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Archive for the ‘Landeskunde’ Category

Wenn sich schon im Nahen Osten nichts bewegt, jedenfalls nicht zum Guten, ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass endlich die längst überfällige Debatte über das Übel des heimischen, als legitime „Israelkritik“ camouflierten Antisemitismus geführt wird – Jakob Augstein, einem der bekannteren Vertreter der deutschen Israel-Obsession, sei Dank.

Nun ist zur Causa Augstein eigentlich alles gesagt; aber noch nicht von allen, daher hier noch meine paar Cent zur oft gehörten Behauptung der „Israelkritiker“ vom Schlage des „Freitag“-Herausgebers und SpiegelOnline-Kolumnisten, mit dem wir uns aus gegebenem Anlass auch schon einmal beschäftigt haben, sie kritisierten doch nur die Politik der gegenwärtigen Regierung in Jerusalem, die natürlich ganz furchtbar und „ultranationalistisch“ sei. Jemand, der seit mehr als drei Jahrzehnten aufmerksam beobachtet, wie sich, was die öffentliche Meinung zu Israel betrifft, der Wind in Deutschland drehte, kann über diese fadenscheinige Schutzbehauptung nur den Kopf schütteln.
Dankenswerterweise hat kein Geringerer als Jakob Augstein selbst sich in seiner SpOn-Kolumne Mitte September 2011 diesbezüglich vielsagend verplappert:

Als israelische Sicherheitskräfte vor einem Jahr in internationalen Gewässern das türkische Schiff „Mavi Marmara“ enterten und acht türkische und einen amerikanischen Staatsbürger erschossen, hatte die israelische Regierung das getan, was sie seit dem Sechstagekrieg vor 44 Jahren immer getan hat: ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel das durchzusetzen, was sie für die Interessen Israels hält.

Die Frage außer Acht lassend, ob ein gelegentlich auf dem Feld der Nahostpolitik dilettierender deutscher Journalist wirklich besser als die gewählte politische Führung in Israel um die Interessen des Landes wissen könnte, stellen wir fest, dass es für Augstein keinen Unterschied macht, wer gerade in Jerusalem die Richtlinien der Politik bestimmt. Da Bibi Netanyahu nicht seit dem Sechstagekrieg vor viereinhalb Jahrzehnten regiert, verhält sich „die israelische Regierung“ immer falsch, gleichgültig ob es sich um die Sozialdemokraten Eshkol, Meir und Rabin handelt, um die Likud-Premiers Begin und Shamir oder um die Ministerpräsidenten, die sich auf den verhängnisvollen „Friedensprozess“ von Oslo einließen und auch mit allerlei Zugeständnissen und Friedensplänen bei der Palästinenserführung – für deren Tun und Lassen Augstein sich selbstredend nicht die Bohne interessiert – auf Granit bissen, etwa Peres, Barak oder Olmert. Schön, dass der „im Zweifel Linke“, der, was Israel angeht, jedenfalls keinerlei Zweifel hegt, dies in bemerkenswerter Offenheit klargestellt hat.

Für alle SoE-Leser, die an lesenswerten Beiträgen zur Augstein-Debatte interessiert sind, seien hier einige verlinkt – etwa die von Malte Lehming im Tagesspiegel, von Stefanie Galla auf der Achse des Guten, von Liza, vom Lindwurm, von Stefan Gärtner in der Titanic und, last but not least, vom persönlich in den Fall involvierten Henryk M. Broder in der WELT.

Update: Auch dieser Text von Rainer Trampert und dieser von Bonde seien hier dringend zur Lektüre empfohlen.

 

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Zu Weihnachten war, wieder einmal, hier und da vom „ummauerten Bethlehem“ die Rede.

Das Licht kam aus einer Stadt,
in der die Menschen von einer Mauer umgeben
wie in einem Gefängnis eingesperrt leben müssen.

barmt etwa Arn Strohmeyer auf Arendts „Palästina-Portal“.

Die häufige Wiederholung macht die Behauptung allerdings auch nicht wahrer. Abgesehen davon, dass man von Bethlehemer Busstationen nach Jerusalem, Beit Jala, Beit Sahour, Hebron, Nahalin, Battir, al-Khader, al-Ubeidiya und Beit Fajjar gelangen kann, was das „Gefängnis“-Geschwafel ad absurdum führt: Bethlehem ist nicht von einer Mauer umgeben, schon gar nicht vollständig.

bethlehem barrier

Vielmehr verhält es sich so, dass – nachdem ein Dutzend Selbstmordattentäter aus nämlicher Gegend in Israel zahlreiche Menschen ermordet und andere fürs Leben körperlich und seelisch gezeichnet hatten – es bedauerlicherweise notwendig wurde, die Terroristen durch den Bau einer Mauer entlang der Grenze zu Jerusalem in Schach zu halten, aber die Mühe und die Kosten lohnten den Aufwand: Menschenleben wurden gerettet. Für die Bewohner Bethlehems bedeutet dieser Umstand keineswegs, „eingesperrt“ zu sein, und wenn an Strohmeyers herzzerreißender Klage („Hoffnungslos ist die Lage innerhalb der großen Mauer“) etwas dran sein sollte, dann ist dies sicher nicht den israelischen Sicherheitsmaßnahmen anzulasten, sondern dem Holzweg, den die palästinensische Führung einmal beschritten und nie wieder verlassen hat, ja, den weiter zu beschreiten sie eisern entschlossen ist. Sowas kommt von sowas.

 

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Westerwelles Warnsinn

Wer bei Google ”Westerwelle warnt” eingibt, erzielt 634.000 Treffer. Kein Wunder, schließlich ist der deutsche Außenminister auch Ehrenvorsitzender der Firma “Mahner & Warner”. Eine Auswahl.

 

Westerwelle warnt Iran: Zeit der Manöver ist vorbei
(ZEIT online, 20.2.2012)

Westerwelle warnt vor weiterer Gewalt in Ägypten
(ZEIT online, 7.12.2012)

Westerwelle warnt vor Kollaps in Syrien
(Kreiszeitung, 4.9.2012)

Westerwelle warnt vor Bürgerkrieg im Jemen
(Hannoversche Allgemeine, 29.5.2011)

Westerwelle warnt vor Kämpfen im Libanon
(Hamburger Abendblatt, 7.6.2012)

Westerwelle warnt vor chaotischem Machtvakuum in Afghanistan
(zeitong.de, 5.12.2012)

Westerwelle warnt vor Flugverbotszone über Libyen
(Welt online, 15.3.2011)

Westerwelle warnt vor Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste
(Spiegel online, 7.3.2011)

Mali: Westerwelle warnt vor Militäreinsatz
(Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2012)

Afghanistan: Westerwelle warnt vor Wettrennen beim Truppenabzug
(Welt online, 4.11.2011)

Westerwelle warnt vor atomar bewaffnetem Iran
(Welt.de, 4.12.2012)

Westerwelle warnt vor Debatte über Angriff auf Iran
(Welt online, 24.3.2012)

Westerwelle warnt vor Flächenbrand im Nahen Osten
(Zeit online, 18.11.2012)

Westerwelle warnt vor “Grausamkeiten” durch Syriens Führung
(Zeit online, 5.12.2012)

Außenminister Westerwelle warnt Assad-Regime
(Focus online, 11.4.2012)

Westerwelle warnt Palästinenser vor einseitiger Staatsausrufung
(ZEIT online, 14.6.2011)

Westerwelle warnt Israel vor Iran-Angriff
(Handelsblatt, 10.9.2012)

Westerwelle warnt vor übereilter Schuldzuweisung
(tagesschau.de, 19.7.2012)

Westerwelle warnt vor Atomwaffen in Terroristenhand
(rp-online, 23.3.2010)

Nahost: Westerwelle warnt vor Sprachlosigkeit
(dw-de, 14.6.2011)

Konflikt zwischen Türkei und Syrien:
Westerwelle warnt vor Flächenbrand in der Region

(tagesspiegel, 13.10.2012)

Westerwelle warnt vor Jahrzehnt der Aufrüstung
(liberale.de, 17.10.2010)

Westerwelle warnt auf WDR Europaforum:
Europa nicht in Gut und Böse teilen
(Presseportal, 26.5.2011)

Westerwelle warnt vor rascher Hilfe für Griechenland
(ZEIT online, 26.4.2010)

Westerwelle warnt vor Mobbing Griechenlands
(Merkur online, 25.8.2012)

Westerwelle warnt Griechen vor Populisten
(wallstreet-online, 3.6.2012)

Westerwelle warnt vor neuer Gewalt im Kosovo
(wz-online, 11.8.2011)

Westerwelle warnt Ukraines Präsidenten Janukowitsch
(Focus online, 2.5.2012)

Westerwelle warnt Dänemark
(n-tv.de, 15.6.2011)

Westerwelle warnt vor Belastung von deutsch-russischem Verhältnis
(Zeit online, 16.11.2012)

Westerwelle warnt vor Belastung der Beziehungen zur Schweiz
(tagesanzeiger, 3.2.2010)

Westerwelle warnt vor Überforderung bei Euro-Rettung
(N24, 4.8.2012)

Westerwelle warnt vor „teutonischer Dominanz“
(Focus online, 12.5.2012)

Westerwelle warnt vor Ansehensverlust Deutschlands
(N24, 4.9.2012)

Westerwelle warnt bei Abkehr Italiens von Reformen vor “Turbulenzen”
(ZEIT online, 10.12.2012)

Westerwelle warnt Berlusconi vor Anti-Deutschland-Wahlkampf
(Focus online, 11.12.2012)

Westerwelle warnt vor „DDR light“
(Bild, 25.2.2009)

Westerwelle warnt vor “Dagegen-Republik”
(Merkur online, 15.9.2010)

Westerwelle warnt vor Vollversorgerstaat
(Spiegel online, 11.2.2010)

Westerwelle warnt vor Linksruck in NRW
(focus online, 25.4.2010)

Urheberrecht: Westerwelle warnt vor Piraten
(tagesspiegel, 16.4.2012)

Westerwelle warnt deutsche Unternehmen
(onvista.de, 23.9.2012)

Westerwelle warnt vor zu frühem Wahlkampf
(Spiegel online, 8.10.2012)

Westerwelle warnt vor Radikalen im eigenen Land
(Rheinische Post, 18.9.2012)

Westerwelle warnt vor “Titanic“-Heft
(Welt online, 21.9.2012)

 

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Sonst keine Probleme

Was dem ZEITonline-Leser auf den Nägeln brennt:


 

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Das Tolle am Internet ist, dass jeder mitmachen kann. Das Furchtbare: jeder macht mit. Etwa, um der geneigten ZEIT-Leserschaft mitzuteilen, man attestiere den Israelis ja grundsätzlich Friedenswillen und -fähigkeit, nicht jedoch „den Eliten“. Dabei ist nach acht Jahrzehnten israelisch-arabischem Konflikt und zwei Jahrzehnten „Friedensprozess“ eines offensichtlich: Es wird keinen Frieden geben – aus dem einfachen Grund, weil die arabische Welt keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte akzeptieren wird. Sie stellt es jeden Tag aufs neue unter Beweis, und wer es wissen will, kann es wissen, es sei denn, er ist dermaßen obsessiv auf den jüdischen Staat fixiert, dass ihn Hass und Grausamkeit in dessen schwieriger Nachbarschaft einfach nicht interessieren, dafür aber die ominösen „Eliten“. So wie dem Besserwisser im Kommentarbereich, der mit Sicherheit noch nie einen Fuß auf israelischen Boden gesetzt hat, geht es den meisten, obwohl der Nahost-Konflikt nur dann „gelöst“ werden könnte, wenn einer der Kontrahenten besiegt am Boden läge. Da die Israelis aber nicht so wollen, wie sie können, und die Palästinenser nicht so können, wie sie wollen, wird alles so bleiben, wie es ist. Wird Felicia Langer als antizionistische Wanderhure von Vortragssaal zu Vortragssaal ziehen, werden bei beträchtlichen Mengen Mineralwasser in feinen Hotels Friedenspläne entworfen, die keinerlei Chancen auf Verwirklichung haben, werden weiter wilde Haufen von Antisemiten mit nutzlosem, als „Hilfsgüter“ deklarierten Ballast Richtung Gaza segeln und werden Agentur-Fotografen sich mit palästinensischen Demonstranten und deren Kindern verabreden, um in einem öden Tal Soldaten zu provozieren, in der zynischen Hoffnung, diesen rutsche endlich mal die Hand aus, um ein paar knackige Bilder zu bekommen – dies, obwohl gewissermaßen nebenan, in Syrien, jeden Tag über hundert Menschen abgeschlachtet werden.

Ein absurdes Theater, das zu kommentieren einem nicht nur die Zeit fehlt, sondern auch zunehmend die Lust. Die Wahrheit ist: Der Nahost-Frieden wird ebenso wenig kommen wie Godot, und statt ihn wortreich herbeireden zu wollen, sollte man sich langsam den wirklichen Problemen auf diesem Planeten zuwenden. Erst wenn der regionale Konflikt – und das ist er: ein regionaler Konflikt! – ernsthaft eskalieren sollte, etwa dadurch, dass die iranischen Mullahs wirklich drauf und dran sind, eine Atombombe in die Hände bekommen, sollte man überhaupt Notiz von ihm nehmen – und dann aber auch handeln. Gleiches gilt für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Araber doch noch dazu durchringen könnten, sich dauerhaft mit der Existenz Israels abzufinden. Bis dahin sollten die deutlich überzählig im Land herumlungernden hoch bezahlten Schwadroneure in den Korrespondentenbüros ebenso wie die elenden Pressefotografen in freier Wildbahn ihre Mikros und Kameras abschalten und ihren Hintern beizeiten dorthin bewegen, wo es nottut, damit wir nicht immer nur auf verwackelte Handykamerabilder aus Aleppo angewiesen sind. Dort herrscht nämlich wirklich Krieg, und es bedarf keiner Mätzchen, um ihn darzustellen. Was Israel und Palästina angeht, sollte das Motto lauten: Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

Sehr wohl aber ist es notwendig, dazwischenzufunken, wenn die Fortführung dieser grotesken Zirkusveranstaltung von Clowns wie jenen sozialdemokratischen Funktionären befeuert wird, die „gemeinsame Werte“ mit der Fatah zu teilen meinen, gar eine „strategische Partnerschaft“ mit dieser bekunden. 

Als reichte es nicht, dem schon lange nicht mehr legitimierten Abbas-Klüngel weiterhin die Millionengelder in den Schlund zu schaufeln und seine Intransigenz noch zu belohnen und damit zu perpetuieren, macht man sich auch noch programmatisch mit dieser antidemokratischen, komplett friedensunwilligen, die Todesstrafe bejahenden, antijüdische Hasspropaganda verbreitenden und jeder pluralistischen Zivilgesellschaft Hohn sprechenden Bande gemein – Hauptsache, sie frisst am richtigen Ort Kreide. Das ist wirklich zum Speien, der Tiefpunkt einer Volkspartei, die sich so viel auf ihre Tradition einbildet. Das sollte die Deutschen interessieren, nicht, ob die israelische Luftwaffe nach tage-, wochen-, monate- und jahrelangem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ein paar Terrorfürsten vom Motorrad holt. Aber von einer Gesellschaft, der zu großen Teilen jeglicher Sinn für Proportionen abhanden gekommen ist, in der ein Kindsmörder Schmerzensgeld zugesprochen bekommt, jugendliche Gewaltverbrecher in nutzlose Anti-Aggressionsseminare geschickt werden, bevor sie ein Zufallsopfer tottreten und die Klassifizierung der stramm antisemitischen, islamofaschistischen Hisbollah in einer ehemals ernstzunehmenden, von einem Altbundeskanzler mitherausgegebenen liberalen Wochenzeitung als „großer Fehler“ bezeichnet werden darf, ohne dass der Autor geteert und gefedert zum Stadttor hinausgetrieben würde, mag das schon zuviel verlangt sein.

 

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Ein deutscher Kriminalkommissar nimmt eine brisante Akte aus dem Regal: Offenbar ist das ehemalige Opfer eines größeren Verbrechens rückfällig geworden und greift seither gewohnheitsmäßig zur Notwehr.

 

Bei SPIEGEL ONLINE schlägt Christoph Sydow „Die Akte Mossad“ auf – eine eher langweilige Aufzählung der längst bekannten Liquidierungen von allerlei Terrorfürsten, mit denen der Staat Israel seine bereits vor der Staatsgründung unter arabischem Terror leidenden Bürger vor noch Schlimmerem bewahrte.

Nun ist der Kampf gegen erklärte Todfeinde eigentlich eine Selbstverständlichkeit (natürlich, aus Mangel an Todfeinden, nicht für Deutsche), und was moralischer sein könnte, als gegen diese Feinde direkt, also mit „gezielten Tötungen“ vorzugehen, muss Herr Sydow erst einmal erklären. Interessant jedenfalls ist, dass er zugibt, gegen wen sich israelische Kommandoaktionen in der Vergangenheit und in der Gegenwart richten:

„Dutzende hochrangige Führer der palästinensischen Organisationen Fatah, Hamas und PFLP“, „den fast blinden, an den Rollstuhl gefesselten (ach Gott!) Hamas-Führer Ahmed Jassin und seinen Nachfolger Abd al-Asis al-Rantissi“, „PLO-Vize Abu Dschihad“, „den Direktor des ägyptischen Militärgeheimdienstes auf dem Sinai, Mustafa Hafis“, „deutsche Wissenschaftler, die einst für die Nazis am Raketenprogramm in Peenemünde gearbeitet hatten und die nun für Ägypten ein Raketenarsenal aufbauen sollten“, „neun Männer, die sie beschuldigte, Mitglied der Organisation Schwarzer September gewesen zu sein, die das Attentat von München verübt hatte“, darunter „Ali Hassan Salameh, den mutmaßlichen Kopf des Anschlags“, „Hamas-Führer Chalid Maschaal“, möglicherweise auch „Hisbollah-Kommandeur Imad Mughnijah“ und „Mahmud al-Mabhuh, Waffeneinkäufer für die Hamas“.

Der nötigen Ausgewogenheit halber zählen wir nun einige der israelischen Opfer auf, welche auf das Konto eben erwähnter Figuren gingen:

Hunderte Restaurant-, Cafe und Discobesucher, Buspassagiere, Olympiateilnehmer, Kinder in Schulen, Schulbussen und auf Purim-Feiern, Holocaust-Überlebende am Seder-Abend, eine schwangere Mutter und ihre vier Töchter im Auto, ein Baby auf einem Spielplatz, Jungen beim Spielen, ein Liebespärchen im Park, Eltern und drei ihrer kleinen Kinder in ihrem eigenen Haus, Studenten in der Cafeteria auf dem Uni-Gelände und so weiter und so weiter. (Erschossen, erstochen, in Stücke gebombt, lauter unschöne Einzelheiten, die in einem deutschen Magazin besser nicht näher geschildert werden, wenn es nicht gerade um ausgeschaltete Terroristen geht.) Sie alle fielen „gezielten Tötungen“ der Fatah-Tanzim, der Hamas, des Islamischen Dschihad, der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden und anderen Terrorgruppen zum Opfer, mehr als 1650 seit Gründung des Staates, davon allein mehr als 1000 seit dem glorreichen „Friedensabkommen“ mit der PLO.

Im SPIEGEL werden sie keine Erwähnung finden, namentlich schon gar nicht. Und Christoph Sydow, der Islamwissenschaften studiert und einschlägige Präferenzen hat, würde sich eher den Arm abhacken lassen als eine „Akte PLO“ oder eine „Akte Hamas“ zu erstellen. Lieber rückt er den Kampf gegen die Terroristen ins Zwielicht, denn, nicht wahr, bisweilen kommen ja „Unbeteiligte“ dabei um, und wenn die fatale Verwechslung eines marokkanischen Kellners mit dem „Roten Prinzen“ der PLO vor fast 40 Jahren zum zweihundertsten Mal aufgewärmt werden muss. Dessen Familie zahlte Israel, wie Sydow auch erwähnt, eine Entschädigung – etwas, wovon israelische Opfer des palästinensischen Terrorkriegs nicht einmal träumen können. Und eine Tatsache, die die moralische Beurteilung der Konfliktparteien eigentlich umso einfacher machen sollte. Aber in einem Land, das allein eineinhalb Millionen jüdische Kinder auf dem Gewissen hat, schaut man schon lange lieber denen auf die Finger, die jene bekämpfen, welche heute darauf aus sind, jüdische Kinder zu ermorden. Irgendwie konsequent. Aber auch immer wieder zum Kotzen.

 

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Es ist schon ein paar Jahrzehnte her, aber ich erinnere mich noch gut an meinen Lehrer in den Sozialwissenschaften. B. Olschewik (Name geändert) trug ganz lange Haare und einen beeindruckenden Bart, gehörte den Grünen an und warnte uns im Unterricht vor dem „militärisch-industriellen Komplex“, der den nächsten Weltkrieg heraufbeschwören könnte. Sehr bald schon. Praktisch am nächsten Morgen. Damals, Anfang der 80er-Jahre, wurde das Lehrerzimmer von etlichen Leuten seines Schlages bevölkert. Kein Wunder, es war die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses und damit die große Zeit der deutschen Friedensbewegung, der späten Rache der Nazis an den Amerikanern. Man schlang sich Palästinensertücher um den Hals, hörte auf Friedensveranstaltungen BAP für lau, abends spielte jemand am Lagerfeuer auf der Klampfe Bob Dylans „Blowin´ in the wind“ und das weiche Wasser brach den Stein. Später fuhr man im Rahmen einer Bonn-Exkursion der Oberstufe auf die Hardthöhe, wo das Bundesministerium der Verteidigung residierte, und stellte furchtbar kritische Fragen. Nach dem Abi ging, wer unbedingt aus der Reihe tanzen wollte, zur Bundeswehr, wofür er sich dann allgemein zu rechtfertigen hatte. Kriegsdienstverweigerer erfreuten sich indessen uneingeschränkter gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Zeiten, in denen man als junger Mann von einem älteren Semester erst einmal mit einem zackigen „Hamse jedient?!“ begrüßt wurde, waren längst vorbei.

 

Das End´ ist nah!

 

Wie gesagt, als echter Querdenker ging man zum „Bund“. Und in der Tat gab es, insbesondere unter den Unteroffizieren, etliche Hirnabstinenzler; auch sonst brachte der Wehrdienst mancherlei Unbill mit sich. Eines jedoch konnte man dem Laden nicht vorwerfen: in irgendeiner Form kriegstreiberisch tätig zu sein. Jedenfalls legte man uns nicht nahe, „den Russen“ als Feind zu betrachten und bei der nächsten Gelegenheit umzunieten. Gleichwohl machte sich im Lande die Gewohnheit breit, Verweigerern grundsätzlich lautere Motive zu unterstellen, während Soldaten mit Argwohn betrachtet wurden. Schon damals, das merkte man bald, war das Verhältnis der Bürger zum „Staatsbürger in Uniform“ reichlich verkorkst. Denn der große NATO-Partner war Amerika, und der Amerikaner wollte die Pershing II stationieren und Deutschland zum Schlachtfeld für den Atomkrieg, also das Armageddon machen. The end was near. Shocking!

Der Krieg brach dann doch nicht aus, weil der vermeintlich minderbemittelte „Schauspieler“ Ronald Reagan schlauer war als all die klugen Deutschen, die sich über ihn lustig machten. Dreißig Jahre später hat sich die Gesellschaft allerdings noch weiter von ihren Streitkräften entfernt als es seinerzeit möglich schien. Und so nimmt es nicht wunder, dass der Bundeswehr, einer Parlamentsarmee, deren Einsätze der vom Volk gewählte Bundestag beschließt, inzwischen so sehr misstraut wird, dass in Nordrhein-Westfalen die üblichen Verdächtigen von der marxistisch-leninistisch orientierten Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend bis zur DFG-VK als notwendiges Korrektiv betrachtet bzw., wie es offiziell heißt, „unterschiedliche Institutionen und Organisationen gleichberechtigt und gleichgewichtig einbezogen und berücksichtigt“ werden, wenn es darum geht, in deutschen Schulen über Sinn und Zweck der Bundeswehr aufzuklären. Noch einmal: Die Bundeswehr, eine staatliche Institution, die in Friedenszeiten vom Verteidigungsminister und im Kriegsfall vom Bundeskanzler kommandiert wird, darf in NRW nicht mehr an Schulen in Erscheinung treten, wenn nicht Linke, Pazifisten oder Kirchenvertreter als Gegengewicht eingeladen werden – Granaten wie Jonathan Röder von der LandesschülerInnenvertretung.

 

Linke Aktivisten schützen vor Propaganda

 

Ein Sieg des Bündnisses „Schule ohne Bundeswehr NRW“, eines Zusammenschlusses von Aktionsgruppen wie erwähnter DFG-VK, deren Vorsitzender ehemaliges SED-Mitglied ist und auf den wirklich irren, aber authentischen Namen Monty Schädel (!) hört, der SDAJ, der Linksjugend, der GEW (ihr engagiertes Plädoyer gegen den alliierten Einsatz in Kuweit und für die Wahrung der staatlichen Souveränität des von Saddam Hussein beherrschten Irak wird mir unvergesslich bleiben!) und dem Aachener Friedenspreis, eines Vereins, der schon Flitzpiepen wie Walter Herrmann und Reuven Moskovitz sowie die inzwischen auf ein dreckiges Dutzend geschrumpften „Frauen in Schwarz“ ausgezeichnet hat. Diese Aktivisten behaupten allen Ernstes, dass „durch die Bundeswehr an der Schule die unmittelbare Regierungspolitik beworben und damit auch die Neutralität der Schule verletzt (wird)“, obwohl die Streitkräfte sich eben nicht parteipolitisch äußern, und sie verwehren sich „gegen eine zweckgeleitete Kriegspropaganda an unseren Schulen“, weil sie mit Margot Käßmann die Ansicht teilen, dass die Taliban im Grunde ganz feine Kerle sind, mit denen man reden oder auch beten kann – während der schießwütige Ami sich als unverbesserlicher Weltpolizist aufspielt.

Also tritt Monty Schädels Truppe „für die Abschaffung der Bundeswehr“ ein und informiert dafür über die „Ursachen von Gewalt“, denn es gibt immer eine Entschuldigung für Terror, und muss man sie noch so an den Haaren herbeiziehen; Gewalt per se ist nicht schlecht, es sei denn, sie wird von der NATO oder von Israel ausgeübt. Das ist ja auch der Grund, warum die Friedensbewegung sich die längste Zeit eben nicht bewegt, sondern erst dann wie ein Zombie aus der Gruft steigt, wenn, selten genug, ein westliches Land die Nase voll hat und gegen Diktatoren oder Terrorfürsten zurückschlägt. Fristeten diese Figuren früher noch eine Randexistenz, so sind sie heute längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – und werden auch von der Politik als gleichberechtigte Mitspieler anerkannt, egal wie wenige dieser traurigen Gestalten zu den traditionellen Ostermärschen aufbrechen mögen. Denn selbst wenn sich die Zahl der Bundesbürger, die den Zirkus mitmachen, im Promillebereich bewegt, es finden sich noch genügend Sympathisanten in Funk und Fernsehen, die darüber berichten werden. Auf den journalistischen Arm der Pazi-Bewegung ist Verlass, schließlich hielten etliche der wohlwollend begleitenden Medienvertreter selbst mal im Bonner Hofgarten „Petting statt Pershing“-Plakate hoch – oder hätten es gern getan. „Friedhelm statt Stahlhelm“, so lautete seinerzeit eine überaus originelle Losung. Heute heißt es: „Es lernt sich besser ohne Helm“, als risse man den Kids gewohnheitsmäßig die Basecap von der Rübe, um sie durch eine Pickelhaube zu ersetzen.

 

Deutschland balla-balla

 

In einem demokratischen Land, das den eigenen Institutionen kritisch bis ablehnend gegenüber steht, werden, so steht zu befürchten, noch viele Dinge möglich sein. Henryk Broder hat bereits darauf hingewiesen, dass den Überlebenden der Konzentrationslager, die als Zeitzeugen in Schulen auftreten, auf dem Fuße SS-Männer folgen könnten, die, der Ausgewogenheit wegen, ihr Narrativ zu Gehör bringen. Und warum sollte man zum Thema Menschenrechte nicht Markus Gäfgen einladen, der als irgendwie beinahe potenzielles Opfer staatlicher Folter aus erster Hand über derart skandalöse Praktiken zu berichten weiß? Sollte die Integrationsdebatte nicht auch durch kritische Meinungen wie die von Beate Zschäpe bereichert werden? Und wenn im Politikunterricht über die demokratische Verfassung der Bundesrepublik gesprochen wird – muss dann nicht auch Pierre Vogel den Schülern erklären dürfen, warum Allah weit über dem Gesetz steht?

Deutschland schafft sich ab, Neukölln ist überall – auf dieser rasanten Talfahrt möchte das größte Bundesland nicht abseits stehen. Wenn die chinesische Redewendung „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ wirklich eine Drohung ist, wird uns auf absehbare Zeit nicht langweilig werden. Aber, ehrlich: Schön ist das nicht.

 

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Leben in der zionistischen Hölle

Zugegeben: Ich möchte nicht unbedingt Araber in Israel sein. Okay, sehr viel lieber zwar als ein Kopte in Ägypten, ein Wahutu in Burundi oder ein Eritreer in Äthiopien, ein Papua in Indonesien oder ein Bengale in Ostpakistan, ein Biafraner in Nigeria oder ein Südsudanese im Sudan etc.; lieber auch als ein Angolaner in den neuen Bundesländern. Aber, nein: Ich möchte kein Araber in Israel sein – wegen der schwierigen Identität, wegen möglicher beruflicher Benachteiligungen, wegen des Misstrauens, das einem Araber von einem Großteil der jüdischen Israelis entgegengebracht wird.

So oder ähnlich werden auch die Araber in Israel empfinden. Aber was sie noch viel weniger sein wollen: Araber in Palästina.

Wer einen Israelkritiker binnen zehn Minuten älter aussehen lassen will als den Stones-Gitarristen Keith Richards, muss ihn nur mit ein paar bemerkenswerten Fakten konfrontieren.

In Israel leben heute knapp 1,6 Millionen Araber. Sie stellen 20 Prozent der Bevölkerung. Drei Viertel sind Muslime, 17 % Christen und 8 % Drusen. Diese leisten aber, anders als die „richtigen“ Araber, auf die sie einen Rochus haben, ihren Wehrdienst ab und unterscheiden sich auch in mancherlei anderer Hinsicht von jenen.

Verständlicherweise können sich die israelischen Araber nur leidlich mit den Symbolen des Staates identifizieren. Der Davidstern in der Flagge, die Menora im Staatswappen, die Nationalhymne Hatikva – alles Zeichen für die vorwiegend jüdische Identität Israels. Aber sie können ganz gut damit leben. Jedenfalls hat sich ihre Zahl seit der Staatsgründung 1948 mehr als verachtfacht. Sie haben alle vollen bürgerlichen Rechte, Arabisch ist zweite Amtssprache, und arabische Parteien stellen Vertreter in der Knesset (von denen allerdings wenig Ruhmreiches zu berichten ist, der Name Ahmad Tibi möge an dieser Stelle genügen).

Der Wehrdienst bleibt den arabischen Bürgern Israels erspart; offiziell, um im Kriegsfall ein moralisches Dilemma auszuschließen, mutmaßlich aber auch, weil viele Israelis die als „fünfte Kolonne“ der Palästinenser verdächtige Minderheit nur ungern mit Waffen ausgestattet sehen wollen. Angesichts der Unruhen im Herbst 2000, als sich militante Araber aus Israel mit den „Al-Aqsa-Intifada“-Aktivisten solidarisierten, eine nicht ganz von der Hand zu weisende Haltung.

Ansonsten leben die Araber Israels in relativem Wohlstand, mit sehr guter medizinischer Versorgung und allen demokratischen Rechten besser als die meisten ihrer Brüder in den arabischen Ländern. Sie besuchen die acht Universitäten des Landes, arbeiten als Hilfskräfte, Farmer und Bauarbeiter, aber auch als Anwälte, Lehrer, Ärzte, Gewerkschafter, Abgeordnete etc.

Mehr als Hälfte der arabischen Staatsbürger Israels lebt in 103 Dörfern, der Rest in sieben Städten mit gemischter Bevölkerung. Vier davon, im Südosten Galiläas, sind rein arabisch. Von Nord nach Süd: Um el-Fachem, Baqa El-Garbye, Tira, Taibe. Diese Gegend ist bekannt unter der Bezeichnung El Mutallat, „das Dreieck“, in Israel unter Wadi Ara.

Dieses Dreieck mit einer Fläche von 250 qkm wurde nach dem Rhodos-Abkommen 1949 von Jordanien an Israel übergeben. Über den Streifen von 52 km Länge und 3-6 km Breite verteilen sich 17 Gemeinden. Etwa 43 % der Bewohner leben in den Städten Taibe und Um el-Fachem. Insgesamt stellen die Araber im „Dreieck“ ein Fünftel der arabischen Bevölkerung Israels.

Nun regt die unmittelbare Grenznähe des Dreiecks seit geraumer Zeit die Phantasie der Politiker an. Spätestens seit die Barak-Regierung ernsthaft sogenannte land swaps erwog, also einen reinen Austausch der Souveränität über Gebiete ohne Umsiedlung der Bevölkerung, wird offen darüber diskutiert, ob man nicht im Zuge der Annexion größerer Siedlungsblöcke in der Westbank arabische Orte westlich und nördlich der Green Line (Waffenstillstandslinie) der palästinensischen Autonomiebehörde überlassen könnte.

Unabhängig von rechtlichen Problemen, die ein solcher Schritt wohl mit sich brächte, liegt diese Überlegung natürlich nahe: Im Bestreben, eine ebenso satte wie dauerhafte jüdische Bevölkerungsmehrheit zu erhalten, würden nicht wenige Israelis das „Dreieck“ lieber jenseits des Sicherheitszaunes sehen, ebenso wie arabische Vororte Jerusalems. So kämen mit einem Schlag mehr als 450.000 israelische Araber in den Genuss, offiziell Palästinenser zu werden, ohne umziehen zu müssen.

Aber mögen Vertreter der arabischen Minderheit Israels auch in jedes hingehaltene CNN-Mikrophon jammern, mochte das Parlamentsmitglied Ahmad Tipi etwa gegen die „Mauer“ protestieren, sein noch berüchtigterer Kollege Azmi Bishara zu Arafat und Assad pilgern und im Libanon den „rassistischen Staat“ Israel geißeln oder mag heute Haneen Zoabi von der Balad-Partei ins gleiche Horn blasen: Nach Umfragen würden sich 70-90% der arabischen Staatsbürger – je nachdem, wie ehrlich die Befragten sein können – mit Händen und Füßen dagegen wehren, den israelischen Personalausweis gegen einen palästinensischen einzutauschen. Als Ehud Barak im Sommer 2000 Arafat die Souveränität über den größten Teil Ostjerusalems anbot, brach unter den arabischen Bewohnern der Hauptstadt gar eine veritable Panik aus: Viele, die bis dahin noch nicht die israelische Staatsbürgerschaft beantragt hatten, versuchten nun eilig, das Versäumte nachzuholen. Gegenwärtig wiederholt sich das Phänomen.

2004 ließ der damalige Ministerpräsident Ariel Sharon einen Versuchsballon in die gleiche Richtung starten: Der Rechtsausleger Avigdor Lieberman propagierte den „weichen Transfer“ des Dreiecks mit seinen 250.000 Bewohnern – und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Sogar der Bürgermeister Um el-Fachems, der Führer der islamistischen Bewegung, die schon seit etlichen Jahren die Stadt regiert, war entsetzt und führte als Grund für das Bedürfnis, Israeli zu bleiben, u.a. an, dass es um Demokratie und Justiz in Israel weit besser bestellt sei als in allen arabischen / islamischen Ländern.

Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte und die Möglichkeit, sich in „jüdischen“ Krankenhäusern behandeln zu lassen. Neun von zehn Menschen im Dreieck sind Mitglied in einer der obligatorischen Krankenversicherungen und können im Fall schwerer Erkrankungen die Kliniken von Afula und Hadera bzw. im Süden die von Petach-Tikva und Kfar-Sava aufsuchen.

Im Wadi Ara kann nicht einmal der Bau des Sicherheitszaunes die Araber zu Demonstrationen mobilisieren. Denn die Sperranlage hat alle Versuche der jenseitigen Palästinenser vereitelt, illegal nach Israel einzudringen, und die erkleckliche Anzahl der Diebstahlfälle auf Null gebracht, was man diesseits mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. Die Wahrheit ist: Israels Araber blicken zuweilen mit einiger Verachtung auf die bucklige Verwandtschaft im Westjordanland herab.

Wir fassen zusammen: Bei allen großen und kleinen Ungerechtigkeiten, die der arabischen Minderheit in Israel widerfahren mögen, kann sich nach allen Umfragen nur eine winzige Minderheit vorstellen, als Palästinenser in Palästina zu leben. Wohlgemerkt: nicht einmal, wenn dafür kein Umzug notwendig würde. Und das, obwohl sie schon seit 1948 unter israelischer „Besatzung“ lebt. In den kleinen arabischen Ortschaften in der Nähe der Siedlung Alfej Menashe war die Verzweiflung groß, nachdem vor Jahren ein Imam beim Obersten Gerichtshof in Jerusalem erfolgreich gegen den Verlauf des Sicherheitszaunes geklagt hatte. Dem Geistlichen war die „nationale Ehre“ wichtiger als das Wohlergehen seiner Mitbürger, die nun außerhalb des Zauns werden leben müssen.

Wann immer also einer daherkommt und von der „unterdrückten arabischen Minderheit“ schwadroniert, sollte man ihn nur eines fragen: warum diese lieber in der zionistischen Hölle als im Paradies der palästinensischen Befreiungsbewegungen leben möchte. Weiß er darauf keine Antwort, so möge er die unsterbliche Empfehlung Dieter Nuhrs beherzigen: Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten.

 

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Frieden für den Golan

Über den Golan schreiben viele Leute, die ihn noch nie gesehen haben.
Und sie haben auch gleich feste Ansichten zur Hand. Dass „die Besetzung
durch Israel“ völkerrechtswidrig sei, zum Beispiel, und dass der Höhenzug
unbedingt „an Syrien zurückgegeben“ werden muss, damit Friede werde
im Nahen Osten. Vermutlich schlachtet der Diktator in Damaskus gerade
sein Volk ab, weil er sich über den Verlust der Golan-Höhen wahnsinnig
gegrämt hat? (Allerdings war er erst zwei Jahre alt, als die ruhmreiche
syrische Armee die Beschießung israelischer Dörfer vom Golan aus unfreiwillig einstellen musste.)

Unser Gastautor Kai Seyffarth fährt und wandert seit 21 Jahren regelmäßig
über den Golan; es hat ihn eine tiefe Liebe zu dieser Landschaft ergriffen.
Angeregt von der politischen Parole der Golan-Bewohner und ihrer
Unterstützer in Israel – HaAm im HaGolan, Das Volk ist mit dem Golan –
entwickelte er vor langer Zeit seine eigene griffige Formel: Sh’lom im
HaGolan.

 

Frieden für den Golan

Kai Seyffarth, 26. Mai 2012

 

Yael hat ein köstliches Frühstück gezaubert an diesem frühen Samstag morgen. Auf meine Nachfrage erklärt sie die Bilder an der Wand: Wie sie 1963 zum Militärdienst hierher an die syrische Grenze kam. Wie nach der Gründung des Moshav primitive Blockhütten gebaut wurden, mitten in die Einöde. Wie drei junge Frauen in kurzen Hosen die ersten Bäume pflanzten.
Yael ist die Herbergsmutter des Gästehauses „Sea of Galilee“ im Moshav Almagor oberhalb des Kinnereth. Von ihrem Garten aus bietet sich ein überwältigender Blick auf den See; links liegen die steilen Hänge des südlichen Golan. Es ist der zweite Morgen meiner Reise, und ich freue mich auf einen Tag, der mir allein gehört.
Mein erstes Ziel ist die Festung Nimrod ganz im Nordosten. Nachdem ich den Jordan überquert habe, biege ich auf die Straße 888 ab, eine meiner Lieblingsstrecken. Das Dorf Had Nes bleibt am Wege liegen mit seiner Weinkellerei, die heute leider geschlossen ist.
Dann kommen lange nur Einsamkeit und Weite. Ein einzelner Traktor zieht seine Bahn über die Felder. Apfelplantagen und Weinberge wechseln sich ab. Kühe liegen im Schatten großer Eukalyptusbäume. Erstaunlich viele Pferde gibt es neuerdings. Ein Weißstorch landet neben der Straße. Radrennfahrer in ihren leuchtenden Trikots kommen mir entgegen. Die sind hart im Nehmen, denke ich, bei dieser Hitze!

Heute ist mir nicht nach Politik zumute – ich beschließe, nicht am Tal der Tränen vorbeizufahren, wo Avigdor Kahalani mit seinem Bataillon im Oktober 1973 die syrische Panzerarmee zum Stehen brachte. Aber die Geschichte läßt sich nicht verdrängen, wenn man auf dem Golan unterwegs ist. Gelegentlich sehe ich Ruinen syrischer Militärposten. Hartnäckig hält sich die linke Legende, wonach die Israelis im Sechstagekrieg 100,000, ja sogar 200,000 Einwohner vom Golan vertrieben hätten. Selbst nach syrischen Angaben lag die Bevölkerungszahl weit unter 100,000. Die Mehrzahl von ihnen waren dort stationierte Soldaten, wie man an der häßlichen Beton-Kasernen-Architektur unschwer erkennen kann – die Bauten der ursprünglichen Bewohner bestanden aus groben schwarzen Basaltsteinen. Und außerdem gehörte zu der Gesamtzahl auch die Einwohnerschaft der Stadt Kuneitra, die nach dem Waffenstillstandsvertrag auf syrischer Seite liegt, aus Propagandagründen jedoch bis heute eine Ruinenstadt geblieben ist.

 

Am Fuße des Avital mache ich eine Pause. Der schneebedeckte Hermon ist von hier gut zu sehen. Zu meinen Füßen breitet sich sanft die Hochebene aus. Irgendwo da vorn ist schon Syrien. Es sieht ruhig aus, nichts deutet darauf hin, daß ein blutiger Schlächter gerade wieder einmal dabei ist, die undankbare Bevölkerung seines Landes zu dezimieren. Aber so war es schon immer: Wer Augen und Ohren verschloß, fuhr als Tourist nach Syrien und kam begeistert zurück. Folterkeller und Todeszellen gehören nicht zum Programm von Biblisch-Reisen. Ahmed, der Studienfreund meines Vaters, verschwand in den 80er Jahren spurlos. Und auf welcher Seite mag Nabil heute stehen, mit dem ich das Zimmer im Studentenwohnheim teilte?

Ich nähere mich Mas’ada und erkenne den Ort kaum wieder. Die Hauptstraße wurde zum Boulevard mit vielen neuen Häusern, Geschäften und Cafes. Autos parken davor in zwei Reihen. Ein Pferd steht ungerührt auf der Straße und frißt die Blumen vom Mittelstreifen. Bei der Ausfahrt grüßt ein großes Schild in drei Sprachen „Go in Peace“.
Die Landschaft wird belebter; Kinder spielen am Straßenrand, drusische Familien ziehen zur Ernte in ihre Kirschplantagen. Ich halte an und kaufe zwei Schalen Süßkirschen für Yael.

Es wollte mir nie in den Kopf, daß die linken Aktivisten glaubten, Frieden im Nahen Osten sei möglich und wahrscheinlich, sobald nur der Golan an die syrische Soldateska ausgeliefert sei. Was wäre das für ein Frieden, für den man Tausende Bauernfamilien entwurzelt? Denn von den 40,000 Bewohnern des Golan (etwa zu gleicher Zahl Drusen und Juden) – Menschen, die in Freiheit aufgewachsen sind! – wollte und könnte niemand mehr dort wohnen und seine Felder bestellen, wenn die syrische Armee und Geheimpolizei einrückte. Das war vor zwanzig oder dreißig Jahren unter dem Mörder Assad senior nicht anders als heute, nur wollte es damals außerhalb Israels niemand wissen. Im Herbst 1993, als die Welt euphorisiert war über die Verträge von Oslo, hingen überall in Israel Bettlaken aus den Fenstern: „HaAm im HaGolan“ – Das Volk ist mit dem Golan. Auf einem kahlen Hügel trafen wir eine Gruppe junger Leute mit ihren Wohncontainern, verrückte Zeloten. Avigdor Kahalani gründete die Partei „Dritter Weg“, die in allen Punkten mit der Arbeitspartei von Itzchak Rabin und Shimon Peres übereinstimmte – nur darin nicht, den Golan aufzugeben. Zu jener Zeit gewöhnte ich mir an, meine Beiträge in Foren über den Nahen Osten mit „Sh’lom im HaGolan“ zu unterschreiben. Frieden mit dem Golan, oder auch sinngemäß: Frieden für den Golan. Es erhob sich lautes Geschrei; Leute beschwerten sich, wie man ihnen zumuten könne, mit so einem Hardliner überhaupt zu diskutieren. Aber die Fragen sind bis heute unbeantwortet: Wie stellen wir uns den Frieden praktisch vor? Wem gehört das Land?

 

Die Straße führt durch den Moshav Neve Ativ, am Ein- und Ausgang gesichert durch schwere Eisentore. Den Hermon habe ich jetzt im Rücken. Die Festung Nimrod liegt vor mir, dahinter das Hula-Tal. Man begreift mit den Sinnen, daß es nahe lag, dort eine Festung zu bauen – und warum es für die syrische Artillerie so leicht war, von hier aus die israelischen Dörfer und Felder im Tal zu beschießen.

Ich will nicht mit dem Auto bis zum Burghügel fahren, sondern parke am Nebi Hazori, dem Grab eines drusischen Scheichs. Ich weiß nicht, was sich dort verbirgt, man könnte es besichtigen, aber heute scheint ein besonderer Feiertag zu sein. Viele Menschen strömen hinein, die Männer in traditioneller Festtagskleidung, Kinder spielen im Garten. Ich wende mich nach rechts, wie mein treuer Reisebegleiter, das Büchlein „Hiking in Israel“ mir empfiehlt. Bald habe ich die Straße und die Menschen hinter mir gelassen und tauche ein in die typische Natur des Golan: ein tief eingeschnittenes Tal, Nachal Hazori. An den Hängen stehen einzelne niedrige Bäume. Beherrscht wird das Bild vom golden leuchtenden hohen Gras, schon vertrocknet zu dieser Jahreszeit. Aber dazwischen eine Explosion von Blumen und Farben. Die Talkerbe, durch die in regenreichen Wintern das Wasser hinunterschießt und große Felsbrocken rund schleift, ist überwölbt von einem gewaltigen Oleander-Urwald. Jetzt ist die Blütezeit, ein Meer von zartrosa Blüten umgibt mich. Der märchenhafte Duft aber stammt nicht vom Oleander, sondern von den Feigenbäumen. Nach diesem Geruch hatte ich mich gesehnt!
Eidechsen huschen über die Steine, Vögel zwitschern; die erste halbe Stunde bin ich allein unterwegs. Dann überhole ich einige Familien. Die Väter haben ihre Jüngsten in Rückentragen; die anderen Kinder reicht man sich an schwierigen Stellen zu. Denn das Klettern über die großen Steine ist nicht immer einfach, verlangt Aufmerksamkeit. Nachdem ich eine Weile abgestiegen bin, bietet sich in einer Kurve der Blick auf die Festung Nimrod. O je, so weit oben. Der Aufstieg führt durch einen lichten Olivenhain. Die Sonne hat mittlerweile Kraft gewonnen; einigermaßen verschwitzt komme ich am Eingang der Festung an.

In den vergangenen Jahren haben die Archäologen hier viel ausgegraben und vor allem hervorragend rekonstruiert. Die Bilder auf Postkarten und in Reiseführern sind hoffnungslos veraltet und geben die Wirklichkeit nicht annähernd wieder. Dabei hat sich auch herausgestellt, daß die Festung nicht, wie bislang angenommen, von den Kreuzfahrern erbaut wurde, sondern 1227 von den Ayyubiden, 40 Jahre nachdem Saladin die Kreuzritter an den Hörnern von Hittin vernichtend schlug.

 

Die Besichtigung beginnt am westlichen Ende des Burgberges; hier ist die Freile-gung am weitesten fortgeschritten. Herrliche Säle, kunstvolle Fenstereinfassungen, Säulen und Gewölbe, steile Felstreppen, geheime Gänge und Maueröffnungen, Terrassen und Aussichtsplattformen wechseln einander ab. Romantisch ist der Einstieg in die gemauerte Zisterne, deren halbes Dach eingestürzt ist.

 

Der Donjon, die innere Burg, liegt erhöht am östlichen Rand, der Weg dorthin führt unter schattenspendenden Bäumen entlang. Hier oben hat man eine phantastische Fernsicht. Archäologisch ist dieser Teil noch weitgehend unerschlossen; wir dürfen uns auf die Ergebnisse der kommenden Jahre freuen.

Ich könnte nun auf dem gleichen Weg zurückkehren, entscheide mich aber für den Serpentinenpfad am Osthang. Wiederum führt mich ein versteckter Gang zu einer Nebenpforte, diese ist nur knapp einen Meter hoch. Auf allen vieren krieche ich hindurch.
Zurück an der Straße, ignoriere ich den Rat meines Reiseführers („von hier können Sie in zwanzig Minuten bergauf joggen“) und strecke den Daumen raus. Zwei bildhübsche junge Frauen halten kichernd an. Sie verstehen kein Wort Englisch, ich darf aber mitfahren und bedeute Hebräisch radebrechend, ich würde ihnen zeigen, wo ich aussteigen will.

Es ist inzwischen früher Nachmittag und richtig heiß; ich könnte ein Bad gebrauchen. Das ist nicht unmöglich auf dem Golan, doch es kostet ein wenig Mühe. Die Sa’ar-Wasserfälle direkt an der Straße sind Ende Mai fast ausgetrocknet, aber es gibt andere Täler, die immer Wasser führen. Ich steuere also zurück aufs Hochplateau und zum Nachal Gilbon.
Plötzlich taucht eine riesige Staubwolke vor mir auf, begleitet von ohrenzerreißendem Lärm. Syrische Panzer! – Ach nein, nur eine Horde Jugendlicher auf ihren Quads.
Der Weg zu den Wasserfällen Devora und Gilbon beginnt an der zerstörten Siedlung Aweinat el Shamaliya. Der Wanderführer mahnt, ich solle auf den markierten Pfaden bleiben, die Hänge rechts und links sind noch immer nicht vollständig von syrischen Minen geräumt. Wie überhaupt das Schild „Danger! Mines!“ allgegenwärtig ist auf dem Golan.
Schon auf dem vollgestellten Parkplatz konnte ich ahnen, daß ich hier nicht allein sein würde. Den schmalen Felsvorsprung unter dem Devora-Fall belagert eine Gruppe junger Leute mit wohlgeformten, athletischen Körpern. Es wäre lächerlich, sich dazwischenzudrängen. Ich gehe weiter, treffe auf eine arabische Großfamilie, selbst die Oma am Stock klettert über steile Felsen. Hochachtung! Im Schatten der Oleander schließe ich mich einem Pärchen an, das federnden Schrittes an Familien und Wandergruppen vorbeizieht. Dann stehen wir am Rand des Gilbon-Falles, der von beeindruckender Höhe ist. Nun also steil hinunter, da unten wartet das erfrischende Naß. Ich beeile mich, will vor einer Gruppe lautstarker arabischer Jugendlicher dort sein. Einer pöbelt mich an („Geh doch nach Hause!“); ein anderer fragt mitfühlend, ob es mir nicht zu heiß sei. Sehe ich so aus?

 

Der Weg zum Bassin kreuzt einige Male den Bachlauf. Steine und Äste liegen darin, auf die man treten kann; doch am sichersten kommt man hinüber, wenn man die Hosen aufkrempelt und hindurchwatet. Ich bin froh, daß ich meine Trekking-Sandalen anhabe.
Am Wasserbecken, vielleicht zwanzig Meter im Durchmesser, herrscht Gedränge. Ich suche jemanden, dem ich meinen Rucksack mit Kamera, Kreditkarte und Autoschlüsseln anvertrauen kann. Eine Familie neben mir unterhält sich auf Russisch. Ich spreche sie an, sie stimmen freundlich zu. Jetzt noch über ein paar große Steine balancieren, endlich falle ich ins angenehm kühle Wasser. Hier gibt es sogar Fische! Wenn man unter der Wasser-wand hindurchtaucht, kann man sich in einer Nische auf die Basaltfelsen setzen. Die ganze Welt verschwimmt hinter diesem beweglichen Vorhang.
Ich fühle mich wunderbar erfrischt; aber als ich auf dem Rückweg aus dem Schatten der Oleander trete, trifft mich unvermittelt die Nachmittagsglut. Der Aufstieg aus dem Tal ist kurz und steil, dann geht es noch einige Kilometer auf einer Schotterpiste zurück zum Parkplatz.
Die Kleinkinder in den Rückentragen der Väter sind eingeschlafen, ihre glühenden Gesichter werden mit Wasser gekühlt. Die arabischen Jugendlichen klettern auf einen Pick-up und werfen ihre leeren Plastikflaschen in die Landschaft. Eine junge Frau winkt mir aus dem Autofenster – ach so, das Pärchen von vorhin. Mein ausgedörrtes Hirn phantasiert eisgekühlte Getränke und ein üppiges Abendessen.

Von der Klimaanlage verwöhnt, gleite ich gemächlich über die sanften Hügel hinunter zum Kinnereth. Dabei denke ich über die alte Frage nach, wem eigentlich der Golan gehört. Juristische Argumente interessieren mich nicht. Die Grenzen im Nahen Osten haben die Siegermächte des Ersten Weltkriegs völlig willkürlich aus der Konkursmasse des Osmanischen Reiches geschnitten. Warum bitte sollten die Grenzverläufe von Anfang Juni 1967 die einzig legalen sein, die von 1917, 1920, 1948 und 1973 aber nicht? Das ist doch Humbug.
Seit langem vertrete ich die Ansicht, Frieden sei nur möglich, wenn alle Seiten den Status Quo hinnehmen, die aktuellen Grenzen in ihrer historisch gewachsenen Willkür. In Nablus und Hebron spricht die demographische Wirklichkeit nun einmal – trotz der Patriarchengräber! – für eine palästinensische Souveränität, in Jerusalem und Jaffa für eine israelische. Und so wie das Haus meiner Urgroßeltern in Bromberg/Bydgoszcz für mich futsch ist, so ist der Golan für Syrien perdu. Sag beim Abschied leise Servus.
Am Ende dieses Tages kommt mir aber noch ein anderer Gedanke. Ich erinnere mich an die Verse eines deutschen Nachkriegsdichters:

Und weil wir dies Land verbessern,
lieben und beschirmen wir’s.
Und das liebste mag’s uns scheinen –
so wie andern Völkern ihrs.

 

Der Golan gehört den drusischen Bauern in Mas’ada und Majdal Shams. Er gehört den jüdischen Bauern auf den Traktoren und in den Weinbergen. Er gehört dem Hüttenwirt auf dem Hermon und den Neueinwanderern in Katzrin, den Kibbuzniks und den Archäologen, den Naturschützern und den Wanderern. Der Golan gehört den Geiern und Stachelschweinen, dem roten Mohn und den wilden Alpenveilchen.
Der Golan gehört denen, die ihn mit Respekt behandeln, die ihn wirklich lieben. Darum bitte ich um

Frieden für den Golan

 

Literatur / Links:

http://www.SeaofGalileeGuestHouse.com
http://www.parks.org.il/BuildaGate5/general2/company_search_tree.php?mc=378~All
Hiking in Israel, Toby Press 2008
Guide to the Golan Heights, by Aviva Bar-Am and Yisrael Shalem, Safed Regional College
Avigdor Kahalani, A warrior‘s way, Steimatzky, 1999

 

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Zuweilen das Falsche sagen, aber das Richtige tun – diese deutsche Israel-Politik ist uns im Zweifelsfall lieber als umgekehrt. Zum Glück bestimmt immer noch Angela Merkel die Richtlinien der Politik und nicht SPIEGEL-Chef Georg Mascolo, auch wenn der sich als Oberaufseher über die politische Klasse versteht und seinen Kolumnisten Jakob Augstein stellvertretend für die Mehrheit seiner Landsleute empört aufjaulen lässt ob der grandiosen Enthüllung seines Meinungsmagazins.

In der geheimen Rechercheaktion Alter Hut nämlich haben SPIEGEL-Reporter gewisse Hintergründe aufgedeckt, die weder überraschend noch skandalös sind. Im Gegenteil bedankt sich Verteidigungsminister Ehud Barak ebenso offen wie höflich für die geleistete Unterstützung:

Die Deutschen können stolz darauf sein, die Existenz des Staates Israel für viele Jahre gesichert zu haben.

In der Tat ist die Sicherung der Existenz Israels ein ehrenwertes Unterfangen, da gibt es kein Vertun. Man mag das anders sehen, allerdings um den Preis, sich im Lager arabischer Despoten und Massenmörder, vom Genozid träumenden Präsidenten im Endzeitrausch und anderen traurigen antisemitischen Gestalten wiederzufinden. Keine wirklich vorzeigbare Gesellschaft. Wir hingegen sind froh, auf der richtigen Seite zu stehen und werden jedes weitere in Kiel für Israel gebaute U-Boot begrüßen wie einen guten Freund.

Allzeit gute Fahrt!

 

 

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