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Archive for the ‘Landeskunde’ Category

Dienstags ist Gazatag

Antizionisten, die sich zur Tarnung zynischerweise als Menschenrechtler ausgeben, verbreiten gern Schauergeschichten über hochschwangere Palästinenserinnen, die an israelischen Checkpoints gebären müssten, während, wie etwa Abraham Melzer behauptete, Zahal-Soldaten sich darüber köstlich amüsierten. Leute dieses Schlages schwadronieren schon mal, wie Evelyn Hecht-Galinski in einem bizarren Radio-Interview von „getrennten Bürgersteigen“ (sic!) im vermeintlichen „Apartheid-Staat Israel“.

Nun sind mehr als 1,6 Millionen von 7,8 Millionen Israelis arabischer Herkunft. Man kann nicht behaupten, dass das Neben- und Miteinander völlig spannungsfrei verliefe, aber: Es funktioniert. Eine gute Freundin von mir etwa unterrichtet als Sportlehrerin in einer Schule östlich von Netanya auch eine ganze Anzahl arabischer Schüler, Araber wirken als Schauspieler auf Filmsets und Theaterbühnen mit, schimpfen mitunter als Abgeordnete der Knesset auf den Staat, der sie wohlversorgt. Und sie bevölkern als Ärzte, Pfleger und Patienten die 60 Kliniken des Landes, und beileibe nicht nur das Hadassa in Jerusalem – dies nur, weil die Wochenzeitung DIE ZEIT kürzlich in einem Artikel den Eindruck erweckte, die Behandlung von Juden und Arabern im selben Krankenhaus sei eine kleine Sensation. Das ist Bullshit, wie das meiste, was einem die Medien zumuten, wenn es um Israel und den Nahen Osten geht.

Während üble Nachredner wie Melzer und Hecht-Galinski die Israelis als Unmenschen diffamieren, sieht die Realität sogar für die Araber in den palästinensischen Autonomiegebieten, der Westbank und Gaza, anders aus: Selbst in den Zeiten der verheerendsten Terroranschläge in Israels Städten wurden verwundete Palästinenser in israelischen Krankenhäusern behandelt, inklusive ruchloser Terroristen und überlebender Selbstmordattentäter. Und das ist, Gerede von „Blockade“ und „Freiluftgefängnis“ hin oder her, noch immer so: Im vergangenen Jahr erhielten 115.000 Palästinenser aus den Gebieten medizinische Hilfe in Israel, auch retteten Organtransplantationen fünf Palästinensern das Leben, ohne dass in Israel darum ein großes Gewese gemacht würde – anders als im umgekehrten Einzelfall, der – so nobel er natürlich ist – gleich an die große Glocke gehängt wurde. „Mann beißt Hund“ ist eben interessanter, und wenn sich ein bisschen Propaganda aus einer durchaus guten Tat schlagen lässt, umso besser. Der Tübinger Filmemacher Marcus Attila Vetter wird sich, diese Prognose sei gewagt, sicherlich nicht in ein israelisches Krankenhaus bequemen, um zu dokumentieren, wie Israelis Palästinenserleben retten.

Immerhin hat sich DIE ZEIT jetzt dazu durchgerungen, einen sogenannten Leserartikel zu veröffentlichen, der zwar keinen einzigen eingefleischten Antisemiten Israelkritiker zum Nachdenken bewegen wird, aber dafür denkwürdige Aussagen wie diese enthält:

Im Regelfall ist es kein Problem, dass kranke palästinensische Kinder für Operationen über die Gazagrenze dürfen. In einem Haus in Jerusalem kommen sie mit ihren Müttern zeitweise unter. Ich fahre sie zu Untersuchungen und Operationen in die Krankenhäuser nach Tel Aviv. Zwei davon geben uns Vergünstigungen von fünfzig Prozent – bis zu 8.000 US-Dollar.

Oder:

Dienstags ist Gazatag. Dann fahre ich mit einem arabisch sprechenden Mitarbeiter an den Grenzpunkt Eres, um Familien abzuholen und sie nach Tel Aviv zu bringen. Dort werden diejenigen aufgenommen, die für eine Operation bleiben müssen.

Oder:

Bei einer Essenseinladung traf ich einige Israelis. Ich erfuhr, wie viele aktive und hilfsbereite Menschen hier leben und wie viele sich freiwillig engagieren. Das Interesse an unserer Arbeit war unerwartet groß. Wie der Zustand der Hamaskinder sei und ob es ihnen auch gut gehe nach den Operationen, fragte ein Regierungsbeamter. Die militante Gruppe der Hamas beschießt immer wieder sein Land. Trotzdem sorgte er sich um das Wohlergehen der Kinder, was mich sehr berührte.

Verständlich, dass es Hannes-Christoph Buchmann berührte, und man sollte ihm nicht nur für seine Tätigkeit Respekt zollen, sondern auch dafür, der ebenso maß- wie endlosen Hetze gegen den jüdischen Staat mit diesem kleinen Artikel einen Ausschnitt aus der Realität entgegengehalten zu haben. Während die Palästinenser ihre zahlreichen Terroristen als Volkshelden feiern, sperren die Israelis ihre wenigen ins Gefängnis – und flicken die des Feindes noch im Krankenhaus zusammen. Deren Kinder sowieso. Sehr viel mehr muss man über diesen Teil des Nahost-Konflikts gar nicht wissen, vorausgesetzt man ist keiner von denen, die Moral für ein lateinisches Schimpfwort halten.

 

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Dumm und dümmer

 

„Für den Frieden“ gehen diese Ostermarschierer angeblich auf die Straße; tatsächlich gehen ihnen Kriege und Massaker so lange am Gemüt vorbei, wie die USA oder Israel nicht beteiligt sind.

„Hände weg von Iran + Syrien“ heißt übersetzt: Solidarität mit einem Holocaustleugner, der sein eigenes Volk unterdrückt, einem UN-Mitgliedsstaat mit der Vernichtung droht und Terrororganisationen wie Hisbollah und Hamas sponsert, sowie mit einem Diktator, der gerade einen Aufstand niederschlägt, dessen Opferzahl sich zügig einer fünfstelligen Zahl nähert.

„Raus aus Afghanistan!“ schließlich bedeutet in der Konsequenz, die Rückkehr der steinzeitislamistischen Taliban an die Macht in Kauf zu nehmen. Ausbaden müssten die verheerenden Folgen, die ihre Forderungen nach sich ziehen würden, natürlich nicht die Deppen der sogenannten Friedensbewegung, sondern Millionen Afghanen, insbesondere jene weiblichen Geschlechts, sowie die zahllosen Regimegegner in den Folterkellern Assads und Ahmadinedschads. Mit dem Ruf nach Freiheit, mit Frauenrechten, ja mit elementaren Menschenrechten wissen diese sich gewiss politisch links verortenden Demonstranten offensichtlich rein gar nichts anzufangen. Das ganze Elend, verdichtet in einem Bild.

 

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Dies ist keine Weltfriedenspfeife

 

Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben sei barbarisch, meinte Adorno einst. Ha! Um den Weg zum Wiesengrund einen großen Bogen schlagend, verfasst Günter Grass im Jahr 67 nach Auschwitz nicht nur einen als Gedicht deklarierten Leitartikel, sondern auch gleich einen, der die historische Rechnung mit den Juden begleichen soll.

Günter Grass wird abgewatscht. Von der WELT, sogar im Spiegel, in der FAZ und in der ZEIT.

Was ist passiert? Auf seine alten Tage hatte sich der Großdichter und Nobelpreisträger bemüßigt gefühlt, endlich sein „Schweigen zu brechen“ und „mit letzter Tinte“ gewissermaßen dazu aufzurufen, dem Weltvergifter aller Völker weiter unbarmherzigen Widerstand zu leisten, wozu schließlich schon sein oberster Dienstherr zu Waffen-SS-Zeiten die Volksgenossen in seinem politischen Testament verpflichtet hatte. Dass die Juden unser Unglück sind beziehungsweise drauf und dran, die Welt in Brand zu setzen, drückte er zwar umständlicher aus als Dr. Goebbels weiland im Berliner Sportpalast, aber man weiß schon, wie es gemeint ist.

Was bei so vielen Deutschen raus muss, nachzulesen jederzeit in den Kommentarspalten jeder beliebigen Onlinezeitung, die einen Text veröffentlicht, in dem das Wort Israel vorkommt und auf das der Antisemit der Nachkriegszeit reagiert wie der Pawlowsche Hund auf das Läuten der Glocke, musste also auch bei Günter Grass raus. Und das ist nur zu begrüßen, denn egal wie verquast einer sein Problem, das er mit Juden hat, zum Ausdruck bringt, es ist angesichts der Bedrohung des jüdischen Staates vor allem durch das Mullah-Regime in Teheran gut zu wissen, wo sich die Leute positionieren. Denn entweder stehen sie auf der Seite Israels – oder sie schlagen sich tolldreist ins Lager des Holocaustleugners Ahmadinedschad, der eben kein „Maulheld“ ist, sondern ein gefährlicher Fanatiker, der ein ums andere Mal öffentlich verkündet, die Shoah sei ein Märchen, Israel ein Krebsgeschwür, das entfernt gehöre, zur Vernichtung verdammt sei, bald verschwinden werde und so weiter und so fort – ganz so wie der Gröfaz einst die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ prophezeite. Und der gleichzeitig – daran gibt es längst keinen Zweifel mehr – an der Entwicklung von Atomwaffen arbeiten lässt. Hier muss man nur eins und eins zusammenzählen; wer es nicht tut und stattdessen platt den Spieß umzukehren versucht, den Bedrohten zum Aggressor stempelt und den Aggressor zum potenziellen Opfer, hat sich bereits geoutet.

Der wichtigste Satz in Henryk Broders Buch „Vergesst Auschwitz!: Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage“ steht ziemlich am Schluss seiner Betrachtungen:

Ich finde es vollkommen absurd, dass jedes Jahr Abertausende von jungen Deutschen durch die Konzentrationslager geschleust werden. Sie sollten besser lernen, dass und warum die Juden ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Und wenn aus deutscher Schuld und Scham etwas gelernt werden kann, dann wäre es die Solidarität mit diesem Staat.

Wäre. In der Stunde der Wahrheit sehen wir, wer sich mit Israel, heute Heimat von sechs Millionen Juden, solidarisiert – und wer mit jenen, die ganz unverhohlen die Vernichtung des jüdischen Staates anstreben. Wie man es damit hält – das ist die Gretchenfrage des 21. Jahrhunderts. Günter Grass hat sie für sich beantwortet. Jetzt möchte man nur noch wissen, wer seinen Auslassungen (für schlichtere Gemüter zusammengefasst: Die Juden gefährden den Weltfrieden, aber man darf ja nichts sagen, sonst wird die Holocaustkeule geschwungen) beipflichtet, dann sind künftig sämtliche Untersuchungen, Umfragen und statistischen Erhebungen der Antisemitismusforschung überflüssig.

In diesem Sinne möge ein jeder frei von der Leber weg sagen, was er denkt, unbeholfen wie ein Dortmunder Rentner, verschwurbelt wie ein Literat aus Lübeck oder kackfrech wie die gemeine Hausfrau aus dem hinteren Kandertal, mit letzter Tinte oder leerem Hirn. Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen. Alles, aber auch wirklich alles rauslassen.

Und, bitte, bitte, nur auf eines verzichten: die Beteuerung, es doch gut mit Israel zu meinen, sich dem Land „verbunden“ zu fühlen. Das ist die Kotzgrenze, die wir gern respektiert sähen. Und was Israel betrifft, so hat es schon zu viele Feinde, als dass es sich Freunde wie Grass noch leisten könnte.

 

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Sigmar, hörst du die Signale?

So sieht Apartheid in Israel aus, Genosse Gabriel: Ein Viertel der Mitglieder der von Arik Sharon gegründeten Kadima-Partei, die morgen in den Primaries die Wahl zwischen Zipi Livni und Sha´ul Mofaz haben, sind Nichtjuden – 23.000 von 95.000, ungefähr zu gleichen Teilen Drusen und Araber. Nebenbei auch Ausdruck des für einen Sozialdemokraten des Jahres 2012 wohl nicht begreiflichen Verständnisses der Steigerung von Luxus: eigenes Auto – eigenes Haus – eigene Meinung.

Kadima heißt übrigens vorwärts. Das war deutschen Sozis mal ein Begriff. Lang ist´s her.

 

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Einst trat Felicia Langer in die kommunistische Partei ein, obwohl der eigene Vater dem kommunistischen System zum Opfer gefallen war. Heute biedert sich die früher verfolgte Jüdin ausgerechnet den Deutschen an – und das in einem Ton, den auch Holocaustleugner und -verharmloser vom äußersten rechten Rand bemühen.

Felicia Langer ist eigentlich eine tragische Figur. Vertrat sie früher arabische Mandanten vor israelischen Gerichten, eine an sich durchaus respektable Tätigkeit, verlegte sie, die dem von Deutschen verübten Massenmord an den europäischen Juden entronnen war, sich irgendwann darauf, ausgerechnet in Deutschland als Kronzeugin gegen Israel aufzutreten. So brachte sie es bis zur „Bundesverdienstjüdin“, ausgezeichnet für ihr zweifelhaftes Lebenswerk, das im wesentlichen darin besteht, den jüdischen Staat zu verunglimpfen. Wohlgemerkt: nicht zu kritisieren, sondern zu verleumden, denn mit ihren maßlosen Attacken gegen den angeblichen „Apartheidstaat“, der ein unschuldiges Volk unterdrücke und die ansonsten friedliche Nahostregion bedrohe, wird sie in Israel natürlich nicht ernst genommen. Dort, wo sich noch immer Zehntausende Überlebende der Shoa in äußerst feindseliger Umgebung ihrer Haut erwehren müssen, hat man aus nachvollziehbaren Gründen andere Lehren aus dem Erlebten gezogen, sodass Felicia Langers Masche, mit Hinweis auf ihre Vita ihren extremen Ansichten ein besonderes moralisches Gewicht zu verleihen, ins Leere läuft.

Nachgerade fassungslos macht einen die von Felicia Langer gewählte Sprache. Sie mag es nicht wissen, weil sie jeglicher Sympathien für die Nazis von heute gewiss unverdächtig ist, aber wir, die wir den Antisemiten jeglicher politischer Couleur aufs Maul schauen, stellen erschreckende Ähnlichkeiten fest, wenn wir Felicia Langers Wortwahl mit jener nicht nur der extremen Linken sondern auch extrem rechter Funktionäre vergleichen. Jeden Menschen, der angeblich für Gerechtigkeit und Frieden eintritt, müsste es doch eigentlich ins Grübeln bringen, wenn sich die Israel-Statements der unappetitlichen NPD-Vertreter genauso anhören wie die eigenen.

Folgende kleine synoptische Darstellung mag exemplarisch verdeutlichen, warum Frau Langer und Gleichgesinnte gut daran täten, sich in ihrem Ton, den sie in Bezug auf Israel anschlagen, zu mäßigen. Es ist ja eigentlich schon peinlich genug, sich als Hofjude in Deutschland einen Orden dafür anheften zu lassen, sich im Land der Täter als Bewährungshelferin der Opfer aufzuspielen. Aber als Überlebende des Holocaust in Bezug auf Israel das gleiche Lied zu singen wie die völlig zu Recht des Antisemitismus gescholtene und aktuell mal wieder vom Verbot bedrohte NPD, ist, gerade wenn man auf dem hohen moralischen Ross sitzt, nun wirklich nichts, auf das man stolz sein könnte.

Hören wir nun, wie sich Frau Langer und NPD-Gestalten wie Jürgen Gansel oder Holger Apfel – denen inkonsequenterweise bisher ein Bundesverdienstkreuz für maßlose Israelkritik versagt blieb – vernehmen lassen, wenn es um Juden und Palästinenser sowie die Rolle Deutschlands und Amerikas geht.

 

Langer und der NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel über Norman Finkelstein und die „Holocaust-Industrie“:

„Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Ausspruch des langjährigen israelischen Außenministers Abba Eban: „There’s no business like Shoah-Business.“ In seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“ gab Norman Finkelstein zu Protokoll: „Die Holocaust-Industrie instrumentalisiert den Völkermord an den Juden und beutet das Leid der Opfer aus. Immer neue Entschädigungsforderungen werden gestellt, von denen die Opfer aber kaum Nutzen haben. Jüdische Verbände nutzen ihre moralische Macht zu politischen Erpressungsmanövern. Das Gedenken an den Holocaust hat sich losgelöst von dem tatsächlichen Verbrechen und dient als Druckmittel – um Israels Politik gegen jede Kritik zu immunisieren, um die Defizite der USA in der eigenen Menschenrechtspolitik zu verschleiern, um das ‚Shoah-Business’ am Laufen zu halten.“
(Jürgen Gansel, MdL)

„Antisemitismus als politische Waffe ist ein Thema, das dringend einen Autor gesucht hat – es hat ihn in Norman Finkelstein gefunden, einem Autor, der bisher schon einiges gewagt hat. Wie das vorliegende Buch bezeugt, ist er dem Thema gewachsen; die Genauigkeit und Akribie seiner Recherchen und Analysen sind bewundernswert.
Im ersten Teil des Buches befaßt sich der Autor vor allem mit der Instrumentalisierung von Antisemitismus durch die proisraelische Lobby in den USA und in Europa, zugunsten der israelischen Politik. Immer wenn die Gefahr besteht, die internationale Gemeinschaft könnte mit verstärktem Druck von Israel verlangen, die besetzten Gebiete gemäß dem Völkerrecht zu räumen, wird, so Finkelsteins Analyse, ein neuer Antisemitismus inszeniert: „eine weitere, bis ins kleinste Detail durchkomponierte Oper, die den Zuschauern medienwirksam die erschrecklichen Ausmaße des weltweiten Antisemitismus vor Augen führen soll.““

(Vorwort von Felicia Langer: „Antisemitismus als politische Waffe. Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte“ von Norman G. Finkelstein)

 

Langer und die NPD Görlitz über „israelische Kriegsverbrechen“:

„Diese gezielten Angriffe auf die libanesische Zivilbevölkerung sind es, welche als Kriegsverbrechen geahndet werden müssen. Die militärischen wie auch parlamentarischen Verantwortlichen aus Israel haben sich nach internationalem Recht in Den Haag einem Kriegsverbrecher-Tribunal zu stellen.“
(NPD Görlitz)

„Ich habe schon seit langem gesagt, noch lange vor den aktuellen Ereignissen, dass viele unserer führenden Persönlichkeiten in Israel und die Generäle und auch der (Verteidigungsminister) Barak, ja insbesondere der Barak, an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gehören. Sie sollte dort angeklagt und abgeurteilt werden für ihre Kriegsverbrechen, das vertrete ich schon seit langem.“
(Felicia Langer im Muslimmarkt-Interview)

 

Langer und der NPD-Mann Jürgen Gansel über deutsche U-Boot-Lieferungen für Israel:

„Auf Druck der USA hat die Bundesrepublik in den letzten Jahren Israel mit modernster Waffentechnik aufgerüstet und dafür verrückterweise auch noch einen Großteil der Kosten übernommen. In den Jahren 1999 und 2000 wurden auf Veranlassung Helmut Kohls drei deutsche U-Boote vom Typ Dolphin an Israel verschenkt – Kostenpunkt für den deutschen Steuerzahler umgerechnet 560 Millionen Euro. Dieser Militarisierungspolitik wollte 2005 der aus dem Amt scheidende Gerhard Schröder nicht nachstehen und beschloß in enger Abstimmung mit Angela Merkel die Schenkung von zwei weiteren deutschen Hochtechnologie-U-Boote an die Israelis, die mit der Lieferung im kommenden Jahr rechnen können.“
(Jürgen Gansel, NPD)

„Und was die Verurteilung von Israels Taten betrifft, so geht das auch Deutschland an: Deutschland akzeptiert die israelische Politik aus missverstandener historischer Verantwortung! Auch die zwei U-Boote – ein Geschenk von 333 Mio. – sind kein Gefallen für das israelische Volk! Glauben Sie mir!“
(Felicia Langer)

 

Langer und der NPD-Mann Holger Apfel über vermeintliche Missetaten des jüdischen Staates und die Bearbeitung der deutschen Kritiker mit der Auschwitz-Keule:

„Müsste ich alle Verbrechen aufzählen in den über 60 Jahren Existenz, müsste man wohl ein Verbrecheralbum aufschlagen. Erinnert sei an die zahlreichen Mossad-Morde an politischen Gegnern, an die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten, 17 000 Tote im Libanon bei der Invasion 1982. Erinnert seien an den Bombenterror und das Gemetzel von Bodentruppen im Gazastreifen im Dezember 2008, über 900 Tote, darunter über 300 ermordete Kinder. Wird Israel dann doch einmal im UNO-Gremium kritisiert, ducken sich die Vertreter vor der Israellobby und der blühenden Holocaust-Industrie.“
(Holger Apfel, NPD)

„Wir, die Israelis, die Juden, können keinerlei Recht beanspruchen, als Opfer von gestern Täter von heute zu sein. Das Testament unserer Toten, der Toten des Holocaust, macht eine klare Aussage. Wir haben auch kein Recht, die Schuldgefühle der Deutschen zu funktionalisieren, so wie Israel das tut, und sie, was unsere Taten angeht, zum Schweigen zu verurteilen, damit wir ungestört, jeder Einmischung und Kritik entzogen, die Palästinenser unterdrücken können.
Wir Israelis und Juden haben auch kein Recht, die Deutschen wegen ihrer Vergangenheit über Generationen hinweg für untauglich zu erklären, ihren Standpunkt in Fragen der Moral zu äußern, oder aber sie kollektiv eines quasi angeborenen Antisemitismus zu bezichtigen.“

(Felicia Langer, „Brücke der Träume – Eine Israelin in Deutschland“)

 

Langer und der NPD-Mann Olaf Rose über menschliche Schutzschilde:

„Auch wenn Kramers Vorwurf zutreffen würde, „die Hamas ist es, die sich hinter der palästinensischen Bevölkerung als Schutzschild verkriecht”, stellt sich die Frage, welche Lehren Kramer dann aus der Geschichte gezogen hat? Wird nicht noch heute das Vorgehen gegen sogenannte Partisanen geahndet, über 60 Jahre nach dem Krieg?“
(
Dr. Olaf Rose, NPD)


„Und wenn man behauptet, Hamas benutzt Kinder als Schutzschild, da kann man darüber nur lachen, weil Gaza zur Hälfte aus Kindern besteht…“
(Felicia Langer im Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur IRIB 2009)

 

Langer und die NPD Leipzig über Amerika und die Zionisten:

„Der Einfluß der Zionisten auf Obama ist wenigstens so groß wie er in der Vergangenheit auf alle Präsidenten der USA seit Woodrow Wilson gewesen ist. Die amerikanische jüdische Wochenzeitung Forward hatte bereits 2002 klargestellt, an welche Richtlinien sich US-Präsidenten zu halten haben und nach wessen Fiedel hier getanzt wird. Starke Konsequenzen würden folgen, wenn sich die Unterstützung Israels bloß in der banalen Unterstützung des jeweiligen israelischen Premiers zeigte. Amerikanische Juden und pro-Israel eingestellte konservative Christen seien mächtig genug, derartigen Druck auszuüben, daß ein Präsident gezwungen wäre, zurückzutreten oder nicht mehr gewählt werden würde. Von den USA werde nichts weniger als die bedingungslose Solidarität erwartet!“
(NPD-Kreisverband Leipzig)

„Wir sind nicht antiamerikanisch, Mr. President, wie auch die Millionen Amerikaner, die ihre Politik ablehnen und verurteilen, nicht antiamerikanisch sind! Und diejenigen, die die israelische Politik der Besatzung und Unterdrückung verurteilen im Namen von Gerechtigkeit keine Antisemiten sind! Die proisraelische Lobby diffamiert sie als Antisemiten, um die Stimmen der Verurteilung Israels zum Schweigen zu bringen…“
(Felicia Langer zum Bush-Besuch im Juli 2006)

 

Langer und die „Volksdeutsche Stimme“ über den die „israelische Kriegsmaschinerie“ und hilflose palästinensische Opfer:

„Wieder hat eine der mächtigsten Militärmächte der Welt seine Todesmaschinerie auf den Gaza-Streifen gelenkt. Ein Gebiet, mit 365 Quadratkilometer kleiner als Wien und von fast 1,5 Millionen Palästinensern bewohnt, wird zu Lande, zu Wasser und aus der Luft beschossen, bombardiert, wird zum Ziel der Vernichtung.“
(Kersten Radzimanowski, NPD-Pressestelle)

„Ich mache deshalb alles, um Menschen aufzuklären und ihnen klar zu machen, dass sie mit ihren Taten Völkerrecht brechen, dass sie Verbrechen begehen, die strafbar ist. Israel ist weltweit die 4. Militärmacht und diese 4. Militärmacht zerbombt ein kleines Stück Land mit 1,5 Millionen Einwohnern, darunter ist die Hälfte Kinder.“
(Felicia Langer im Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur IRIB 2009)

 

Langer und die NPD Naheland über das angebliche Streben Israels nach einem Diktatfrieden:

„Kein Wort fällt darüber, daß die Hamas-Regierung im Gaza-Streifen das Ergebnis freier Wahlen ist. Kein Wort darüber, daß nach dem Wahlsieg der Hamas Israel seine Blockadepolitik dahingehend verschärfte, sodaß eine humanitäre Katastrophe die absehbare Folge sein mußte – und sollte? Auch und gerade dadurch ist eine weitere Radikalisierung der Bevölkerung entstanden (…) weil das Ergebnis der International überwachten demokratischen Wahlen von 2006 den Israelis nicht paßte.“
(NPD Naheland)

„Selbstverständlich soll Hamas vernichtet werden, aber nicht nur das. Die jetzige israelische Regierung will das palästinensische Volk in eine Kapitulation treiben und dermaßen unterwerfen, dass jede Lösung – und sei es ein palästinensischer Staat, der nur aus ein paar Bantustans besteht – diktiert werden kann. Das heißt, die Palästinenser sollen soweit gebracht werden, in ihrer Verzweiflung und Frustration jede Lösung anzunehmen, die ihnen Israel präsentiert.“
(Felicia Langer)

 

Langer und das NPD-Mitglied Ronny Zasowk über den harmlosen Iran und die wahren Kriegstreiber:

„Weil der Iran den Regierungen der USA, der EU und Israels zu selbstbewusst geworden ist und sich wagt, eigene Interessen vertreten, rüsten die USA und ihre Vasallen zum Krieg. Deutlich wird das Kriegsgebaren an den nun beschlossenen und ab 1. Juli 2012 in Kraft tretenden Sanktionen gegen den Iran. Die Sanktionen zielen nicht nur auf eine Schwächung der Öl-Industrie des Irans ab, sie streben die nachhaltige Zerstörung der ökonomischen Existenzgrundlagen des Irans an, um diesen in einen Krieg zu zwingen.“
(NPD-Mann Ronny Zasowk)

„Die Gefahr kommt von Israel ­ der viertgrößten Militärmacht der Welt, die atomare Waffen besitzt und eine sehr gefährliche Regierung hat. Der Iran bedroht Israel nicht. Iran ist kein aggressives Land, es hat seine Nachbarn seit Jahrhunderten nicht angegriffen. Die Rhetorik von Präsident Ahmadinedschad ändert daran nichts. Abrüstung ist im Nahen Osten ein Imperativ. Israel will aber keine Kontrolle seiner Atomwaffen zulassen. Der israelische Publizist Uri Avnery nennt die ganze Geschichte von der angeblich existenziellen Bedrohung Israels durch den Iran einen Bluff.“
(Felicia Langer im Gespräch mit Arn Strohmeyer)

 

Langer und die „Volksdeutsche Stimme“ über Solidarität mit Palästina:

„Seit Wochen tobt wieder einmal der Krieg im Nahen Osten und wieder einmal heißt der Kriegstreiber Israel. Mit militärischer Überlegenheit ist eine, von den USA und leider auch von Deutschland, perfekt ausgerüstete Kriegsmaschinerie in den dicht besiedelten Gaza-Streifen eingefallen. Die Zivilbevölkerung leidet und die deutschen Medien stehen wieder fest an der Seite der Besatzer und Kriegstreiber aus Jerusalem.
Wir (…) stellen uns klar an die Seite der Opfer, klar an die Seite Palästinas.“
(Volksdeutsche Stimme)

„Die Palästinenser, enteignet und gequält durch Israel, haben mein Herz und meine Seele gewonnen und dies bis auf den heutigen Tag. (…) Der Tsunami des palästinensischen Strebens nach Freiheit wird nicht enden, er ist unbesiegbar! (…)
Vereint im gerechten Kampf!“

(Dankesrede von Felicia Langer zur Verleihung des palästinensischen Ordens für besondere Verdienste)

 

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…the more they remain the same.

Jerusalem, den 25. März 1933.

Bei dem aus Anlass des Purim (Faschings-)Festes in Tel-Aviv am 13. d. M. veranstalteten Umzug wurde ein Wagen mitgeführt, der die Verfolgung der Juden in Deutschland zum Gegenstand hatte. Der Herr Reichskanzler Hitler war dabei auf einem Pferde reitend, mit einer Lanze in der Hand und einer Tafel auf der Brust dargestellt, auf der hebräische Worte standen mit dem Sinn: „Tod den Juden“. Vor ihm waren Figuren zweier blutüberströmter Juden angebracht, und vor diesen ein Schild mit der Inschrift „Herr Hitler, Chef der deutschen Regierung“, sowie eine andere Tafel mit der Inschrift „Wir aus Deutschland vertriebenen Juden wollen, dass die Pforten unseres Landes Palästina uns geöffnet werden!“ (…)

Nach Einziehung von Bestätigungen der in der Presse erschienenen Meldungen durch das Konsulat in Jaffa habe ich am 22. d. M. mit einem abschriftlich beigefügten Schreiben bei dem Bürgermeister der Stadt Tel-Aviv, Herrn Dizengoff, Protest erhoben und der Erwartung Ausdruck gegeben, dass der vom Stadtrat in Tel-Aviv ernannte Ausschuss für den Purim-Umzug sich entschuldigen wird. Diesen Schritt bei der Gemeindebehörde von Tel-Aviv habe ich mit dem gleichfalls im Auszug abschriftlich beigefügten Schreiben dem Generalsekretär der Palästina-Regierung zur Kenntnis gebracht und unter anderem um geeignete Anweisungen an die Polizei gebeten, damit zukünftig ähnliche Zwischenfälle vermieden werden.

Wolff

(aus: Steininger, Rolf (2007) (Hrsg.): Der Kampf um Palästina 1924 – 1939. Berichte der deutschen Generalkonsuln in Jerusalem, München: Olzog.)

Herr Dizengoffs Antwort ist in dem Band leider nicht überliefert. Ich müsste mich aber schon sehr täuschen, wenn sie nicht ähnlich geklungen hat wie die goldenen Worte von General McAuliffe in Bastogne am 22.12.1944.

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Morgen soll der Soldat Gilad Shalit, der fast 2000 Tage seines jungen Lebens in Geiselhaft verbracht hat, nach Israel zurückkehren. Dafür werden 1027 Verbrecher, die man mühsam ermittelt und festgenommen hat, darunter fast 300, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, auf freien Fuß gesetzt. Es fällt nicht leicht, angesichts dieses moralischen Dilemmas, vor dem das Land steht, und das auch wir schon thematisiert haben, etwa hier und hier, eine klare Position einzunehmen. Es geht gar nicht so sehr darum, wie viele der freigepressten Terroristen weitere Anschläge verüben und wie viele Menschen diesen zum Opfer fallen könnten; solche Spekulationen sind müßig, und man kann wohl sagen, dass die verbesserte Sicherheitslage es den Mördern weit schwerer machen wird als zu den schlimmen Zeiten der „Al-Aqsa-Intifada“. Aber natürlich sträubt sich in jedem Menschen mit Gerechtigkeitsempfinden etwas dagegen, dass die Zeit der Sühne auch für Schwerstverbrecher nur allzu kurz gewesen sein soll. Und, noch eklatanter, dass das Prinzip, dem Terrorismus nicht nachzugeben, für das die Befreiungsaktion von Entebbe beispielhaft steht, verletzt wird – obwohl es Bibi Netanyahu einst selbst postulierte:

8. Do not release jailed terrorists. Among the most important policies which must be adopted in the face of terrorism is the refusal to release convicted terrorists from prisons. This is a mistake that Israel, once the leader in anti-terrorist techniques, has made over and over again. Release of convicted terrorists before they have served their full sentences seems like an easy and tempting way of defusing blackmail situations in which innocent people may lose their lives. But its utility is momentary at best. Prisoner releases only embolden terrorists by giving them the feeling that even if they are caught their punishment will be brief. Worse, by leading terrorists to think such demands are likely to be met, they encourage precisely the kind of terrorist blackmail which they are supposed to defuse: All that Timothy McVeigh’s compatriots need to know is that the United States government is susceptible to releasing him in exchange for the lives of innocent hostages in order to get the terrorists to make just such a demand; only the most unrelenting refusal to ever give in to such blackmail can prevent most such situations from arising.“

(„What is to be done“, in: Netanyahu, Benjamin (2001): Fighting terrorism. How democracies can defeat the international terrorist network, New York: FSG, Seite 144.)

Andererseits gereicht es Israel zur Ehre, dass ein Menschenleben dort noch etwas gilt, was von der ekelhaften Nachbarschaft (Dan Schueftan), in der sich zu behaupten es gezwungen ist, nicht gesagt werden kann. Alle Frauen und Männer, die Jahre ihres Lebens für die Sicherheit des Landes und seiner Bürger opfern – und manchmal auch ihr Leben – müssen darauf zählen können, dass das Land, für das sie kämpfen, sie in der Not nicht im Stich lässt. Deshalb unterstützen laut einer aktuellen Umfrage vier von fünf Israelis diesen „Deal“ trotz des üblen Beigeschmacks. Sie wissen, es könnte auch sie, ihre Brüder oder ihre Söhne treffen. (Interessant wäre in diesem Zusammenhang, zu wissen, wie die arabischen Staatsbürger zu dem „Gefangenenaustausch“ stehen, schließlich fielen auch etliche der ihren palästinensischen Terroranschlägen zum Opfer.)

Gilad Shalit kann dank des Gebots „Pikuach Nefesh“ nach Hause zurückkehren, und Richard Herzinger sieht darin zu Recht den fundamentalen moralischen Unterschied zwischen Israel und seinen arabischen Feinden.

In Gaza und im Westjordanland wird man, so viel ist sicher, den Mördern einen triumphalen Empfang bereiten, ob es die Frau ist, die am 9. August 2001 den Attentäter zum Sbarro-Pizzeria kutschierte, oder der Mann, der 1989 einen Bus der Linie 405 von Tel Aviv nach Jerusalem durch einen gewaltsamen Griff ins Lenkrad eine Klippe hinunterstürzen ließ, wobei 16 Menschen ihr Leben verloren. Aber auch diese Bilder werden einmal mehr den von Herzinger beschriebenen moralischen Klassenunterschied unterstreichen. Und diesen zu erkennen, darum kommt selbst die notorische Ulrike Putz nicht herum.

Das ist nur auf den ersten Blick völlig überraschend, denn traditionell gibt es genau zwei Situationen, in denen Israel, wenn überhaupt, eine gute Presse hat: Wenn es angegriffen wird und stillhält, wie zu Beginn des Jahres 1991, als die Regierung Shamir 40 Scud-Raketen auf israelische Städte unbeantwortet ließ, und wenn es Erpressungen nachgibt – und um nichts anderes handelt es sich, denn von einem „Gefangenenaustausch“ kann keine Rede sein. Hier ein Soldat, der als 19-Jähriger nach einem mörderischen Überfall auf seine Patrouille verschleppt wird, dort mehr als 1000 verurteilte Verbrecher, die teils unvorstellbare Grausamkeiten begangen und sich seither nicht einen Deut geläutert haben, wie u.a. bei Yoram Schweitzer und bei Gil Yaron nachzulesen ist.

So ist die Erleichterung darüber, dass sich bald kein israelischer Bürger mehr in der Gewalt arabischer Terroristen befindet, aus guten Gründen getrübt. Für die Hinterbliebenen der Terroropfer, die erleben müssen, wie die Mörder ihrer Liebsten die Freiheit erlangen und für ihre Taten noch gefeiert werden, ist der Tag, an dem Gilad Shalit heimkehrt, kein Tag der reinen Freude. Das gehört zur Tragik des Landes, dem beizustehen jedem Menschen mit auch nur einem Funken von Anstand Verpflichtung sein sollte. Es bleibt zu hoffen, dass Israel eine ähnlich schmerzhafte Entscheidung möglichst lange erspart bleibt.

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Schöner Wohnen in Gilo

„Israel stößt sogar seine engsten Verbündeten vor den Kopf“, so der Tenor der Berichte und Kommentare (die Grenzen sind da ja längst fließend), als bekannt wurde, dass das Innenministerium in Jerusalem vor einigen Tagen den Bau von 1100 Wohneinheiten im Stadtteil Gilo genehmigte.

Fragt sich nur, worin dieser angebliche Affront bestehen soll. Schließlich ist nicht der Grundstein für eine Siedlung nahe Nablus gelegt worden, dann hätte man die künstliche Aufregung ja noch verstehen können, sondern ein Viertel innerhalb der Jerusalemer Stadtgrenzen, in dem jetzt schon bis zu 40.000 Israelis leben, wird ausgebaut. So sieht es dort aus:

Und jetzt kommen eben 1100 Wohnungen, also ein paar tausend Einwohner, hinzu. So what? Ein seit 1971 bestehender Stadtteil ist keine „Siedlung“, die irgendeinen Araber oder westlichen „Beobachter“ in Wallung bringen müsste. Der Punkt ist aber vor allem der: Gilo liegt nicht in „Ostjerusalem“, wie gern behauptet wird, sondern auf einem Hügel in der südwestlichen Ecke der Hauptstadt, wie hier schön zu sehen ist:

Und zwar auf Grund und Boden, der schon vor dem Zweiten Weltkrieg von Juden käuflich erworben wurde. Sie hatten nur zwischen 1948 und 1967 keinen Zugang, weil Jordanien das Gelände besetzt hielt, und bekanntlich wurden alle Juden aus arabisch beherrschtem Gebiet ausgewiesen – der Grund, warum dem jüdischen Staat in herzlicher Abneigung zugetane Menschen vom „arabischen Ostjerusalem“ schwadronieren können. Judenrein war Ostjerusalem aber nur in genanntem Zeitraum, und heute sind die ehemals von Jordanien besetzten Teile der Stadt so arabisch wie ein Chili con Carne vegetarisch ist. Bibi Netanyahu trifft´s mit seinem Bonmot, dass Jerusalem genau so wenig „judaisiert“ werden muss wie Washington amerikanisiert und London anglisiert werden muss.

Der nahe Gilo gelegene Kibbuz Ramat Rachel wurde schon während des Araberaufstandes 1929 zerstört, in den 30er-Jahren wieder aufgebaut, war während des Unabhängigkeitskrieges hart umkämpft und verblieb letztlich auf israelischer Seite, während Har Gilo eben von der Jordanischen Legion besetzt blieb. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass Waffenstillstandslinien das Resultat militärischer Kräfteverhältnisse sind, nicht mehr. Jordanien beging 1967 den Fehler, Ramat Rachel und andere jüdische Wohngebiete unter Artilleriebeschuss zu nehmen, und der Rest ist Geschichte.

Zwischen Gilo und dem palästinensischen Beit Jalla liegt ein Tal, eine natürliche Grenze gewissermaßen, und tatsächlich ist auch der PA klar, dass sie Gilo selbst im Rahmen eines Abkommens mit Israel nie und nimmer überantwortet bekommen wird. Der Wohnungsbau ist also mitnichten ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die einen Friedensprozess in Gang bringen wollen. Dessen sind im Gegenteil jene zu bezichtigen, die hier ohne Not ein Fass aufmachen. Für Verbündete Israels, auf die wirklich Verlass ist, kein Grund zur Beunruhigung. Je leerer die Tonne ist, desto lauter dröhnen die Schläge darauf, das ist alles.

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Eisige Stille im Gasometer

Für alle, die gestern Abend die Sendung mit dem Jauch verpasst haben, hier eine kurze Zusammenfassung: „Zehn Jahre 11. September – War es richtig, in den Krieg zu ziehen?“ lautete das Thema, und es nahmen teil (v.l.n.r.):

Springer-Chef Mathias Döpfner, der in die Runde passte wie, um es mit Stromberg zu sagen, „´n Hummer an ´nen Bockwurststand“, weil er gern über die Freiheit gesprochen hätte, die es gegen radikale Islamisten zu verteidigen gilt, aber niemanden fand, der sich auf dieses heikle Thema einlassen wollte. Dann Fußballtrainer Jürgen Klinsmann, wo seit 13 Jahren in Amärika läbt, und Altachtundsechzigerin Elke Heidenreich, die als eine Art Überlebende vorgestellt wurde, weil sie am 11. September 2001 in New York hätte gewesen sein können, es aber nicht war, weil man zu einer Einladung bei Harald Schmidt nicht Nein sagen kann.

Weiters Jürgen Todenhöfer, der als „Afghanistan-Kenner“ vorgestellt wurde, mit silbrigem Haar, salbungsvoller Stimme und ganz, ganz viel Mitgefühl für afghanische Zivilisten, sofern sie NATO-Luftangriffen zum Opfer fallen und nicht dem Terror der Taliban. Schließlich noch Ex-Verteidigungsminister Peter Struck, der erklärte, die Versicherung „uneingeschränkter Solidarität“, von der die Regierung Schröder schon bald nichts mehr wissen wollte, sei damals gewissermaßen alternativlos gewesen, sowie das als „Dust Lady“ bekannt gewordene Anschlagsopfer Marcy Border und Tanja Menz, Mutter eines in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten. Sie mochte sich über den Mörder ihres Sohnes, der als afghanischer Polizist den deutschen Verbündeten von hinten erschoss, allerdings kein Urteil erlauben, denn: „Man weiß ja nie, was der vorher erlebt hat“.

Leider wurde dem Zuschauer der Kameraschwenk Richtung Todenhöfer in diesem Augenblick vorenthalten. Er dürfte zustimmend genickt haben. Der Afghanistan-Kenner selbst schwieg von den Taliban, die Menschen in Fußballstadien hinzurichten pflegten (schade, denn sonst hätte Klinsmanns Anwesenheit doch noch irgendwie eine Berechtigung erfahren), und schwadronierte lieber lang und breit darüber, dass der Afghanistan-Krieg ein „schrecklicher Fehler“ sei, denn im Krieg sterben Menschen. Vor allem aber sprach er über sich: Er, Jürgen Todenhöfer, habe ein Waisenhaus für Dutzende afghanische Kinder gegründet; er, also Jürgen Todenhöfer, habe in einem libyschen Krankenhaus mit einem Arzt gesprochen; er, Jürgen Todenhöfer, habe in Kairo mit den Menschen auf dem Tahrir-Platz demonstriert. Und da er (Jürgen Todenhöfer, um ihn noch einmal zu erwähnen) nicht nur die Sünden des Westens auf sich nimmt, dafür Buße vulgo Gutes tut und noch öfter darüber redet, sondern auch immer dort auftaucht, wo das Elend am größten ist, hat er trotz dieses bewundernswerten Engagements noch die Zeit gefunden, sich in eine deutsche Talkshow zu bemühen.

Auf gewisse Errungenschaften in Afghanistan, die in einem Einspieler aufgeführt wurden, vom Rückgang der Kindersterblichkeit bis zu dem Umstand, dass jetzt auch Mädchen Schulen besuchen dürfen, ging Jürgen Todenhöfer allerdings ebenso wenig ein wie auf die Tatsache, dass die allermeisten Afghanen von „Aufständischen“, also Steinzeitislamisten getötet werden. Das hätte auch nicht in sein Argumentationsschema gepasst, das im Wesentlichen aus der Behauptung besteht, der Westen sei es, der schlimmen Krieg in einen ansonsten friedlichen und harmonischen Teil der Welt getragen hätte.

Ein Zitat aus einem herausragenden Essay von Mathias Döpfner, das eine Diskussion über den radikalen Islamismus, der ja irgendwie mit dem schicksalhaften Datum zu tun hat, hätte anstoßen können, wurde weitgehend ignoriert (einzig Peter Struck meinte, es habe was für sich, er wolle es jedoch so nicht unterschreiben), und als der Springer-Chef die falschen Lehren, die die Deutschen aus Krieg und Holocaust zogen, erwähnte („nie wieder Gewalt, nie wieder Krieg“), spendete das Klatschvieh an der falschen Stelle Beifall – der dann bezeichnenderweise ausblieb, als Döpfner von den Lehren sprach, die man hätten ziehen sollen: „Nie wieder Antisemitismus, nie wieder Diktatur“. Eisige Stille im Gasometer.

Der freundliche Herr Klinsmann wusste zur Debatte beizutragen, dass „der Amerikaner“ viel zu beschäftigt sei mit der Bewältigung des Alltags, und damit, nach vorne zu schauen, als dass er Nachrichten wirklich bewusst und in der Tiefe aufnehmen und reflektieren könne. Anders natürlich als wir Deutschen im allgemeinen und Elke Heidenreich im besonderen. Sie erklärte, Terror dürfen man nie „mit Terrorismus beantworten“ (Applaus) und wusste mit der Behauptung zu erheitern, die islamische Welt sehne sich nach Demokratie (wobei dort der Wunsch nach dem Sturz eines Tyrannen durchaus auch mit dem Wunsch einhergehen kann, den Frieden mit Israel aufzukündigen und schon mal vorsorglich die Botschaft des Landes zu stürmen). Darüber hinaus habe 9/11 eine „Vorgeschichte“, von wegen „Ursache und Wirkung“.

Aha, denkt sich der einschlägig vorgebildete Zuschauer, jetzt hören wir einmal mehr, warum die Amerikaner sich die Angriffe auf New York und Washington mit 3000 Toten letztlich selbst zuzuschreiben haben, aber dann kommt Elke Heidenreich leider nicht mehr dazu, einem Großteil der Deutschen aus der Seele zu sprechen. Der Afghanistan-Kenner mahnt noch einmal die Alternative zum Krieg an, die jetzt schon greifbar nahe sei, nämlich „Verhandlungen“; es müssten eben nur die Taliban versprechen, sich nicht mit Terroristen zu verbünden oder so ähnlich. Eine gute Schlusspointe für einen Fernsehabend, der des 11. September zwar gewiss nicht würdig war, aber doch immerhin merkwürdig.

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Sowohl bei den Bildagenturen als auch beim Qualitätsmedium DIE ZEIT geht man mit den Fakten nicht allzu pingelig um: Die stimmungsvolle Fotostrecke zum „Ramadan in Palästina“ schlägt Israels Hauptstadt Jerusalem Palästina zu, bezeichnet Jenin als „westjordanisch“ und verwechselt die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg mit dem Felsendom (siehe unten). Kann passieren. Darf aber nicht passieren. Wir plädieren eindringlich dafür, dem Redaktionspraktikanten die Zuständigkeit für derart sensible Themen zu entziehen.

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