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Archive for the ‘Ehemalige Blockadekräfte’ Category

Anmerkungen zu nicht lange zurückliegenden, gegenwärtigen oder in naher Zukunft dräuenden Ereignissen sowie Personen, ohne die diese Welt reicher wäre.

A wie Antizionisten

Nach dem überwältigenden Propagandaerfolg des Mavi-Marmara-Zwischenfalls wollen die „Aktivisten“ es noch einmal wissen. Im Mai soll eine weitere Flottille von 15 Schiffen zwar nicht den Palästinensern helfen, aber doch den Israelis schaden. Da auch im Licht ganz anderer Erkenntnisse trübe Gestalten an ihrer grotesken Darstellung der Ereignisse an Bord festhalten, ist eine Neuauflage der dreisten Inszenierung so gut wie sicher.

B wie Boykotteure

Trotz des aufopferungsvollen Einsatzes von Bremer Friedensfreunden, welche die gute alte deutsche Tradition des „Kauft nicht bei Juden“ wiederbeleben wollten, habe ich gestern auf dem Wochenmarkt schon wieder Datteln und Clementinen aus Israel gesehen. Am Stand eines Türken! Auf die Volksgenossen ist offenbar genauso wenig verlass wie auf Bürger mit Migrationshintergrund. Ein idealer Aufhänger für den nächsten „Kommentar des Monats“. Melzer, übernehmen Sie!

C wie Coalition of the Willing

Anzahl von Staaten, die dem Diktator Gaddafi beim Versuch in den Arm fallen, aufständische Bürger wie tolle Hunde zu erschlagen. Wir Deutschen machen da nicht mit. Wir sind für die Maus, aber auch für die Katze.

D wie Dilemma

Israel will den Frieden, die Hamas ist scharf auf Krieg. Was tun, wenn man sich auf einen „Friedensprozess“ eingelassen hat, aber naturgemäß mehr zur anderen Seite neigt? Einerseits möchte die Fatah ja ein bisschen Frieden, um Verhandlungspartner, Vermittler und Sponsoren bei Laune zu halten, andererseits aber auch ein bisschen Terror, damit man der eigenen, entgegen weit verbreiteter Meinung noch immer nicht geänderten Charta nicht untreu wird und vor den arabischen Brüdern nicht als Verräter dasteht. Wie der kostbare Zwischenzustand zu erhalten ist, wird Mahmud Abbas beim nächsten Raïsparteitag dringend thematisieren müssen.

E wie Eichmann

Vor ziemlich genau 50 Jahren in Jerusalem angeklagter Nazi-Kriegsverbrecher, der als Organisator des Massenmords an den europäischen Juden unermüdlich und kreativ war, sich aber am Ende hängen ließ. Zum Jahrestag des Eichmann-Prozesses werden diverse TV-Dokumentationen ausgestrahlt.

F wie Fogel

Siedlerfamilie, die von einem palästinensischen Freiheitskämpfer im Schlaf getötet wurde. Da sich noch niemand persönlich zu diesem heroischen Akt bekannt hat, konnte noch keine Straße nach ihm benannt werden.

G wie Goldstone

Richter, der sein harsches Urteil fällte, nachdem er den Anklägern sein Ohr geliehen hatte. Jetzt hat er eingesehen, dass der Angeklagte weitaus glaubwürdiger war, was diesem allerdings, da längst verurteilt, nichts mehr nützt. Neben den Verleumdern steht jetzt immerhin auch der ehrenwerte Mr. Goldstone ohne Hemd und Hose da, von einem Verleger in Neu-Isenburg ganz zu schweigen, dem der „Report“ gleichsam als Bibel galt. Tja.

H wie Hamas

Juristische Expertengruppe mit Schwerpunkt Internationales Recht.

I wie Intifada-Seite

Auf Facebook gelöscht, weil sich ein Herr Edelstein bei einem Herrn Zuckerberg beschwert hatte. Darf man jetzt schon nicht mehr zur Gewalt aufrufen, nur weil es Juden nicht passt? Gemein!

J wie Jerusalem

10.000 Läufer hecheln durch eine Stadt. So what, könnte man sagen. Allein, wenn die Stadt Jerusalem heißt, bleiben Ärger und Proteste natürlich nicht aus. Da sollte die Strecke doch tatsächlich auch durch arabische Stadtteile führen. Unerhört!

K wie Klageweib

Seit dem tragischen Zerwürfnis zwischen Evelyn Hecht-Galinski und dem Betreiber der Plattform für die publizistischen Ergüsse der „Tochter“ hat sich Abraham Melzer das Narrengewand übergeworfen.

Inhaltlich und stilistisch ist das Ergebnis so armselig, dass der Wechsel dem uneingeweihten Betrachter gar nicht auffallen dürfte.

L wie Lachnummer

Neulich im Deutschlandfunk. Frage der Moderatorin: „Was bekommen denn die Menschen in Tripolis von den Bombardierungen mit?“ – Korrespondent: „Nun, sie haben die Möglichkeit, sich über die staatlichen Rundfunksender zu informieren…“

M wie Mentalist

Ein palästinensischer Ingenieur verschwindet in der Ukraine aus einem Zug – und taucht in einem Knast in Israel wieder auf.

(Palästina-Portal)
Dabei ist der Mann doch nur ein Ingenieur, wirklich! Wie dieser hier.

N wie Naqba-Ausstellung

Ausgefallene Darstellung eines tragischen Ereignisses. Weil 1948 aus der Auslöschung der Juden (Azzam Pascha, 1. Generalsekretär der Arabischen Liga: „Dies wird ein Krieg der Vernichtung [gemeint: der Juden] und ein gewaltiges Massaker, von dem man einmal in derselben Weise wie von den Massakern der Mongolen und den Kreuzzügen sprechen wird“) nichts wurde und stattdessen die Angreifer zu großen Teilen ihre Heimat verloren, muss diese historische Ungerechtigkeit in jeder größeren Stadt bejammert werden. Ersatzweise wird ein Wehklagen angestimmt, wenn ein OB eine derartige Obszönität in öffentlichen Räumen untersagt.

O wie Opfer, zivile

Seltsam, dass die Franzosen Ende August 1944 so euphorisch die Befreiung von Paris feierten – immerhin waren bei den Kämpfen in der Normandie rund 20.000 unschuldige Bürger umgekommen. Wie auch immer: In Libyen oder Afghanistan sind zivile Opfer unter allen Umständen zu vermeiden, weshalb sich die NATO aus diesen Ländern zurückzuziehen hat, nach unserer Kenntnis sofort, unverzüglich. Es wird danach zwar erst recht zivile Opfer geben, aber die gehen dann nicht auf das Konto des Westens. Näheres erklärt Guido Westerwelle.

P wie Palästina-Portal

Überflüssigste Kreation seit der Erfindung der Gesichtswurst, und noch deutlich unappetitlicher als diese. Aber wen wunderts? Wenn in Deutschland ein erfolgloser Künstler die Politik für sich entdeckt, besteht grundsätzlich Anlass zur Beunruhigung.

Q wie Qassam

Explosiver Ausdruck des Bedürfnisses palästinensischer Dschihadisten, Juden zu piesacken.
Die Krone der Militärtechnik ist das Geschoss nicht, deshalb bemüht man sich um die Einfuhr von größeren Kalibern, etwa Grad-Raketen, mit denen sich auch weiter entfernt liegende Städte beschießen lassen. So lange man nicht aus den Hügeln Samarias in den Großraum Tel Aviv hineinfeuern kann, muss man nehmen, was man hat. Apropos.

R wie Raketenbeschuss

Bestandteil des arabischen Zermürbungskrieges gegen Israel, der international nicht geahndet wird, den jüdischen Staat aber nicht zur Ruhe kommen lässt und im günstigsten Fall zu einer Militäroperation provoziert, womit die internationale Aufmerksamkeit wieder geweckt wird.

S wie Staatsgründung

Die palästinensische Autonomiebehörde strebt die staatliche Unabhängigkeit ohne lästige Verpflichtung zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts an und bemüht sich um die Akzeptanz der Staatengemeinschaft für diese alle bisherigen Abmachungen Hohn sprechende Maßnahme. Es wird interessant sein, zu beobachten, welche Länder ihr Desinteresse an einer friedlichen Lösung des Nahost-Konflikts endlich offen zeigen. Brasilien, Argentinien und Uruguay haben sich schon geoutet, Kolumbien hingegen hält offenbar am Land-für-Frieden-Prinzip fest. Buh-Rufe von der Westbank.

T wie Twitter

Online-Plattform zur raschen Verbreitung von Kurznachrichten, greift gravierend und in geradezu unzumutbarer Weise in die Arbeitsabläufe von Journalisten alten Schlages ein.
Diese nämlich sind ernsthaftes, gründliches, kenntnisreiches Arbeiten gewohnt, es handelt sich um erstklassige Rechercheure, die nicht mit neumodischem Schnickschnack behelligt werden wollen. Nur die Besten machen irgendwas mit Medien, weshalb die Reportergranate Robert Hetkämper aus Japan berichtet und Ulrike Putz auf dem Balkon ihrer Beiruter Wohnung sitzend die Lage in Bengasi beschreibt.

U wie Unruhen

Gegenwärtige Zustände in der arabischen Welt von Tunis über Kairo und Damaskus bis Sana´a. Es scheint so, als seien die Menschen dort mit ihren Regierungen unzufrieden. Dabei dachten wir immer, sie wachten morgens mit dem Gedanken an den israelisch-palästinensischen Konflikt auf und gingen abends mit dem Gedanken an den israelisch-palästinensischen Konflikt schlafen. Jedenfalls hat man uns doch immer erzählt, alles werde gut, wenn nur endlich „der Nahost-Konflikt“ gelöst würde. Sollte es etwa mehrere geben?

V wie Verkehrschaos

Kann sich jemand vorstellen, dass die Jaffa Road in Jerusalem, seit Jahrzehnten eine lärmende, dieselverpestete, von heruntergekommenen Läden gesäumte Hauptverkehrsader, schon bald eine aufgeräumte Straße sein wird, durch die silbrig glänzende Trams schnurren? Ich noch nicht.

W wie Waffenstillstand

Von palästinensischen Extremisten hin und wieder verkündete Absicht, eine kurze Zeit auf Terror gegen israelische Zivilisten zu verzichten, während der „bewaffnete Arm“ eine Rakete nach der anderen abschießt. Eher gibt Helmut Schmidt das Rauchen auf als dass Banden wie Hamas und Islamischer Dschihad wahrhaftig dem Terror entsagen, aber aus der taz wird man das nicht erfahren.

X wie Xenophobie

In Sharm el-Sheik kann man einem Juden vor laufender Kamera ja mal die Hand drücken, aber was man wirklich denkt, das sagt man dem eigenen Volk.

Y wie Yehuda

Yehuda Avners 730-Seiten-Wälzer „The Prime Ministers. An Intimate Narrative of Israeli Leadership“ beschreibt ebenso kenntnis- wie anekdotenreich israelische Politik der letzten Jahrzehnte und ihre Protagonisten. Das macht einen schon wehmütig. Premiers wie Begin und Golda hätten auf Terror, Raketenbeschuss, Vernichtungsdrohungen und die internationale Verleumdungs- und Delegitimierungskampagne in Politik und Medien entschlossener agiert als etwa ein Olmert, und dem Land wohl einiges erspart. Sehr zur Lektüre im Original empfohlen, denn in deutscher Übersetzung dürfte es kaum erscheinen.

Z wie Zeugen, glaubwürdige

Noam Chomsky, Sümeyye Ertekin, Norman Finkelstein, Neve Gordon, Glenn Greenwald, Arun Gupta, Amira Hass, Henning Mankell, Paul Larudee, Gideon Levy, Lubna Masarwa, Ken O’Keefe, Daniel Luban, Kevin Ovenden, Ilan Pappé, Henry Siegman, Ahdaf Soueif, Richard Tillinghast, Alice Walker, Stephen M. Walt, Philip Weiss, Norman Paech, Haneen Zoabi. Wer seine längst widerlegten Märchen aus 1001 Propagandanacht bedenkenlos von einem Ex-Terroristen verlegen lässt (siehe A), und zwar in der Sachbuch- statt in der Fiction-Abteilung, wäre bei jedem anderen Thema längst draußen. Nicht aber bei diesem. Schön für die üblichen Verdächtigen, ein Elend für alle anderen.

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Eine ganz kurze Geschichte der palästinensischen Demokratie

Von erklärten Feinden Israels, aber auch von anderen, wird immer wieder behauptet, die Hamas sei „demokratisch gewählt“ und daher ein zumutbarer Gesprächspartner für Israel – ungeachtet der Tatsache, dass sie selbst keinerlei Interesse an Gesprächen hat, im Gegenteil weiter am Ziel der Endlösung des Palästinakonflikts durch die Zerstörung des jüdischen Staates festhält. Die Charta der Organisation sagt das in aller Deutlichkeit, ja sie erklärt die Juden schlechthin zu Feinden Gottes und der Menschheit und ruft dazu auf, sie alle zu töten. Während manche Journalisten schon von einer „indirekten Anerkennung Israels“ schwadronierten, lassen ranghohe Hamas-Vertreter weiterhin keine Gelegenheit aus, ihr festgeschriebenes Ziel zu bekräftigen.

Die meisten Leser dieses Blogs müssen wir über den Charakter der Hamas nicht aufklären. Ein Blick in dieses Video mag genügen, um einen Eindruck davon zu vermitteln, mit wem wir es hier zu tun haben.

Was aber hat es mit der demokratischen Legitimation auf sich? Hier schauen wir ein wenig zurück und vollziehen mit groben Strichen die Entwicklung der palästinensischen „Demokratie“ nach. Pointiert könnte man sagen: Die Palästinenser hatten zweimal Wahlen, aber bisher keine Wahl.

Zur Erinnerung: 1994 wird die Palästinensische Autonomiebehörde eingerichtet. Yassir Arafats Fatah ist von Israel als Vertreter der Palästinenser akzeptiert worden, weil sie offiziell dem Terror abgeschworen hat – auch wenn dies ein Lippenbekenntnis bleiben soll. Offiziell jedenfalls ist Arafat, der jahrelang im tunesischen Exil geschmort hatte und längst keine Rolle mehr spielte, auf den Friedenszug gesprungen. Um seiner anbrechenden Herrschaft im Westjordanland und dem Gazastreifen einen Anstrich von Legitimation zu verschaffen, werden 1994 Wahlen abgehalten – mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass keine demokratischen Parteien zur Wahl stehen. Die Hamas nimmt nicht teil. Arafat tritt als Präsidentschaftsbewerber an, die Gegenkandidatin hört auf den Namen Samiha Khalil („Umm Khalil“), sie hat zu diesem Zeitpunkt längst ihr 80. Lebensjahr vollendet.

Gerüchten zufolge sind die Kugelschreiber in den Wahlkabinen so kurz angebunden, dass man nur die Partei ganz oben auf dem Wahlzettel ankreuzen kann. Wie auch immer: „Umm Khalil“ kommt auf 9,62 Prozent der abgegebenen Stimmen und darf sich nun weiter um ihre 13 Enkel kümmern, Arafat holt 87,1 Prozent.

Einmal gewählt, sieht der Palästinenser-„Präsident“ keinen Grund mehr, noch einmal zum Urnengang aufrufen zu lassen. Als Arafat 2004 das Zeitliche segnet, folgt ihm Mahmud Abbas („Abu Mazen“) im Amt des PLO-Vorsitzenden nach. Inzwischen sind seit der ersten Wahl geschlagene neun Jahre vergangen. Abbas tritt zur Präsidentschaftswahl gegen Mustafa Barghouti an und fährt 62,3 Prozent Zustimmung ein. Parlamentswahlen werden für den Januar 2006 anberaumt. Diesmal fordert die Hamas die Fatah heraus – und holt 74 Parlamentssitze, die Fatah muss sich mit 45 Sitzen bescheiden. „Der dritte Weg“ des gemäßigten Salam Fayad und der als gemäßigt geltenden Hanan Ashrawi, unlängst von einem berühmten Musiker als glorreiches Beispiel für die Vielfalt der palästinensischen Parteienlandschaft gepriesen, gewinnt 2,4 (in Worten: zwei-komma-vier) Prozent der Stimmen. Noch einmal: Die einzige Liste, die sich keinen (Heiligen) Krieg gegen Israel auf die Fahnen geschrieben hat, kommt auf 2,4 Prozent – was allerdings in einer Gesellschaft nicht verwundern kann, die nach Umfragen mit Mehrheiten von bisweilen 80 Prozent Selbstmordattentate in Israel begrüßt.

Hinzu kommt: Der Hobbynahostexperte muss sich von der Vorstellung verabschieden, der „Wahlkampf“ in den Autonomiegebieten könnte irgend etwas mit den Gepflogenheiten in westlichen Demokratien zu tun haben; eher schon ist er mit der Atmosphäre vergleichbar, welche zwischen den Familien Corleone und Tattaglia in „Der Pate“ herrscht. In einem revolutionären Klima, in dem „Kollaborateure“ ohne viel Federlesens auf offener Straße gelyncht oder mit dem Segen des Präsidenten öffentlich füsiliert werden, ist kaum zu erwarten, dass sich gemäßigte Stimmen Gehör verschaffen können.

Doch zurück zum Ergebnis der Parlamentswahlen im Januar 2006: Die Fatah ist abgewählt. Und wenn eine Terrororganisation, die in den von ihr verwalteten Gebieten genau so herrschte, wie man das von ihr aus leidvoller Erfahrung heraus erwarten musste, die Macht abgeben soll an eine Partei, die mit Demokratie und Menschenrechten noch weniger am Hut hat als sie selbst, folgt unweigerlich das, was folgen muss: Im Gazastreifen, wo sich die Hamas stark genug für die gewaltsame Machtübernahme fühlt, liefern sich die rivalisierenden Palästinenserorganisationen heftige Gefechte; binnen einer Woche (7.–15. Juni 2007) kostet der Machtkampf mindestens 118 Menschenleben, 550 weitere werden verwundet.

Die islamische Terrorbande setzt sich durch, die Fatah wird aus dem Gazastreifen vertrieben; einige ihrer Kämpfer flüchten sich auf israelisches Territorium. Seitdem sind Gazastreifen („Hamastan“) und Westbank („Fatahstan“) zwei unabhängig voneinander existierende Gebilde. Abbas, per Dekret weiter in Fatahstan regierend, hat erst für Januar 2010 Wahlen anberaumt, dann aber nach Landessitte auf unbestimmte Zeit verschoben, während Ministerpräsident Haniya (Hamas) Abu Mazens Autorität ohnehin nicht anerkennt und stattdessen seine Macht im Gazastreifen festigt. Dort, man muss es noch einmal betonen, ist die Fatah seit nunmehr drei Jahren nicht mehr präsent, und wer glaubt, die Hamas denke daran, demnächst, irgendwann oder auch nur in ferner Zukunft noch einmal Wahlen zuzulassen, hat weder Ahnung von der arabischen Welt im allgemeinen (geschweige denn von der Hamas im besonderen), noch hat er im Geschichtsunterricht aufgepasst. Dass eine totalitäre Organisation (vulgo: Terrorbande), die durch „freie Wahlen“ an die Macht gekommen ist, diese freiwillig nicht mehr hergibt, sollte jedenfalls „gerade uns Deutschen“ bekannt vorkommen. Dies gilt in diesem Fall sowohl für die Hamas als auch für Abu Mazens Fatah, gelte sie nun als kleineres Übel oder nicht.

Der arabische Journalist Khaled Abu Toameh brachte das Dilemma der Palästinenser in einem bemerkenswerten Artikel auf den Punkt:

The fight between Hamas and Fatah is not a power struggle between good guys and bad guys: it is a rivalry between bad guys and bad guys.

Und das heißt: Aussicht auf Frieden besteht erst, wenn die Palästinenser sich von Fatah und Hamas befreien – oder befreit werden. Es sei denn, die beiden Organisationen würden sich fundamental ändern. Jemand da draußen, der daran glaubt?

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Aus aktuellem Anlass sei an diesen zwei Jahre alten, sensationellen SoE-Beitrag erinnert.

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Jede Zeit hat ihre Hofjuden. Beispiel gefällig?

Als Bürger… jüdischer Herkunft erheben wir unsere Stimme, um feierlich die Aggression zu verurteilen, der sich die herrschenden Kreise Israels gegen die arabischen Nachbarstaaten schuldig gemacht haben. Wir fühlen uns berechtigt und verpflichtet, unsere Stimme zu erheben…

Kleiner Tipp: Es ist nicht die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden“ um das Ehepaar Bernstein. Doch hören wir weiter zu:

Sympathien, die in der Welt durch den Hitlerfaschismus und Antisemitismus geschundenen Juden entgegengebracht werden, sollen zur Tarnung imperialistischer interessen mißbraucht werden.

Das hört sich nun wiederum ganz nach einer feierlichen Erklärung von Felicia Langer an. Oder doch nicht?

Es liegt uns am Herzen, vor der Fortsetzung der Politik der israelischen Regierung zu warnen, zu warnen vor der herausfordernden Haltung des Eroberers… Wir sind in tiefer Sorge um das Schicksal der Bevölkerung Israels, unter der wir zahlreiche Freunde und Verwandte besitzen. Die imperialistische Politik richtet sich gegen deren Interessen, und sie selbst sind Opfer dieser Politik.

Könnte doch Langer sein. Oder Hecht-Galinski?

Es ist die Politik der Aggression, welche die Existenz Israels aufs Spiel setzt und das Leben all seiner Bürger aufs schwerste gefährdet. Wer auf der Insel lebt, sollte sich das Meer nicht zum Feind machen! Frieden im Vorderen Orient wird es nur geben, wenn die Regierung Israels ihre imperialistische Politik aufgibt und endlich zu einer Politik der guten Nachbarschaft und der Achtung der Interessen der arabischen Völker findet.

So, genug gerätselt, Zeit für die Auflösung: Es handelt sich um eine „Erklärung jüdischer Bürger der DDR“, erschienen in der Neuen Zeit, einem Organ der christdemokratischen Blockflöten, am 11. Juni 1967, als sich der Rauch über den Schlachtfeldern des Sechstagekrieges noch nicht verzogen hatte. Und als den meisten Menschen noch die Ohren klingelten von den Kriegstrommeln, die in Ägypten und Syrien gerührt worden waren, und man die Sperrung der Meerenge von Tiran, den Rauswurf der UN-Truppen aus dem Sinai und den Aufmarsch der ägyptischen Streitkräfte an Israels Grenze noch recht deutlich vor Augen hatte.

Nicht so Prof. Frankenstein (!), die Professoren Grundig und Kahn sowie ein gutes halbes Dutzend weiterer, meist promovierter DDR-Bürger. Sie waren ganz auf Linie, und das kam im Neuen Deutschland sehr schön zum Ausdruck: „Die VAR und die anderen arabischen Länder wollten keinen Krieg“, hatte Lothar Killmer einen Tag zuvor im ND wissen lassen, geflissentlich die Tatsache ignorierend, dass Nasser noch kurz zuvor getönt hatte, der Krieg sei nur noch eine Frage von Stunden. „Gewiss hatten sie angesichts der israelischen Drohungen bestimmte Verteidigungsvorkehrungen eingeleitet. Dennoch hat sie der erste Schlag des Aggressors in einem gewissen Maße überrascht.“ Nun ja. „Was bleibt, ist die bittere Lehre, daß man die Gefährlichkeit und Heimtücke imperialistischer Aggressoren gar nicht ernst genug nehmen kann.“

Killmers Schmerz angesichts der israelischen Chuzpe, zuerst gezogen zu haben, wurde vom ND-Kommentar am 19. Juni geteilt:
„Dann überfiel Israel mitten im Frieden seine arabischen Nachbarn“, hieß es tatsächlich, und man ist geneigt, diese Art der doch recht eigenwilligen Realitätswahrnehmung als eine Grundkonstante im unseligen Wirken der antizionistischen Internationale zu betrachten.

Es ging und geht um nackte imperialistische Aggression, um das Ziel, den arabischen Völkern erneut ein ausländisches Kolonialregime aufzuzwingen.

Und dieser Satz hätte zweifellos auch aus der Feder Felicia Langers stammen können. Tatsächlich lag sie damals ja auch haargenau auf derselben Linie, kein Wunder, dass die israelische KP für den Arbeiter- und Mauernstaat das gute und akzeptable Israel darstellte, ganz so wie Uri Avnery und sein trauriger Haufen vom Gush Shalom die guten Juden von heute abgeben, doch wegen dieser lumpigen zehn Gerechten würde Ahmadinedschad vermutlich nicht darauf verzichten, den Großraum Tel Aviv mit A-Waffen unter Beschuss zu nehmen.

Man sieht, im Verdrehen von Tatsachen und in der Verharmlosung von arabischen Kriegsdrohungen hat man in den einschlägigen Kreisen Übung, folgerichtig ist auch die Rhetorik der Wiedergänger der DDR-Hofjuden von der damaligen nicht zu unterscheiden:

„Es (Israel, C.C.) entfesselte einen barbarischen Ausrottungsterror gegen die arabische Bevölkerung in den eroberten Gebieten. Brutal proklamierte die Regierung in Tel Aviv, sie wolle und werde ihre Eroberungen festhalten – sozusagen ein Protektorat Sinai und ein Generalgouvernement Jordanien“, schrieb das ND, das, so wie Evelyn Hecht-Galinski heute, eine Schwäche für Nazi-Analogien hatte. „Physische Ausrottung der Palästinenser“, „Eskalation“, „Ghetto“, „Endlösung der Palästinafrage“, „Völkermord“ und „zionistische Mörderbanden“ – das ist der übliche Auswurf des extremistischen „Muslim-Markts“, des hirnlosen „Palestinian Think Tanks“ und des noch dämlicheren „Palästina-Portals“, aber auch schon am 15. Juni 1982 von einem gewissen W.M. im Neuen Deutschland aufgefahren, der „mehr denn je: Feste Solidarität mit Palästinas Volk!“ proklamierte, denn Mitte Juni 1982, im Libanon-Krieg, hatte man längst das palästinensische Volk entdeckt, von dem anno 1967 noch keine Rede gewesen war, auch im ND nicht.

„Sie zögern vor keinem Verbrechen, sind entschlossen zur physischen Ausrottung des palästinensischen Volkes, wie die Mordaktionen gegen Palästinenser in aller Welt und der Bombenterror gegen wehrlose Frauen und Kinder beweisen“, behauptete das ND am 8. Juni 1982, als Israel in den Libanon einmarschiert war, dergestalt bestätigend, was schon die NZ am 10.6.67 festgestellt hatte: dass das Land „immer wieder den Frieden der arabischen Staaten störte“, schließlich lebten im Libanon des Jahres 1982 Sunniten und Schiiten, Drusen, Falangisten und Palästinenser in friedlicher Eintracht nebeneinander, rauchten Wasserpfeife und teilten brüderlich ihre Pita. So wie Ägypten im Sommer 1967 auch keine Giftgasgranaten im Jemen eingesetzt sondern eimerweise Süßigkeiten und Luftballons verteilt hatte. Allein die Juden störten diese nahöstliche Idylle: „Niemand kann an der Tatsache vorbei, daß die Machthaber Israels das Land zu einem ständigen Kriegsherd und einer potentiellen Gefahr für den Frieden und die Sicherheit nicht nur im Nahen Osten gemacht haben.“ (ND, 8.6.1982)

So wie man unbekümmert die einzige Demokratie des Nahen Ostens als permanenten Unruheherd und Kriegstreiber verleumdete und die aggressiven Diktaturen der Region zu Unschuldslämmern ummodelte, die „mitten im Frieden“ überfallen wurden, machen es heute Hecht-Galinski, Moskovitz, Melzer und Langer: Sie schweigen zur Aggression von Hisbollah und Hamas und geraten erst dann in Wallung, wenn Israel – wie im Libanon 2006, wie in Gaza 2008/2009 – zurückschlägt. Dann werden die Raketenschützen und Kidnapper im Handumdrehen zu Opfern von Aggressoren, denen es in den Arm zu fallen gelte.

Auch bei der Praxis der dreisten Täter-Opfer-Umkehr greifen die „Israelkritiker“ von heute auf Altbewährtes zurück. Man mag es nicht für möglich halten, aber der journalistische Arm des SED-Regimes schaffte es sogar, den Yom-Kippur-Krieg dem jüdischen Staat in die Schuhe zu schieben.

Schwere Angriffe Israels auf Ägypten, Syrien und Libanon

lautete die Schlagzeile im ND vom 7. Oktober 1973, nachdem am Nachmittag des Vortages ägyptische Truppen die israelische Bar-Lev-Linie überrannt hatten und die Syrer auf dem Golan vordrangen.

„Um 13.30 Uhr Ortszeit hatten israelische Truppen am Suezkanal, am Golf von Suez und gleichzeitig an der gesamten Feuereinstellungslinie zu Syrien die Kampfhandlungen begonnen“, log das Neue Deutschland. Nicht einmal die Ägypter wären auf die Idee gekommen, diesen offenkundigen Schwachfug in die Welt zu setzen, sie standen ganz offen zu ihrem Angriff am Yom Kippur; das ND aber meinte am 9. Oktober:

Der Militärklüngel Tel Avivs ließ in zynischer Verdrehung der Tatsachen erklären, man sei „an einem Feiertag des Betens und Fastens überrumpelt worden.

Syrisch und menschenverachtend, könnte man sagen. Gleichwohl lügen die Israelverleumder des Jahres 2009 ebenso unverfroren weiter, wenn sie die Operation Gegossenes Blei als Völkermordunternehmen verunglimpfen oder behaupten, Selbstmordattentate seien die Antwort der Schwachen und Unterdrückten auf Checkpoints und Mauerbau, wo der palästinensische Terror doch Maßnahmen wie letztere erst notwendig gemacht hat. Langer & Co. haben ihre Lektion in Sachen Geschichtsklitterung gelernt, der Sender Gleiwitz wird bei ihnen jeden Tag aufs Neue überfallen.

Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, das wusste schon Kohelet. Nicht einmal die peinlichen Gedichte einer Ellen Rohlfs sind innovativ. Der Rohlfs Syriens hieß Adel S. Karasholi, es sei denn, die völkische Beobachterin aus Ostfriesland steckte am 23.6.1967 hinter diesem Pseudonym. Zitieren wir zum krönenden Abschluss noch sein Gedicht „Sieg der Aggressoren“.

I.
Nicht verfluchen unsere gemordeten Kinder heute
die Buchenwald-Verbrannten von gestern.
Die verstörten Augen der Mütter
verfluchen die,
die im Namen der gestern Verbrannten
uns heute versklaven wollen.

II
1000 Düsenjäger werfen Schatten auf den Sand.
500 Bombenträger: Das arme, kleine Land!
300 000 Soldaten: Wer hat die genährt?
Wer ist der Herr, der sie das Morden gelehrt?

III
Sand ist die Wegzehrung vertriebener Araber.
Sand in die Münder.
Sand statt Wasser.
Sand erspart Verbrennungsöfen.

IV
Und doch:
Nicht getroffen unser Herz.
Nicht wieder gekettet unsere Hände.
Nicht erwürgt der Schrei Arabiens.

Napalmbomben säen nur Haß
gegen die Aggressoren
im Gewissen der Völker.

So hörte sich die verfolgende Unschuld vor 42 Jahren an, womit sich ohne jeden Zweifel sagen lässt: Die Israelverleumder von Langer bis Hecht-Galinski schreiben schlicht und einfach ab! Aber wie das so ist: Wenn man das Falsche abschreibt, ist das Ergebnis gleichwohl verheerend.

Sechs, setzen.

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Heute vor 15 Jahren kehrte Yassir Arafat in den Gazastreifen zurück, begrüßt von Tausenden Jubelpalästinensern. Wie angesichts seiner Vita nicht anders zu erwarten, war dies der Beginn von Freiheit, Frieden und Wohlstand für alle Palästinenser. Oder, wie Nabil Shaath sagte:

„There is a happy mood. People have all really welcomed this agreement (on Palestinian autonomy), they welcomed the freedom it has brought, the safety, the freedom from fear. This is the start of Palestine.“

Und wenn sie nicht in Abu Ammars Jihad gestorben sind, dann feiern sie noch heute.

Palestinian-Idol

Zeit seines Lebens ein Siegertyp: Yassir Arafat

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Ist es nicht seltsam? Ausgerechnet jene, die schon eine Gepäckkontrolle am Grenzübergang als Demütigung und Akt der Dehumanisierung zu beklagen pflegen, vorausgesetzt, die Prozedur wird von Israelis ausgeführt, haben kein Problem damit, wenn eine wirkliche Entmenschlichung stattfindet – in diesem Fall allerdings, wenn Juden die Objekte derselben sind.

Schon für den Gröfaz stellte das Judentum  die „Rassentuberkulose der Völker“ dar, die es restlos zu „entfernen“ galt; was liegt da für die Judenhasser von heute näher, als Israel ein „Krebsgeschwür“ zu nennen? Diese Diagnose erfreut sich in der zugegebenermaßen schon irgendwie kranken arabischen Welt großer Beliebtheit, kein Wunder also, dass es in einer deutschen Fernsehreportage schon mal wörtlich hieß, die „jüdischen Siedlungen“ in der Westbank fräßen sich „wie ein Krebsgeschwür“ in die arabische Landschaft. So wie Dr. Issam Sissalem am 21. Dezember 2004 im palästinensischen Fernsehen wissen ließ, Israel sei „ein Krebs, der sich im Körper der islamischen Welt ausbreitet“.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad beliebte Israel u.a. als „dreckige Mikrobe“ zu bezeichnen, General Mohammed Ali Jaafari, Befehlshaber seiner Revolutionsgarde, stieß im Februar 2008 ins gleiche Horn: Der jüdische Staat sei ein „Krebsbakterium“, die Hisbollah empfahl er als „Bestrahlung“.

Zuletzt tat der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki, selbstredend ein unbedingt als moderat geltender Zeitgenosse, vor den Mitgliedern der Organisation der Islamischen Konferenz kund, das „zionistische Regime“ sei die „größte Bedrohung für den Mittleren Osten“ und es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um den „karzinösen Tumor in der Region zu entfernen“.

Doch wie niemand dem Braunauer Braunhemd beizeiten in den Arm fiel, so dürfen auch die Krebsdiagnostiker von heute – von in anderen Zusammenhängen gewiss sensibleren deutschen TV-Redakteuren bis hin zu islamischen Fundamentalisten –  das Jüdische als ein den (diesmal arabischen/muslimischen) Volkskörper zerfressendes Gewächs verunglimpfen und seine Vernichtung als  notwendige Maßnahme im Dienste der Volksgesundheit ankündigen, ohne dass einer derjenigen, die sonst alle fünf Minuten „Wehret den Anfängen!“ rufen, ernsthaft Protest einlegte. Eine Distanzierung von „inakzeptablen Äußerungen“ ist da das höchste der Gefühle. Und so lange dem so ist, hört man insbesondere in Israel genau hin, was andernorts in Sachen Dehumanisierung ausgebrütet und in Wort und Schrift verbreitet wird. Wer heute als Mikrobe und Tumor bezeichnet wird, könnte schon morgen den Hobbychirurgen von Gaza bis Teheran das Skalpell entwinden, gern auch unter Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt. Und er hätte jedes Recht dazu. Das wollten wir hier nur mal festgehalten haben.

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