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Es ist soweit

Aus aktuellem Anlass erinnern wir heute an einen Beitrag aus dem SoE-Archiv: Blinder Fleck.

Dass offenbar noch in 100 m Entfernung Kinder durch das israelische Geschoss verletzt wurden, erklärt sich anscheinend durch die verwendete Munition. Offen bleibt jedoch, warum Schatten ein beträchtliches Stück wandern, bevor den Kindern erste Hilfe geleistet wird.

Generell gilt: Nicht nur für einen Panzerkommandeur ist ein Kameramann mit geschulterter Kamera nicht von einem Terroristen mit Panzerfaust zu unterscheiden. Schon gar nicht in der frontalen Ansicht, die sich offenbar den israelischen Soldaten bot.

Update am 20.04.2008

Entweder es stimmt nicht, dass Israels Armee seit Jahren mit Vorsatz Journalisten ins Visier nimmt - oder Zahal ist heillos inkompetent:

Shana, a 23-year-old cameraman for the Reuters news agency, was the first Gaza journalist to be killed in the territory in the past eight years of Israeli-Palestinian fighting.

Eight other journalists have been killed covering the West Bank and Gaza Strip since 1992, according to the New York-based Committee to Protect Journalists.

No Berlin stop for Shoa train because Germany’s railways must run on time

(Jerusalem Post-Printausgabe)

Herr Olmert und Herr Assad scheinen einander nicht wirklich gut zu verstehen.

Gretchenfrage

Wir sind generell pro Rechtschreibung (siehe auch hier).

Update am 19.04.2008

Gruß an “Andre”, dessen Fanpost wir leider nicht komplett veröffentlichen können:

Und ihr kleinen Frettchen meint wohl, weil ihr schon ein paar Buchstaben auf dem PS tippen könnt, seit ihr den Journalisten der etablierten Tageszeitungen überlegen.

Archäologenwitz

Einer der schlechtesten Archäologenwitze der Welt geht so: “In Ägypten hat man Draht gefunden, also kannten die Ägypter die Telegrafie. In Syrien hat man keinen Draht gefunden, also kannten die Syrer die drahtlose Telegrafie.”

Von einem noch schlechteren berichtet Die Jüdische:

Israel wird den Palästinensern alle archäologischen Funde, die seit 1967 im Westjordanland und in Ostjerusalem ausgegraben worden sind, einschließlich derer aus Ostjerusalemer Museen, übereignen, während die Palästinenser erwägen werden, Israel Gegenstände von „tiefem symbolischen Wert“ für das jüdische Volk langfristig zu leihen. So steht es im ersten Abkommen seiner Art, das zwischen israelischen und palästinensischen Archäologen in der Angelegenheit der archäologischen Funde im Rahmen eines zukünftigen Friedensabkommens unterzeichnet worden ist.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Israelische Archäologen sprechen sich dafür aus, die wichtigsten Artefakte zur Geschichte des jüdischen Volkes in die Obhut von Leuten zu geben, die wahlweise die Existenz jüdischen Kulturguts in Erez Israel leugnen oder ebensolches zerstören (gerne auch beides gleichzeitig).

Auch die einzige Einschränkung dürfte für die Palästinenser kein Problem darstellen:

Außerdem wurde in dem Abkommen vereinbart, dass Funde nur dann an ihre Herkunftsländer zurückgegeben werden, wenn die andere Seite die technischen Möglichkeiten hat, sie angemessen zu pflegen.

Streichholz und Benzinkanister sollten so schwer schließlich nicht aufzutreiben sein.

Wenigstens für die Qumran-Rollen gibt es noch Hoffnung:

Um jedoch die israelische Bindung an die Rollen zu wahren, die als wichtigster Fund der Erforschung der Geschichte des jüdischen Volkes im Land Israel gelten, werden beide Seiten „Leih- oder Tauschabkommen“ erwägen. Dr. David Ilan sagte, dass bei den Gesprächen von der Möglichkeit einer Leihgabe über einen Zeitraum von 999 Jahren die Rede sei.

Und wir freuen uns schon jetzt auf das Tausendjährige Palästinensische Reich.

GASTBEITRAG VON LIZAS WELT.

Wenn man die Beiträge überregionaler deutscher Printmedien zum Thema Israel halbwegs regelmäßig studiert, kommt man um eine Erkenntnis nicht herum: Sowie es darum geht, die eigenen Korrespondenten samt ihrer Berichte durch so genannte Experten politisch und moralisch zu salvieren, sind es die immer gleichen Kronzeugen, die von FAZ bis taz und vom Spiegel bis zur Frankfurter Rundschau zum Interview oder an die Tastatur gebeten werden. Mal ist es Uri Avnery und mal Felicia Langer, mal Alfred Grosser und mal Moshe Zuckermann, mal Evelyn Hecht-Galinski und mal Rolf Verleger. Diese Damen und Herren haben dabei zwar stets nur die gewohnten frenetischen Anklagen gegen den jüdischen Staat zu bieten, aber die Stammkundschaft schätzt an ihrer Lieblingszeitung ja vor allem die Verlässlichkeit, mit der vertraute Positionen immer wieder aufs Neue heruntergebetet werden – schließlich ist die Wiederholung die Mutter aller Weisheit. Gelegentlich ist dieses Ritual aber sogar den Chefredakteuren zu fad, und immer dann ist es Zeit für eine so genannte Außenansicht, also für einen ins Deutsche übersetzten Artikel eines vermeintlichen Experten, den die Leser zwar noch nicht kennen, der aber qua Funktion und Herkunft für reichlich Authentizität bürgen soll.

Also ließ die Süddeutsche Zeitung unlängst Henry Siegman zu Wort kommen, den Präsidenten des US/Middle East Project und früheren Direktor des American Jewish Congress. „Israels falsche Freunde“ war seine Grundsatzerklärung markig überschrieben, und gleich in den einleitenden Zeilen brachte er sein Credo auf den Punkt, das zugleich das Vaterunser jedes Antisemiten ist, der mit der Zeit geht: „Die Europäer glauben, aus Sühne für den Holocaust müssten sie alle Taten des jüdischen Staats dulden – doch damit schaden sie ihm.“ Die „Israelkritik“ als ultimative „Lehre aus der Geschichte“ und als selbstloser Freundschaftsdienst also. Nun sind EU-weit nachweislich fast 60 Prozent allen Ernstes der Ansicht, dass Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellt, und im Nachfolgestaat des Dritten Reiches fühlen sich sogar 65 Prozent vom jüdischen Staat bedroht – so viel zum Thema „Sühne für den Holocaust“. Aber um solche Widersprüche schert sich natürlich nicht weiter, wer die hochgradig ideologische Botschaft zu vermitteln trachtet, dass Israel sozusagen hochoffiziell die Erinnerung an die Shoah missbraucht, Europa aus schlechtem Gewissen kuscht und damit eine „Lösung“ des „Nahostkonflikts“ nachgerade sabotiert wird.

Dabei könnte alles so einfach sein, hörte man nur auf Henry Siegman: „Selbst wenn man von allen Sünden absieht, die man den Palästinensern zuschreiben kann – ihre desaströse Führung, der missglückte Aufbau politischer Institutionen, die mörderische Gewalt der Widerstandsgruppen: Es gibt keine realistische Perspektive für einen souveränen palästinensischen Staat“, befand er. Warum man eigentlich von diesen „Sünden“ absehen soll, wäre schon interessant zu erfahren; schließlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass just sie es sind, die eine „realistische Perspektive für einen souveränen palästinensischen Staat“ verhindern. Doch für Siegman besteht die Misere zuvörderst darin, dass „die zahlreichen israelischen Regierungen von 1967 bis heute nie die Absicht hatten, einen solchen Staat Wirklichkeit werden zu lassen“, sondern stattdessen stets bezweckt hätten, „den Palästinenser-Staat so lange hinauszuzögern, bis bestimmte Sicherheitsbedürfnisse erfüllt sind“; zudem hätten sie „die Räumung und Teilung palästinensischen Landes“ auf eine Weise betrieben, „bei der jedes Kind weiß, dass sie einen palästinensischen Staat unmöglich macht“.

Was Kinder wissen, weiß Siegman also ganz genau, aber das erstaunt angesichts seiner eigenen infantilen Auffassungsgabe auch nicht sonderlich. Israel kann tun und lassen, was es will – es ist in den Augen von Siegman und Seinesgleichen immer falsch, bösartig, reine Taktik oder alles auf einmal: Israel kann den Palästinensern in Verhandlungen weit reichende Angebote machen – um sich hinterher anzuhören, dass es „nie die Absicht hatte, einen palästinensischen Staat Wirklichkeit werden zu lassen“. Es kann aus dem Gazastreifen abziehen – um sich anschließend sagen zu lassen, dass es genau dadurch „einen palästinensischen Staat unmöglich macht“. Es kann die selbstverständliche Forderung stellen, nicht mit Selbstmordattentätern und Raketen angegriffen zu werden – um hernach vorgehalten zu bekommen, „den Palästinenser-Staat hinauszuzögern“. Damit ist Siegman aber noch lange nicht am Ende: „Angesichts der überwältigenden Ungleichheit der Kräfte zwischen Besatzern und Besetzten wundert es wenig, dass israelische Regierungen einen regelrechten Heißhunger auf palästinensisches Land entwickelt haben.“ Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte, dass einem Staat ein Rückzug als Expansionsdrang ausgelegt wird. An der grenzdebilen Logik solcher Auslassungen stößt sich aber niemand, denn Realitätsfremdheit ist ein wesentliches Prinzip der „Israelkritik“.

Und weiter geht’s: „Solange Israel glaubt, sich mit dem Hinauszögern des Friedensprozesses Zeit kaufen zu können, um unwiderruflich Fakten zu schaffen – solange kann kein Friedensprozess gelingen“, glaubt Siegman. „Und wenn die Völkergemeinschaft Israel weiterhin die Behauptung abkauft, sein Wunsch nach einer Zwei-Staaten-Lösung werde durch die Palästinenser enttäuscht, wird deren Vertreibung in der Tat unumkehrbar.“ Die Palästinenser sind in Wahrheit nämlich die größten Fans einer Zweistaatenlösung, weshalb sie zu Beginn des Jahres 2006 auch bevorzugt die Hamas gewählt haben, die bekanntlich tagein, tagaus nichts anderes tut, als mit vielfältigen und kreativen Mitteln (wie Brandreden, Raketen und menschlichen Bomben) für eben diese Lösung einzutreten und ihren „Vertriebenen“ Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Für Letzteres hat man hierzulande natürlich besonders viel Verständnis; die Palästinenser sind ja quasi so etwas wie die Sudetendeutschen des Nahen Ostens.

Fast noch schlimmer als israelische Regierungen findet Siegman allerdings die europäischen Obrigkeiten; schließlich seien sie es, die „vor dem Hintergrund ihrer Schuld am Holocaust“ den jüdischen Staat so überaus nachsichtig behandelten und ihm dadurch bei der Palästinenserquälerei den Rücken frei hielten. Das müsse ein Ende haben, fordert er: „Was von den Staats- und Regierungschefs nun verlangt wird, sind keine weiteren Friedenskonferenzen oder clevere Korrekturen früherer Erklärungen – sondern der moralische und politische Mut, ihre Kollaboration mit jenem Riesenschwindel zu beenden, zu dem der Friedensprozess geworden ist.“ Und für diesen „Riesenschwindel“ zeichne nun einmal Israel verantwortlich, meint Siegman, der stattdessen auf die so uralte wie erwiesenermaßen grundfalsche Formel „Ende der Besatzung = Frieden“ setzt. Doch er geht sogar noch weiter und behauptet, Israels „Pläne für das Westjordanland“ seien „nicht viel anders als die der arabischen Streitkräfte, als sie 1948 den Staat Israel angriffen – ihr Ziel war die Annullierung des UN-Teilungsplans von 1947“.

Dieser besonders dreiste Geschichtsrelativismus eröffnet den „Israelkritikern“ eine ganz neue Option: Wem die allseits beliebte Ansicht, die Juden verführen mit den Palästinensern genauso wie dereinst die Nazis mit den Juden, dann doch einen Tick zu hart ist, stellt sich jetzt einfach auf den Standpunkt, die Israelis handelten heute wie die Araber damals. Dabei muss man praktischerweise noch nicht einmal die allfällige Legende von der „Naqba“ aufgeben, denn die verträgt sich bestens mit dieser völligen Verdrehung von Ursache und Wirkung. Womöglich erfährt man von Henry Siegman demnächst auch, dass die Palästinenser den UN-Teilungsplan, von der Weltöffentlichkeit unbemerkt, längst anerkannt haben. Zuzutrauen ist es einem, der kürzlich in der International Herald Tribune lautstark „Bring in Hamas!“ forderte, allemal. Und dann ist in der Süddeutschen oder einem anderen „israelkritischen“ Organ die nächste „Außenansicht“ fällig.

Guck-Befehl

Der bisher beste Streich von Modeikone David Harnasch.

Immer wenn von der „Apartheidmauer“ die Rede ist, stellt man sich als halbwegs normal denkender Mensch eine eigentlich recht nahe liegende Frage: Was sollte eine „Apartheidmauer“ nützen, wenn mehr als 1,4 Millionen Araber (20 Prozent der Bevölkerung) diesseits der Sperranlage leben?

In seinem Bestreben, Israel eine Apartheidpolitik zu unterstellen, die „weit über die Südafrikas hinaus“ geht, verfährt John Dugard nach der sattsam bekannten Methode aller nicht ernst zu nehmenden Israel-„Kritiker“: Prangere die unangenehmen Folgen des Terrorismus an, ohne den Terrorismus überhaupt zu erwähnen. Aber nur wer noch nie von einem Selbstmordattentat gehört hat, wähnt hinter gezielten Tötungen (Dugard: „Morde“) von Terroristen, dem Bau einer Sperranlage oder der Errichtung von Checkpoints Rassismus und Willkür.

Ja, die in Israel angeblich praktizierte „Apartheid“ ist schon eine ganz spezielle. Schließlich wählen die „ausgegrenzten“ arabischen Bürger die Knesset und stellen Angeordnete. Sie nehmen auf denselben Parkbänken Platz, fahren in denselben Bussen, besuchen mitunter dieselben Strände und Museen und essen in denselben Restaurants wie die jüdischen Bürger. Und in den Krankenhäusern des Landes arbeiten arabische und jüdische Ärzte und Pfleger Seite an Seite – für jüdische und arabische Patienten.

Um zu zeigen, wie bekloppt Dugards Argumentation ist, seien hier einige besonders prominente Opfer der „Apartheid“-Politik in Israel aufgezählt – etwa Rana Raslan (Miss Israel 1999), Raleb Majadele (Minister für Wissenschaft, Kultur und Sport) und Abdel Rachman Zuabi (Richter am Obersten Gerichtshof).

Und wie zum Henker gelangten Abas Suan und Walid Badir in den Kader der israelischen Fußball-Nationalmannschaft?

Mysterien, die wohl nur ein UN-Menschenrechtler erklären kann. Wir sind gespannt.

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Wenn der Weise auf den Mond zeigt, so heißt es, schaut der Dumme auf den Finger. In diesem Sinne wäre für den gemeinen Israelkritiker eine ehrliche und gründliche Auseinandersetzung mit den Ursachen des Nahostkonflikts einerseits der Parteinahme für die Palästinenser abträglich, andererseits aber schon als glatte Überforderung nicht zumutbar. Er möchte es gern simpel. „Die Juden haben den Palästinensern das Land weggenommen“ – davon ist er überzeugt. Denn, nicht wahr: Palästina ist ja immer kleiner geworden im Lauf der Jahrzehnte. Das wurde das Deutsche Reich zwischen 1941 und 1945 zwar auch, doch käme kein vernünftiger Mensch auf die Idee, in einer Grafik das stetige Zusammenschmelzen der Reichsgrenzen als historische Ungerechtigkeit anzuprangern und den aggressiven Alliierten anzulasten.

Vernunft ist nun aber keine Tugend, die man dem Antizionisten nachsagen könnte. Er appelliert überwiegend an das Bauchgefühl, belegbare Tatsachen würden da als störend empfunden. Also bastelt er eine obskure Grafik, die den „Landraub“ belegen soll, welcher dem palästinensischen Volk, das sich erst seit den 60er-Jahren als solches begreift, angeblich seit Mitte der 40er-Jahre widerfährt. Vier Karten, die dem ahnungslosen, aber gewöhnlich bemerkenswert meinungsstarken Betrachter zur Bestätigung des Vorwurfs reichen sollen, ohne Petitessen wie das Zustandekommen von Teilungsplänen, die demographischen Verhältnisse, Kriegsursachen, Friedensangebote, angekündigte und vollzogene Rückzüge, das Verhalten der Nachbarstaaten und nicht zuletzt das selbst verschuldete grandiose Scheitern der palästinensischen Autonomie berücksichtigen zu müssen.

Genau dies soll aber im Folgenden geschehen, um die Grafik als das zu entlarven, was sie ist: ein Piktogramm für historische Analphabeten. Arendt & Co. mögen es als Nachhilfeunterricht begreifen, der verständlich, gewissermaßen zum Mitschreiben geeignet, und noch dazu – Service von SoE – völlig kostenlos ist.

Denn: Für die einen ist es „Landraub“, für die anderen die längste Propagandalüge der Welt.

Zunächst einmal halten wir fest: Einen Staat Palästina hat es nie gegeben. Das Gebiet, um das es geht, war 400 Jahre lang eine vernachlässigte Provinz am Rande des Osmanischen Reiches, dann, ab 1917, von britischen Truppen besetzt und in der Folge britisches Mandatsgebiet im Auftrag des Völkerbundes. Autonomie, geschweige denn staatliche Unabhängigkeit, genossen weder Araber noch Juden.

Die erste Grafik setzt im Jahr 1946 ein – zu diesem Zeitpunkt sind bereits seit einem Vierteljahrhundert vier Fünftel des britischen Mandatsgebiets Palästina abgetrennt, weil den Arabern überlassen worden: Transjordanien (heute das Königreich Jordanien), dessen Bevölkerung heute zu mehr als zwei Dritteln aus Palästinensern besteht.

Wir sehen dennoch großzügig darüber hinweg und befassen uns mit dem Land westlich des Jordans, wo „palästinensisches Land“ mangels „Palästinenser“ genannter Bewohner eigentlich keines sein kann. Was den Privatbesitz betrifft, so ist beinahe die Hälfte des Landes besitzerlos – vor allem die Negev-Wüste, die mehr als ein Drittel der Gesamtfläche ausmacht.

Der Teilungsplan, der im November 1947 den Vereinten Nationen zur Abstimmung vorgelegt wird, orientiert sich an den demographischen Gegebenheiten: Den Juden soll der schmale Küstenstreifen zugesprochen werden, in dem sie die Bevölkerungsmehrheit stellen, dazu der Osten Galiläas sowie der eben erwähnte unfruchtbare Negev, den Arabern der größere Rest des Landes, vor allem das biblische Kernland: Judäa & Samaria (Grafik 2).

Den „Palästinensern“ kann nichts genommen werden, weil es die Briten sind, welche die Herrschaft über das Mandatsgebiet ausüben. Ein arabischer Staat wäre ja erst noch zu gründen, so sieht es der Teilungsplan vor. Dieser Plan, Resolution 181, wird jedoch von der arabischen Führung des Landes, ja von sämtlichen arabischen Staaten abgelehnt. Statt dessen erklären die Araber dem eben ausgerufenen jüdischen Staat Israel den Krieg.

Diesen Krieg verlieren sie 1948/49 trotz zahlenmäßiger Überlegenheit mit Pauken und Trompeten. Die Folge: Israel kontrolliert ein zusammenhängendes Territorium, während das Westjordanland von Jordanien besetzt (und annektiert) wird und der Gazastreifen von Ägypten (Grafik 3). Die Schöpfer der Grafik mokieren sich also über das Schrumpfen der den Arabern zugesprochenen Landmasse infolge der Ablehnung des Plans durch diese selbst und des von ihnen vom Zaun gebrochenen völkerrechtswidrigen Angriffskrieges. Es sind logische Verrenkungen wie diese, die eigentlich jeden Anwalt der palästinensischen Sache früher oder später in den Wahnsinn treiben müssten. Ein Mandant, der notorisch lügt, Tatsachen unterschlägt und immer wieder rückfällig wird, sich aber stets zum Opfer der Verhältnisse stilisiert, ist gewöhnlich der Albtraum jedes Verteidigers.

Auch zwischen 1949 und 1967 wird kein palästinensischer Staat gegründet, weder in der Westbank (Jordanien) noch im Gazastreifen (Ägypten).

Grafik Nr. 4 setzt erst im Jahr 2000 ein und überspringt damit nonchalant zwei nicht ganz unwichtige Phasen: zum einen den – von Nasser und König Hussein verschuldeten – Sechstagekrieg, der zur Eroberung von Westbank und Gazastreifen durch israelische Truppen führt, und die kategorische Weigerung der Araber, Frieden mit Israel zu schließen (siehe auch: die „Drei Neins von Khartum“), obwohl Israel bereits kurz nach dem Krieg die Gebiete – mit Ausnahme Jerusalems – zur Disposition stellt.

Zum anderen den Oslo-Prozess, der nach dem Prinzip „Land für Frieden“ (die Araber wollen Land, die Israelis Frieden) schließlich die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaates in der Westbank und Gaza vorsieht. Als Versuchsballon dient das Gaza-Jericho-Abkommen: Israel entlässt von den Palästinensern bewohnte Gebiete in die Autonomie, ein weiteres Interimsabkommen (Oslo II) stellt alle Ballungszentren, Städte und Dörfer unter direkte palästinensische Verwaltung. Das bedeutet, dass der Besatzungsalltag für 97 Prozent aller Palästinenser vorbei ist. Statt israelischer Soldaten patrouillieren nun die Terrorgruppen Yassir Arafats (später auch die Hamas, der Islamische Jihad und die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden) durch die Straßen. Weil die PLO-Kamarilla jedoch nicht gedenkt, sich an das Prinzip „Land für Frieden“ zu halten, sondern den Terror schon bald in israelische Städte trägt, bleiben die Palästinenser auf den als Zwischenlösung gedachten Autonomie-Enklaven sitzen, die sie nun als „Flickenteppich“ und „Bantustans“ beklagen. Dabei könnten sie, mit etwas gutem Willen, längst auf 100 Prozent des Gazastreifens und 93 Prozent plus x der Westbank ihren Staat errichtet haben.

Man sieht: Vom vollmundigen „Landraub“-Vorwurf bleibt bei näherem Hinsehen nichts übrig. Im Gegenteil üben erst durch die Oslo-Abkommen mit Israel die Palästinenser erstmals die Herrschaft über Teile des Landes aus – und das mehr schlecht als recht, um es milde zu formulieren. Zusammenfassend könnte man sagen, dass es sich mit dem “Landraub” an den Palästinensern ganz so verhält wie mit der Dissertation, derer “Dr.” Reuven Moskovitz verlustig ging: Wo nix war, da is’ nix.

„Betörend verbrecherisch“ findet Rupert Neudeck den Raketenbeschuss von Sderot.

Nun, das Adjektiv „betörend“ assoziierte man bisher immer mit aufreizend, attraktiv, aufregend, reizend, berückend, gefällig, entzückend, liebenswert, sexy oder zauberhaft. Der fortgesetzte Beschuss ziviler Ortschaften hat für Neudeck also auch in seiner kriminellen Dimension noch einen gewissen Reiz. Deshalb zieht es ihn auch nicht nach Sderot, sondern dorthin, wo die Qassams abgefeuert werden. „Einen ganzen Tag“ hatte er da, um sich „in Gaza Stadt zu informieren“. Und schön war es, wie immer in Palästina:

„Wie immer in ganz Palästina, so gab es auch in dem erschütterten Gaza Zeichen überwältigender Gastfreundschaft, wir hätten dort bleiben können.“

Wie Alan Johnston.

„Eine Freundschaft, die mich als Deutschen immer sehr beschämt. So auch an diesem 19. März 2008, als ich mit Johannes Zang mich auf den Weg machte, mich über den einzigen Zugang Erez durch die hermetisch geschlossene Grenze (die dort auch eine Mauer ist) in das Monstrum Gaza aufmachte.“

Na, die Palästinenser werden schon wissen, wen sie zu ihren Freunden zählen. Hauptsache, der Tausendsassa Neudeck schafft es über eine „hermetisch geschlossene Grenze“ – so wie die humanitäre Hilfe, die offensichtlich trotz gegenteiliger Behauptungen ihre Adressaten erreicht:

„Die beiden wichtigsten Felder für humanitäre Hilfe sind abgedeckt: Die Grundnahrungsmittel kommen über die UNRWA nach Gaza hinein, und über das IKRK (Internat. Komitee des Roten Kreuzes) auch bedingt die Grundmedikamente.“

Schön, dass Häuptling Grüner Helm das mal klargestellt hat. Man hört ja so viele unterschiedliche Darstellungen.

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