Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Medienschelte’ Category

Ach, was waren das für Zeiten, als man im Journalismus Nachricht und Kommentar noch zu trennen pflegte! Bei Spiegel online gibt sich Julia Amalia Heyer keine Mühe, ihr Ressentiment gegen die allseits verhasste israelische Regierung zu verbergen, und wenn sie dazu in einem Verbrechensfall Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern machen muss. Die Reaktion auf die Entführung dreier israelischer Teenager, nicht die Untat an sich, macht der deutschen Korrespondentin schwer zu schaffen. Doch halt – sagten wir Verbrechen? So weit würde die Reporterin nicht gehen. Sie spricht mal von einem „Unglück“, mal von einer „Tragödie“ – und mehrmals vom „Verschwinden“ der drei Jungs, „wie Netanjahu sie nennt“ und was sie offenbar nicht sind.
 
Sondern: Siedler. „Drei junge Siedler“, die am Donnerstagabend „in ihre Siedlungen trampen“. Nun wohnen zwei der drei Entführungsopfer gar nicht in einer Siedlung, sondern diesseits der Green Line, aber da Siedler gemeinhin als vogelfrei gelten, deutet Heyer damit an, dass so was schon mal passieren kann, denn schließlich leben hier Juden „auf palästinensischem Territorium“ (vulgo: umstrittene Gebiete, über welche, in dieser Reihenfolge, die Osmanen, Engländer, Jordanier und Israelis herrschten, niemals aber Palästinenser; die stellen hier rückwirkende Ansprüche, über die man reden kann oder auch muss, die aber nicht gottgegeben sind), und solche Subjekte darf man jederzeit, wie die Familie Fogel, in ihren Betten abschlachten oder eben kidnappen, um einen „Gefangenenaustausch“ in die Wege zu leiten.
 
Nun ist es natürlich möglich, dass Eyal, Naftali und Gilad nicht entführt wurden; vielleicht sind sie ja tatsächlich vom Erdboden „verschwunden“, wurden just for fun von Chefingenieur Scotty aufs Raumschiff Enterprise hochgebeamt, wo sie sich auf der Brücke gemeinsam mit der Crew über schwere Dachschäden bei Journalisten im 21. Jahrhundert amüsieren, auszuschließen ist nichts. Aber Julia Amalia Heyer ist großzügig genug, die Möglichkeit einer Entführung in Betracht zu ziehen. Womit sich allerdings die Frage stellt: Wer war’s? Die Hamas, der Heyer noch vor drei Monaten bescheinigte, sie sei angetreten, um „den Alltag der Palästinenser in Gaza lebenswerter zu machen“, kann es natürlich kaum gewesen sein, denn die „Bewegung, die seit 2007 im Gazastreifen regiert“, hat „die Anschuldigung ausdrücklich zurückgewiesen“. So!
 
Sie hat auch – nach gelungener Freipressung von mehr als 1000 palästinensischen Terroristen infolge der Geiselnahme Gilad Shalits – immer wieder dazu aufgerufen, mehr Juden zu entführen, um Israel zur Entlassung weiterer Tausend Häftlinge zu nötigen, und es auch mehrmals erfolglos versucht, aber darauf geht Frau Heyer nicht ein; ihr ist wichtiger, dass der „Hardliner“ Netanjahu die Hamas verantwortlich macht, und was einer sagt, der „Teilen der internationalen Gemeinschaft als notorischer Neinsager“ gilt (ungeachtet des Wye-Abkommens, ungeachtet der Bar-Ilan-Grundsatzrede, ungeachtet der von ihm veranlassten Gesten des guten Willens, die stets ohne Erwiderung blieben), ja „manchen sogar als Kriegstreiber“, das kann und darf ja nicht wahr sein. „Konkrete Beweise blieb Netanjahu bisher schuldig“, greint die Spiegel-Reporterin, ganz so, als seien die israelischen Geheimdienste es ausgerechnet der bis auf die Knochen feindseligen Journaille schuldig, ihre Erkenntnisse öffentlich zu machen.
 
Bar jeglichen Mitgefühls für die „Verschwundenen“, dreht Heyer den Israelis einen Strick aus der Tatsache, dass sie mit ihren Warnungen und Befürchtungen Recht behalten haben; sie weideten „den Vorfall propagandistisch aus“, politisch komme diese Sache dem Ministerpräsidenten „zupass“, er wolle sich „endlich wieder als der Hardliner präsentieren, als der er seit Jahren gewählt wird“. Zwar hat Netanjahu einen ziemlich undankbaren Job, der ihn zwingt, am laufenden Band Antworten auf Druck und Terror zu finden, gleichzeitig Solidarität mit den Angehörigen von Terroropfern zu zeigen und ihnen Hoffnungen zu machen, zu denen es vielleicht schon keinen Anlass mehr gibt, aber für Heyer hat das alles keine Bedeutung. Was Bibi sagt, ist vom Teufel, seine entschlossene, aber auch mitfühlende Ansprache an die Israelis wertet sie als „Brandrede“, und dass der Regierungschef – gibt’s denn so was? – auch noch Mahmud Abbas mitverantwortlich macht, nur weil der sich gerade mit der Hamas verbündet hat, geht natürlich gar nicht. „Lautstark“ macht er das auch noch, meint Heyer, die vielleicht nicht an der Journalistenschule, aber doch in der täglichen Praxis gelernt hat, wie man unliebsame Typen mit negativen Attributen zur Minna macht, gern garniert mit einem unvorteilhaften Foto des Prügelknaben. Im Spiegel hat das seit jeher Tradition; schon vor 30 Jahren haben andere Regierungschefs etwas „bekräftigt“ oder „klargestellt“, nur Begin „tönte“ immer. Was die Stimmungsmache betrifft, hat Heyer den Bogen raus, sie weiß, wenn man Netanjahu oft genug als Hardliner bezeichnet, wird’s gefressen. Und nur zu gern, wie ein Blick in die Hölle zeigt, die sich bei Spiegel online „Forum“ nennt.
 
Da Palästinenser nach der gängigen Medienstrategie immer nur als hilflose Objekte, niemals aber als handelnde – und damit auch verantwortliche – Subjekte dargestellt werden, gilt es auch in diesem Fall, die Juden nicht als Opfer zu benennen. Zwar sind es die Israelis, die seit einer Woche um drei verschleppte Minderjährige bangen, aber wirklich leiden müssen einmal mehr die Palästinenser: Die bedauernswerten Menschen, die von den Razzien im Westjordanland betroffen sind! Und was erst der Bevölkerung im Gazastreifen droht, „die bereits seit Monaten darbt“! Wieder so eine Information, die Heyer exklusiv hat; zwar wird die „humanitäre Katastrophe“ in Hamastan seit dem Abzug der Israelis vor neun (!) Jahren immer mal wieder bemüht, aber noch hat sich niemand zu Tode gedarbt, eher im Gegenteil, und wenn jemand in dem Küstenstreifen hungert oder dürstet, dann nur nach einem Dschihad gegen die Juden.

Da ist dann Julia Amalia Heyer gern bereit, im Propagandakrieg die helfende Hand zu reichen. Im Jahr 2014 ist das in einem deutschen Massenmedium überhaupt kein Problem mehr, schließlich feiert man das Bündnis zweier Terrorgruppen inzwischen landauf, landab als begrüßenswerte „Versöhnung“, die wundersamerweise den Frieden zu befördern vermag. Unter die Räder kommt dann eben der jüdische Staat, der aus übertriebener Sorge um drei jugendliche Bürger in Feindeshand mal wieder völlig unverhältnismäßig reagiert und aus der „Tragödie“ auch noch eiskalt „den maximalen politischen Nutzen“ ziehen will. Da alles, was Israel tut oder unterlässt, unter allen Umständen falsch und verwerflich sein muss, ist ein Gesetz, das „den Austausch oder die Begnadigung von Gefangenen in Zukunft schlicht verbietet“ und das man für sinnvoll halten muss, soll sich der Rechtsstaat nicht auf ewig erpressbar machen, für Heyer selbstredend eine Monstrosität, ebenso unstatthaft wie eines, „das die Zwangsernährung hungerstreikender Häftlinge erlaubt“ und so dem ersehnten Märtyrertum einen Riegel vorschiebt.
 
Derweil halten die Palästinenser seit einigen Tagen feixend drei gespreizte Finger in die Kameras, Ausdruck ihrer unbändigen Freude über die Entführung der drei Jugendlichen, aber die grassierende Soziopathie in den Gebieten, die seit zwei Jahrzehnten von Fatah und Hamas beherrscht werden, ist für Julia Amalia Heyer und ihresgleichen natürlich kein Thema. Das könnte die Feinde Israels nicht gut aussehen lassen, das wäre fatal, also wird es, wie die Erziehung zum Judenhass, die Ermordung von „Kollaborateuren“ und ähnliche in Palästina gern gepflegte Traditionen, stillschweigend unter den Teppich gekehrt.

Die letzte Tinte spart man sich auf, um vor der Gefahr zu warnen, die von den Juden ausgeht. An so einer Presse hätte das Humpelstilzchen vor 70 Jahren seine helle Freude gehabt.

 

Read Full Post »

Jerusalem – according to Arte

24 Stunden Jerusalem – eine Doku über die Stadt und die Menschen, die dort leben. Das hört sich gut an, insbesondere, wenn man Jerusalem kennt und liebt. Man steht dafür vielleicht nicht um 6.00 Uhr auf und bleibt dann einen Tag und eine Nacht lang vor der Glotze kleben, aber, he: Jerusalem!

Jetzt die schlechte Nachricht: Das, was von morgen 6.00 bis Sonntag um 6.00 bei Arte und im Bayerischen Fernsehen gezeigt wird, ist zwar ein ambitioniertes und vor allem kostspieliges Projekt (über 2,4 Millionen Euro), der Erkenntniswert jedoch mehr als fragwürdig. Vor allem, seit die Verantwortlichen der „24h Jerusalem“-Doku und die arabischen Filmteams und Protagonisten zwei Mal von Extremisten unter Druck gesetzt wurden, das Projekt zu boykottieren: Die Abbildung der Realität vor Ort käme einer Anerkennung des Status quo gleich, so die Blockadekräfte; und diese wussten auch sehr genau, wie man dafür sorgt, dass die friedliche Koexistenz in Jerusalem nicht gezeigt wird. Die arabischen Teilnehmer knickten ein, die Macher auch, und schließlich filmte man getrennt: hier die Juden (gefilmt von Juden), da die Araber (gefilmt von Arabern) und daneben die Restlichen (gefilmt von Europäern), dergestalt eben die Apartheid abbildend, die von den palästinensischen Fanatikern gewünscht ist, denn mit Juden darf man nach deren Willen nichts gemeinsam machen. Das entspricht zwar nicht der Alltagsrealität vor Ort, aber immerhin der Auffassung der Projektleiter, die Stadt sei „geteilt“.

Geteilt war Jerusalem tatsächlich – zwischen 1948 (Eroberung Ostjerusalems durch die jordanische Legion, Halten des Westteils durch Israel) und 1967 (Eroberung Ostjerusalems durch die israelischen Streitkräfte nach Beschuss der Neustadt – also Kriegseintritt – durch Jordaniens Armee). Allerdings wird das entscheidende Geschehen jener Zeit – Vertreibung sämtlicher Juden, Zerstörung von 29 Synagogen, Schändung des jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg, Weigerung, auch nur einen Westjerusalemer Juden an der „Klagemauer“ beten zu lassen – ausgeblendet, sodass dem uninformierten Zuschauer das Beharren der Israelis auf Kontrolle über ein geeintes, meinetwegen auch zwangsvereintes Jerusalem irgendwie widerrechtlich scheinen mag. Gerade diesem falschen Eindruck könnte man, so man es wollte, in den üppigen 24 Stunden, die zur Verfügung stehen, entgegenwirken, aber die Macher haben anderes im Sinn: die Unmöglichkeit einer alleinigen Herrschaft Israels über die Heilige Stadt herauszustellen und die „Besatzung“ Ostjerusalems zu beklagen, ohne die sich aufdrängende, weit unangenehmere Alternative (samt historischem Vorbild) zu zeigen.

Also sehen wir unter anderem: eine „Siedlerin“, die mit ihrer vielköpfigen Familie östlich der Altstadtmauern wohnt; einen Muezzin, der minutenlang ins Mikrofon jammert; einen Fotografen, der Schwierigkeiten hat, einen Fototermin mit einer chinesischen Schauspielerin wahrzunehmen; eine „Friedensaktivistin“, die sich für die Araber ins Zeug legt, dazu einen „Menschenrechtler“; eine arabische Großfamilie, der übel mitgespielt wurde oder auch nicht; einen Freak aus Russland, der sich von einem ominösen Gönner aushalten lässt und den Part des naiv-gläubigen Christen gibt; und: die Mauer, die Mauer, die Mauer!

Da auf Druck der üblichen Verdächtigen keinerlei Anzeichen für friedliches Mit- statt Nebeneinander gezeigt werden darf – worauf sich die Verantwortlichen, wie noch einmal betont werden muss, eingelassen haben -, sehen wir beide Bevölkerungsgruppen allein für sich herumwurschteln, also keine jüdischen und arabischen Ärzte oder Pfleger, keine Müllmänner gemeinsam bei der Arbeit.

Stattdessen: eine „geteilte Stadt“. Wie ungerecht, dass Israel sie allein beansprucht! Und dass es „keine Stadtverwaltung in Ostjerusalem“ gibt. Die gibt es zwar in Ostberlin auch nicht mehr, aber den Juden kann man eine Teilung ihrer Hauptstadt schon zumuten. Gut, theoretisch könnten sich die Araber Ostjerusalems – es gibt übrigens auch welche in Westjerusalem – an den Kommunalwahlen in großer Zahl beteiligen und ihre eigenen Interessen wahrnehmen, aber das wäre wiederum eine Anerkennung des Status quo, und das geht ja nicht.

Bleibt die Frage: Cui bono? Blöde Frage. Das Projekt nützt niemandem außer den Machern. Regisseur Volker Heise sagt denn auch, es sei ein „Programm von Europäern für Europäer“, mit dem man „niemandem helfen“ könne und wolle. Immerhin, das Sendungsbewusstsein geht nicht so weit, den Beteiligten in ihr Leben hineinquatschen zu wollen. Oder zu können, ließe sich etwas boshaft ergänzen.

So bleibt unterm Strich ein Projekt, mit dem sich Europäer ihren verqueren Blick auf die Dinge im Nahen Osten bestätigen. „Das wird hier mal alles jüdisch“ sagt die durchaus sympathische Mutter der „Siedlerfamilie“, als sie auf das Viertel im Osten der Stadt blickt. Aha, denkt der halbgebildete deutsche Nahostkenner, die wollen Jerusalem judaisieren und die Araber vertreiben! Dass die Juden seit Mitte der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt stellen, dass im Jahr 1967 knapp 55.000 Araber in Jerusalem lebten und heute mehr als 280.000, und dass auch ihr relativer Anteil an der Bevölkerung kontinuierlich steigt, wird man in „24h Jerusalem“ nicht erfahren. Auch nichts vom Miteinander von Juden und Arabern in der Stadt, von Schulen oder Volkshochschulkursen, in denen Seite an Seite gelernt wird – nichts.

Nichts auch über die Behauptung palästinensischer Geistlicher und Politiker, die Juden hätten keinerlei historische Verbindung zu Jerusalem, der Tempel habe sich nie über dem Berg Moriah erhoben und daher sei der Anspruch der Juden null und nichtig.

Schade ums Geld – und mehr noch um die Sendezeit. Es ließe sich mühelos – und weitaus kostengünstiger – eine einstündige Doku herstellen, die dem Zuschauer weit mehr über Geschichte und Gegenwart Jerusalems vermitteln könnte als 24 Stunden, in denen man 70 von 800.000 Bewohnern dabei zuschauen kann, wie sie ihren Kindern die Zähne putzen, frühmorgens durch die Grabeskirche schnüren oder Schulkinder zu einem reinlicheren Auftreten ermahnen, weil die „innere Reinheit die Reinheit der Nation“ bedingt, wie es in der arabischen Schule heißt. Kommentiert wird so etwas nicht, man kann sich aber etwas dazu denken. Wenn man will. Der Rest ist Manipulation – durch Auslassen, Andeuten und unwidersprochene Behauptungen. Eben ein Film von Europäern für Europäer. In Jerusalem leben die Menschen derweil ihr Leben, mal neben-, mal miteinander. Apartheid gibt´s im Fernsehen.

 

Read Full Post »

In Israel leben etwa 150.000 Christen. Sie genießen, wie Muslime, Drusen und andere Glaubensgemeinschaften auch, Religionsfreiheit, leben unbeschwerter und sicherer als in jedem islamischen Land. Laut Spiegel online jedoch steht ihr Glaube „unter Beschuss“ respektive laut zitiertem Geistlichen gar unter „Dauerbeschuss“. Noch hat es niemanden erwischt; dafür, dass man die Israelis gern trigger happy heißt, scheinen sie schlecht zu zielen. Aus irgendeinem Grund, der in den Präferenzen deutscher Nahostberichterstatter zu suchen sein mag, wird jedenfalls nicht die anhaltende Terrorisierung und Verdrängung arabischer Christen durch radikale Islamisten thematisiert; vielmehr suggeriert Annette Langer, es seien Juden, und zwar die von der radikalen Sorte der hilltop youth, die den Christen ans Leder wollten. Zu dumm, dass es bei der Verdächtigung bleiben muss, denn: „Beweise gibt es nicht“.

Da aber dem deutschen Journalisten, geht es um Israel, schon Gerüchte ausreichen, wenn sie sich denn zu einer noch so fadenscheinigen Anklage des jüdischen Staates verwursten lassen, wird aus der dürren Faktenlage dennoch ein entsprechender Artikel zusammengeschustert. Als wüsste sie nicht, dass palästinensische Islamisten seit etlichen Jahren sowohl jüdische als auch christliche heilige Stätten zu schänden pflegen und als merkte sie nicht, dass diese Passage ihren ganzen Text höchst fragwürdig erscheinen lässt, zitiert Annette Langer aus einem offiziellen Bericht wie folgt:

Die in Washington ansässige „Organisation Search for Common Ground“ hat Angriffe auf heilige Stätten in Israel von April 2011 bis November 2013 aufgelistet. 17 Mal wurden christliche Einrichtungen geschändet, 23 Mal muslimische – aber auch 41 Mal jüdische.

Was Annette Langer hier zugibt: dass jüdische Einrichtungen demnach so häufig geschändet werden wie christliche und muslimische zusammen (wobei noch nicht einmal sicher ist, wer in welchem Fall der Täter war). Aber nehmen wir zugunsten der Autorin einmal an, nur eine dieser Konstellationen sei wichtig genug für Spiegel online, und ausschließlich jüdische Täter seien verantwortlich für Übergriffe auf christliche Einrichtungen, und in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren habe es 17 Fälle von Schändungen durch Juden gegeben, dann kommen wir auf sieben Fälle pro Jahr. Zum Vergleich: Laut Chronik der Amadeo-Antonio-Stiftung wurden allein im Jahr 2013 erheblich mehr antisemitische Vorfälle in Deutschland registriert, ohne dass jemand beim Spiegel auf die Idee käme zu behaupten, der jüdische Glaube lebe in Deutschland unter (Dauer-)Beschuss.

Wahrscheinlich ist man beim Spiegel auch nicht wirklich überzeugt davon, dass Christen im Heiligen Land etwas auszustehen hätten. Aber der Artikel passt in die Gesamtstrategie des Blattes: Wenn man nur immer wieder neue Mini-Fässchen mit echten oder vermeintlichen Missständen und Problemen aufmacht (neue Straßenschilder, die Sesshaftmachung von Beduinen, die hohen Mieten in Tel Aviv, ein geplanter archäologischer Park in der Davidstadt, der Umgang mit illegalen Einwanderern, Extra-Öffnungszeiten für orthodoxe Museumsbesucher, die Streckenführung der Stadtbahn in Jerusalem oder auch nur ein Sack Reis, der im Shouk umgekippt ist), dann bleibt am Ende bei Otto Normalverleumder hängen, dass der jüdische Staat ein Hort der Intoleranz und der Ungerechtigkeit sein muss, gleichgültig was 300.000 Deutsche, die jedes Jahr das Land besuchen, erleben mögen. Und wenn man ausgerechnet dem einzigen Staat im Nahen Osten, der allen Bürgern die freie Ausübung der Religion garantiert, unterstellt, er verfolge Christen (oder ließe es zu), dann ist auch das nur ein weiteres kleines schmutziges Puzzleteilchen im großangelegten Projekt, Israel permanent an den Pranger zu stellen und letztlich zu delegitimieren. Schweinejournalismus ist ein durchaus passendes Wort dafür.

 

Read Full Post »

Bullshit

Bei ZEITonline kennt man offensichtlich den Unterschied zwischen einer Siedlung und einer Wohneinheit nicht.

1001Siedlungen
(Screenshot, 11.08.2013, 15.01 Uhr)

 

Im Vorspann steht es noch einmal falsch („Kurz vor den nächsten Friedensgesprächen kündigt Israel neue Siedlungen in Ostjerusalem und im Westjordanland an“), bevor dann im Text endlich von Wohnungen die Rede ist und eingeräumt wird, dass zwei Drittel dieser Wohnungen in Jerusalem entstehen sollen und der Rest in Ariel und Beitar Illit. Ob aber an diesen Orten – zwei Kommunen, die selbst nach einem (äußerst unwahrscheinlichen) Friedensschluss garantiert bei Israel verbleiben werden – gebaut wird oder in Ramallah rollt eine Kichererbse vom Laster, ist vollkommen unerheblich. Gleichwohl bringt die fette Schlagzeile ZEIT-Leser wie „Gonokokkenmutterschiff“ dazu, im Kommentarbereich eine israelische „Kriegserklärung“ zu beklagen.

Und, bei Gott, unter den ZEIT-Lesern gibt es entschieden zu viele Gonokokkenmutterschiffe.

 

Read Full Post »

Richard Chaim Schneider fährt mit der neuen Jerusalemer Stadtbahn – die übrigens von vielen arabischen Bewohnern frequentiert wird, auch wenn Mahmoud Abbas und Konsorten sich vehement gegen das Projekt stemmten – vom Herzl-Berg bis Pisgat Ze´ev.

Der nicht unsympathische Gedanke dahinter: zwischendurch auszusteigen und Menschen vorzustellen, die aus unterschiedlichen Milieus kommen. So unterhält sich RCS auf dem Mahane Yehuda-Markt mit einem israelischen Koch und in Mea Shearim mit einem Hutmacher, der Haredim mit unzeitgemäßen Kopfbedeckungen ausstattet, mit einem armenischen Porzellanhersteller und mit arabischen Jugendlichen in Shuafat, die den Mauerabschnitt, den der Terror der „Al-Aqsa-Intifada“ leider notwendig machte (erinnert sei an das Selbstmordattentat in einem Linienbus in Pisgat Ze´ev vor etwas mehr als zehn Jahren, sieben Tote, Dutzende Verletzte, der Täter hatte sich als orthodoxer Jude verkleidet), mit Graffiti verzieren: „This wall will fall“.

Berührungsängste hat RCS also nicht. Mal sehen, was wir aus einem Gespräch mit den als „Siedlern“ titulierten Bewohnern des Stadtteils Pisgat Ze´ev lernen! Schneider steigt gerade aus:

So, dies ist unsere letzte Station, Pisgat Ze´ev! Aber anders als bei unseren anderen Stationen sind wir hier mit niemandem verabredet. Denn Pisgat Ze´ev ist eine Schlafstätte (sic!). Die Menschen fahren morgens in die Innenstadt zur Arbeit und kehren erst abends zurück.

Mehr als 40.000 Menschen, Frauen und vor allem viele Kinder inklusive (40 Prozent der Bewohner des Viertels sind unter 21), und tagsüber ist keiner zuhause! Da lohnt es sich natürlich nicht für RCS, einen der 58 Kindergärten oder eine der 14 Schulen Pisgat Ze´evs aufzusuchen.

Jammerschade, dass sie alle weg sind! Oder dass Herr Schneider – der die Landessprache beherrscht und dem man keine Ahnungslosigkeit attestieren könnte oder auch nur wollte – und seine BR-Redaktion sich auf diese Erklärung für eine Nicht-Verabredung geeinigt haben. Sonst hätte der Zuschauer vielleicht erfahren, dass in Pisgat Ze´ev religiöse und säkulare Juden Tür an Tür wohnen – mit mehr als 1300 Arabern, die dorthin gezogen sind! Und in der „Siedlung“ nicht schlecht leben.

Das wäre mal ein Termin gewesen, der dem deutschen Fernsehzuschauer ein paar neue Erkenntnisse vermittelt hätte. Aber eben auch politisch verstören könnte. Also wird ein Stadtteil mit -zigtausenden Bewohnern zur „Schlafstätte“ erklärt, in der leider niemand anzutreffen sei. Man wüsste zu gern, wer wohl auf diese höchst kreative Ausrede verfallen ist.

 

Read Full Post »

„Palästinenserpräsident“ Mahmoud Abbas, dessen Amtszeit, von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, vor etwas mehr als drei Jahren ausgelaufen ist, hat einen neuen Frühstückspremierminister auserwählt. Rami Hamdallah leitete bisher die Universität von Nablus, über die Christoph Sydow auf SpiegelOnline schreibt:

Die Nadschah-Universität in Nablus gehört zu den wenigen palästinensischen Institutionen, die reibungslos funktionieren. Trotz aller Widrigkeiten und der israelischen Besatzung hat sich die Hochschule in den vergangenen Jahren einen Ruf als seriöse und prestigeträchtige Bildungseinrichtung erworben – über die Grenzen des Westjordanlands hinaus.

Über die Grenzen des Westjordanlands hinaus – vielleicht sogar bis nach Umm el-Fachem! Ohne uns länger damit aufzuhalten, dass die An-Najah-Universität im Jahr 1977 gegründet wurde, mithin erst unter der israelischen „Besatzung“, rufen wir uns ein Ereignis ins Gedächtnis, das sich während der „Al-Aqsa-Intifada“ zutrug.

Am 9. August 2001 drückte der Palästinenser Izz al-Din al-Masri in der „Sbarro“-Pizzeria in Jerusalem auf den Auslöser seines mit 5-10 Kilo Sprengstoff, Nägeln, Schrauben und Bolzen gefüllten Gürtels und ermordete 15 Menschen, 130 wurden verletzt. Unter den Toten waren u.a. eine schwangere Brasilianerin, zwei Rentner, zwei Teenager und sieben (Klein-)Kinder, drei von ihnen kamen gemeinsam mit ihren Eltern um.

Gut zwei Wochen später fand in den Palästinensischen Autonomiegebieten eine Ausstellung statt, in der das Blutbad glorifiziert wurde. Wie u.a. BBC und Associated Press meldeten, gab es in den Ausstellungsräumen durchaus Ungewöhnliches zu bestaunen: nachgebildete Körperteile und -fetzen sowie Pizzastücke, die auf dem Boden verstreut lagen; mit roter Farbe wurde verspritztes Blut an den Wänden dargestellt.

In einem weiteren Raum wurde der „Märtyrer“ gedacht, die solche Heldentaten vollbringen, mit dem Koran in der einen und der Kalaschnikow in der anderen Hand. Auch wurde den Izz ad-Din al-Qassem-Brigaden, also der Hamas-Terrorgruppe, die für das Massaker in Jerusalem verantwortlich war, Referenz erwiesen mit dem Spruch: „Qassami-Pizza ist die Köstlichste.“ Mahlzeit! Man weiß nicht, ob diese perverse Veranstaltung selbst Yassir Arafat zu geschmacklos war oder ob er nur weiteren Imageschaden fürchtete, jedenfalls ordnete er ein paar Wochen später die Schließung der Pally Horror Picture Show an.

Zeit für die Pointe: Der Ausstellungsort war die An-Najah-Universität in Nablus, jene Institution also, von der SpiegelOnline schreibt, sie habe sich „einen Ruf als seriöse und prestigeträchtige Bildungseinrichtung“ erworben. Prestige genießt die Uni allerdings vornehmlich als Brutstätte des islamistischen Terrorismus, mindestens sieben Selbstmordattentäter in der Frühzeit der zweiten „Intifada“ rekrutierten sich aus der Studentenschaft, und es ist beileibe nicht so, dass man sich dortselbst für sie schämen würde; im Gegenteil wurden ihnen bei einer Feier für Uni-Absolventen noch symbolisch ein paar Plätze freigehalten.

Präsident der Al-Najah-Universität war damals schon, seit drei Jahren, Dr. Rami Hamdallah, der designierte Ministerpräsident der Palästinensischen Autonomiebehörde. Seine wichtigste Aufgabe, laut Christoph Sydow: „Er muss die internationalen Geldgeber bei Laune halten.“ Das wird Dr. Hamdallah zweifellos gelingen, denn wenn ihm schon die barbarische Feier eines Massenmordes nicht krumm genommen wird, was sollte dann noch seinen Ruf schädigen? Die Millionen werden weiter fließen. Und wer weiß, vielleicht fällt ja auch was für die eine oder andere Ausstellung an seiner seriösen und prestigeträchtigen Hochschule ab, die von der Hamas anerkennend „Gewächshaus für den Jihad“ genannt wird, deren Studentenvertretung sich fest in der Hand von Hamas, Fatah und Islamischem Jihad befindet und die nach wie vor den „Heiligen Krieg“ gegen Israel propagiert.

 

Nablus1

Nablus2

Nablus3

Andere Länder, andere Sitten: Terrorausstellung an der Uni Nablus

 

Read Full Post »

« Newer Posts