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Archive for the ‘Wie bitte?’ Category

Todesmut eines Schöngeistes

ulrichwickert

 

Das ist der Journalist und Autor Ulrich Wickert. Ulrich Wickert zeigt Gesicht. Er hat Zivilcourage. Sollte er mal spätabends in der U-Bahn mitbekommen, wie eine Gruppe junger Männer mit südländischem Migrationshintergrund von „Scheißjuden“ spricht, wird Wickert der erste Fahrgast sein, der mannhaft aufsteht und sagt: „So nicht! Ich heiße Uri Wickert und ich bin Jude, und ich verbitte mir diese abfälligen Reden!“ Ganz sicher würde er das tun.

Wenn er doch nur mal mit der U-Bahn fahren würde.

 

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Wie nennen in Jordanien – einem Land, das vor beinahe 20 Jahren endlich Frieden mit Israel schloss – Justizminister und Parlament jemanden, der 1997 fünf dreizehnjährige und zwei vierzehnjährige israelische Schulmädchen massakrierte?

Richtig: einen Helden.

Von einer mehr als würdevollen Geste – damals rührte und beeindruckte König Hussein die Israelis durch seinen Kondolenzbesuch bei den Angehörigen der ermordeten Mädchen zutiefst – zu einer kaum schändlicher denkbaren Manifestation radikalen Judenhasses: Drastischer könnte nicht demonstriert werden, wie der moralische Verfall in Israels Nachbarstaaten vonstatten geht.

 

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Ausgerechnet der „Hardliner“ der Hamas signalisierte in den vergangenen Jahren einen Kurswechsel und die Bereitschaft, den militanten Widerstand (= Terror, C.C.) zumindest temporär aufzugeben

verkündete Susanne Knaul am 7. Dezember vergangenen Jahres, als Hamas-Chef Khaled Meschaal den Gazastreifen besuchte, unter dem Jubel Zehntausender aus einer Pappmache-Rakete kletterte und den von Knaul behaupteten Kurswechsel wie folgt zusammenfasste:

Palestine is ours, from the river to the sea and from the south to the north. There will be no concession on an inch of the land,“ he told the crowd on his first visit to Gaza. „We will never recognise the legitimacy of the Israeli occupation and therefore there is no legitimacy for Israel, no matter how long it will take.

Um darin eine auch nur temporäre Abkehr vom Terror-Programm zu erkennen, muss man schon über eine Phantasie verfügen, die für das Drehbuch eines veritablen Science-fiction-Films ausreicht, für einen Artikel in einer halbwegs seriösen Tageszeitung allerdings nicht geeignet ist. Allein, seit Frau Knaul alle journalistischen Standards über Bord geworfen hat, fühlt sie sich leicht und frei, immer weiter das Blaue vom Himmel herunterzulügen.

Gemäßigt und ambitioniert

nennt sie Meschaal diesmal anlässlich seiner „Wiederwahl“ durch den Rat der Hamas. Ach ja, und „kompromissbereit“ wird er in der Bildunterschrift auch genannt. „Versöhnung ist seine Mission“, schreibt Knaul, womit allerdings im besten Falle die Beendigung des Kriegszustandes mit der rivalisierenden Fatah gemeint ist, wenn diese sich auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel (Abschaffung Israels) zur selben Taktik bekennt wie die Hamas.

Gemäßigt, kompromissbereit, versöhnlich – wenn zuträfe, was Knaul von Meschaal behauptet, wäre der radikale Islamist („der studierte Physiker“, wie die Terrorversteherin ihn nennt, wobei sie zu erwähnen vergisst, dass er auch Vater von sieben Kindern ist) ein idealer Kandidat für das Papstamt gewesen. Man fragt sich wirklich, was in Oberstübchen wie dem der taz-Redakteurin vor sich geht. In einer Medienlandschaft, die, wie heute Spiegel online, den Raketenbeschuss Israels durch die Hamas und den darauf folgenden Beschuss der Terrorziele durch die israelische Luftwaffe mit dem Satz „Damit haben beide Konfliktparteien die Waffenruhe gebrochen“ kommentiert, wundert einen allerdings schon lange nichts mehr.

Der Wahnsinn geht weiter.

 

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Horseshit Dance


Sechs Palästinenser tanzen „Gangnam Gaza Style“ – und schaffen es damit, nein: nicht ins Feuilleton, was schon erstaunlich genug wäre, sondern in den Politikteil (!) von SZ online.

Nun gut, in einer Zeit, in der mangels Möglichkeiten (Fatah in der Westbank) beziehungsweise mangels Lust (Hamas im Gazastreifen, nach der erzieherischen Maßnahme im November 2012) nicht gefeuert, also auch nicht zurückgefeuert wird, und angesichts des für notorisch israelkritische Kommentatoren unbefriedigenden Wahlausgangs – aus dem prognostizierten „Rechtsruck“ wurde nichts, sodass der Prügelknabe bis auf weiteres leider keine Angriffsfläche bietet – muss man nehmen, was kommt. Wenigstens eine, wenn auch an Haaren herbeigezogene, Gelegenheit für die Münchner Kollegen, einmal mehr „das Leid der Palästinenser“ zu thematisieren, also die ebenso sattsam bekannten wie ungerechtfertigten Vorwürfe an Jerusalem zu richten:

Die Lage im Gaza-Streifen gilt als prekär. Die Arbeitslosigkeit unter den etwa 1,7 Millionen Einwohnern liegt bei mehr als 30 Prozent, nach Angaben der Unesco sind 72 Prozent der 15- bis 19-Jährigen ohne Job. Die Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Strom ist gefährdet, weil Israel die Grenze kontrolliert – als Schutz vor der Hamas, die seit fünf Jahren in Gaza herrscht und deren erklärtes Ziel es ist, Israel mit terroristischen Mitteln zu beseitigen.

Bis auf den letzten Halbsatz stimmt hier so gut wie nichts. Die Lage in Gaza ist nicht „prekär“, die Menschen dort sind grundsätzlich mit allem versorgt, sie hungern nicht, sie dürsten auch nicht, und Lebensmittel und Strom werden ohnehin nach wie vor von Israel geliefert – dem Land, das von Gaza aus beschossen wird. Übrigens ein historisch einmaliger Vorgang, dass ein Staat seine erklärten Feinde mit allem Nötigen versorgt. Erst vor zwei Tagen war zu lesen:

Die unterirdischen elektrischen Leitungen, die den nördlichen
Gazastreifen von Israel aus mit Elektrizität versorgen, sind in der
vergangenen Woche saniert und aufgerüstet worden.

Diese Leitungen liefern täglich 12,5 MW Elektrizität, das sind zehn
Prozent der Gesamtmenge an Elektrizität, die Israel jeden Tag in den
Gazastreifen liefert. Der Großteil der von den Bürgern des Gazastreifens verbrauchten Energie kommt aus Israel.

Die Aufrüstung der Leitungen hat nun deren Kapazitäten deutlich
erweitert, sodass die Stabilität der Energieversorgung besser
gewährleistet wird. Im nördlichen Gazastreifen liegen mit Beit Hanoun und Beit Lahia zwei größere Städte mit zusammen etwa 70.000 Einwohnern.

Die israelische Regierung verfolgt eine konsequente Politik der
Unterstützung der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

Dass die Arbeitslosigkeit im Gazastreifen hoch ist, ist nicht Israel anzulasten: Die dort herrschende Hamas unternimmt nichts, um diesen Missstand zu beheben (warum auch, ihr Daseinszweck ist die Bekämpfung Israels und die Talibanisierung der eigenen Gesellschaft), dafür werden die Millionen, die die Terrororganisation von Zeit zu Zeit zugesteckt bekommt, gern in Raketen investiert, mit denen man dann den Lebensmittel- und Stromlieferanten beschießt. Eine reichlich absurde Situation, sollte man meinen, zumal nicht nur „Israel die Grenze kontrolliert“, sondern auch Ägypten. Von dort werden allerdings nur die iranischen Raketen importiert, der Strom kommt ja von den verhassten „Abkömmlingen von Affen und Schweinen“. Nahost eben.

Sechs Palästinenser tanzen „Gangnam Gaza Style“. Und vor dem Fenster der Teeküche der SZ-Onlineredaktion rauscht die Linde.

 

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Voll auf Drohne

Kaum ein Thema beschäftigt die Medien derzeit so wie die Drohnenproblematik. Die britische “Black Hornet”, nur so lang und schwer wie ein Kugelschreiber, gilt bereits als Einstiegsdrohne. Kritiker befürchten, dass ihr Einsatz süchtig machen kann, dass schon bald nach immer gefährlicheren Drohnen verlangt wird, die ganze Talibanpopulationen bedrohen, und dass genügend Drohnendealer bereitstehen, um dieses Bedürfnis zu befriedigen. Die Truppen in Afghanistan seien bereits drohnenabhängig, daher müssten zeitnah entsprechende Entzugstherapien in die Wege geleitet werden, damit Faustkeile, Macheten oder auch Vorderladergewehre das Töten wieder menschlicher machten, so der Drohnenbeauftragte der Bundesregierung.

 

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Eigentlich ist ja zu begrüßen, dass die „Dokumentationsjournalisten des SPIEGEL“ endlich MEMRI entdeckt haben. Das könnte helfen, zur Abwechslung mal zu erforschen, wie die arabische Welt tickt.

Nun haben die Äußerungen des Muslimbruders Mursi, die derzeit für eine gewisse Beunruhigung sorgen, einen historischen und religiösen Hintergrund, und gemeint waren mit den „Abkömmlingen von Affen und Schweinen“ schon immer die Juden, sowohl im Koran als auch im Tafsir al-Jalalayn 5,60 ein halbes Jahrtausend vor der Gründung des Staates Israel; und „Israel“, „Juden“ und „Zionisten“ sind für Araber generell dasselbe; daher ist Mursi auch nicht, wie Spiegel online meint, ein „Anti-Zionist“, sondern ein waschechter Antisemit.

Aber den logischen Schluss aus den vorliegenden Fakten zu ziehen, ist nicht jedem gegeben. Insbesondere nicht jenen, die nicht einmal die Einblendung auf dem Bildschirm lesen, sonst hätten sie mitbekommen, dass Mursi 2010 das Interview, in dem er minutenlang vom Leder zieht, natürlich nicht MEMRI TV, der Video-Plattform des Watchdogs, gegeben hat, sondern dem libanesischen Sender Al-Quds TV.

So sieht er aus, der „Faktencheck“ der hochgelobten „Dokumentationsjournalisten des SPIEGEL“. Saubere Recherche ist was anderes.

 

Screenshot

 

 

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DBDDHKP

Für das, was Erhard Arendt mit bestürzender Regelmäßigkeit auf seinem „Palästina-Portal“ verbricht, müssten wir eigentlich eine eigene Kategorie einrichten; mit normalen Begriffen ist so etwas ja schon längst nicht mehr adäquat zu fassen.

Jetzt meint der Potz aus dem Pott in einem wie gewöhnlich wirren Text, das Simon Wiesenthal Center zeige „ein Bild von Großisrael“ und lösche damit Palästina aus:

Karte

 

Nun hat man sich Arendts Gehirn gleichsam als extrem aride Zone vorzustellen, in deren Mitte ein einsamer Kaktus steht, dann wird klar, warum der verhaltensoriginelle Rentner aus Dortmund den Unterschied zwischen Bushidos stilisierter Palästina-Karte (die sich im übrigen prinzipiell von jener im neuen (!) Logo der ach so moderaten Fatah nicht unterscheidet) und der Karte des Simon Wiesenthal Centers nicht begreift. Denn selbst mit Tomaten auf den Augen erkennt der Betrachter auf letzterer die eingezeichneten Umrisse der Westbank (gelb) und des Gazastreifens (grau), das Land ist eben nicht in einem Stück dargestellt und die Beschriftung Israel zeigt klar auf Israel proper. Der Rest ist im Osten umstrittenes Gebiet, über das Israel – zum Glück, muss man sagen – größtenteils die Kontrolle ausübt (daher gelb) und im Süden Herrschaftsgebiet der Hamas (daher wie die übrigen Anrainer grau). Jemand, der nicht einmal den Namen Shlomo Sand unfallfrei vom Buchcover abschreiben kann, ist mit so einer Darstellung natürlich hoffnungslos überfordert.

 

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Das war jetzt also der von allen erwartete “Rechtsruck”? Wie es aussieht, besteht zwischen dem “rechten” und dem “linken” politischen Lager nach den Knessetwahlen ein Patt, womit alle Unken, die es schon vorher und wieder mal besser wussten, offensichtlich falsch lagen. Unken wie Bettina Vestring. “Israel wählt gefährlich” hieß ihr von völliger Ahnungslosigkeit in der Sache, dafür durch Voreingenommenheit bestechender Kommentar in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau, denn was gefährlich ist und für wen, das weiß eine deutsche Online-Redakteurin mit grandiosem Mut zur israelkritischen Einstellung immer noch am besten.

Oder eben nicht. Die fragmentierte Parteienlandschaft Israels spiegelt die Vielfalt seiner Bevölkerung wieder, und jeder Staatsbürger hat mehr oder weniger gute Gründe für seine Wahlentscheidung. Religiöse Juden wählen religiöse Parteien, Araber wählen meistens – aber durchaus nicht immer – arabische Parteien (kleine Anekdote: bei diesen Wahlen stimmten im von Arabern bewohnten Taybe 22 Wähler für Likud-Beytenu, 19 gar für die siedlernahe Partei von Naftali Bennet) oder gar nicht; wer den Palästinensern misstraut, wählt Likud, wer ihnen trotz allem immer noch vertraut, wählt Meretz oder Avoda und so weiter. Hinzu kommt, dass beileibe nicht nur der Konflikt mit der arabischen Welt eine Rolle spielt, die Israelis also nicht zwingend morgens mit dem Palästinenserproblem aufwachen und abends mit ihm zu Bett gehen, sondern handfeste Dinge, die ihr Leben betreffen: die hohen Lebenshaltungskosten etwa; im Fall der streng religiösen Juden und der Araber auch durchaus Interessen, die allein für ein bestimmtes Milieu relevant sind.

Da wird es mit den Rechts-links-Schubladen schon schwierig. Was etwa macht einen Lieberman zu einem “Ultranationalisten”? Immerhin favorisiert er eine Politik der Loslösung von den Palästinensern. Nicht nur gewährte er ihnen unter gewissen Umständen einen eigenen Staat – kaum, weil sie ihn etwa verdienten, sondern weil er sie einfach loswerden will – vielmehr würde er diesem, aus demselben Grund, sogar noch israelisch-arabische Gemeinden diesseits der Green Line on top draufpacken, was für deren Bewohner allerdings, allem Diskriminierungsgerede zum Trotz, eine Horrorvorstellung ist. Als Nationalisten kann man den Unsympathen Lieberman durchaus bezeichnen – aber als “Ultranationalisten”? Hinzu kommt, dass seine Partei, die vor allem die Interessen der russischen und osteuropäischen Einwanderer vertritt, mit religiösen Vorrechten nichts am Hut hat. Rechts ist eben nicht gleich auch religiös.

Was ZEIT online nicht daran hindert, in einem Artikel zu den Wahlen hanebüchene Aussagen wie diese zu machen:

Im Parlament besteht damit ein Patt zwischen dem religiösen rechtsnationalistischen Lager und den Parteien der politischen Mitte mit den arabischen Parteien.

Das dröseln wir hier gern einmal kurz exemplarisch auf. Wie wir gesehen haben, sind rechts und religiös nicht unbedingt deckungsgleich, die platte Beschreibung des erstgenannten Lagers ist unzulässig. Auch ist nicht jeder Konservative gleich “nationalistisch” oder gar “rechtsnationalistisch”. Nun zu den Parteien der “politischen Mitte”. Dazu scheint die linke Arbeitspartei ebenso zu gehören wie Meretz, eine Partei, die in etwa mit den deutschen Grünen zu vergleichen ist. Um hier Parteien der Mitte zu erkennen, muss man schon eine sehr eigenwillige Perspektive einnehmen. Demnach scheint es in Israel keine Linken zu geben.

Dabei wird es bei den arabischen Parteien noch prekärer: Hadash ist kommunistisch, Raam Ta’al vor allem antizionistisch, also grundsätzlich staatsfeindlich, und Balad (arabisch-)nationalistisch und sozialistisch. Nationalsozialistisch, wenn man so will. Ihre bekannteste Vertreterin, Hanin Zoabi, segelte 2010 mit türkischen Dschihadisten auf der Mavi Marmara gen Gaza.

So wie sich der kleine Moritz in der ZEITonline-Redaktion das vorstellt, gibt es aber nur die finsteren, religiösen und nationalistischen Kräfte auf der einen Seite sowie die guten Parteien der Mitte und die der armen diskriminierten Araber auf der anderen. Wer’s glaubt, gehört sicher zu jenen, die in den vergangenen Wochen und Monaten dem “Rechtsruck”-Geraune frönten. Solchen Leuten jedoch ernsthaft Kompetenz in der Sache zuzubilligen und sich auf ihre Voraussagen und die ihrer Zulieferer wie Gideon Levy von Ha’aretz und anderen üblichen Verdächtigen zu verlassen, ist grob fahrlässig. Da macht man weniger falsch, wenn man nach Sitte der altrömischen Auguren das Fressverhalten von Hühnern im heiligen Bezirk oder die Eingeweide von Tieren beobachtet.

Mehr als 30 Parteien sind zur Parlamentswahl angetreten, jede dritte hat die Hürde genommen und wie seit jeher wird in Jerusalem eine Koalitionsregierung gebildet werden. Wie es aussieht, dürfte am Ende ein Mitte-rechts-Bündnis dabei herausspringen, das die Positionen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung vertritt – in jeder Demokratie dieser Welt ein völlig normaler Vorgang.

Man wäre auch in Deutschland gut beraten, diese zumal für nahöstliche Verhältnisse einzigartige Demokratie fair zu beurteilen statt sich in Klischees und Ressentiments zu suhlen. Und man möge den Unterschied zu den palästinensischen Nachbarn wahrnehmen; diese haben bei ihrem letzten, auch schon deutlich zu lange zurückliegenden Urnengang mehrheitlich für die Hamas gestimmt, sich bei der Wahl zwischen Pest und Cholera also für die Pest entschieden. Sie haben damals wirklich “gefährlich gewählt”, auch wenn es die FR nicht mitbekommen hat. Verglichen damit, wäre selbst der prognostizierte “Rechtsruck” in Israel immer noch Peanuts gewesen. Wenn er denn passiert wäre.

 

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Mutmaßliche Absicht

Heute weiß Spiegel online von einer Explosion in Tel Aviv zu berichten, die offenbar einen kriminellen Hintergrund hatte. Und stellt bei dieser Gelegenheit – aus Schlampigkeit (eher weniger wahrscheinlich) oder Vorsatz (erfahrungsgemäß der Fall) – unter Beweis, nicht up to date zu sein:

Das Fahrzeug ist der Polizei zufolge in der Nähe eines Busses detoniert. An einem nicht weit entfernten Ort hatten Ende November mutmaßlich palästinensische Extremisten einen Bombenanschlag auf einen Bus verübt, bei dem etwa 20 Menschen verletzt worden waren.

Dem sachkundigeren Beobachter fällt auf, dass hier mit dem Adjektiv mutmaßlich der Eindruck erweckt wird, als bestünden hinsichtlich des Terroranschlags vom 21. November 2012, dem letzten Tag der Operation „Defensive Shield“, an der Herkunft des Täters irgendwelche Zweifel. Dem ist aber mitnichten so. Der Attentäter wurde bereits kurz nach der Explosion ermittelt; er heißt Muhammad Mafarji, ist Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft (die er übrigens im Rahmen einer Familienzusammenführung erhielt) und gehört einer islamistischen Terrorzelle an, die wiederum mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad zu tun hat. Nach der Deponierung des Sprengsatzes in einem Dan-Bus der Linie 142, dessen Explosion per Fernzündung übrigens nicht „etwa 20“ sondern 28 Menschen verletzte, drei davon schwer, fuhr Mafarji seelenruhig nach Modi´in zurück, um seine Nachmittagsschicht in der McDonald´s-Filiale anzutreten, in der er zu arbeiten pflegt. Ist in israelischen Zeitungen (und auch in der englischsprachigen Wikipedia) schon lange nachzulesen, wenn man Recherche nicht für ein französisches Schimpfwort hält. Es sei denn, man lässt es bei den Agenturen kgp/dpa/AFP lieber bleiben, damit die Herkunft des anonymen Terroristen und seiner Hintermänner (im Agentursprech: „Extremisten“) unklar erscheint; da ist ein eingeschobenes mutmaßlich ungemein hilfreich. Mutmaßlich ist der Papst katholisch. Aber sicher ist das nicht.

 

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Er war im Schaufenster eines Antiquariats ausgestellt: DER SPIEGEL vom 12. Juni 1967; unmittelbar zuvor war der Sechstagekrieg mit einem ebenso unerwarteten wie überwältigenden Sieg Israels zu Ende gegangen. Der Titel, „Israels Blitzkrieg“ (!), forderte zum unverzüglichen Erwerb auf. Ich betrat die Buchhandlung, entrichtete 10 Euro (ca. 20 D-Mark) für das Heft, das seinerzeit 1,50 DM gekostet hatte, und las die Titelgeschichte noch am selben Abend durch, ebenso wie den erquickenden Kommentar „Israel soll leben“ aus der Feder Rudolf Augsteins, eines der schönsten zionistischen Dokumente seit der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Anschließend schrieb ich eine detaillierte Rezension.

Um es kurz zu machen: Das Heft war jeden Cent wert. Ich schaue es mir immer wieder gern an, wenn ich in diesen Tagen – nicht nur im SPIEGEL, sondern überall – vom „palästinensischen Westjordanland“ und vom „palästinensischen Ostjerusalem“ lese. Denn weder in der siebenseitigen Coverstory noch in Augsteins flammendem Appell an Deutschland und den Westen, an der Seite Israels zu stehen und jedem, der „dem Staat Israel die Existenz bestreitet“, die Entwicklungshilfe zu streichen, tauchen die Begriffe „Palästinenser“ oder „palästinensisch“ auch nur ein einziges Mal auf, obwohl die PLO damals bereits seit drei Jahren ihr terroristisches Unwesen trieb, also „Palästina befreien“ wollte, ohne dass Gazastreifen und Westbank israelisch besetzt gewesen wären.

Besetzt waren diese Gebiete gleichwohl – Gaza von Ägypten, die Westbank und Ostjerusalem von Jordanien. Entsprechend ist im SPIEGEL anno 1967 von „Westjordanien“ (heute: „palästinensisches Land“) die Rede, wird die Bedrohung Israels durch Nassers Ägypten, Syrien und Jordanien sowie die militärische Entwicklung des jüngsten Waffengangs analysiert und auch die unselige Rolle der Supermacht Sowjetunion angesprochen, über „Palästina“ jedoch, wie gesagt, kein Wort verloren.

Heute allerdings ist alle Welt – mit Ausnahme der Amerikaner, der Tschechen und einiger sympathischer Südseeinsulaner – davon überzeugt, dass die Palästinenser einen legitimen Anspruch auf jeden Quadratmeter der Westbank inklusive Ostjerusalems haben, und eine israelische Bebauung karstiger Hügel zwischen Jerusalem und Ma´ale Adumim wird als „tödlicher Schlag für den Friedensprozess“ gewertet, während die Hamas weiter fröhlich zur Vernichtung Israels aufruft, palästinensische Kinder zum Hass auf Israel erzogen werden und selbst die sogenannten „moderaten“ Vertreter der Fatah, sofern sie zu ihren eigenen Leuten sprechen und nicht westlichen Reportern die Hucke voll lügen, keinen Hehl daraus machen, weiterhin Ansprüche auf „ganz Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer“ aufrechtzuerhalten, ganz so, wie es schon vor 1967 war.

Aber um „Landraub“ beklagen zu können, muss einem das, was angeblich gestohlen wurde, erst einmal gehört haben. Dies ist eindeutig nicht der Fall, da auf das britische Mandat die Eroberung und die (international nicht anerkannte) Annexion durch Transjordanien gefolgt waren. Insofern handelt es sich in der Tat um „umstrittene“, nicht um „besetzte“ Gebiete, und daher ist der Ausbau von Siedlungen, die ohnehin bei Israel verbleiben werden, auch keineswegs ein „illegaler Akt“.

DER SPIEGEL Nr. 25/1967 weiß dementsprechend nichts von einer „Besetzung palästinensischen Landes“ zu berichten; wohl aber vom Versuch dreier arabischer Staaten, Israel den Garaus zu machen. Nun sei den Aggressoren aber gründlich „aufs Haupt geschlagen“ worden, die Israelis, so Augstein, „nur dank ihrer Bravour einer Katastrophe entgangen“. Daran seien jene erinnert, die heute von „widerrechtlich besetztem palästinensischen Land“ schwadronieren.

Warum die offiziell verkündeten, rückwirkenden Ansprüche der Palästinenser – übrigens exakt dieselbe „Verhandlungs“-Position wie vor fünf, zehn, fünfzehn, ja zwanzig Jahren bei der Aufnahme des sogenannten „Friedensprozesses“ – sakrosankt sein sollten, erschließt sich vor diesem Hintergrund nicht. Natürlich darf Mahmoud Abbas die ganze Westbank, Ostjerusalem und das „Rückkehrrecht“ fordern, so wie er auch 100 Milliarden Dollar in kleinen Scheinen oder die erdabgewandte Seite des Mondes fordern darf; nur verdienen diese Forderungen eben keine Unterstützung. Wobei man über den Mond vielleicht mal sprechen sollte.

Was 1967 galt, gilt auch heute noch: Israel ist von Nachbarn umzingelt, die den jüdischen Staat von der Landkarte radiert sehen wollen. Wäre es so, wie allgemein behauptet wird, nämlich dass Israel wirklich den Frieden gewönne, wenn es denn nur alle Gebiete räumte, ließe sich ja über weitere Konzessionen reden; allein: Nach allen Erfahrungen, die Israel mit bisherigen Rückzügen gemacht hat, vom Südlibanon über Teile Judäas & Samarias, dem Gazastreifen und neuerdings auch dem Sinai, kann man allerdings nicht ernsthaft erwarten, dass es auch noch seine Hauptstadt an Fatah und Hamas abtritt. Unmittelbar nach einer Räumung würde in der Altstadt der große Sieg der Araber über Israel gefeiert werden, und keine 24 Stunden später geriete das erste Viertel der Neustadt unter Mörserbeschuss. Daran kann kein Zweifel bestehen; wer das Gegenteil behauptet, hat sich weder mit der Charta der Hamas beschäftigt noch mit offiziellen Verlautbarungen der ach so moderaten Fatah.

Die weltweite Empörung über den geplanten Bau von Häusern in E 1 wäre nur dann zu verstehen, wenn man davon ausgeht, dass Ostjerusalem eines Tages tatsächlich an die palästinensischen Terrorbanden fällt. Dies wird nicht geschehen, selbst zwei Drittel der Anhänger der israelischen Arbeitspartei sind dagegen. Aus gutem Grund. Alles spricht dafür, dass es Hamas und Fatah genau so arg, wenn nicht schlimmer treiben würden als Jordanien zwischen 1948 und 1967; damals waren alle Juden getötet oder vertrieben, Dutzende Synagogen zerstört, der Friedhof auf dem Ölberg geschändet worden; der Zugang zu ihren heiligen Stätten blieb den Juden verwehrt. Auch heute noch wird jeder jüdische Bezug zu Jerusalem von arabischer Seite geleugnet, das ist bestens dokumentiert. Die Vergangenheit, so viel ist sicher, würde sich wiederholen, nicht nur in Jerusalem, sondern überall an den äußerst verwundbaren Grenzen (O-Ton SPIEGEL: „Ein Land mit so ungünstiger Militärgeographie läßt sich nicht defensiv, sondern nur offensiv schützen“). Nur ein Narr kann glauben, dass die Israelis sich das antun.

1967 machte man sich da noch keine Illusionen. Aber die Welt hat ein verdammt schlechtes Gedächtnis.

 

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