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Archive for the ‘Nicht kategorisiert’ Category

Ach neee…

… so hatte ich mir das doch nicht vorgestellt, laß mal lieber! Jeder von uns kennt doch diese nervigen Leute. Sie wollen eine saure Gurke, aber hat man die saure Gurke aufgetrieben, dann heißt es, „ja wieso denn in Essig, ich wollte doch mit Senfkörnern“.

Israel hat den Palästinensern (angeblich) angeboten, den Bau von öffentlichen Einrichtungen (über die der Staat Kontrolle hat) zu stoppen. Daß die Regierung ungern auf private Bautätigkeit Einfluß nimmt, ist wohl verständlich – noch dazu, wo Wohnungen problemlos bei einer Abtretung von Grund und Boden mit übertragen werden können. Außerdem nennt man so einen Vorschlag einen KOMPROMISSvorschlag, und ohne Kompromißbereitschaft sind Verhandlungen einfach nicht möglich.

Was haben die Palästinenser dazu gesagt? Sie haben den vielen Neins ein weiteres hinzugefügt, selbstverständlich.

A Palestinian negotiator claimed Friday that Israel offered to halt a limited amount of construction work in Jewish settlements in the West Bank in an effort to find a way to restart peace negotiations

Erekat said the Palestinians dismissed it because it applied only to government construction. He noted that 82% of settlement construction is done by private contractors, and called on Israel to halt all building activity. He claimed that Netanyahu deliberately separates the private and state projects in order to „deceive the world.“

Alles oder nichts nennt man das – und diese Haltung kennzeichnet die Palästinenser von Anfang an. Olmert bietet ihnen nur lächerliche 97% der von ihnen geforderten Gebiete an? Nein! (Ich könnte die Beispiele hier ins Endlose weiterführen, aber dieses Beispiel ist einfach so schlagend).

Eine weitere Frage allerdings stellt sich mir doch. Wenn Israel in Gilo Wohnungen baut (in Gilo, das sowohl die Genfer Initiative als auch Rabins Oslo-Pläne als auch der Mifkad in israelischer Hand sahen – Gilo ist eindeutig für sogenannte land swaps prädestiniert), dann steht´s in allen Zeitungen im In- und Ausland. Wenn die Palästinenser vollmundig zu Protokoll geben, daß sie ein Entgegenkommen Israels ablehnen, weil es nicht ihren Forderungen entspricht und sie nur auf 100%ige Erfüllung dieser ihrer Forderungen aus sind – hört Ihr davon was? Erwähnen Tagesschau und Tageszeitung sowas auch? Das interessiert mich wirklich.

Und jetzt geh ich die unerwünschten Gürkchen entsorgen… der Kompost ist geduldig.

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Channel 2, die ich gern mal im deutschen Fernsehen sähe.

Shai Gal fuhr im Laufe des 18. Oktober, als Gilad Shalit freigelassen wurde, durch Israel. Er fuhr von einer Station des Terrors zur anderen und traf dort Angehörige von Opfern, Augenzeugen und Rettungskräfte, die damals zur Stelle waren.

Überall hingen die Menschen an Fernseher und Radio und verfolgten Gilads schrittweisen Weg nach Hause. Shai Gal zeichnete auf, wie alle mit feuchten Augen murmelten, „ach, wie schön“, als sie sahen, daß Gilads Körpersprache etwas gelöster wurde, als er seinen Vater umarmte. Wenn sie dann interviewt wurden, erzählten sie von den Erinnerungen an die Terrorangriffe, an Mord und Tod und Blut und Schmerz und Schock. Manche waren von Anfang an für einen Deal, der die Freilassung von Terroristen beinhaltet, andere waren von Anfang an dagegen und sind es noch.

Interessant waren die Menschen, die ihre Meinung geändert haben, so wie der Besitzer des Cafe Moment. Ihm wurde kurz vor Gilads Entführung eine Tochter geboren, und als die im Kindergarten Lesen und Schreiben lernte, als Vorbereitung für die Einschulung, erschrak er. „Meine Tochter ist schon so groß, und der junge Mann, der vor ihrer Geburt gefangen genommen wurde, sitzt immer noch im Loch? Genug!“

Bei jeder Nennung eines Terrorangriffs kamen bei mir die Erinnerungen hoch. Der Terrorist, der den Bus in den Abgrund steuerte, zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das war „mein“ erster Terrorangriff, ich war noch unverheiratet und arbeitete im Kindergarten. Aus Rücksicht auf die Kinder verbargen wir Schock und Entsetzen. Mir wurde klar, wo ich leben wollte.

Busbahnof Hadera. Der Bus in Haifa, vor dem Haus meiner Freundin Yael, auf Sderot Moria – meine Stammlinie, in der ich zu dieser Stunde auch gesessen hätte, wenn ich ihn nicht verpaßt hätte. Die Tochter einer Kollegin, eine Schülerin, starb damals. Das Cafe Moment. Der Mord an Avi Toledano, und ein paar Worte vom Polizisten, der die Leiche fand – mit ausgestreckter Hand, als würde er um Entdeckung bitten. Ach, und das Dolfinarium, die Dolfi-Disco… die arme Mutter, die ihre zwei Töchter verlor, Yulia und Yelena. Werde ich nie vergessen, die vielen jungen Toten.

Alle Drahtzieher dieser Anschläge sind freigekommen. Sie bereuen nichts. Sie sehen Terror nicht als Terror, sondern als legitime Mittel des Widerstands. Ich weiß, daß viele Deutsche das genauso sehen. Jede Bluttat wird gerechtfertigt, wenn sie nur Palästina dient, wenn sie nur als Kampf gegen die grausamen Besatzer ausgegeben werden kann.

Aber vielleicht würde auch der gänzlich verhärtete Israel-Hasser mal ins Nachdenken kommen, wenn er die Menschen sähe, die wie Assaf Zurs Vater gegen die Freilassung des Mörders seines Sohns protestiert haben – und die trotzdem erleichtert sind, Gilad frei zu sehen, und seiner Familie alles Gute wünschen. Die Taxifahrer, die damals in Hadera den Bus in die Luft gehen sahen, die wissen, daß die Mörder von damals jetzt freikommen, denen vor neuen Angriffen graut – und die trotzdem hinter dem Deal stehen, so schwer das Herz dabei auch ist.

Der Wert eines Menschenlebens, das man retten kann, ist unendlich groß hier. Menschen, die in der ganzen Welt als Inbegriff der Rachsucht und Unnachgiebigkeit (Stichwort „alttestamentarisch“) verleumdet werden, gehen einen geradezu selbstmörderischen Handel ein, um einen jungen Mann zu retten, und trotz aller Ängste freuen sie sich daran.

Shai Gals Reportage würde wohl nie im deutschen Fernsehen gesendet werden. Israelis als Menschen mit Dilemmas und Gefühlen und Traumata darzustellen – das kann man dem Zuschauer nicht zumuten, der seit Mohammed al Dura darauf gedrillt wird, beim Wort Israel Abscheu, Empörung, Zorn zu empfinden.

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Mein Mann erzählte mir beim Heimkommen, daß gestern an seinem Arbeitsplatz Gilads Ankunft in Israel gefeiert wurde. Der Chef hatte Champagner eingekauft und kaltgestellt, und alle Mitarbeiter versammelten sich zu einem feierlichen, gerührten Umtrunk. Und dann erzählte der Chef eine kleine Geschichte.

„Vor ein paar Jahren fuhr ich mit der Bahn von Nahariya nach Tel Aviv. Mir gegenüber saß ein Mann, den ich sofort erkannte – Noam Shalit. Ich rang eine Weile mit mir, ob ich ihn ansprechen sollte, aber weil ich die ganze Zeit so die Daumen für seinen Sohn drückte und ich mich als Vater eines Soldaten so mit ihm identifizieren konnte, tat ich es schließlich doch. Kurz vor Tel Aviv sagte ich ihm: ich möchte nur sagen, daß ich, genau wie alle, die ich kenne, voll hinter euch stehe.

Und Noam Shalit sah mich bitter an und sagte kurz: und was haben wir davon?

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und erstmal gekränkt. Im Laufe der Zeit konnte ich ihn aber verstehen. Wo er geht und steht, wird er angesprochen. Alle versichern ihm Solidarität und wünschen ihm Erfolg, bevor sie wieder ihr eigenes Leben weiterführen, froh, nicht mit ihm tauschen zu müssen. Und die ganze Zeit weiß er, daß sein Sohn leidet. Wie soll man das aushalten?

Wir wissen immer noch nicht, ob es nun geholfen hat, daß wir alle demonstriert haben, gelbe Bänder am Auto hatten, T-Shirts getragen haben und immer wieder Gilad Shalit in Erinnerung gerufen haben – oder ob es den Preis in die Höhe getrieben und die Freilassung verzögert hat. Die Familie muß durch die Hölle gegangen sein.

Und jetzt trinken wir auf das Wohl Gilads und seiner Familie. Le-chaim.“

Ich habe Y. gefragt, ob ich das hinschreiben kann, eine kleine Vignette. Er meinte zwar, davon hat er nichts, aber ich konnte es nicht lassen.

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Er ist da

Und ich konnte mir nicht helfen – ich bin auf die andere Seite unseres Dorfs gegangen, wo man Blick auf Mitzpe Hila, unseren Nachbarort, hat. Ich war nicht die einzige, die dort stand. Auf den Terrassen der kleinen Hotels hinter mir standen Touristen mit Kameras, auf der Straße Moshavniks in Schluppen, wie ich.

Wir sahen in den Abendhimmel, bis eine Frau rief: da sind sie! Und tatsächlich, da kamen zwei Yasur-Helikopter angebraust. Sie kreisten ein paarmal über Mitzpe Hila, dann landeten sie in der Gegend von Montfort.

 

Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, die ungeheure innere Bewegung. Eine ältere Frau hinter mir stammelte dauernd, „möge er gesund sein, möge er gesund sein“, und ich murmelte, „amen, amen“.

 

 

 

 

 

 

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Gilad Shalit salutiert vor dem Premierminister – ist das ein Zeichen für Militarismus in Israel? Ist es ein PR-Spielchen, um Netanyahus Popularität aufzuhelfen? Ich sehe dieses Bild als vielleicht das wichtigste Bild dieses bisher schon an Bildern und Gefühlen reichen Tags, und ich möchte kurz erklären, warum ich es für bedeutungsvoller halte als die zweifellos emotional starken Bilder der Umarmung von Vater und Sohn.

Gilad ist von der Armee an die Grenze zum Gazastreifen geschickt worden, und dort in die Hände der Hamas gefallen. Er ist als Soldat gefangengenommen bzw als Geisel genommen worden, und als Soldat kehrt er wieder. Es war nicht aus Erbarmen mit dem privaten Leid der Familie, daß Netanyahu den Deal mit der Hamas abgeschlossen hat, sondern es ist Teil des „ungeschriebenen Vertrags“, die das Überleben Israels sichert. Die Söhne und Töchter des Landes ziehen Uniform an und bringen sich in Gefahr. Sie haben keine Wahl. Wir haben keine Wahl. Aber wir können das nur verlangen, wenn wir bereit sind, sie auch um einen hohen Preis nach Hause zu bringen. Dieses Bild ist also wichtig für alle israelischen Haushalte, in denen Uniformhemden auf dem Bügel hängen und Stiefel im Eingang vor sich hin müffeln.

Es ist aber auch wichtig für Gilad, denn die Uniform und die Respektbezeugung vor Netanyahu bedeuten: der hohe Preis, den wir alle zahlen, braucht Gilad nicht zu drücken. Er muß sich nicht sagen lassen: bist du das wirklich wert? fühlst du dich nicht schuldig? Er hat diese Entscheidung nicht getroffen. Netanyahu und wir alle haben gesagt: du bist es wert, und du mußt dich nicht schuldig fühlen.  Es war unsere Entscheidung. Wir wollten es so. Die israelische Regierung ist verantwortlich, das Volk trägt es mit, Gilad hat keine moralische Verantwortung, auch wenn, chalila, einer der Freigelassenen zum Terror zurückkehrt.

Im Channel 2, den ich seit heute früh verfolge (mit kurzen Ausflügen in Channel 1 und 10), haben mehrere Gesprächsteilnehmer diesen Aspekt betont. Karnit Goldwasser sagte, sie trägt immer das Gefühl mit sich, daß durch die Freilassung von Terroristen als Preis für die Leiche ihres Mannes andere Menschen in Gefahr geraten sind, andere Familien Schmerz und Trauer und Zorn empfinden. „Es ist ein Sack, den man mit sich herumträgt“.

Und Nissim Salem, der in syrischer Gefangenschaft war und im Rahmen des Jibril-Deals freikam, wies darauf hin, daß die israelische Gesellschaft viel dazugelernt hat. Nach seiner Freilassung mußte er sich oft genug anhören, daß er sich schuldig zu fühlen hat, weil seine Freiheit mit der Freilassung gefährlicher Terroristen erkauft wurde. Ihm fiel auch auf, wie wohl jedem Zuschauer, mit welcher Sanftheit sich alle Gilad zuwandten. Wenige Menschen, wenige Kameras, sanfte Bewegungen, freundliche Interaktion, so wenig Hektik wie möglich. Keiner zerrt oder schiebt ihn. (Unter den Offizieren, die ihn in Empfang nahmen, waren der oberste Kommandant der Abteilung für Verletzte, ein Militärarzt und der Leiter des psychologischen Diensts der Armee).

Nissim erinnert sich mit Grauen an den Lärm und Rummel seiner Freilassung. Der Rummel findet zwar auch hier statt, aber Gilad wird davon abgeschottet. Die Armee schirmt ihn ab, Vertreter der Armee zeigen sich sensibel und fast väterlich. Die Eltern wiederum bestimmen den zeitlichen Ablauf mit.

Die Armee hat gelernt, was ein posttraumatisches Syndrom ist, und daß ein Kriegsgefangener kein feiger Verräter ist. Statt Gilad jetzt in Verhören in die Mangel zu nehmen, wie es früher geschehen wäre, wird er zuerst einmal wieder integriert in das Netzwerk von Befehl und Vertrauen, das sich Armee nennt. Auch das bedeutet dieses Bild. Die Armee wird sich weiter um ihn kümmern.

Willkommen daheim, Gilad. Wir haben lange auf dich gewartet.

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Blick nach oben

In unserer abgelegenen Ecke Nordisraels sehen wir selten mal ein Flugzeug – das letzte Mal flog die Luftwaffe am Unabhängigkeitstag über ganz Israel und also auch über unsere Gegend. Heute jedoch knatterte eine ganze Weile ein Hubschrauber direkt über unserem Garten. Seltsam, dachte ich, hat das was zu bedeuten?

In der Tat. Es war der Probeflug des Black Hawk, der am Dienstag Gilad Shalit in seinen Heimatort bringen wird, auf dem Hügel gegenüber von unserem Örtchen. Ich werde Dienstag also die Tür zum Garten offenhalten und den Blick nach oben richten.

(Die Gefühle zu diesem Deal sind so stark und so gemischt aus Freude und Schmerz, daß ich vermutlich nur mit zeitlichem Abstand mehr dazu sagen kann. Außerdem ist schon mehr als genug gesagt und geschrieben worden…)

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Während ihr fast schon alberner Tunnelblick Kommentatoren wie Larry Derfner, der sich bei der Jerusalem Post um Kopf und Kragen schrieb, daran hindert, für jedermann erkennbare Zustände wahrzunehmen, um ein nüchternes Urteil zu fällen, kann Richard Herzinger in einem famosen Artikel erklären, um was es wirklich geht. Eine glasklare Analyse dessen, was ist und was noch kommen könnte, und ein Plädoyer dafür, endlich klare Kante zu zeigen. Chapeau!

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Wer das Weltgeschehen in den letzten zwei Wochen nur sporadisch verfolgen konnte, darf sich über einen scheinbaren Widerspruch wundern: Es ist viel geschehen und doch alles wie immer. Eine kurze und selektive Rückschau:

In Syrien ermorden Assads Schergen hunderte von Demonstranten. Anders als von der Obama-Regierung und westlichen Medien suggeriert, steht dies nicht im Widerspruch, sondern im Einklang mit dem Wesen Assads und seiner Diktatur. Nennenswerte Reaktionen blieben und bleiben aus, ganz wie im Fall Irans 2009. Das Argument, dass auf Assad Schlimmeres folgen könnte, greift gleichermaßen ins Leere: denn was könnte schlimmer sein als ein Regime, das nicht nur die eigene Bevölkerung drangsaliert, foltert und ermordet, sondern überdies der größte Verbündete der Islamischen Republik Iran ist, Terrorismus im Irak und andernorts unterstützt, ausländische Staatschefs ermorden lässt und den Kampf der Hisbollah gegen Israel finanziert und fördert? Dass Syrien in den UN-Menschenrechtsrat gewählt werden wird, ist freilich kein Skandal, sondern konsequent.  Wer das noch nicht verstanden hat, hat nichts verstanden.

Die Hamas und die Fatah haben sich derweil, einmal mehr, gegen Israel verbündet – auch wenn deutsche Medien das anders deuten und eine „Aussöhnung“ der beiden Gruppierungen herbeisehnen. Eindeutiger Sieger des Bündnisses ist die Hamas. Eine tragende Rolle bei der Vermittlung hat Ägypten gespielt, das sich der Hamas und dem Iran – Israels Feinden also – annähert. Folgerichtig will Ägypten den Grenzübergang nach Gaza öffnen. Im September wird mit Amr Moussa, ehemaliger ägyptischer Außenminister und derzeit Generalsekretär der Arabischen Liga, voraussichtlich ein durch und durch israelfeindlicher Präsident gewählt werden. Die Befürchtung, Israel habe nicht allzu viel Gutes vom „arabischen Frühling“ zu erwarten, hat sich damit vorerst bestätigt.

In den USA hat ein Mitarbeiter der Obama-Regierung den Ansatz ebensolcher gegenüber einem Reporter des New Yorker als „leading from behind“ bezeichnet. Was als Kompliment gemeint war, wird nun völlig zurecht als Steilvorlage von Obamas Gegnern genutzt.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Provinz, zu Deutschland. Es wurde in den Rang einer Nachricht erhoben, dass Antisemitismus in der in der Partei Die Linke weit verbreitet sei. Obgleich dies zweifelsfrei auch auf andere Parteien sowie die Bevölkerung in Deutschland zutrifft, gilt: Die größte antisemitische Partei in Deutschland im Jahr 2011 ist Die Linke.

Ach so, und jetzt ist bin Laden also tatsächlich tot. Das Wichtgste, was dazu zu sagen ist, hat Yaacov Lozowick bereits gesagt:

The killing of Osama Bin Laden is an unalloyed good thing. Congratulation to all the American officials who contributed, and to any others who assisted.

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In seiner Kolumne im Wall Street Journal hat Bret Stephens Anfang Januar darauf hingewiesen, dass ein Land verloren sei, in dem man dem Mossad die Schuld für Haiangriffe in die Schuhe schiebt. Stephens‘ Fazit lautete damals:

Is there a way out? George W. Bush thought he had an answer with the freedom agenda, and Barack Obama thinks he has one in what might be called the respect agenda. But freedom and respect for what? Egyptians will enjoy neither until they develop and adopt a set of political ideas that rests on something more than obscurantism, conspiracy and a zero-sum struggle for power.

In a word, Egyptians need liberalism (of the old-fashioned kind), which begins not with a vote but with an education. Distributing an Arabic translation of the complete works of John Locke, starting with his „Letter Concerning Toleration,“ would be a good place to begin undoing the damage so cruelly done in Alexandria.

Seit Anfang Januar ist viel geschehen und zu Ägypten gibt es viel zu sagen – und wie üblich wurde bereits vieles Falsches und einiges Richtiges geschrieben. Grundsätzliches zum Nahen Osten voraussetzend, hat Hannes Stein das eigentliche Dilemma schon vor einigen Tagen für die Jüdische Allgemeine auf den Punkt gebracht:

Ich gestehe, dass in meiner Brust zwei Stimmen miteinander streiten. Die eine gehört dem amerikanischen Neokonservativen, der mit George W. Bush einer Meinung ist, dass nur die Ausbreitung der Demokratie uns vor dem Terrorismus retten kann. Die andere Stimme gehört einem skeptischen Israeli. […] Wer recht hat, weiß ich nicht.

Es liegt auf der Hand, warum „der skeptische Israeli“ – der für nichts anderes steht als für die Stimme der Vernunft – zwar ohne Bedenken die tunesische Jasmin-Revolution begrüßen konnte, die Geschehnisse in Ägypten aber mit äußerstem Argwohn verfolgt. In Tunesien gab es keine ernstzunehmende islamistische Bewegung, auch wenn dies jahrzehntelang als Begründung für die autoritäre Herrschaft Ben Alis hervorgebracht wurde. Während eine am Dienstag erschienene Studie des Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education dem tunesischen Schulsystem bescheinigt, nicht weniger tolerant als das israelische zu sein, wohingegen in Ägypten keine demokratischen Werte gelehrt würden. Das Fazit der von deutschen Medien (bislang) nicht einmal erwähnten Studie lautet:

A comparative report shows that the Egyptian people have not been taught the importance of democracy and accepting others,“ the report explains. „While school textbooks in Egypt urge tolerance towards Copts and call for religious moderation and peace, they deny the existence of the State of Israel and contain anti-Jewish material…The Egyptian curriculum emphasizes self-sacrifice for the sake of the homeland and war narratives, rather than peace.“

In contrast, Tunisian textbooks „preach the importance of negotiating, and of peace and respect for others. A ninth grade Tunisian textbook states that ‚tolerance is a fundamental principle in the Koran,'“ Dr. Eldad Pardo, and IMPACT-SE researcher, explained. „‚So how is it that some people have used Allah’s book as an instrument of extremism and narrow-mindedness‘ the students are asked.“

In Ägypten gibt es zudem mit der Muslimbruderschaft nicht nur eine ernstzunehmende islamistische Bewegung, sondern selbige stellt die größte Opposition in Ägypten. Wie der israelische Politikwissenschaftler Barry Rubin bemerkt, zeigt sich die nackten Zahlen einer Pew-Umfrage des Jahres 2010, wie groß der Rückhalt der Islamisten in der ägyptischen Bevölkerung ist:

In Egypt, 30 percent like Hizballah (66 percent don’t). 49 percent are favorable toward Hamas (48 percent are negative); and 20 percent smile (72 percent frown) at al-Qaida. Roughly speaking, one-fifth of Egyptians applaud the most extreme Islamist terrorist group, while around one-third back revolutionary Islamists abroad. This doesn’t tell us what proportion of Egyptians want an Islamist government at home, but it is an indicator. In Egypt, 82 percent want stoning for those who commit adultery; 77 percent would like to see whippings and hands cut off for robbery; and 84 percent favor the death penalty for any Muslim who changes his religion. Asked if they supported “modernizers” or “Islamists” only 27 percent said modernizers while 59 percent said Islamists.

Mit anderen Worten: Sollte nicht nur Mubarak, der selbst in der kalten Logik der Realpolitik alles andere als ein Vorzeigeverbündeter für die USA und Israel war, sondern auch die Armee in Ägypten fallen, erscheint eine Machtergreifung durch Islamisten derzeit am wahrscheinlichsten, egal ob durch Wahlen oder auf anderem Wege. Dieser schlimmstmögliche Fall, der für Israel nichts anderes als eine strategische Katastrophe darstellte und den Barry Rubin in der Jerusalem Post als „schlimmstes Desaster seit der iranischen Revolution“ bezeichnet, wird von westlichen Medien und Politikern nur zögerlich thematisiert, auch weil sich die Muslimbrüder bei den Protesten bislang merklich zurückgehalten haben. Nicht nur bezüglich dieser Gefahr ähnelt Ägypten 2011 Iran 1979, wie etwa der iranischstämmige Historiker Abbas Milani anmerkt, der die 1979er-Revolution selbst miterlebt hat.

Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warnt bei seinem Treffen mit Angela Merkel vor einer Wiederholung der „Islamischen Revolution“; Deutsche Medien berichten derweil lieber über Israels „Siedler-Starrsinn“. Die bei manch einem vielleicht kurzweilig aufflackernde Hoffnung, auch in Deutschland könnte sich angesichts der tunesischen Jasmin-Revolution und den Protesten in Ägypten und anderen arabischen Ländern die Erkenntnis durchsetzen, dass jüdische Häuslebäuer im Nahen Osten keinesfalls das vielbeschworene Hindernis für Frieden und Fortschritt im Nahen Osten sind, ist schnell wieder erloschen. Zwei Millionen Menschen auf den Straßen Kairos reichen eben nicht aus, um deutsche Weltbilder und Wahnvorstellungen zu zerstören.

Bei der Süddeutschen Zeitung, die sich bekanntlich seit jeher für die Demokratisierung der arabischen Welt einsetzt, weiß man derweil ganz genau, wer Schuld daran ist, dass Deutschland Ägyptens Präsident Mubarak so lange die Treue gehalten hat:

Merkels Priorität war und ist eindeutig: Das Existenzrecht Israels steht über allem. Jene Herrscher der Region, die dazu einen Beitrag leisten können, sind Gesprächspartner, also auch der Ägypter Mubarak. Kooperation geht dann vor Konfrontation.

Wie gut, dass Merkel sich da wenigstens weiteren Sanktionen bezüglich des iranischen Atomwaffenprogramms verweigert. Denn Israel, so SPIEGEL ONLINE, sei angesichts der Ereignisse in Ägypten „nervös“ und „dränge“ wieder – was auch immer die Proteste in Ägypten mit dem iranischen Atomwaffenprogramm zu tun haben.

In Deutschland zieht man es unterdessen offenbar vor, gemeinsam mit dem vermeintlichen Hoffnungsträger Mohammad El Baradei mit den Wölfen zu heulen. El Baradei, der als langjähriger Leiter der Internationalen Atomenergieorganisation mehr als jeder Nicht-Iraner für die iranische Bombe getan hat und Israel obendrein für die größte Bedrohung im Nahen Osten hält, sprach sich vor einer Woche in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE gegen eine „Dämonisierung“ der Muslimbruderschaft aus und fordert konsequenterweise die „Einbeziehung“ der Islamisten.

Während Journalisten nicht müde werden, das ewige Lied der „sehr gemäßigten“ und „relativ moderaten“ Islamisten anzustimmen und den Einfluss der Muslimbruderschaft herunterzuspielen, äußert sich ein führender Vertreter jenes „gemäßigten“ Flügels der Muslimbruderschaft in einem Interview derweil wie folgt:

What about relations with Israel? What would the Brotherhood do regarding the situation between Israel and Palestine?
We think Israel is an occupation force and is not fair to the Palestinians. We do not believe in negotiation with Israel. As the Muslim Brotherhood, we must resist all this. They are an occupation force and we must resist this. Did you see what they do in Gaza, on the flotilla? Israel is a very dangerous force and we must resist.  Resistance is the only way, negotiation is not useful at all.
So would the Muslim Brotherhood, if in a position of government, help groups like Hamas?
Yes, sure.
Do you recognize Israel as a state?
No.

Case closed, sollte man meinen. Schlimmer noch als die Tatsache, dass Islamisten, die qua Definition anti-westlich, antisemitisch und anti-so-gut-wie-alles-was-gut-und-schön-ist sind, eine reale Chance besitzen, die Macht im bedeutendsten arabischen Land zu ergreifen, ist allein die Tatsache, dass das im Westen offenbar niemanden stört. Die Obama-Regierung hat jedenfalls schon verkünden lassen, dass sie eine Regierungsbeteiligung der Muslimbrüder unterstützt, ganz so als ob die Erfahrungen in Libanon und Gaza nicht reichen würden. Bei SPIEGEL ONLINE hälft man Obama indes vor, Mubarak zu stützen, um „den Machtgewinn von Islamisten“ verhindern zu wollen, womit man sich dann auf die „falsche Seite der Geschichte“ stelle. Ja, wer steht dann auf der richtigen?

Es ist wohl auch kein Zufall, dass gerade Islamisten und Terroristenunterstützer wie der türkische Premierminister Erdogan oder der syrische Präsident Assad nun lauthalts danach rufen, auf die Menschen in Ägypten zu hören. Sie wissen, dass die Proteste zwar nicht von Islamisten begonnen oder angeführt werden, radikale und gut organisierte Kräfte aber die beste Aussicht haben, die Revolution für ihre Zwecke zu missbrauchen. Zumal es bereits jetzt Anzeichen dafür gibt, dass zumindest ein Teil der Demonstranten in Ägypten, wie klein oder groß er auch immer sein möge, antisemitisch ist:

Und trotzdem: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass viele kluge Stimmen derzeit appellieren, eben jenen Nahen Osten zu erhalten, dessen Existenz sie selbst seit Jahr und Tag zurecht verfluchen. Ihre Argumente sind gut, denn bis auf weiteres lehrt die Geschichte im Nahen Osten: Schlimmer geht’s immer und meistens kommt es dann auch so.

Mögen die Menschen auf den Straßen Kairos die Geschichte Lügen strafen.

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Die ungeheuerliche Enthüllung (oder unzutreffende Behauptung, je nachdem), der zufolge die Palästinenserführung zu Olmerts Zeiten erwogen haben soll, von ihren nach außen stets unerbittlich demonstrierten Maximalforderungen („heiligen Rechten“) abzurücken, werden wir thematisieren, sobald die Zeit es zulässt, wenn sich der Nebel über der Szenerie einigermaßen gelichtet hat. Bis dahin empfehlen wir gern einmal mehr ein Stück von Yaacov, der sich – im Gegensatz zu Hans und Franz, die sich aus der Ferne über die Jerusalem-Problematik äußern – in der Stadt auskennt wie nur wenige und hier einen Teilaspekt mit gewohnt bestechender Argumentation vom Kopf auf die Füße stellt.

Update Auch sehr lesenswert: zwei Kommentare zur Sache hier und hier.

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