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Archive for the ‘Nicht kategorisiert’ Category

Das sind gute Neuigkeiten. Die Ägypter haben eingesehen und zugegeben, daß der Amerikaner-Israeli, der von Ägypten begeistert war und dort herumreiste, keineswegs ein Mossad-Agent war – was man wirklich auf den ersten Blick erkennen konnte. Nun ist es so, sagt Ronen Bergman, daß die Ägypter eine extra Abteilung zur Aufdeckung von israelischen Spionage-Projekten haben. Diese Abteilung muß ihre Existenz von Zeit zu Zeit rechtfertigen, und so kommen die absurden Anschuldigungen zustande – mal sind es dressierte Haie und mal eben Touristen, die als Spione verdächtigt werden.

Azzam Azzam, der Druse aus dem schönen Dorf Mghar, hat auf diese Weise schuldlos acht schlimme Jahre im ägyptischen Gefängnis gesessen. Der Beduine Ouda Tarabin sitzt noch immer. Auch die Vorwürfe gegen ihn sind vollkommen aus den Fingern gesogen.

Aber immerhin ist es doch nett, daß die Ägypter ihn freilassen, nicht wahr?

Nur ein kleiner Schönheitsfehler stört mich daran: Ilan Grappel wird, obwohl zugegebenermaßen vollkommen zu Unrecht festgenommen, nicht einfach freigelassen. Sondern ausgetauscht. Wir lassen 25 ägyptische Kriminelle frei, dafür kommt Ilan Grappel frei. Wenn es um Israel geht, reicht allein Recht zu haben nicht aus. Selbst für das Grundrecht, daß ein Unschuldiger frei herumlaufen darf, müssen wir einen Preis zahlen.

Eigentlich ein Skandal. Aber selbst in Israel wird nur mit den Schultern gezuckt. Ja, so ist das eben. Man konzentriert sich eher auf die positiven Seiten des Deals: daß ein Vertrauensverhältnis mit Ägypten aufgebaut wurde, im Zuge der Shalit-Verhandlungen, daß Grappel nur ein paar Monate im Knast saß, daß er vermutlich nicht, wie Azzam, gefoltert wurde, und daß es bei den freizulassenden Ägyptern größtenteils um Kriminelle, Drogenhändler und Grenzverletzer geht, die man nicht vermissen wird, und daß die Zahl so gering ist. 25 kriminelle Ägypter gegen einen unschuldigen Israeli. Das gilt hierzulande als guter Deal.

Was folgt daraus? Daß an den Vorwürfen der schiefen Proportion tatsächlich was dran ist.

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Hilfsangebote

Das Erdbeben in der Türkei war wohl auch in einigen Hochhäusern in Israel spürbar. Gott sei Dank, nicht bei uns, ich habe nichts für Erdbeben übrig – wer hat das schon? Als mir klarwurde, wie ernst diese Katastrophe ist, war mir klar, daß Israel sofort Hilfe anbieten muß. Nur um zu prüfen, ob ich auch die richtigen Werte weitergebe, erzählte ich Quarta von dem Erdbeben – und sie sagte sofort: Mama, wir müssen helfen, weißt du noch, wie die Türken uns geholfen haben?

Ehud Barak und Avigdor Lieberman denken genauso, so wenig sie ansonsten mit Quarta gemeinsam haben,  und haben bereits Hilfe angeboten. Sie waren die ersten – und noch bevor die Türken antworteten, gaben sie Anweisung, vorsorglich schon mal einen Einsatz vorzubereiten. Im Fernsehen wurde berichtet, daß die Türken geantwortet haben, sie kommen im Moment noch allein zurecht. Wenn ich die Bilder sehe, könnte ich aber heulen. Bei so einem Unglück ist doch jedes Paar Hände nützlich, besonders, wenn es ausgebildete Leute mit Ausrüstung und Erfahrung sind.

Hoffentlich besinnen sich die türkischen Verantwortlichen noch. Wir würden gern helfen. Ich werde nicht vergessen, wie schnell die Türken letztes Jahr hier waren und bei der Löschung des Brands halfen, zusammen mit Griechen und Zyprioten. Eines der Löschflugzeuge geriet bei seiner Schleife über dem Meer bis in unsere Gegend, und ich winkte idiotisch in den Himmel und schrie danke.

Allerdings erinnere ich mich auch an Haiti. Die Israelis errichteten nach dem verheerenden Erdbeben sehr schnell ein Feldhospital und retteten viele Leben. Sie blieben noch lange da, als andere Abordnungen schon abgereist waren. Doch in vielen Teilen der Welt breiteten sich bösartige und dummdreiste Gerüchte aus, daß die Israelis dieses Hospital nur errichtet haben, um Verletzten und Toten – Organe zu entnehmen. Wie es genau gehen soll, unter solchen Bedingungen brauchbare Organe zu entnehmen und die zu verkloppen, fragte keiner nach. Beim Erfinden von Lügen über Israelis sind manche Leute eben schamlos, und andere so gutgläubig, daß es einen grausen kann. (Ich verlinke die Seiten nicht, die diese aus den Fingern gesogenen Verleumdungen propagieren… Google kennt sie).

Nun, unser Angebot steht. Es wäre schön, wenn die Tradition gegenseitiger Hilfe, die seit vielen Jahren besteht, nicht abbräche. Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt. Es ist ein Privileg, helfen zu dürfen.

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Heißer Herbst

Herbstwetter in Israel – das bedeutet scharfe, extrem trockene Ostwinde, entweder sehr heiß oder kühl. Beides unangenehm. Die Luft ist voll Sand und Staub (ovech). Es ist die Zeit der Wald- und Buschbrände, wie wir letztes Jahr Anfang Dezember gesehen haben. Die Erde ist ausgedörrt, die Vegetation geht auf wie Zunder. Es ist auch die Zeit der Brandstifter.

Gestern war ein riesiger Brand in der Gegend, wo Y. (der geniale Mann und Hausvater) arbeitet. In der Nacht schlief ich schlecht, weil ich dauernd Brandgeruch in der Nase hatte. Ich habe mir das nicht eingebildet, wie ich morgens herausfand. Die ganze Nacht über wurden in Galiläa Brände gelöscht – wurden sie auch  gelegt? Eine Intifada der Brandstifter erleben wir seit Jahren, jeden Spätsommer und Herbst.

 

Update abends: mehr als zwanzig Einsätze der Feuerwehr heute, die meisten davon in unserer Gegend. Es war zwar gegen Mittag stechend heiß, aber der Ostwind ist diesmal mehr von der kühlen Sorte. Es kann nicht am Wetter gelegen haben. Auch nicht an Nachlässigkeit von Grill-und Picknick-Fanatikern. Wir haben eine wochenlange Abfolge von Feiertagen hinter uns, da hätte täglich ein Chaot mit der Holzkohle einen Brand auslösen können. Aber erst seit gestern vormittag sind so viele Brände zu verzeichnen. Hoffentlich werden die Schuldigen gefunden.

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Ach neee…

… so hatte ich mir das doch nicht vorgestellt, laß mal lieber! Jeder von uns kennt doch diese nervigen Leute. Sie wollen eine saure Gurke, aber hat man die saure Gurke aufgetrieben, dann heißt es, „ja wieso denn in Essig, ich wollte doch mit Senfkörnern“.

Israel hat den Palästinensern (angeblich) angeboten, den Bau von öffentlichen Einrichtungen (über die der Staat Kontrolle hat) zu stoppen. Daß die Regierung ungern auf private Bautätigkeit Einfluß nimmt, ist wohl verständlich – noch dazu, wo Wohnungen problemlos bei einer Abtretung von Grund und Boden mit übertragen werden können. Außerdem nennt man so einen Vorschlag einen KOMPROMISSvorschlag, und ohne Kompromißbereitschaft sind Verhandlungen einfach nicht möglich.

Was haben die Palästinenser dazu gesagt? Sie haben den vielen Neins ein weiteres hinzugefügt, selbstverständlich.

A Palestinian negotiator claimed Friday that Israel offered to halt a limited amount of construction work in Jewish settlements in the West Bank in an effort to find a way to restart peace negotiations

Erekat said the Palestinians dismissed it because it applied only to government construction. He noted that 82% of settlement construction is done by private contractors, and called on Israel to halt all building activity. He claimed that Netanyahu deliberately separates the private and state projects in order to „deceive the world.“

Alles oder nichts nennt man das – und diese Haltung kennzeichnet die Palästinenser von Anfang an. Olmert bietet ihnen nur lächerliche 97% der von ihnen geforderten Gebiete an? Nein! (Ich könnte die Beispiele hier ins Endlose weiterführen, aber dieses Beispiel ist einfach so schlagend).

Eine weitere Frage allerdings stellt sich mir doch. Wenn Israel in Gilo Wohnungen baut (in Gilo, das sowohl die Genfer Initiative als auch Rabins Oslo-Pläne als auch der Mifkad in israelischer Hand sahen – Gilo ist eindeutig für sogenannte land swaps prädestiniert), dann steht´s in allen Zeitungen im In- und Ausland. Wenn die Palästinenser vollmundig zu Protokoll geben, daß sie ein Entgegenkommen Israels ablehnen, weil es nicht ihren Forderungen entspricht und sie nur auf 100%ige Erfüllung dieser ihrer Forderungen aus sind – hört Ihr davon was? Erwähnen Tagesschau und Tageszeitung sowas auch? Das interessiert mich wirklich.

Und jetzt geh ich die unerwünschten Gürkchen entsorgen… der Kompost ist geduldig.

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Channel 2, die ich gern mal im deutschen Fernsehen sähe.

Shai Gal fuhr im Laufe des 18. Oktober, als Gilad Shalit freigelassen wurde, durch Israel. Er fuhr von einer Station des Terrors zur anderen und traf dort Angehörige von Opfern, Augenzeugen und Rettungskräfte, die damals zur Stelle waren.

Überall hingen die Menschen an Fernseher und Radio und verfolgten Gilads schrittweisen Weg nach Hause. Shai Gal zeichnete auf, wie alle mit feuchten Augen murmelten, „ach, wie schön“, als sie sahen, daß Gilads Körpersprache etwas gelöster wurde, als er seinen Vater umarmte. Wenn sie dann interviewt wurden, erzählten sie von den Erinnerungen an die Terrorangriffe, an Mord und Tod und Blut und Schmerz und Schock. Manche waren von Anfang an für einen Deal, der die Freilassung von Terroristen beinhaltet, andere waren von Anfang an dagegen und sind es noch.

Interessant waren die Menschen, die ihre Meinung geändert haben, so wie der Besitzer des Cafe Moment. Ihm wurde kurz vor Gilads Entführung eine Tochter geboren, und als die im Kindergarten Lesen und Schreiben lernte, als Vorbereitung für die Einschulung, erschrak er. „Meine Tochter ist schon so groß, und der junge Mann, der vor ihrer Geburt gefangen genommen wurde, sitzt immer noch im Loch? Genug!“

Bei jeder Nennung eines Terrorangriffs kamen bei mir die Erinnerungen hoch. Der Terrorist, der den Bus in den Abgrund steuerte, zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Das war „mein“ erster Terrorangriff, ich war noch unverheiratet und arbeitete im Kindergarten. Aus Rücksicht auf die Kinder verbargen wir Schock und Entsetzen. Mir wurde klar, wo ich leben wollte.

Busbahnof Hadera. Der Bus in Haifa, vor dem Haus meiner Freundin Yael, auf Sderot Moria – meine Stammlinie, in der ich zu dieser Stunde auch gesessen hätte, wenn ich ihn nicht verpaßt hätte. Die Tochter einer Kollegin, eine Schülerin, starb damals. Das Cafe Moment. Der Mord an Avi Toledano, und ein paar Worte vom Polizisten, der die Leiche fand – mit ausgestreckter Hand, als würde er um Entdeckung bitten. Ach, und das Dolfinarium, die Dolfi-Disco… die arme Mutter, die ihre zwei Töchter verlor, Yulia und Yelena. Werde ich nie vergessen, die vielen jungen Toten.

Alle Drahtzieher dieser Anschläge sind freigekommen. Sie bereuen nichts. Sie sehen Terror nicht als Terror, sondern als legitime Mittel des Widerstands. Ich weiß, daß viele Deutsche das genauso sehen. Jede Bluttat wird gerechtfertigt, wenn sie nur Palästina dient, wenn sie nur als Kampf gegen die grausamen Besatzer ausgegeben werden kann.

Aber vielleicht würde auch der gänzlich verhärtete Israel-Hasser mal ins Nachdenken kommen, wenn er die Menschen sähe, die wie Assaf Zurs Vater gegen die Freilassung des Mörders seines Sohns protestiert haben – und die trotzdem erleichtert sind, Gilad frei zu sehen, und seiner Familie alles Gute wünschen. Die Taxifahrer, die damals in Hadera den Bus in die Luft gehen sahen, die wissen, daß die Mörder von damals jetzt freikommen, denen vor neuen Angriffen graut – und die trotzdem hinter dem Deal stehen, so schwer das Herz dabei auch ist.

Der Wert eines Menschenlebens, das man retten kann, ist unendlich groß hier. Menschen, die in der ganzen Welt als Inbegriff der Rachsucht und Unnachgiebigkeit (Stichwort „alttestamentarisch“) verleumdet werden, gehen einen geradezu selbstmörderischen Handel ein, um einen jungen Mann zu retten, und trotz aller Ängste freuen sie sich daran.

Shai Gals Reportage würde wohl nie im deutschen Fernsehen gesendet werden. Israelis als Menschen mit Dilemmas und Gefühlen und Traumata darzustellen – das kann man dem Zuschauer nicht zumuten, der seit Mohammed al Dura darauf gedrillt wird, beim Wort Israel Abscheu, Empörung, Zorn zu empfinden.

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Mein Mann erzählte mir beim Heimkommen, daß gestern an seinem Arbeitsplatz Gilads Ankunft in Israel gefeiert wurde. Der Chef hatte Champagner eingekauft und kaltgestellt, und alle Mitarbeiter versammelten sich zu einem feierlichen, gerührten Umtrunk. Und dann erzählte der Chef eine kleine Geschichte.

„Vor ein paar Jahren fuhr ich mit der Bahn von Nahariya nach Tel Aviv. Mir gegenüber saß ein Mann, den ich sofort erkannte – Noam Shalit. Ich rang eine Weile mit mir, ob ich ihn ansprechen sollte, aber weil ich die ganze Zeit so die Daumen für seinen Sohn drückte und ich mich als Vater eines Soldaten so mit ihm identifizieren konnte, tat ich es schließlich doch. Kurz vor Tel Aviv sagte ich ihm: ich möchte nur sagen, daß ich, genau wie alle, die ich kenne, voll hinter euch stehe.

Und Noam Shalit sah mich bitter an und sagte kurz: und was haben wir davon?

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und erstmal gekränkt. Im Laufe der Zeit konnte ich ihn aber verstehen. Wo er geht und steht, wird er angesprochen. Alle versichern ihm Solidarität und wünschen ihm Erfolg, bevor sie wieder ihr eigenes Leben weiterführen, froh, nicht mit ihm tauschen zu müssen. Und die ganze Zeit weiß er, daß sein Sohn leidet. Wie soll man das aushalten?

Wir wissen immer noch nicht, ob es nun geholfen hat, daß wir alle demonstriert haben, gelbe Bänder am Auto hatten, T-Shirts getragen haben und immer wieder Gilad Shalit in Erinnerung gerufen haben – oder ob es den Preis in die Höhe getrieben und die Freilassung verzögert hat. Die Familie muß durch die Hölle gegangen sein.

Und jetzt trinken wir auf das Wohl Gilads und seiner Familie. Le-chaim.“

Ich habe Y. gefragt, ob ich das hinschreiben kann, eine kleine Vignette. Er meinte zwar, davon hat er nichts, aber ich konnte es nicht lassen.

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Er ist da

Und ich konnte mir nicht helfen – ich bin auf die andere Seite unseres Dorfs gegangen, wo man Blick auf Mitzpe Hila, unseren Nachbarort, hat. Ich war nicht die einzige, die dort stand. Auf den Terrassen der kleinen Hotels hinter mir standen Touristen mit Kameras, auf der Straße Moshavniks in Schluppen, wie ich.

Wir sahen in den Abendhimmel, bis eine Frau rief: da sind sie! Und tatsächlich, da kamen zwei Yasur-Helikopter angebraust. Sie kreisten ein paarmal über Mitzpe Hila, dann landeten sie in der Gegend von Montfort.

 

Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, die ungeheure innere Bewegung. Eine ältere Frau hinter mir stammelte dauernd, „möge er gesund sein, möge er gesund sein“, und ich murmelte, „amen, amen“.

 

 

 

 

 

 

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