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Als vor ziemlich genau 70 Jahren die alliierten Expeditionsstreitkräfte in der Normandie landeten, um Europa von der Nazi-Herrschaft zu befreien, verloren die Truppen aus Amerika, Großbritannien, Kanada und Polen über 200.000 Soldaten; bei den Deutschen waren es noch mehr. Wie Antony Beevor in „D-Day“ schreibt, ließen auch 19.800 französische Zivilisten in jenem Sommer ihr Leben, die 15.000 nicht mitgezählt, die schon vorher bei Luftangriffen getötet wurden.

Um das Kriegsziel, die Niederringung der Nazis, zu erreichen, nahm man diese Opfer in Kauf. Niemand wäre auf die Idee gekommen, „Operation Overlord“ abzublasen, weil auch Nichtkombattanten verletzt oder getötet wurden. Um es klar zu sagen: In jedem Krieg werden zivile Opfer in Kauf genommen. Mit einer Ausnahme: wenn die israelische Armee gezwungen ist, gegen Hisbollah oder Hamas vorzugehen. Dann wird jedes unbeteiligte Opfer penibel gezählt und gern auch vorgeführt, und darüber hinaus jeder an Kampfhandlungen Beteiligte zum unschuldigen Zivilisten umetikettiert – die Hamas hatte die Bevölkerung schon frühzeitig dazu aufgerufen, im Propagandakrieg gewisse Richtlinien zu befolgen.

When referring to casualties in Gaza, the term “innocent citizen” should always be added to the name, the video says.

Entsprechend halten sich auch Israel wenig wohl gesonnene Journalisten an solche Empfehlungen und erwecken auf breiter Front den Eindruck, es handle sich in Gaza sämtlich um unschuldige Opfer. Nach 12 Tagen heftiger Angriffe wurden bisher etwa 300 „Opfer“ gezählt, also 25 pro Tag, die von Aschraf al-Qudra, dem derzeit wohl meistzitierten Menschen der Welt, allesamt „Märtyrer“ genannt werden. Von al-Qudra stammen sämtliche Zahlen über Kriegsopfer unter der Bevölkerung des Gazastreifens. Meist wird er als „Gesundheitsbeamter“ bzw. „Sprecher der Rettungsdienste“ vorgestellt, tatsächlich ist er der Sprecher von Hamas-„Gesundheitsminister“ Mufiz al-Makhalalati. Kein Journalist weiß, wie die von ihm ersonnenen Zahlen zustande kommen und wie es überhaupt möglich ist, sie mehrmals täglich zu aktualisieren.

Statt zu zeigen, wie die israelischen Streitkräfte gegen Raketenstellungen, Waffenlager, Bunker etc. vorgehen, um was es also wirklich geht, laufen westliche Medienschaffende nun durch Krankenhäuser und schildern das Leid der Menschen, die es erwischt hat. Und weil palästinensische Zivilisten, denen die von ihnen selbst gewählte Hamas den Schlamassel zweifellos eingebrockt hat, ebenfalls von den Israelis geschützt werden sollen, dreht man letzteren einen Strick aus der Notwendigkeit, sich gegen Raketenangriffe der Hamas auf die israelischen Zivilisten zur Wehr setzen zu müssen. Offensichtlich ist Israel für das Wohlergehen der Zivilisten auf beiden Seiten verantwortlich, während die Hamas ihre Bevölkerung fröhlich dazu aufruft, sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung zu stellen.
In diesem Sinne schnürt auch Raniah Salloum für Spiegel online durch Gaza und beklagt die Blockade bzw. die „Belagerung“ – allerdings ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, dass der komplette Landstrich von Israel aus mit Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff versorgt wird; selbst jetzt, da aus Gaza jeden Tag 70 Raketen auf Städte in Israel abgefeuert werden, rollen Hunderte von Trucks über Grenzübergänge wie Keren Shalom oder Erez, sodass Salloums Klage „Kaum jemand darf hinaus und kaum etwas herein“ auch hier nur zur Hälfte stimmt: Es darf tatsächlich kaum jemand heraus (z.B. Patienten, die in israelischen Krankenhäusern behandelt werden), dass „kaum etwas herein“ dürfe, ist unwahr, es sei denn, die Reporterin wollte sich darüber beschweren, dass Israel die Einführung von Raketen und anderen Waffen für die Hamas unterbindet.

Die radikalislamische Terrororganisation selbst sorgt nur für das, was sie im Krieg gegen die Juden benötigt, nämlich – über Schmuggeltunnel aus dem Sinai – Raketen, Panzerfäuste, Maschinenpistolen, Handgranaten; auch Beton, mit dem man die kunstvoll errichteten Terror-Tunnel im Norden auskleidet, die sogar über Belüftungssysteme und elektrische Beleuchtung verfügen. Man muss ja Prioritäten setzen! Damit es in Gaza sonst an nichts mangelt, soll ausgerechnet Israel in die Bresche springen, das von Gaza aus terrorisiert wird. Fällt jemandem die Absurdität dieser Argumentation auf?

Gut, Raniah Salloum lässt die entscheidenden Tatsachen unerwähnt, aber dafür übt sie ein klitzekleines bisschen Kritik an den Hamas: „Das Leid der Menschen nutzt die Hamas als Bühne.“ Nicht nur das, sie ist auch für das Leid der Menschen verantwortlich, aber so weit möchte die vom „perfekt getrimmten Bart“ eines Gotteskriegers beeindruckte Salloum nicht gehen; schließlich nutzt sie das Leid der Menschen selbst, nämlich um die SpOn-Leserschaft gegen Israel in Stimmung zu bringen, wobei das längst nicht mehr nötig sein dürfte.

Und sie zitiert Robert Turner, Leiter des Gaza-Programms der UNRWA, der von einer “undefinierte(n) Sicherheitsbedrohung“ faselt, die Israel schon zur Blockade ausreiche, als seien 12.000 Raketen in den vergangenen Jahren ebenso ein Klacks wie die Terror-Tunnel, die einzig zu dem Zweck gebaut wurden, in Israel Massaker zu verüben und Geiseln in den Gazastreifen zu verschleppen.

Man muss es noch einmal sagen: Israel führt diesen Krieg, um fünf Millionen Israelis, die sich gegenwärtig täglich vor Raketen aus dem Gazastreifen ducken müssen, wieder ein normales Leben zu ermöglichen, und nicht etwa, weil es Spaß macht, Krieg zu führen. Lieber säßen die jungen Männer, die jetzt in Gaza kämpfen, am Strand von Tel Aviv und nippten an einem Glas Goldstar, statt in den stinkenden Höllenpfuhl im Süden einzumarschieren, Tunnel aufzuspüren und sich mit bärtigen Gotteskriegern herumzuschlagen. Dieser Krieg geht, man kann es nicht oft genug sagen, auf das Konto der Hamas. In Ägypten macht man sich da keine Illusionen, während die Hysterie in Europa wieder einmal groteske Züge annimmt. “Hamas, Hamas, Juden ins Gas!”, “Kindermörder Israel!”, “Allahu akbar!”, “Intifada bis zum Sieg” – an solchen Parolen erkennt man die vorgeblichen Friedensfreunde. Man ahnt, zu was sie fähig wären, wenn nicht Israel, sondern sie am längeren Hebel säßen.

Eigentlich müsste jedem Beobachter klar sein, dass kein Bewohner Gazas hätte sterben müssen oder verwundet im Krankenhaus läge, wenn die Hamas sich nicht den ewigen Krieg gegen Israel auf die Fahnen geschrieben hätte. Und da Israel in einem dicht bevölkerten Gebiet agieren muss – die Palästinenser sprechen von 1,8 Millionen Menschen – beweisen 300 Tote bei 2250 Luftangriffen eindeutig, dass Israel sehr vorsichtig und eben nicht „mit aller Härte“ vorgeht. 300 Menschen erledigt, wie man vor zwei Tagen sehen konnte, ein Schütze im ukrainisch-russischen Grenzgebiet locker mit einer einzigen Rakete.

Über die Vorsichtsmaßnahmen, die die IDF trifft, ist bereits geschrieben worden, u.a. von Gil Yaron in der WELT. Wohl wissend, dass die Antisemiten weltweit nur darauf warten, irgendwas in die Hand zu bekommen, um den jüdischen Staat als „Kriegsverbrecher“ mit Dreck bewerfen zu können, geht Israel extrem umsichtig vor – umsichtiger übrigens als jedes andere Krieg führende Land der Welt. Selbst auf die palästinensischen Zivilisten, die die Ermordung von Israelis mit Knafeh für alle feiern, wird Rücksicht genommen. Auf die Belehrungen eines John Kerry kann Israel dankend verzichten. Wenn Jerusalem wollte, könnte man ganz anders, so viel ist mal sicher. Und man muss ganz und gar nicht hartherzig zu sein, um zu akzeptieren, dass, wo gehobelt wird, Späne fallen. Um die 35.000 toten Zivilisten in der Normandie war es sehr schade. Um die Nazis nicht.

Dank an Stefan Frank für wertvolle Hinweise!

 

ZEIT online bringt eine Fotostrecke mit dem verheißungsvollen Titel „Betende Soldaten, fliehende Zivilisten“ – 14 Agenturbilder sind es insgesamt.

Was wir sehen:

Rauch in Gaza-Stadt nach israelischem Luftangriff

israelische Soldaten

einen israelischen Soldaten, der sich Tefillin anlegt

israelische Soldaten mit Granaten

israelische Panzer

israelische Artillerie in Aktion

einen Apache-Helikopter in Aktion

eine Rauchwolke über Gaza

Trümmer in Gaza-Stadt

einen Verletzten in Gaza-Stadt

ein Krankenhaus in Gaza-Stadt

noch einmal Trümmer in Gaza-Stadt

Mädchen, das sich anschickt, aus Gaza-Stadt zu fliehen

Flüchtlinge in Gaza-Stadt

Was wir nicht sehen: Raketenbeschuss aus Gaza-Stadt, Hamas-Terroristen, israelische Zivilisten in Bunkern, getroffene Wohnhäuser in Ashdod oder Ashkelon, Behandlung von traumatisierten Kindern in Südisrael. Stattdessen die perfekte Illustration des palästinensischen Narrativs: hier die angreifenden Israelis (Soldaten!), dort die leidenden Opfer in Gaza. Ein blitzsauberes 14:0 in der Propagandaschlacht und ein weiteres journalistisches Glanzstück aus dem Pressehaus Speersort.

 

M75 rocket launched from Gaza strip into Israel
Für ZEIT online kein Thema: Raketenbeschuss aus Gaza-Stadt

 

Waren in den vergangenen Tagen mitunter ungewohnte Töne im deutschen Blätterwald zu vernehmen (Peter Münch, Raniah Salloum und Ulrike Putz überraschten mit Kritik an der Hamas), so greifen die Reflexe bei der stets wertenden Berichterstattung über die gegenwärtigen Geschehnisse in Gaza und Israel in der Regel zuverlässig. Dazu gehören insbesondere der Vorwurf an Israel, zu hart zurückzuschlagen oder, soll überhaupt geleugnet werden, dass die Hamas den Konflikt gewollt und begonnen hat, im Grunde diejenige Seite zu sein, die am ganzen Schlamassel schuld ist.

Besonders augenfällig wurde das heute. Die israelische Regierung hatte angekündigt, die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe ab 9.00 Uhr einzuhalten; sollte die Hamas dies allerdings nicht tun, behalte man sich eine Fortsetzung der Operation „Protective Edge“ vor. Die Online-Ausgabe der SZ schlagzeilte daraufhin so:

 

SZ_15.7

 

Dass die Überschrift, die Israel einmal mehr die Rolle des Aggressors zuwies, im Widerspruch zum Text stand, fiel entweder niemandem auf oder wurde in der Erwartung in Kauf genommen, dass der gemeine Onlineausgabenkonsument sich mit dem Überfliegen der Schlagzeile schon zufrieden geben werde.

Sechs Stunden lang hielt sich die israelische Luftwaffe zurück, während 50 Hamas-Raketen über Israel niedergingen – was die deutschen Redaktionen ignorierten. Sie waren vollauf damit beschäftigt, die Ereignisse auf der WM-Fanmeile in Berlin in allen Einzelheiten zu schildern. Außerdem hatte Israel noch nicht zurückgeschlagen, die eigentliche Meldung ließ also auf sich warten.

Erst als Israel am späten Nachmittag der Kragen platzte, wachten die SpOn-Auslandsredakteure wieder aus dem Koma auf brachten diese Meldung:

 

Spon_15.7

 

Nicht nur, dass die Schlagzeile den Verlauf der Ereignisse auf den Kopf stellte (und wiederum im Widerspruch zum nachfolgenden Text stand): Das Foto (Bildunterschrift: „Ein israelischer Raketenabschuss Richtung Gazastreifen: Waffenruhe hielt nur kurz“) zeigte eine Batterie des israelischen Raketenabwehrsystems „Iron Dome“, womit eine Defensivwaffe zum Schutz der Bevölkerung zu einer Angriffswaffe umgedeutet wurde. Dreister geht´s nimmer.

Stunden später wurde die Bildunterschrift übrigens geändert; die unsägliche Schlagzeile blieb stehen. Eines ist jedenfalls klar: Mit seriösem Journalismus haben solche Vorfälle nichts zu tun. Hier ist auch (nicht nur) Schludrigkeit ursächlich, sondern hier hat der Wahnsinn Methode. Nicht erst seit heute, aber an solchen Beispielen lässt er sich besonders deutlich festmachen. Wenn es um Israel geht, pfeift der Großteil der Journaille auf jegliche Fairness. Wie schäbig.

 

Eine Woche mit 1100 Hamas-Raketenangriffen auf israelische Zivilisten und 1500 israelischen Luftangrifffen auf Hamas-Ziele hat erwartungsgemäß wieder zahllose Idioten auf den Plan gerufen, die bestenfalls Terror einerseits und den Kampf gegen den Terror andererseits gleich schlimm finden, wenn sie nicht gar tolldreist die Terroristen noch als die eigentlichen Opfer bezeichnen. Leider spielt auch der Großteil der Medien wieder einmal eine unrühmliche Rolle, indem er die kruden Ansichten der „Israelkritiker“ nach Kräften befeuert. Zeit, den fünf gängigsten Behauptungen zum Gaza-Konflikt entgegenzutreten.

 

„Die Hamas ist doch geradezu gezwungen, zu kämpfen, so lange Gaza abgeriegelt ist“

Die Teilblockade Gazas wird von Ägypten und von Israel aufrecht erhalten. Von Israel, weil Gaza eine feindliche Entität darstellt, die den jüdischen Staat seit etlichen Jahren mit mehr als 12.000 Raketen beschossen hat. Dennoch wird der Küstenstreifen von Israel aus versorgt: mit wöchentlich Hunderten von Trucks voller Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff. Der Gazastreifen hängt auch nach wie vor am israelischen Stromnetz. Dass jetzt die Lichter für 70.000 Palästinenser in Khan Younis und Deir al-Balah im Norden des Gazastreifens ausgingen, ist einer Hamas-Rakete zu verdanken, die eine israelische Hochspannungsleitung zerstörte. Jetzt dürfen Israelis unter fortgesetztem Raketenbeschuss eine Leitung reparieren, um den ihnen feindlich gesinnten Gaza-Bewohnern wieder Strom zu liefern, der noch nicht einmal bezahlt wird (bisher schuldet man allein der Israel Electric Corporation 220 Millionen Shekel). Der Irrsinn des Nahen Ostens.

Weiterhin versorgen israelische Krankenhäuser Patienten aus Gaza (wie kürzlich bekannt wurde, sogar die Mutter von Ismail Haniya). Der Küstenstreifen ist weder ein „Freiluftgefängnis“ noch „hermetisch abgeriegelt“. Dass die Grenzen grundsätzlich geschlossen sind, ist allein dem Raketenbeschuss aus Gaza geschuldet, period.

Wes Geistes Kind die Hamas ist, zeigt sie seit Jahrzehnten in Wort und Tat: Ein Blick in ihre Charta oder auch in eines der zahllosen Videos, in denen sie martialisch ankündigt, jeden Juden töten zu wollen, sagt alles. Der „Kampf“ gegen Israel ist für sie die Raison d’être, und wer etwas anderes behauptet, macht sich der Verharmlosung einer Organisation schuldig, die juristisch von der EU, von den Vereinigten Staaten und anderen, auch arabisch-muslimischen, Staaten als terroristische Vereinigung betrachtet wird.

Die Hamas hat auch vor Tagen angekündigt, in Israel „jeden Bus, jedes Cafe und jede Straße“ zum Ziel von Anschlägen zu machen, was, genau so wie der Beschuss israelischer Städte (und des Atomreaktors in Dimona als erklärtes Ziel!), ein weiteres Kriegsverbrechen darstellt. Noch einmal: Es geht ihr nicht darum, die Lebensbedingungen in Gaza zu verbessern. Im Gegenteil nimmt sie billigend in Kauf, dass die Bevölkerung unter den unvermeidlichen Gegenmaßnahmen der Israelis leidet. Es gibt natürlich Leute, die ihnen diese Opferrolle zugestehen, weil sie die Israelis unbedingt als Täter anklagen möchten, aber denen ist nicht zu helfen.

 

„Die palästinensischen Raketen sind doch nur bessere Feuerwerkskörper“

Die Hamas verfügt inzwischen über ein Arsenal von geschätzt 10.000 Raketen, von denen sie nun binnen einer Woche etwa 1100 auf israelische Städte inklusive Jerusalem abgeschossen hat. (Wir halten das an dieser Stelle fest – für alle, die meinen, man müsse Ostjerusalem den Palästinensern überlassen.) Es handelt sich hier um Qassams, die von SpiegelOnline neuerdings verniedlichend „Kleinraketen“ genannt werden, um Grad- und Fajr-5-Raketen und um die syrischen Khaibar-1 M302-Raketen, die 160 km weit fliegen können. Sie terrorisieren nun täglich fünf Millionen Menschen in Israel, das sich vor neun Jahren bis zum letzten Mann aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat. Eine Khaibar-1 M302 mit einem 150-kg-Sprengkopf möchte wohl kein Spiegel-Redakteur in seinem Hamburger Wohnzimmer landen sehen. Geht jedoch Israel gegen den Raketenterror vor, schreibt er leichthändig von – selbstredend – unangemessener Härte und alttestamentarischer Vergeltungssucht. Nun ja.

 

„Die israelischen Luftangriffe sind unverhältnismäßig hart“

Bisher flog die IAF mehr als 1500 Einsätze; dabei sind nach Hamas-Angaben, die alles andere als untertrieben sein dürften, bisher 192 Menschen zu Tode gekommen, wobei nicht klar ist, wie viele der Getöteten der Hamas angehörten, wie viele in ihrer Funktion als „menschliche Schutzschilde“ umkamen und wie viele zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Was passieren kann, wenn die Hamas aus Wohngebieten heraus ihre Raketen abfeuert (noch ein Kriegsverbrechen). Wie auch immer, maximal kommt ein Toter auf acht Luftangriffe (!). Würde die israelische Luftwaffe, deren Feuerkraft immens ist, ohne Rücksicht auf palästinensische Verluste losballern, betrüge die Zahl der „Opfer“ auf palästinensischer Seite ein Vielfaches, so viel ist sicher. Aber dies ist eben nicht der Fall. Angegriffen werden gezielt Raketenstellungen, Waffendepots, Kommandozentren und andere Institutionen der Hamas, auch Privathäuser von Hamas-Granden. Alle diese Ziele sind im Sinn des Kriegsrechts legitim. Wer´s nicht glaubt, kann sich ja mal hineinlesen.

Hinzu kommt, dass die Israelis die Zivilisten in Gaza auf vielfältige Weise vor Einsätzen warnen, per Flugblättern, per Telefon und per „roof knocking“ (bitte googeln). Israel könnte es sich leicht machen, sich sagen, dass zuletzt 75 Prozent der Gazaner Hamas gewählt haben und nach dem alten Motto „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“ jetzt eben dafür zahlen müssen. Tut es aber nicht. Und zwar nicht nur, weil die Welt dann wieder im Dreieck springen würde.

Wenn sich Mahmud Abbas, der erst vor wenigen Wochen die verhängnisvolle, von den Idioten im Westen begrüßte „Versöhnung“ mit der Hamas zelebrierte, jetzt hilfesuchend an die Weltgemeinschaft wendet und einen „Völkermord“ in Gaza sieht, kann sich jeder klar denkende Mensch nur an den Kopf fassen.

 

„Das Missverhältnis bei den Opferzahlen zeigt klar, dass Israel der Aggressor ist“

Die „Opfer“-Zahlen sagen nichts darüber aus, welche Seite im Recht ist. Im Zweiten Weltkrieg sind einige Zehntausend Briten bei deutschen Luftangriffen gestorben, während die Royal Air Force ganze deutsche Städte in Schutt und Asche legte. Und? Soll das heißen, dass Nazideutschland „im Recht“ war? Göring wollte schon, aber er konnte nicht. So wie die Hamas heute.

Der Grund für das „Missverhältnis“ ist vielmehr: Ein aufwändig entwickeltes und milliardenteures Raketenabwehrsystem schützt die israelische Bevölkerung vor dem Raketenterror aus Gaza; der Zivilschutz ist hervorragend organisiert. In Gaza gibt es nur Bunker für Hamas-Häuptlinge, während die Führung die Bevölkerung dazu aufruft, sich als menschliche Schutzschilde auf die Dächer derjenigen Objekte zu begeben, welche angegriffen werden. Mit anderen Worten: Israel schützt seine Bürger vor Raketen, Hamas lässt seine Raketen von den Bürgern schützen. Letzteres ist nicht nur ein Kriegsverbrechen, es zeigt auch die ganze Perversion der in Gaza herrschenden Dschihadisten, die von Geistesgestörten wie Helga Baumgarten, „KenFM“ und Evelyn „Die Tochter“ Hecht-Galinski für eine „legale Partei“ und eine „Widerstandsbewegung“ gehalten werden.

 

„Ein Waffenstillstand ist das Gebot der Stunde“

Seit jeher sieht ein „Cease fire“ zwischen Israel und der Hamas so aus: Israel ceases and the Palestinians fire. So wie heute, am 15. Juli 2014. Seit 9.00 Uhr hatte Israel auf ägyptische Initiative hin alle Angriffe auf die Hamas eingestellt; diese aber schoss binnen sechs Stunden 50 Raketen auf israelische Städte ab. Am Nachmittag nahm die Luftwaffe ihre Einsätze gegen Hamas-Ziele wieder auf. (Schlagzeile bei SpiegelOnline zusammenfassend: „Nach kurzer Feuerpause: Israel greift wieder Ziele im Gazastreifen an“.)

Während 170.000 Tote im syrischen Bürgerkrieg seit 2011 (mehr Opfer, als der gesamte israelisch-arabische Konflikt inklusive aller ausgewachsenen Kriege in mehr als 100 Jahren gefordert hat!) achselzuckend zur Kenntnis genommen werden, erregen knapp 200 Tote in Gaza erwartungsgemäß weltweite Aufmerksamkeit. Schon tritt der UN-Sicherheitsrat zusammen, schon steigt der Druck auf Israel, die Einsätze in Gaza zu beenden. „Um die Hamas im Rahmen einer ausgedehnten Bodenoffensive wirklich entscheidend zu schwächen, bräuchte Israel aber wohl mehr Zeit, als die internationale Gemeinschaft dem Land gewähren würde“, schreibt Michael Borgstede in der WELT. Man fragt sich, warum die Welt so scharf darauf ist, eine islamistische Mörderbande, der es gerade an den Kragen geht, vor einer entscheidenden Schwächung zu bewahren. Die naheliegende Antwort spricht jedenfalls nicht für die „internationale Gemeinschaft“, die zum Konsens nur dann fähig ist, wenn es darum geht, dem jüdischen Staat im Kampf gegen seine Todfeinde in den Arm zu fallen.

Eine Waffenruhe, die es der Hamas erlaubt, sich als Sieger zu gerieren und die nächste Runde vorzubereiten, ist kontraproduktiv. Beim nächsten Mal wird es noch schlimmer werden, das zeigt alle Erfahrung im Nahen Osten. Das Gebot der Stunde wäre, Israel das Recht zur Verteidigung nicht nur theoretisch zu gewähren sondern alles zu tun, damit Hamas und Islamischer Dschihad im Gazastreifen aus dem letzten Loch pfeifen und klein beigeben. Wer, wie Peter Münch heute in der Süddeutschen Zeitung, sich einen Waffenstillstand wünscht, der auch der Hamas gestattet, sich „wie ein Sieger zu fühlen“, hat nichts begriffen.

 

Drecksblatt

Wenn es Juden an den Kragen geht, davon sind die meisten Deutschen überzeugt, sind sie selbst dafür verantwortlich. Konnte es schon nur deshalb zur Shoa kommen, weil es dem Internationalen Judentum gelang, „die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen“, wie der Gröfaz Anfang 1939 schon mal vorbeugend klarstellte, sind es heute die Israelis, die den unbändigen Judenhass in der Region selbst heraufbeschworen haben.

Schießt der Irak Saddam Husseins im Jahr 1991 Dutzende Scud-Raketen auf Großstädte im nicht am Krieg beteiligten Israel ab, weshalb Millionen Israelis mit Gasmasken in abgedichteten Zimmern auf den nächsten Einschlag warten müssen, erklärt der Grüne Christian Ströbele, dies sei nur „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber“. Feuern im Jahr 1996 palästinensische Polizisten auf ihre israelischen Friedenspartner, ist Netanyahu schuld, der die Öffnung eines archäologischen Tunnels in Jerusalem genehmigt hat. Tritt Yassir Arafat im Herbst 2000 eine beispiellose Terrorwelle gegen israelische Zivilisten los, die Tausende das Leben kostet, geht das auf die Kappe des Oppositionspolitikers Sharon, der sich 20 Minuten auf dem Tempelberg aufgehalten hat.

Werden im Juni 2014 drei israelische Jugendliche von Palästinensern verschleppt, dichten mehrere deutsche Zeitungen den Opfern an, „Siedler“ und damit gewissermaßen illegale Besatzer zu sein, die ihr Los wohl reichlich verdient haben. Den vorläufigen Höhepunkt der „Die Juden sind an ihrem Schicksal selber schuld“-Kampagne liefert heute Abend die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Das Qualitätsmedium aus München, das jeden jugendlichen palästinensischen Brandsatzwerfer, der bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften erschossen wird, als mutmaßlich kaltblütig getöteten Jugendlichen darstellt, was die Kommentatorenmeute in „Kindermörder Israel“-Phantasien schwelgen lässt, schafft es tatsächlich, selbst einem 13-Jährigen, der auf dem Golan bei einem von Syrien aus organisierten Anschlag durch einen Sprengsatz ums Leben kommt, mittels kaltblütiger Wortwahl die Schuld für seine Ermordung zuzuschieben:

Auf den Golanhöhen ist erstmals seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ein Israeli getötet worden. (…) Was er in dem gefährlichen Gebiet zu suchen hatte, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass es sich bei der Süddeutschen Zeitung um ein Medium handelt, das fortgesetzt und absichtsvoll jede wahrhaftige und faire Berichterstattung fahren lässt, wenn es um Israel geht; dass es selbst die Würde eines getöteten Kindes mit Füßen tritt, wenn es Israeli ist (bittere Ironie am Rande: das Opfer hieß Muhammad Karaka, war arabischer Herkunft und wohnte in Untergaliläa) und dass nicht einmal dem hässlichsten toten Aal zugemutet werden kann, in dieses Drecksblatt eingewickelt zu werden.

 

Hau den Bibi!

Ach, was waren das für Zeiten, als man im Journalismus Nachricht und Kommentar noch zu trennen pflegte! Bei Spiegel online gibt sich Julia Amalia Heyer keine Mühe, ihr Ressentiment gegen die allseits verhasste israelische Regierung zu verbergen, und wenn sie dazu in einem Verbrechensfall Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern machen muss. Die Reaktion auf die Entführung dreier israelischer Teenager, nicht die Untat an sich, macht der deutschen Korrespondentin schwer zu schaffen. Doch halt – sagten wir Verbrechen? So weit würde die Reporterin nicht gehen. Sie spricht mal von einem „Unglück“, mal von einer „Tragödie“ – und mehrmals vom „Verschwinden“ der drei Jungs, „wie Netanjahu sie nennt“ und was sie offenbar nicht sind.
 
Sondern: Siedler. „Drei junge Siedler“, die am Donnerstagabend „in ihre Siedlungen trampen“. Nun wohnen zwei der drei Entführungsopfer gar nicht in einer Siedlung, sondern diesseits der Green Line, aber da Siedler gemeinhin als vogelfrei gelten, deutet Heyer damit an, dass so was schon mal passieren kann, denn schließlich leben hier Juden „auf palästinensischem Territorium“ (vulgo: umstrittene Gebiete, über welche, in dieser Reihenfolge, die Osmanen, Engländer, Jordanier und Israelis herrschten, niemals aber Palästinenser; die stellen hier rückwirkende Ansprüche, über die man reden kann oder auch muss, die aber nicht gottgegeben sind), und solche Subjekte darf man jederzeit, wie die Familie Fogel, in ihren Betten abschlachten oder eben kidnappen, um einen „Gefangenenaustausch“ in die Wege zu leiten.
 
Nun ist es natürlich möglich, dass Eyal, Naftali und Gilad nicht entführt wurden; vielleicht sind sie ja tatsächlich vom Erdboden „verschwunden“, wurden just for fun von Chefingenieur Scotty aufs Raumschiff Enterprise hochgebeamt, wo sie sich auf der Brücke gemeinsam mit der Crew über schwere Dachschäden bei Journalisten im 21. Jahrhundert amüsieren, auszuschließen ist nichts. Aber Julia Amalia Heyer ist großzügig genug, die Möglichkeit einer Entführung in Betracht zu ziehen. Womit sich allerdings die Frage stellt: Wer war’s? Die Hamas, der Heyer noch vor drei Monaten bescheinigte, sie sei angetreten, um „den Alltag der Palästinenser in Gaza lebenswerter zu machen“, kann es natürlich kaum gewesen sein, denn die „Bewegung, die seit 2007 im Gazastreifen regiert“, hat „die Anschuldigung ausdrücklich zurückgewiesen“. So!
 
Sie hat auch – nach gelungener Freipressung von mehr als 1000 palästinensischen Terroristen infolge der Geiselnahme Gilad Shalits – immer wieder dazu aufgerufen, mehr Juden zu entführen, um Israel zur Entlassung weiterer Tausend Häftlinge zu nötigen, und es auch mehrmals erfolglos versucht, aber darauf geht Frau Heyer nicht ein; ihr ist wichtiger, dass der „Hardliner“ Netanjahu die Hamas verantwortlich macht, und was einer sagt, der „Teilen der internationalen Gemeinschaft als notorischer Neinsager“ gilt (ungeachtet des Wye-Abkommens, ungeachtet der Bar-Ilan-Grundsatzrede, ungeachtet der von ihm veranlassten Gesten des guten Willens, die stets ohne Erwiderung blieben), ja „manchen sogar als Kriegstreiber“, das kann und darf ja nicht wahr sein. „Konkrete Beweise blieb Netanjahu bisher schuldig“, greint die Spiegel-Reporterin, ganz so, als seien die israelischen Geheimdienste es ausgerechnet der bis auf die Knochen feindseligen Journaille schuldig, ihre Erkenntnisse öffentlich zu machen.
 
Bar jeglichen Mitgefühls für die „Verschwundenen“, dreht Heyer den Israelis einen Strick aus der Tatsache, dass sie mit ihren Warnungen und Befürchtungen Recht behalten haben; sie weideten „den Vorfall propagandistisch aus“, politisch komme diese Sache dem Ministerpräsidenten „zupass“, er wolle sich „endlich wieder als der Hardliner präsentieren, als der er seit Jahren gewählt wird“. Zwar hat Netanjahu einen ziemlich undankbaren Job, der ihn zwingt, am laufenden Band Antworten auf Druck und Terror zu finden, gleichzeitig Solidarität mit den Angehörigen von Terroropfern zu zeigen und ihnen Hoffnungen zu machen, zu denen es vielleicht schon keinen Anlass mehr gibt, aber für Heyer hat das alles keine Bedeutung. Was Bibi sagt, ist vom Teufel, seine entschlossene, aber auch mitfühlende Ansprache an die Israelis wertet sie als „Brandrede“, und dass der Regierungschef – gibt’s denn so was? – auch noch Mahmud Abbas mitverantwortlich macht, nur weil der sich gerade mit der Hamas verbündet hat, geht natürlich gar nicht. „Lautstark“ macht er das auch noch, meint Heyer, die vielleicht nicht an der Journalistenschule, aber doch in der täglichen Praxis gelernt hat, wie man unliebsame Typen mit negativen Attributen zur Minna macht, gern garniert mit einem unvorteilhaften Foto des Prügelknaben. Im Spiegel hat das seit jeher Tradition; schon vor 30 Jahren haben andere Regierungschefs etwas „bekräftigt“ oder „klargestellt“, nur Begin „tönte“ immer. Was die Stimmungsmache betrifft, hat Heyer den Bogen raus, sie weiß, wenn man Netanjahu oft genug als Hardliner bezeichnet, wird’s gefressen. Und nur zu gern, wie ein Blick in die Hölle zeigt, die sich bei Spiegel online „Forum“ nennt.
 
Da Palästinenser nach der gängigen Medienstrategie immer nur als hilflose Objekte, niemals aber als handelnde – und damit auch verantwortliche – Subjekte dargestellt werden, gilt es auch in diesem Fall, die Juden nicht als Opfer zu benennen. Zwar sind es die Israelis, die seit einer Woche um drei verschleppte Minderjährige bangen, aber wirklich leiden müssen einmal mehr die Palästinenser: Die bedauernswerten Menschen, die von den Razzien im Westjordanland betroffen sind! Und was erst der Bevölkerung im Gazastreifen droht, „die bereits seit Monaten darbt“! Wieder so eine Information, die Heyer exklusiv hat; zwar wird die „humanitäre Katastrophe“ in Hamastan seit dem Abzug der Israelis vor neun (!) Jahren immer mal wieder bemüht, aber noch hat sich niemand zu Tode gedarbt, eher im Gegenteil, und wenn jemand in dem Küstenstreifen hungert oder dürstet, dann nur nach einem Dschihad gegen die Juden.

Da ist dann Julia Amalia Heyer gern bereit, im Propagandakrieg die helfende Hand zu reichen. Im Jahr 2014 ist das in einem deutschen Massenmedium überhaupt kein Problem mehr, schließlich feiert man das Bündnis zweier Terrorgruppen inzwischen landauf, landab als begrüßenswerte „Versöhnung“, die wundersamerweise den Frieden zu befördern vermag. Unter die Räder kommt dann eben der jüdische Staat, der aus übertriebener Sorge um drei jugendliche Bürger in Feindeshand mal wieder völlig unverhältnismäßig reagiert und aus der „Tragödie“ auch noch eiskalt „den maximalen politischen Nutzen“ ziehen will. Da alles, was Israel tut oder unterlässt, unter allen Umständen falsch und verwerflich sein muss, ist ein Gesetz, das „den Austausch oder die Begnadigung von Gefangenen in Zukunft schlicht verbietet“ und das man für sinnvoll halten muss, soll sich der Rechtsstaat nicht auf ewig erpressbar machen, für Heyer selbstredend eine Monstrosität, ebenso unstatthaft wie eines, „das die Zwangsernährung hungerstreikender Häftlinge erlaubt“ und so dem ersehnten Märtyrertum einen Riegel vorschiebt.
 
Derweil halten die Palästinenser seit einigen Tagen feixend drei gespreizte Finger in die Kameras, Ausdruck ihrer unbändigen Freude über die Entführung der drei Jugendlichen, aber die grassierende Soziopathie in den Gebieten, die seit zwei Jahrzehnten von Fatah und Hamas beherrscht werden, ist für Julia Amalia Heyer und ihresgleichen natürlich kein Thema. Das könnte die Feinde Israels nicht gut aussehen lassen, das wäre fatal, also wird es, wie die Erziehung zum Judenhass, die Ermordung von „Kollaborateuren“ und ähnliche in Palästina gern gepflegte Traditionen, stillschweigend unter den Teppich gekehrt.

Die letzte Tinte spart man sich auf, um vor der Gefahr zu warnen, die von den Juden ausgeht. An so einer Presse hätte das Humpelstilzchen vor 70 Jahren seine helle Freude gehabt.

 

Caroline Glick, israelische Journalistin amerikanischer Herkunft, erklärt die Zweistaatenlösung für gescheitert – und plädiert stattdessen für eine bisher kaum erörterte Option.

Wie nennt man eine Abfolge von antijüdischer Hetze, unfassbar heimtückischen Terroranschlägen in großem Stil und darauf folgenden Antiterrormaßnahmen, einseitigen israelischen Zugeständnissen, die von Gesten des bösen Willens beantwortet werden, Märtyrerglorifizierung und fruchtlosen Gesprächen?

Richtig: “Friedensprozess”.

Der nahöstliche „Friedensprozess“, vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen, spaltete von Anfang an. Für naive Gemüter bedeutete er nicht weniger als das Ende des israelisch-arabischen Konflikts; für diejenigen am anderen Ende des Spektrums (vulgo: ultrarechte Friedensfeinde) war er eine Totgeburt und seine Folgen wurden in düsteren Farben ausgemalt. Die dazwischen klammerten sich an die Hoffnung, es werde schon irgendwie gutgehen, schließlich sei die „Zweistaatenlösung“ gewissermaßen alternativlos.

20 Jahre nach Arafats Ankunft in den Gebieten, nach einer weiteren “Intifada” mit Tausenden von Terroranschlägen und ebenso vielen Toten, nach Arafats und Abbas´ Ablehnung sämtlicher Kompromissvorschläge und dem unverhohlenen Versuch, den jüdischen Staat auf allen möglichen Umwegen zu bekämpfen weiß man, jedenfalls in Israel, dass die Skeptiker – leider – Recht behalten haben. Hinzu kommt, dass die im arabischen Raum nahezu täglichen Bekenntnisse zur Vernichtung Israels im Westen nicht zur Kenntnis genommen werden, ebenso wenig wie die antijüdische Hetze in palästinensischen Kindergärten, Schulen und sämtlichen Medien. Außerhalb der Palästinensergebiete, insbesondere im Libanon und im Iran, sieht es nicht besser aus. Klar scheint: So, wie es ist, kann es wohl nicht weitergehen. Zwar können beide Seiten aus verschiedenen Gründen gar nicht so schlecht mit dem Status Quo leben, dennoch wird er gemeinhin als unerträglich empfunden – Dutzende von mit großen Hoffnungen entworfenen und wieder eingestampften Friedensplänen sprechen eine deutliche Sprache. Die gute alte “jordanische Option” wäre nach wie vor attraktiv – mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass Jordanien nicht mitmachen würde.

Die palästinensische Lösung – Israel löst sich in Wohlgefallen auf oder wird überrannt und vernichtet, um eine vermeintliche Ungerechtigkeit der Geschichte zu tilgen – stößt wiederum in Israel auf wenig Gegenliebe. Ein bedingungsloser Abzug der Israelis aus sämtlichen im Präventivkrieg 1967 eroberten (manche sagen: befreiten) Gebieten, wie er von nicht wenigen Wahnsinnigen gefordert wird, hätte unweigerlich den nächsten Krieg in Rekordzeit zur Folge. Mein persönlicher Favorit (die Palästinensergebiete werden von einigen wenigen Nationen, in denen die Vernunft noch zuhause ist, unter Kuratel gestellt und unter ihrer Verantwortung mit Demokratie und zivilgesellschaftlichen Normen bekannt gemacht, bis eines Tages friedliche Koexistenz möglich ist, was allerdings ein, zwei Generationen dauern kann) wird unverständlicherweise so gut wie gar nicht in Erwägung gezogen.

Zeit, die verbliebenen Optionen zu erörtern.

1. Die Zweistaatenlösung – ein Staat für die seit den 70er-Jahren als Palästinenser bezeichneten Araber und einer als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes. Sie ist aufgrund der zahllose Male unter Beweis gestellten arabischen Weigerung, sich dauerhaft mit der Existenz des Staates Israel abzufinden, auf absehbare Zeit nicht zu realisieren.

2. Eine Teilannexion der umstrittenen Gebiete in Judäa & Samaria / Westjordanland (es handelt sich hier um die großen Siedlungsblöcke in Nähe der ehemaligen Waffenstillstandslinien), derzeit in Israel etwa vom nationalreligiösen Politiker Naftali Bennett ins Gespräch gebracht, oder ein größerer einseitiger Rückzug Israels wäre eine weitere Option; viele Israelis sind allerdings aufgrund der Erfahrungen mit militärischen Rückzügen (Teile der Westbank ab 1994, Libanon 2000, Gaza 2005,), die allesamt mit Terroranschlägen, massivem Raketenbeschuss israelischer Ortschaften und Kidnappings israelischer Soldaten zwecks Gefangenenfreipressung beantwortet wurden, nicht wirklich erpicht auf die möglichen Folgen. Zumal nicht einmal militärische Maßnahmen als Reaktion auf Attentate und Raketenangriffe von der Welt goutiert werden.

3. Bleibt die Option, die Westbank zu annektieren. Die dort ansässige Bevölkerung zu vertreiben (wie es bei einem umgekehrten Kräfteverhältnis zweifellos geschehen würde und auch 1948/49 bereits geschah), kommt in Israel so gut wie niemandem in den Sinn; also wären die Palästinenser einzubürgern. Eine Aussicht, die die meisten Israelis schreckt – schließlich haben sie sich aus Sorge, irgendwann zur Minderheit im eigenen Land zu werden, überhaupt auf den verhängnisvollen „Friedensprozess“ eingelassen, der dann mehr Opfer gefordert hat als die Zeit davor. Die Politik der Abkopplung, der die meisten Israelis derzeit anhängen, hat zum Ziel, sich lieber früher als später von den Gebieten – bzw. 90 Prozent plus X von ihnen – zu trennen.

Hier setzt Caroline Glick an. Die vor allem als Hardcore-Kolumnistin der Jerusalem Post bekannte Journalistin plädiert für eine Annexion Judäas und Samarias, sowohl aus historischen Gründen als auch im Rahmen des Internationalen Rechts (das, anders als gemeinhin angenommen, keineswegs die Ansprüche der Palästinenser stützt). Israel sei dann vielmehr “legitimer Souverän, nicht Besatzungsmacht”. Das Entscheidende dabei ist: Glick behauptet, die größte Sorge der Israelis – im Rahmen einer Einstaatenlösung dereinst zahlenmäßig unterlegen zu sein – entbehre ihrer Grundlage. Der Knackpunkt sei, dass die als real hingenommene Zahl der Palästinenser in Judäa & Samaria / Westbank um mindestens 50 Prozent übertrieben sei. Sie beruhe auf getürkten Statistiken des PCBS (Palestinian Cantral Bureau of Statistics) aus dem Jahr 1997, in denen die Zahl der Palästinenser aus politischen Gründen hochgejazzt worden sei. So habe man Jerusalemer Araber sowie Exilpalästinenser mitgezählt, ebenso wie Palästinenser aus den Gebieten, die nach Eheschließungen mit Arabern aus Israel dorthin zogen und seither israelische Staatsbürger sind, und die Geburtenrate viel zu hoch angesetzt: Zwischen 2001 und 2011 sei etwa die Fertilitätsrate in der Westbank um mehr als ein Viertel gesunken, von 4,08 Kindern pro Frau auf 3,05; in Gaza von 5,69 auf 4,74. Die Zahlen stattdessen aufzublasen, geschah offensichtlich in der Absicht, Druck auf die Israelis auszuüben, die sich vor der „demographischen Zeitbombe“ fürchteten.

War die Zahl der in Judäa, Samaria und Gaza lebenden Palästinenser schon um 1,34 Millionen Köpfe zu hoch angesetzt, so Glick unter Berufung auf diverse durchaus glaubwürdige Statistiken, so wurden die Hochrechnungen für die nächsten Jahrzehnte ebenfalls entsprechend inflationiert. Dabei sei die vermeintliche „demographische Bombe“ in Wahrheit ein Blindgänger. Von diesem Punkt hängt Glicks Argumentation entscheidend ab: Ihre „Israeli Solution“ kann nur funktionieren, wenn die jüdische Mehrheit in Israel dauerhaft sichergestellt ist. Diese sieht vor, dass Gaza draußen bleibt; Glick verzichtet dankend, u.a. wegen der mangelnden historischen Bindung des jüdischen Volkes an das Gebiet und wegen des mutmaßlich zu gewärtigenden Kleinkriegs, in den Israel nach einem Sturz der dort herrschenden Hamas verwickelt würde. Man habe es also nur mit den Palästinensern diesseits des Jordans zu tun, deren Zahl, siehe oben, inflationiert sei: Statt der behaupteten 2,42 Millionen Araber lebten nur 1,41 Millionen in der Westbank. Ein Argument, das jedem einleuchtet, der häufiger durch das fragliche Gebiet gereist ist – menschenleere aride Gegenden, kleine Dörfer, einige wenige größere Städte – und sich gefragt hat, wo zum Henker sich die angeblich zweieinhalb Millionen Palästinenser wohl versteckt haben mögen.

Die Zahlen, die Caroline Glick anführt, sollen ihre These stützen, dass bei einer Annexion Judäa und Samarias (noch einmal: nicht Gazas!) und dem Angebot an alle dort lebenden Araber, israelische Staatsbürger zu werden, dennoch eine solide jüdische Zweidrittelmehrheit gewährleistet sei.

Nun ist die Frage, wie seriös Caroline Glicks demographisches Modell ist. Vielleicht liegt sie richtig, vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte; dass die Zahlen des PCBS stimmen könnten, wäre nach aller Erfahrung mit der unverfrorenen palästinensischen Propaganda eine Sensation. Aber auch wenn Glick richtig läge: Wäre eine Zweidrittelmehrheit für Israel beruhigend oder überhaupt wünschenswert? Ja, sagt die Autorin; die neuen arabischen Mitbürger würden sich – wie die bereits in Israel existente arabische Bevölkerung von 1,7 Millionen – anpassen und die Vorteile des Lebens in einer liberalen, pluralistischen Demokratie zu schätzen wissen. Die älteren unter den Westbank-Palästinensern könnten sich noch gut an die Vorteile der „israelischen Besatzung“ erinnern. Damals konnte man sich als Palästinenser in Israel relativ frei bewegen, die meisten hatten dort einen Job, im Bildungs- und Gesundheitswesen verbesserte sich die Lage immens, die Urbanisierung nahm zu. Wie trostlos dagegen die Gegenwart: Unter der Herrschaft der PLO werden Kritiker drangsaliert, „Kollaborateure“ hingerichtet, wird die Jugend auf den „Heiligen Krieg“ gegen die Juden eingeschworen, verschwinden Milliardenhilfsgelder aus dem Ausland in den Taschen der herrschenden Gruppen.

Man kommt nicht umhin, Caroline Glick in den meisten Punkten zuzustimmen. Sie schätzt die Natur dieser Gruppen, von der vermeintlich gemäßigten Fatah bis zur islamistischen Hamas, im Gegensatz zu simplen Gemütern im Westen völlig richtig ein; sie skizziert deutlich den Charakter und das zweifelhafte Lebenswerk palästinensischer Nationalheiliger wie dem Großmufti Hadsch Amin el-Husseini und Yassir Arafat ebenso wie dem derzeitigen „Palästinenserpräsidenten“ Mahmoud Abbas, der die Attentäter von München 1972 finanzierte, in seiner Doktorarbeit den Holocaust leugnete, 40 Jahre lang Arafats Pudel war und heute Terroristen vor laufender Kamera zu Helden erklärt und üppig auszahlt (mit unser aller Steuergeldern übrigens). Sie beobachtet sehr genau die „wenig hilfreiche“ respektive unselige und schändliche Rolle Europas und die Naivität der US-Regierungen, die seit 20 Jahren meinen, Appeasement gegenüber der arabischen Welt und Druck auf Israel könnten sie in der nahöstlichen Region beliebter machen – nur um festzustellen, dass Amerika dort längst als taumelnder Riese wahrgenommen wird, der seinen einzigen Verbündeten, Israel, schmählich im Stich lässt. Die Ansicht Obamas, der israelisch-palästinensische Konflikt sei für die Instabilität der Region verantwortlich (statt zu erkennen, dass es sich genau umgekehrt verhält, dass nämlich die grausamen Zustände in der arabischen Welt den Nahostkonflikt perpetuieren), geißelt Glick zu Recht als blauäugig. Und die Tendenz, die Schaffung eines Palästinenserstaates unter allen Umständen zu unterstützen – gleichgültig ob mit oder ohne Hamas, mit oder ohne Anerkennung des israelischen Existenzrechts, mit oder ohne Ablehnung des Terrorismus – sieht sie als verheerend an.

Natürlich spielt Glick die möglichen Reaktionen im Fall einer Durchsetzung der „israelischen Lösung“ durch: die der Palästinenser selbst, der Ägypter und Jordanier (Friedensverträge!), Syrer (Bürgerkrieg!), Libanesen (Hisbollah!), die voraussichtliche Reaktion Europas. Sie fallen, je nach Voraussetzung, mehr oder weniger unangenehm bis kaum juckend aus, wobei der gern bemühte „Flächenbrand“ auch hier ausbleiben dürfte. Entscheidend sei jedoch, dass die USA zu ihrem strategischen Verbündeten Israel stünden, mit dem man gemeinsame Werte teile. Die Wiedervereinigung Jerusalems nach dem Sechstagekrieg 1967, die Erklärung, Jerusalem bleibe „unteilbare Hauptstadt“ (1980) und die Annexion der Golanhöhen (1981) hätten international einigen Wirbel heraufbeschworen, seien aber letztlich ohne gravierende Folgen geblieben.

Von der Welt trotz des fortgesetzten PLO- und Islamistenterrors, der Weigerung, Israel anzuerkennen und der palästinensischen Intransigenz während sämtlicher „Verhandlungen“ im Stich gelassen, täte Israel gut daran, endlich zu tun, was in seinem Sinne sei. Und die USA – schließlich richtet sich Glicks Publikation an ein amerikanisches Publikum – täten gut daran, den One-State Plan zu unterstützen, auch und gerade aus Eigeninteresse. Natürlich wisse sie, so die Autorin, dass auch ihr Vorschlag nicht ohne Nachteile sei und möglicherweise Risiken beinhalte; angesichts der Tatsache, dass alle bisherigen Lösungsversuche krachend gescheitert seien, habe das Szenario aber sehr viel für sich.

Da auf absehbare Zeit keine Situation denkbar erscheint, in der, wie in einer biblischen Vision, der Löwe friedlich neben dem Lamm ruhen könnte (es sei denn, man gibt dem Löwen jeden Morgen ein frisches Lamm), ist diese Argumentation nicht ganz von der Hand zu weisen. Und angesichts des allzu oft erlebten Procederes, dass alles, was Israel unternimmt oder unterlässt, auf meist bösartige bis absurde Kritik trifft, wären selbst die harschesten Reaktionen auf die Umsetzung von Glicks Plan zu verschmerzen. Ob die Israelis aber auf ihrer Suche nach einem Ausweg aus der vollkommen verfahrenen Situation früher oder später diese oder ähnliche Optionen in Betracht ziehen könnten, hängt weniger von ihnen selbst ab als davon, ob die Palästinenser von ihren feuchten Träumen lassen oder in ihrer Verweigerungshaltung verharren – und was der Westen, der diesen Irrsinn finanziert, aus dem Debakel der vergangenen 20 Jahre zu lernen bereit ist.

 

Caroline Glick:
The Israeli Solution
A One-State Plan for Peace in the Middle East
New York 2014

 

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