Spiegel online hat auch Ulrike Putz am 17.11. einen guten Rat für Bibi Netanyahu parat: Er solle die Operation abbrechen und zu Hause als Sieg verkaufen. Allerdings, so die in Beirut wohnhafte Korrespondentin, muss er dafür den Hamas einen klitzekleinen Gefallen tun:
 

Im Gespräch ist die permanente Öffnung der ägyptischen Grenze zum Gaza-Streifen für Güter und Waren. Dies würde die Blockade des Gaza-Streifens seitens Israel, das bislang allen Warenverkehr in das Gebiet kontrolliert, de facto beenden.
Israel verlöre so zwar die Kontrolle über die Ein- und Ausfuhr, würde aber langfristig profitieren. Denn wenn der ungehinderte Warenfluss im Gaza-Streifen künftig ein Wirtschaftsleben garantieren würde, könnte sich das Leben dort normalisieren. Und Menschen, die ein halbwegs normales Leben führen können, sind weniger radikal und willens, Raketen auf ihre Nachbarn zu schießen.

In den Gazastreifen führte die Hamas bisher heimlich – durch zahllose Tunnel – Raketen ein, darunter auch solche iranischer Bauart, die bis Tel Aviv und Jerusalem reichen, aber, noch einmal: Israel sollte die Kontrolle über die Ein- und Ausfuhr ganz aufgeben. Denn wenn es den Palästinensern in Gaza gut geht, so glaubt Lieschen Müller Ulrike Putz, und sie satt und glücklich sind, hat die Hamas die Juden lieb, egal was in ihrem Programm steht, egal was ihre Führer jeden Tag öffentlich verkünden, und egal, wie viele Raketen sie noch abschießen werden. Denn Radikalität hat immer rationale Ursachen, nie und nimmer die Erziehung zum Hass schon von Kindesbeinen an in einer Gesellschaft, die von klerikalfaschistischen Gruppen geprägt wird.
 
Zum Abschluss lassen wir noch Herrn Michael Lüders zu Wort kommen, der es – wie auch immer – geschafft hat, in diesem Land seit Jahren unter der Bezeichnung „Nahostexperte“ herumgereicht zu werden und der insbesondere im Deutschlandradio als gefragter Märchenerzähler in Erscheinung zu treten pflegt.
 

Nun, es gibt überhaupt gar keinen Grund, in irgendeiner Weise Sympathien für die Hamas zu haben. Aber…

 
sagt er dortselbst am 15.11.und
 

Natürlich sind solche Raketenangriffe völlig inakzeptabel und natürlich hat Israel das Recht, sich dagegen zu verteidigen. Aber…

 
im Deutschlandradio-Interview am 21.11. Das soll genügen, denn klar ist: Israel hat das Recht, sich zu verteidigen – bis es dieses Recht anwendet.

Die Schlusspointe gehört allerdings Focus online, sie datiert vom 22.11. und fasst den grassierenden Wahnsinn in einem Satz ultimativ zusammen:

Weiter Raketen auf Israel, aber Waffenruhe hält vorerst

Merke: Gewalt gegen Juden ist normal – erst, wenn sie zurückschlagen, beginnt ein verhängnisvoller „Kreislauf der Gewalt“. Tolle Tage für deutsche Nahostexperten.

 


 

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